Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 515 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712139--5450-2719069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 515 DBB NEUE WELT S#fte 5 Palästimm darf nadbt gegen Hifier protestieren Ann .1 v r ii r a 1 o m (.J. T. A.): Am 15. November begann in Jörn-a!f m rhu» Konfrronz (Irr j ü d i s c h c n J u g e n d I* a 1 ii s t i n :i s, in der eine Protestaktion gegon die Nürnberger .Judengesetze beschlossen werden sollte. Eine Reihe Jugendführer gab der Indignation gegen das barbarische Denken und Tnn der heutigen detitschen Machthaber Ausdruck. Für den 16. November wurden in ganz Palästina Versammlungen einberufen, in denen Protestreso- 1 u t i o n e n gegen die Nürnberger Gesetze gefaßt werden sollten. Für Jerusalem war eine große Manifestation geplant. Die p a 1 ii s t i n e n s i » c h r Polizei hat aber sämtliche jüdische A u t i - H i 11 e r - K u n dg e b ii n g c n verboten, so daß sie unterbleiben mußten. Das palästinensische 'Judentum mußte sich damit begnügen, am Samstag In allen Synagogen gegen die Entrechtung und Unterdrückung der Juden in Deutschland zu protestieren. In den Predigten der Rabbiner wurde auf den das Menschentum herabsetzenden Charakter der Nürnberger Gesetze hingewiesen. In allen Schulen der Knrsseth Israel in ganz Paliistina war eine Stunde der Schilderung der Leiden der Juden in Deutschland gewidmet. Diese Meldung illustriert wieder einmal den in der englischen Bürokratie in Palästina herrschenden Geist. In London dürfen große Kundgebungen gegen Hitler stattfinden. Die englische Regierung hat nichts dagegen. Dafür stellt sich die von ihr eingesetzte Beamtenschaft in Palästina schützend vor Hitler. Ein jüdischer Junge wird zur Auspeitschung verurteilt, weil er gegen den Verkauf deutscher Waren in jüdischen Geschäften demonstriert hat. In den Amtsräumen der Palästina-Regierung werden Hakenkreuze an die Wand geschlagen und auf die Tische der wenigen jüdischen Beamten gelegt, ohne daß h-gendwer verfolgt oder gar bestraft wird. Jetzt wird den Juden Palästinas untersagt, gegen die Ausrottung der deutschen Juden Stellung zu nehmen. Was nächstens kommen wird, weiß man nicht. Befestigung des Haifaer Hafens Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Die Engländer haben in der letzten Zeit die militärischen Arbeiten im Hafen von Haifa fortgesetzt. Es wurden Minenlager im Hafen selbst angelegt und auf dem Karmel die nötigen Vorbereitungen zur Errichtung von Beton-Kasematten für schwere Verteidigungsgeschütze getroffen. Nach Mitteilungen aus britischen Regierungskreisen sind diese Arbeiten nicht als Beweis dafür anzusehen, daß die Regierung glaube, die Entwicklung des italienischabessinischen Konflikts könne zu einem Zusammenstoß zwischen England und irgendeinem andern Staat führen. Diese Vorbereitungen, die der Sicherheit für die Zukunft dienen, können als Beweis für die Wichtigkeit des Haifaer Hafens als Verteidigungsposition des britischen Imperiums im östlichen Teil des Mittelländischen Meeres gelten. B.sE B>S& Der Lippenstift wie er sein soll kußfest — dauerhaft Beschränkte ZuPassung von Aerzten Die Regierungsverordnung, welche die bisher unbeschränkte Zulassung von Aerzten zur Praxis in Palästina regelt, lautet: Erlaubnis, sich als Arzt niederzulassen, kann von jetzt ab nur der bekommen, welcher dem Leiter der Abteilung für Gesundheitswesen nachweist, daß er 1. einen einwandfreien Leumund besitzt, 2. nicht weniger als fünf Jahre an einer Universität oder Hochschule, die von der palästinensischen Regierung anerkannt wird, studiert und ein Diplom erhalten hat, 3. daß er die palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aufcnthaltsrecht im Lande besitzt. Diese Nachweise müssen alle Bewerber erbringen. Der High Commissioner hat das Recht, die Zahl der Lizenzen für die, die die palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aiifenthaltsrccht nach dem 1. Dezember 1985 erlangen, zu begrenze n. Nicht später als bis zum 31. Dezember jedes Jahres wird der High Coiumissioner die Maximalzahl der Lizenzen, die solche Personen im Laufe des künftigen Jahres erhalten können, festsetzen. Aerztliche und wissenschaftliche Anstalten können Lizenzen für Acrzte auch außerhalb dieser jährlichen Quote anfordern, doch werden die auf solche Weise zugelassenen Aerzte sich ausschließlich im Bereich des betreffenden Instituts betätigen dürfen. Es ist allen Aerzten verboten, sich in kau fmännischcii