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Die neue Welt · 1935-11-22 · Heft 515 (22.11.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 515 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 515 DIE NEUE WELT Seite % } IM AI/1 TO Das sorgenlose Einkommen : .RENTE ALLG. RENTENANSTALT ' WIEN I. GRABEN 20 TELEPHON U 2) 5 10 daß die berühmte „Wilnaer Truppe", die im Jahre 1919 in Berlin erfolgreich auftrat und dann in der ganzen Welt Triumphe feierte, in Wilna zur Zeit der deutschen Okkupation zu spielen begann. In Wilna gibt es 105 Synagogen, darunter die „Schul" des Wilnaer Gaons und die berühmte große „Schul" des Wilnaer Gaon und die berühmte große „Schul" auf dem „Schulhof" aus dem 16. Jahrhundert, ein der Platz gezeigt, wo der Gaon ungefähr fünfzig Jahre lang, der Welt gänzlich entfremdet, Tag und Nacht Thora studierte und ein auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Ethik aufgebautes Leben führte. Der Platz, auf dem der Gaon saß, ist heilig. Niemand darf ihn benützen. In den zahlreichen Synagogen erklären am Freitagabend gebildete und fromme „Maggidim" (Redner) den andächtig lauschenden Zuhörern in fesselnder Weise den Wochenahschnitt. Die Synagogen .sind von jung und alt, reich und arm überfüllt, .auch Frauen nehmen eifrig am Gottesdienst teil. Die religiöse Jugendorganisation „Tifereth Bachurim", die geschaffen wurde, die jüdische Jugend den Gefahren der Straße fernzuhalten, religiös und national zu erziehen, liat in vielen Städten Polens Ortsgruppen. Diese Jugend versammelt sich jeden Freitagabend in ihrer eigenen Synagoge, um den -Vorträgen ihrer Lehi'er über den Wochenabschnitt mit Andacht zu lauschen. Mit dem Gesang des speziell für sie komponierten Liedes schließt der Freitagabend. Man muß unter dieser prächtigen Jugend geweilt haben, um ihre Begeisterung mitzuempden. Man vergißt so etwas nie ... Ein Charakteristikum des jüdischen Wilna besteht darin, daß jede „Zunft" ihre eigene Synagoge besitzt. Es gibt eine Schneider-, Schuster-, Tischler-, Schlosser-, Töpfer-, Weber-, Gerber-, Kutscher- und Markthändler- Schul. Man findet unter den einfachen armen Leuten, die physisch schwer arbeiten, Talmudkenner, deren Wissen manchem Rabbiner Westeuropas zur Ehre gereichen würde. Ein Besuch auf dem altehrwürdigen jüdischen Friedhof. Diesen Friedhof will die Stadtgemeinde Wilna in einen Sportplatz umwandeln, verzweifelt kämpft das jüdische Wilna dagegen: Die Gräber des Gaon, um den Legenden gesponnen werden, und die des hebräischen Schriftstellers Chejkel Lunsky liebevoll gesammelt wurden, die Gräber seiner Ahnen und Lehrer, das Grab des „Ger Zedck" (Graf Potocki), der vor 186 Jahren zum Judentum übertrat und von der Inquisition am Scheiterhaufen verbrannt wurde. Der Grabstein im kleinen Mausoleum enthält bloß die Aufschrift „Abraham ben Abraham". Nach dem Stammvater Abraham werden Gerim (Neubekehrte) benannt. In Wilna lebten hervorragende jüdische Persönlichkeiten. Das religiöse Judentum hatte den Gaon, seinen chassidlschen Gegner „Chabat" und andere Thora-Größen. Dem weltlichen Judentum gab das jüdische Wilna J. L. Goi^don, Mark Antokolski u. a; Mapu und Schneur wohnten zeitweise in Wilna. Im jüdischen Ghetto, in den schmalen Gäßchen, wo entsetzlich viel Not und Elend zu sehen sind,— berühmt ist das sogenannte „Kohlengäßchen" und 'das Gäßchen, wo mit alten Sachen gehandelt wird —, gibt es solche, die jüdische Namen tragen,unter anderem gibt es eine Gaongasse. Es ist bewundernswürdig, wie diese Menschen ti£.z Hunger und Elend für Bildung uni Wissen Interesse haben. Die Orthodoxie Wilnas repräsentiert der Gaon Raw Oser Chaim Grodzenski, eine ehrwürdige Patriarchengcstalt, der nach dem „Chofez Chaim" die größte Talmudautorität in der Diaspora ist. Die Zionistische Organisation bildet die mächtigste Gruppe im Wilnaer Judentum. Der „Bund" und die von Salman Reiser geführte jiddischo Bewegung behaupten sich immer noch. Die Folkisten bilden eine kleine Gruppe. Raw Schub ist Liter von 38 kleinen und 22 großen Jeschiboth in ganz Polen, darunter auch der Jeschibah in Radun, wo der „Chofez Chaim" lebte und wirkte, und der weltberühmten Jeschibah in Mir. Mit Wehmut verläßt' man diese materiell zw&V arme, aber gewiß hochstehende, stolze, vornehme und gastfreundliche Patrizierstadt, die Stadt, die ein Recht ftoraui hat, sich das litauische Jerusalem zu nennen, Judenstaatspariei Oesterreichs Vcranstaltungskalender Samstag, den 23. d., 8 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14, Abschiedsabend für Ch. Plautus. Akademie, anschließend Tanz. Sektion XIV-XV, Schanzstraße 32, Dienstag, den 26. