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Die neue Welt · 1935-11-29 · Heft 517 (29.11.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 517 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 517 DIE NEUE WELT Seite 3 E§ ging um den Sudemtaat Aus London wird uns berichtet: In der Jcwish Historical Society hielt der erste britische Pligh Commissioner für Palästina und frühere Minister Sir Herbert Samuel einen Vortrag über „Großbritannien und P a 1 äs t i n a", der ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Juden, staatsgedankens und der Baifour-Deklaration ist. Er stellte vorerst fest, daß der jüdische Palästina-Aufbau sowohl den e n glischen Interessen dient, als auch der arabischen Bevölkerung Palästinas zugute kommt. Er schilderte dann die Rolle, die er selbst bei der Erlangung der Balfour-Deklaration gespielt hatte. Den Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. W c i zm a n n hatte er, als Mitglied des Kriegskabinetts, beim Außenminister Sir Edward G r e y kennengelernt. Am 9. November 1914 sei er für die W i e d e rh er Stellung des Juden Staates in Palästina in der Ueberzeugung eingetreten, daß dieses Ziel erreicht werden könne. Grey nahm den Vorschlag günstig auf und versprach, sich für seine Verwirklichung einzusetzen. Seine Frage, ob zu diesem Zweck auch Syrien mit Palästina vereinigt werden solle, wurde von Herbert Samuel mit der Begründung verneint, daß Damaskus und Beirut eine zu große nicht- BkwSM ■NSflMfS jüdische Bevölkerung hätten. Als wesentlich für den Judenstaat bezeichnete Samuel seine Neutralisierung und freien Zutritt zu den heiligen Stätten für christliche Pilger. Auch mit Lloyd George, der ebenfalls eifrig für die Errichtung des Judenstaates eintrat, hatte Samuel eine Unterredung. Bald aber habe sich gezeigt, daß damals fünf Sechstel der palästinensischen Bevölkerung Araber waren, also die Errichtung eines unabhängigen Judenstaates bei diesem Zustande nicht durchführbar sei. Dann wies Sir Herbert Samuel die Behauptung zurück, daß die Balfour-Deklaration einen Bruch des Versprechens bedeute, das England den Führern des arabischen Aufstands gegen die Türken gegeben hat. Niemals seien den arabischen Führern Zusicherungen dieser Art gemacht worden. Vielmehr seien in dem Versprechen, das Sir Henry Mac Mahon dem Sherif von Mekka gab, ausdrücklich die syrischen Gebiete westlich von Damaskus einschließlich Palästinas ausgenommen worden. Dagegen beziehe sich das Versprechen auch auf Transjordanien und deshalb werde die Einwanderung von Juden in dieses Gebiet von der englischen Regierung nicht gefördert. Sir Herbert bedauerte es, daß Aeußerungen, wie „Palästina soll so jüdisch werden, wie England englisch ist" (ein Ausspruch Weizmanns im Jahre 1920) oder „Das Land ohne Volk dem Volk ohne Land", getan wurden, und griff die Revisionisten an, von denen er erklärte, sie hätten „Unheil in einem Ausmaß angerichtet, das in keinerlei Verhältnis zu der zahlenmäßigen Bedeutung dieser Gruppe" stehe. Zum Schluß wies er darauf hin, daß, abgesehen von den ausgezeichneten materiellen Fortschritten, in Palästina eine neue Blüte jüdischen Geistes nur in diesem Lande herbeigeführt werden könne. Vielleicht werde einst aus dem erneuerten Palästina wieder eine große religiöse Botschaft an die moderne Welt ausgehen. Daß Herbert Samuel während seiner Amtstätigkeit in Palästina zu einem Feind der Judenstaatsidee und auch der jüdischen Großkolonisation wurde, ist bekannt und durch seine Taten (Abtrennung von Transjordanien, Ernennung des Pogromführers Emir el Husseini zum Großmufti, Sperre der jüdischen Einwanderung, Zuteilung von Staatsländereien nur an Araber usw.) leider allzu nachdrücklichst bewiesen, ebenso sein Versuch, das jüdische Palästina auf ein „geistiges jüdisches Zentrum" zu beschränken. