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Die neue Welt · 1935-11-29 · Heft 517 (29.11.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 517 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JIE NEUE WELT Nr. 517 Sie werden es niebereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf uras Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA- Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am oesten gegen alle Unbill des Wettees und des Alters. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. i toatkeHSfäefet Keine s<fimul?<gen Kompromisse Ich bin der Meinung, daß das Jahr 19S6 im Zeichen eines gründlichen Aufräumens mit diesen Herrschaften (Nationalsozialisten) stehen muß. Ich bin der Meinung, daß es Verrat am österreichischen Gedanken wäre, durch irgend welche schmutzige und für uns ganz unnotwendige Kompromisse diese Herrschaften womöglich noch darin mt bestärken, daß sie recht haben, zuzuwarten, wer endgültiger Sieger in Oesterreich sein wird. Ich sage; endgültiger Sieger in Oesterreich sind kv. Uns gehört Oesterreich, und wir werden Oesterreich halten gegen jeden äußeren und inneren Feind. Wir lassen ihnen daher eine nur noch kurze Spanne Zeit, es sich zu, überlegen und sich eindeutig zu Oesterreich zu bekennen oder ins Dritte Reich auszuwandern. Vizekanzler Starhemberg, Oesterreich, 1935. Zur polnischen Politik Wir haben uns nicht in die inneren Angelegenheiten Polens einzumischen. Aber es darf trotzdem mit Genugtuung festgestellt werden, daß die von diesen Versammlungen angenommenen Tagesordnungen eine bessere Haltung der Tschechoslowakei gegenüber, die Wiederherstellung .der alten, freundschaftlichen Beziehungen"zu Frankreich und die Abkehr von der deutschfreundlichen Politik der Regierung enthalten. Die Bauern bilden die überwiegende Mehrheit des Landes. Die Partei des Obersten hat höchstens 20 Prozent der Bevölkerung hinter sich. Man darf nichts übertreiben. Aber die zahlreicheren Stimmen -werden vielleicht"'"doch einmat "mit "dem Obersten Beck fertigwerden. Und für lange Zeit hat diese zweideutige Persönlichkeit mehr Aussichten, in Berlin Kredit zu geyließen als in Warschau. „Echo de Paris", November 1935. Judensdu'dcsal Auf einer Bank im Schlickplatz-Garten im 9. Wiener Bezirk brachte sich der 32jährige reichsdeutsche jüdische Journalist Fritz Bergmann je eine sechs Zentimeter lange Schnittwunde an beiden Handgelenken bei. Die Rettungsgesellschaft verband ihn und brachte ihn ins Krankenhaus. Bergmann war erst vor wenigen Tagen nach Wien gekommen, war obdachlos, hungerte .und .war allen Unbillen der Kälte preisgegeben. Meldung der Wiener Polizei, November 1935. Die wahre englische Stimmung ,Mein letzter Bericht schloß mit einem verhältnismäßig hoffnungsvollen Ausblick auf die weitere Gestaltung der stimmungsmäßigen Voraussetzungen für gute deutsch-englische Beziehungen. Leider hat sich diese Hoffnung t für die damals volle Berechtigung vorlag, nicht verwirklicht; es ist vielemhr in den letzten Wochen eine sehr stark spürbare Verschlechterung der Volksstimmung gegen Deutschland unverkennbar... Nebenher geht in aller Stille — besonders in Citykreisen — eine Flüsterhampagne, in der der nahe bevorstehende finanzielle und wirtschaftliche Zusammenbruch des Regimes in Deutschland vorausgesagt wird. — Eine ganz neue Erscheinung ist, daß auch in Sportkrei s e n eine allem Anschein nach von jüdischen Kreisen ausgehende Agitation eingesetzt