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Abraham Schmerler: Berufsumschichtung. Sektion XX. Dienstag, den 26. d., halb 9 Uhr abends, Zusammenkunft im provisorischen Heim, II., Untere Augartenstraße 38. Mittwoch, den 27. d., Vortrag im Heim, I., Werdertorgasse 14. Die Bezirksgruuppe Favoriten veranstaltet am Montag, den 2. Dezember, im Wiener Völksbildungsverein, X., Hasengasse 38, eine Sondervorstellung des Palästina- Films „Das ist das Land". Judenstaatsjugend. Samstag, den 7. Dezember, im Festsaal des Hotel Continental Gesellschaftsabend. Mitternachtsakademie unter Mitwirkung von Sevilla Pastor, Max Lichtegg, Paul Morgan u. a. Jazz: Max und Isi Geiger. Karten ä S 2.— in allen Sektionen erhältlich. Filme der Woche (Naoh den Herstellungsländern zusammengestellt.) Amerika: Becky Sharp — Land des Lachens — Der Rabe — Staatsfeind Nr. 1 — Sommernachtstraum — Jungen der Paulstraße — Kleines Mädl — Der bunte Schleier — Nach Büroschluß. England: Kardinal Richelieu — Bosambo. Filme unter Arierparagraph: Das Abenteuer der Lady Windermere — Die blonde Carmen — Herbstmanöver — Unsterbliche Melo* dien — Liebesleute — Variete" — Stradivari — Ich liebe alle Frauen — Die ganze Welt dreht sich um Liebe. „Das Land der Verheißung", dieser einzigartige Film, der anläßlich des 15jährigen Jubiläums des Keren Hajessod hergestellt wurde, wird ab nächster Woche in Wien zu sehen sein. Palästina, wie e3 arbeitet, schafft, baut, wie es sich freut — in Dorf und Stadt und Kolonie, dieses neue jüdische Wunder ist der Inhalt des Films, der bisher überall, wo er gezeigt wurde, Begeisterung erweckt hat. Heute: „Nach Büroschluß!" Freitag erscheint im Opern-, Stafa- und Votivpark-Kino der neue Clark-Gable- Film der Metro-Goldwyn-Mayer, welcher unter dem Titel „Nach Büroschluß" die Arbeit des amerikanischen Journalisten schildert. Neben Clark Gable sind in den weiteren Rollen Constance Bennett, Billie Burke und Stuart Erwin beschäftigt. So wie in „Viva Villa", spielt Erwin auch diesmal einen Journalisten. KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO 1, Wollzeile 17 Telephon K-24-2-16 Vorstellungen*, %*, V«», V«10 PROIONGURT! PBOlOMOIlRTf STAATSFEIND HR. 1 Lewis Stone, John Barrymoor«, ehester Morris ROTENTURH I, Fleischmarkl 1 Telephon R-29-1-59 Beginn: A, Vot, Vit «AI0 Seine Hoheit/ der Kammerdiener mit Chartas Laughlon SCHAFFE« Vi, Mariahilfersfraße 37 Telephon B-20-203 deginn: Va», Vi8, ft10 Neues Programm STAFA, VII Mariahilf erstraBe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: S, 7, 9 Ulli NACH BUROfCHLUtl Clark Gable und Constance Bennatt VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: A, %d, V«8, V«10 NACH BUROfCHLUtl Clark Gable und Constance Bennett Rexfoaf lonsabend Jehuda Ehrenkranz Jehuda Ehren kränz, der jetzt ständig in, Palästina lebt, gibt Samstag, den 7. Dezember, 8 Uhr abends, im Mittleren Konzerthaussaal nach, dreijähriger Abwesenheit von Wien wieder einen Vortragsabend. Das Programm umfaßt zwei Teile. Der erste Teil „Europäische Dichtungen" bringt. Werke von Capek, Dostojewski, Mann, Werfel, Wildgans. Der zweite Teil „Palästinensische Dichtungen" ist dem neuen dichterischen Schaffen Palästinas gewidmet, Werken, in denen sich vor allem das jüdische Leben des neuen Palästina spiegelt. Als Vertreter dieser Literatur wählte Ehrenkranz Hasas, Schlonski, Schimovitz, Erna u. a. — Karten bei R. Lanyi. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Gedenkfeier. Der Israelitische Bethausverein, Wien, III., Erdbergstraße 15, veranstaltet anläßlich des Ablebens seines verehrten langjährigen Rabbiners, Herrn Dr. Bernhard Templer s. A., am Sonntag, den 24. November 1935, um 4 Uhr nachmittags eine Gedenkfeier. Die Gedenkrede hält Seine Ehrwurden Herr Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. «TfeSHi f^F^F«/*36 "k,/>»s4s.- »%:<<>z<x>^,, "»??';''«* 2"»«. <*. »^sss?*?^" a<ne*VV *a«»te\ .* * sssgs*'..*: v«*?ÄÄ^9' r^«'b,^>,l«r a*" 2^*Äft.- FS^*W s^«s£rs*. Ssagdfefts?^ ^Sr^?'» 5S*§Ä*«~ ^^C"'-"% n"1 _.B V"'-„v\äCi»-- .=>- EW»Ä^$,»>>' 1* SSÄ*tf3«35.-:-,I; 'Än^r*^4'^1 ~ A\ £Ä£$ » ^zt*<$*^% t»<$°d1;»t>" v.fjssw Winter-Mäntel auch für STARKE Frauen in groOer Auswahl zu staunend billigen Preisen! 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