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind daher nicht sehr interessant. Wichtig aber ist, daß dieser heutige Gegner der Judenstaatsideee den Nachweis erbringt, daß es von Anfang an um nichts anderes als den Juden Staat ging. Damit sind die Behauptungen der zionistischen Gegner des Judenstaates, daß nie an diesen gedacht wurde, endgültig als unwahr erwiesen. Es ist selbstverständlich, daß bei einem Verhältnis der Araber zu den Juden von 5 :1 ein Judenstaat nicht proklamiert werden kann. Heute ist das Verhältnis 2,5 :1 und das Ziel muß sein: Jüdische Majorität und dann der Judenstaat. Ai*abi§dhffengH§dhef Konflikt in Palästina Auf dem Rücken der Juden? Die Erregung über die Kämpfe zwisohen der Polizei und den arabischen Banden in Palästina, zu welchen die Ermordnung des jüdischen Polizisten Rosenf eld das Signal gab, hat sich noch nicht gelegt. Der Umstand, daß die Neigung chauvinistischer arabischer Kreise, den abessinisch-italienischen KonfUtk zur Unruhestiftung zu benützen, durch deutsches Geld und sonstige Einflüsse von außenher gefördert wird, rechtfertigt eine gewisse Besorgnis. Die Politik der englischen Behörden im Lande ist undurchsichtig und daher nicht geeignet, volle Beruhigung zu schaffen. Aus Jerusalem wird berichtet (J. T. A.): In englischen und jüdischen Kreisen, ja sogar in den Kreisen der arabischen Kaufmannschaft, ist man e rstaunt darüber, daß die Regierung die offene politische Hetze der arabischen.Presse, anläßlich der Unschädlichmachung einer Räuberbande zuläßt. Man fragt sich auch, warum die Erlaubnis zur Abhaltung eines öffentlichen Begräbnisses für die getöteten Bandenmitglieder erteilt wurde. Dieses Entgegenkommen habe die großen antienglischen Kundgebungen und Unruhen in Haifa ermöglicht, denen englische Polizisten zum Opfer fielen. Während einerseits die arabische Tageszeitung ,,Feiestin" auf eine Verbindung des Bandenchefs Scheich Ezz Din mit kommunistischen Kreisen hinweist, setzt die arabische Presse andererseits ihre Kampagne zur Verherrlichung der Aufrührer fort und erklärt: „Wenn die Getöteten Räuber waren, dann sind wir alle Räuber." Eine weitere Meldung, welche mit den Unruhen im Zusammenhange steht, lautet: Die arabische Tageszeitung „El Jamea el Islamia" hat eine Zuschrift des High Commissioner veröffentlicht, in der erklärt wird, die Regierung habe veranlaßt, daß die U c b e r g a b e der Ländereien von Kuskus Taboun an die jüdischen Eigentümer zurzeit nicht erfolge. Auf eine Anfrage der J. T. A. bestätigte die Regierung diese Nachricht und erklärte, der High Commissioner habe auf die jüdische Gesellschaft Meschek dahin eingewirkt, nicht auf die Uebergabe zu drängen. Der Streit um die Kuskus-Taboun-Böden dauerte mehr als vier Jahre. Im August d. J. kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Arabern, welche die Böden widerrechtlich besetzt hatten, und Juden. Ein endgültiger Entscheid zugunsten der Meschek-Gesellschaft wurde erst vor wenigen Wochen durch das Bodengericht als Be- Ktome Tube S —.90 Grefte Tab© S 1.40 rufungsgericht getroffen. Der jetzige Aufschub der effektiven Uebergabe des Bodens ist nur auf die unruhige Stimmung in Verbindung mit der arabischen Bandentätigkeit zurückzuführen. Ueber die-Nachgiebigkeit der englischen Regierung gegenüber den arabischen Aufrührern kann man noch verschiedener . Meinung sein, aber die Sistierung der vom obersten Gerichte angeordneten Uebergabe von Land an die rechtmäßigen Besitzer ist eine Handlung, JUDENSTAATSJUG END Samstag, den 7. Dezember 1935, in den Festsälen des Hotel Continental, II, Taborstraße 4 Jazz: Max und Isi Geiger Mit t e r n a c h t s a k a d e ni 1 e: Sevilla Pastor, Max Lichtegg, Viktor Claudius, die jugendliche Pianistin Lilly Haipein und Heini Goldan auf 2 Klavieren), Cäcilie Frey u. lolan KrauO. Beginn: Va9 uhr abends. Karten q$ 2.- in allen Sektionsheimen der Juderistaatspartei erhältlich tiesellsdiaftsabend \<Qk m %ot tr RA$'E„E CH TROCKEN 0| MIT SCHICK DRY SHAVER Verkauf, Vorführung und Prospekte durch J. A. Henckels, I, Kärntnerstraße 24; M. E. Mayer, I, Graben 17,1, Lobkowitzplatz 1; Parfümcrie Ritx, 1, Kärntnerstr. 