hat mit dem Ziel, die nächstjährige Olympiade in Berlin zu boykottieren. Es ist im Augenblick noch nicht möglich, die Tragweite dieser letztgenannten Seite der Hetze zu beurteilen, auf die Möglichkeiten von überraschenden Entwicklungen in dieser Richtung muß aber hingewiesen werden." Londoner Geheimbericht eines Naziagenten, Herbst 1935. Die jüdische Jugend singt Das Kornmeer dehnt sich aus, Das Lied der Herde ertönt, Das ist mein Land, das sind seine Faider, Dos ist die Ebene Jesreel. Sei gesegnet, mein Land, und gepriesen Von Beth Alfa bis Nahalal; Wie spät ist es in der Nacht! Stille in Jesreel... Schlummere, Emek, herrliches Land, Wir wachen für dich! Dm Emek-Lled, Palästina, RUNDSCHAU Rekord in Schainlosigkee* Wir haben schon wiederholt auf das Treiben der in Bielitz (Polnisch-Schlesleh) erscheinenden und mit hitler-deutscheu Inseraten versehenen „Jüdischen .Wochenpos t" hingewiesen. Nunmehr produziert das Blatt ein wahres Musterstück an Bereitschaft, Adolf Hitler zu dienen und» das Judentum zu schmähen. Es schreibt: „Letztens machte durch die Tresse eine Erklärung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs die Runde, derzufolge angesichts des Erlasses dos deutschen Rcichspropagandaministeriurns zur A usmerz u n g der Namen der jüdischen Oel'ulloiieii aus den Gedenkt« fein ein „Dorf der Zwolftiuisend" in P a Iii s t i na zur Pflege des Andenkens an die für Deutschland gefallenen 12.000 Juden errichtet werden soll. Dieser Beschluß wird auch jetzt noch aufrechterhalten, wiewohl von offizieller deutscher Seit e entschieden b e s t r i 11 e n w i r d, daß eine derartige Weisung jemals ergangen sei." „Wie wir nun aus Kreisen des „It e i c h s b u n d e s jüdischer Frontsoldute n" aus Berlin erfahren, hat, dieser Beschluß der Wiener Kameraden höchst peinlich überrascht. Man verwahrt sich dagegen, daß ein solcher Schritt, den der Relclisbund entschieden a blehnt, über den Kopf der Betroffenen hinweg unternommen wurde, und weist eine derartige Vordringlichkeit aufs schärfs*e zurück. Neben der grundsätzlichen Einstellung zu diesem Projekt findet es der Reichsbund ganz unbegreiflich, daß diese projektierte Ehrung ausgerechnet nach Palästina verpflanzt werden soll. Angesichts der bekannten streng ablehnenden Haltung des F-eichsbundes zum Zionismus und dem n a t i o n a 1 p o 1 i 11 s c h e n Palästina wirke der Versuch einer Verschleppung des Andenkens an die jüdischen Gefallenen Deutschlands nach Palästina wie ein Hohn auf die weltanschaulichen Ideale des Reiehsbuhdes. Man vermutet, daß dieser Plan von den zionistischen Drahtziehern innerhalb des österreichischen Frontsoldatenbundes ausgeheckt wurde, und erblickt in dieser Mache, einen Versuch, die Lage der jüdischen Frontsoldaten Deutschlands für zionistisch-propagandistische Zwecke auszuschroten." „Wie wir hören, beabsichtigt der Reichsbund schon in den nächsten Tagen ein»? scharfe Verwahrung gegen diese zionistisch inspirierten Machinationen der Wiener jüdischen Frontsoldaten zu verlautbaren." Es ist zu erwarten, daß die in diesem unsauberen Machwerk apostrophierten Organisationen die entsprechende Antwort erteilen werden. Man muß eben manchmal auch Schmutz anfassen. Uensim idtskiu. - Sminemf Pensionspreis bei Min d. e s t auf en tha lt von 3 Tagen S 10. inklusive Abgaben Der Herr Reich§lculturverwalter Es gibt eine S*ache, die noch widerwärtiger ist, als die Unflätigkeit und Roheit von Streicher und Goebbels: Die salbungsvolle Heimtücke des Reichskulturverwalters Hinkel, dem die geistige „Betreuung" der Juden überlassen ist. In der Berliner „Illustrierten Nachtausgabe" läßt sich dieser Hans Hinkel lang und breit darüber aus, wie schonend die Behandlung der deutschen Juden in kultureller Beziehung ist. Daß die seiner Diktatur unterstehenden Theater und Kinos für Juden gesperrt werden, erzählt er nicht. Dafür hebt er hervor, daß er den Juden gestattet hat, den Jüdischen Kulturbund zu gründen, welcher Konzerte und Theatervorstellungen für Juden veranstalten darf. Der feine Herr Hinkel sagt: „In dieser Organisation haben alle Juden, die in Deutschland leben, die Möglichkeit, ihr kulturelles Eigenleben zu pflegen, Werke aufzuführen, die dem jüdischen Bewußtsein entspringen, und für jüdische Künstler und andere jüdische Kulturschaffende bieten sich neue Lebens- und Betätig ungsmögliohk e i t e n. Sie alle werden bei ihrer Ausübung nicht gestört, solange sie sich nicht gegen den nationalsozialistischen Staat, seine Gesetze und Einrichtugen wenden." BILLIGE SONDERFAHRT d. ||,Czernowitzer Allgemeinen Zeitung* Ijom 22. Deiember 1935 und 2. Jänner 1936 mit SommelpoO noch POLEN UND CZERNOWITZ llRückfohrt: 5. Jänner 1936 und aufgelöste Rücltfahrtmöglichkeit. Amkünlte und Anmeldunngen: Oesterreichiiches Verkehrsbüro, FrlodrlchitraBe 7, Telephon 0-27-500, und Graben 20, Telophon U-29.0.35 Polnisches Reisebüro „ORBIS", KärntnerstraBe 41, Telephon R-21-5-78 llReUebüro Morlenbrücke, RotenturmstrqBe 26. Telephon R-24-2-86/87 Jetzt ist herausgesagt, was das vor zwei Wochen an den Jüdischen Kulturbund ergangene Verbot, eine Oper von Mozart aufzuführen, angedeutet hat. Die Juden sollen von der Kultur aller Zeiten und der ganzen Welt abgetrennt werden. Nicht einmal innerhalb der eigenen vier Wände dürfen sie Bach und Schubert spielen, Goethe und Dante anhören. Nur Werke, die „jüdischem Bewußtsein" entsprungen sind, sind zugelassen. An die perversen Gesellen des Dritten Reiches, welche hungrigen jüdischen Kindern die Milch verweigern und kranken Juden die Medizin, reiht sich würdig der Herr Reichskulturverwalter, welcher alle Juden von den Quellen der Kultur fortstößt. steck &' BAYRISCHER HOF 8tmlan§ky gegen Wea'zmann Als Dr. Wcizmann auf dem Luzerner Zionistcnkongreß im Sommer 1935 zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt wurde, kündigte die linke sowie die allgemein-zionistische Presse eine neue Aera der zionistischen Politik im Sinne einer nationalen Aufbautendenz an. Die Skeptiker, jene, welche die Befürchtung aussprachen, daß nun die alte verhängnisvolle Politik der Schwäche und Nachgiebigkeit und der kulturellen Ueberbctonung wiederaufgenommen wuret«, erfreuten sich nicht großer Sympathien. Nun gibt der bekannntc Führer der palästinensischen Pflanz^rvereinigung und wirtschaftspolitische Publizist Mosche Smilansky in seinem Organ „Bust'naj" (Tel-Aviv) seiner Meinung über Wcizmann und die von ihm zu erwartende Politik Ausdruck. Er schreibt: Dr. Wcizmann sagte, daß die. Welt sich nicht um die Zahl der aus Palästina exportierten Orangenkisten bekümmere, sondern von Palästina etwas Neues, Etiles, eine neue Lebensform erwarte. Solche Phrasen passen zu einigen der amerikanischen Delegierten und ihren an das Pathos der Quäker gewohnten Rabbinern .. . Nach solchen Aeußerungen Weizmanns kann es scheinen, daß es das Ziel des Zionismus ist, die Juden in Palästina in ein von der