22; M. Wallace, VII, Westbahnstraße 26, und in sämtlichen Filialen; A. Antonovidi, I, Stock-im-Eisen-Platz 2; Josef Hehler, VII, Neubaugasse 26. und in einschlägigen Geschäften. Europäische Generalvertretung der Schick Dry Shaver Inc., Wien VI, Dreihufeisengasse 11, Tel. A-33-3-34. Generalvertretung für Palästina: J. Sealtiel, Tel-Aviv, P. B. 950 welche das Gefühl der wirtschaftlichen Sicherheit unter« "graben muß. Wer soll sich denn trauen, Käufe und Verkäufe durchzuführen, wenn es im Belieben von Agitatoren liegt, durch Anzettelung von Zusammenstößen die Uebergabe von Gütern an den rechtmäßigen Besitzer zu verhindern, wenn der oberste Beamte im Lande, der High Commissioner persönlich den Käufer nötigt, auf sein Recht zu verzichten? Heute wird vom Erwerber verlangt, daß er auf die Besitzergreifung verzichtet, morgen wird man vom jüdischen Besitzer verlangen, daß er bereits in seinem Besitze befindlichen Boden verläßt. Alles mit Rücksicht auf die „Unruhe" irgendeiner Clique. Biii|ifiiMlliclic erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe Eine Demonstration der //Illegalen #/ Aus Jerusalem wird gemeldet: Im Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem ist es am 24. November zu außerordentlich erregten Szenen gekommen. Von allen Teilen des Landes waren sogenannte „illegale" Einwanderer herbeigeströmt, welche erst kürz« lieh gegen Erlag einer Kaution aus den Gefängnissen entlassen worden waren und denen die Strafe der Deportierung droht und besetzten die Büros der zionistischen Exekutive, wobei sie verlangten, diese möge unverzüglich Schritte unternehmen, damit die Illegalen legalisiert werden und im Land verbleiben können, wo sie sich zum Teil schon einige Jahre aufhalten. Insgesamt waren zu dieser „Belagerung" ungefähr 150 Menschen gekommen und weigerten sich, das Gebäude der Zionistischen Exekutive zu verlassen, solange sie nicht legalisiert würden. Dieser eigenartige Vorfall begann um 7 Uhr früh und war am Abend des gleichen Tages noch nicht zu Ende. Beamte der Zionistischen Exekutive versuchten die Demonstranten mit Gewalt wegzudrängen, worauf es zu einem Gedränge kam, innerhalb welchem einige Personen leicht verwundet wurden. Bisher ist die Forderung der Illegalen an die Exekutive unerfüllt geblieben. Großes Wiener Kaffeehaus mit V3 Hausanleil, vorzügliche Lage, gegen Kino, Haus oder entsprechendes Geschäft in deutscher Großstadt (Berlin, München etc.) zu tauschen gesucht. Unter „Erstkl. Ertragsobjekt" an Annoncen- Expedition A. Tausky, Wien 1, Mngerstraße 12 Der Kampf um jüdische Arbeil Aus Tel-Aviv wird uns den 25. November gemeldet: Heute wurden in Rennaih, einer Kolonie im Soharongebiet, 80 jüdische Arbeiter verhaftet und in das Gefängnis von Jaffa eingeliefert. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß die jüdischen Arbeiter versucht hätten, die Orangenpflanzung des Dr. Litwak aus Tel-Aviv zu blockieren. Dr. Litwak ist Arzt (Psychiater) in Tel-Aviv. Er hat vor nicht langer Zeit einen Pardeß (Orangenpflanzung) in Rennah gekauft und die Ernte der jetzigen Saison an einen arabischen Exporteur verkauft. Die jüdischen Arbeiter von Rennah forderten den Dr. Litwak auf, gemäß dem Beispiel anderer Plantagenbesitzer in den Vertrag mit dem Araber auch einen Punkt bezüglich. Beschäftigung jüdischer Arbeiter beim Pflücken und Verpacken der Orangen hereinzustellen, was aber Doktor Litwak ablehnte. Nun erschien der arabische Exporteur mit 25 Arbeitern, welche unter dem Schutz der Polizei mit der Ernte und der Verpackung derselben begannen. 40 jüdische Arbeiter traten in aller Ruhe mit der Forderung um Arbeit auf. Aber die Polizei wartete nicht einmal den Beginn der Verhandlungen ab und nahm sofort die erwähnten Verhaftungen vor. Kurze Zelt ipÄter Hirtlll nen abermals 40 jüdische Arbeiter, um ihre Einstellung zu erwirken, wurden aber ebenfalls verhaftet,

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