Welt bestauntes Modellvolk zu verwandeln. Es ist aber besser und gesünder für das jüdische Volk, in dieser Hinsicht etwas bescheidener und weniger optimistisch zu sein ... Es ist sehr überraschend, daß ein Mann wie Wcizmann, der die Welt kennt, so gesprochen hat. Die Welt wünscht, die Juden loszuwerden, und die Menschen, die dem jüdischen Problem nicht gleichgültig gegenüberstehen, wünschen, daß sie ein Volk wie alle anderen, mit all ihren guten und schlechten Eigenschaften werden sollen... Die Welt ist sich des Bestehens gewaltiger Ideen und ihrer Träger bewußt und wartet nicht auf den Rat und das B e i s pi e 1 der Juden." Smilansky kann der Zustimmung aller jener Zionisten gewiß sein, die im Palästina-Aufbau eine Lösung der Judenfrage und nicht ein kulturelles Experiment sehen. Jüdischer Ausverkauf Aus Berlin: In Erwartung des zweiten Teils der Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen, in denen die Beschränkung der wirtschaftlichen Betätigung der Juden gesetzlich geregelt werden sollen, fahren die jüdischen Geschäfts i n K ä he r und G r un dstücksbesitzer fort, sich ihres Besitzes für jeden Preis zu entledigen. Die Hoffnung, daß doch nicht eine totale Eliminierung. der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben geplant ist, wurde durch die Goslaer Reden von Rudolf Heß und dem Ernährungsminister Darre, die die gänzliche Ausschaltung der Juden aus dem Handel forderten, zunichte gemacht. Der „Völkische Beobachter" läßt in seinen der Wirtschaft gewidmeten Aufsätzen immer wieder durchblicken, daß die Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft eine totale sein wird. Magenschmerzen, Magendruck, Verstopfung, regelwidrige Gärungsvorgänge im Dickdarm, galliger Mundgeschmack, schlechte Verdauung, Kopfweh, Zungenbelag, blasse Gesichtsfarbe werden durch das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser — ein Glas voll früh nüchtern — rasch behoben. Aerztlich empfohlen! Aus Mannheim wird gemeldet, daß der jüdische Industrielle J. Titel seinen ganzen Anteil an der Hoesel-Brauerei in Düsseldorf an Arier abgegeben hat; wieviel Titel für seinen Aktienbesitz wirklich erhalten hat, weiß man nicht genau, schätzt es aber auf nur einen Bruchteil des wirklichen Wertes. Die Kölner jüdische. Textilf irma Fried und Alsberg ist in arische Hände übergegangen. Die Aktienmajorität der altbekannten jüdischen Firma Hirsch, Kupfer- und Messingwerke wurde durch die Gesellschaft für elektrische Lieferungen (Gesfürel) erworben. Jetzt wird auch das weltbekannte Berliner Restaurant Kempinski, zuletzt geleitet von der Familie Unger, iu die Hände der arischen Mitropa übergehen. Es handelt sich um das Stammhaus der Firma Kempinski in der Leipziger Straße, um das große Restaurant Ecke Kurfürstendamm-Fasanenstraße, um das Haus „Vaterland" auf dem Potsdamer Platz und um das Haus Marquard, ein bekanntes Ausflugslokal, in der märkischen Landschaft. Die bekannte große Schuhfabrik Heß & Co. in Erfurt, die Wäschefabrik „E t e r n a" in Passau und das größte Fischhandelshaus im RhQingebiet, Rubi n & Bielefeld in Köln, sind in arische Hände übergegangen Aus Berlin; Nach einer Meldung des „Schwarzen Korps" sind die Besitzverhältnissc bei der Wertheim A.-G. von der zuständigen Dienststelle Zder NSDAP, geprüft worden. Die Firma sei danach als rein jüdisefc anzusehen. Daher wird das Betreten des Warenhauses verboten,

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