Geschäften zu betätigen. Ebenso ist den Aerzten verboten, durch Inserate Propaganda zu machen, und zwar weder in Zeitungen, noch auf andere Weise. Erlaubt ist lediglich ein Na m e n s s c h i 1 d an dem Hause, wo sich die Ordination befindet. Der Arzt darf auch nicht dulden, daß andere für ihn Propaganda macheu, und er darf weder Patienten anwerben, noch zu diesem Zweck Agenten beschäftigen. Sieben Jahre Gefängnis Tür unerlaubten Waffenbesitz Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat soeben eine Order herausgegeben, wonach die Strafe für unerlaubten Waffenbesitz von drei auf sieben Jahre erhöht wird. Die neue Order ist eine Folge dos vor einiger Zeit in Jaffa aufgedeckten Waffenßchmuggels. Juden bei der Palästina-Polizei Aus Jerusalem: „Davar" stellt fest, daß die Juden nur zu 10 Prozent iu der Palästina-Polizei vertreten sind, obwohl sie Uber 25 Prozent der Landesbevölkerung ausmachen. Die Christen, die nicht einmal ein Drittel der Stärke der jüdischen Bevölkerung erreichen, sind in der Polizei ebenfalls mit 10 Prozent vertreten. * Die nächsten billigen Reisen nach Abfahrt: 12. u. 22. Dez. 1935 Rückfahrt: 5. Dezember, 7. fänner Auskünfte bei Dr. §. Tocker, IX, Liechtensteinstraße 2 Telephon A-l 4-504 POLEN dac tyuU Hlaßtniedec - u. dwk nicUt teucec! Wien I, Plankeng.ls'/Salz^urg^QriosfssIe'aii ANNA ZW1DLFEH Der High Commissioner bei Dizengoff Aus Tel-Aviv: High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat dem Bürgermeister Mayer Dizengoff in Tel-Aviv einen Besuch abgestattet. Der Besuch trug, so heißt es, keinen offiziellen Charakter. Man bringt den Besuch des High Commissioner bei Dizengoff mit dessen vor kurzem abgegebener Erklärung in Zusammenhang, daß er bei den bevorstehenden Stadtratswahlen nicht mehr kandidieren wolle, weil er in der Politik, die die Palästina-Regierung in letzter Zeit gegenüber der Tel-Aviver Stadtverwaltung führt, den Ausdruck eines persönlichen Mißtrauens gegen sich erblicke. * Laut Verfügung des Distriktskommissärs werden die Wahlen zum Stadtrat von Tel-Aviv am 15. Dezember durchgeführt werden. Sämtliche Parteien haben bereits den Wahlpropaganda-Apparat in Bewegung gesetzt. „Illegale" brechen den Hungerstreik ab Aus Jerusalem: Nach siebentägigem Hungerstreik haben die im Jerusalemer Zentralgefängnis untergebrachten jüdischen illegalen Einwanderer Nahrung zu sich genommen, ' nachdem ihnen von jüdischer Seite in Aussicht gtestellt wurde, daß man für sie die Bürgschaften, die zu ihrer Euthaftung erforderlich sind, stellen wird. Drei der verhafteten Juden wurden bereits freigelassen. f*** Bücher £ Schwedenbrücke! BUCHHANDLUNG SCHNEIDER & CO., WIEN I, FranzJosefs-Kai 7 Reichste Auswahl neuer Bücher bester Autoren zu billigsten Preisen! Katalog gratis Religiöse Beiräte in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Zwischen dem Oberrabbinat von Palästina, dem Waad Leumi und den Vorständen der jüdischen Gemeinden werden Verhandlungen über die Ernennung „religiöser Beiräte" bei den einzelnen Gemeinden geführt. Diesen Beiräten soll die Ueberwachung der Schechita, des Eruw u. ä. m. obliegen. Die Bildung religiöser Beiräte ist im Statut der Knesset Jisrael vorgesehen, wurde aber bisher noch nicht durchgeführt. Die jüdischen Gemeinden von Tel-Aviv und Haifa haben sich gegen die Schaffung dieser Beiräte mit der Begründung gewandt, daß die den Beiräten zugedachten Funktionen von den Rabbinaten erfüllt werden können. „AI Difaa" verboten Aus Jerusalem fJ. T. A.): Die antienglischen Unruhen in Aegypten finden in der arabischen Presse Palästinas insoferne einen Widerhall, als diese Presse nunmehr mit verstärkten Angriffen gegen die englische Mandatarmacht wegen deren angeblich einseitig zionistenfreundlicher Politik hervortritt. Die Regierung hat wegen solcher Angriffe die in Jaffa erscheinende Zeitung „AI Difaa" auf einen Monat verboten. Eine neue arabische Partei Aus Jerusalem: In Bethlehem wurde eine neue arabische Partei gegründet, die die Losung „GOtt, Vaterland und Gleichheit" gewählt hat. Die Partei bezeichnet es als ihr Ziel, dem Lande auf legalem Weg zu dienen und seine moralische und wirtschaftliche Entwicklung in Erwartung späterer politischer Un> abhängigkeit zu fördern. Sie wül auch die wirtschaftliche, politische und soziale Lage der Fellachen und arabischen Industriearbeiter heben und einen Zusammenschluß aller arabischen Parteien herbeiführen Ferner macht sie es sich zur Aufgabe, die Sitte der Blutrache unter den Arabern zu bekämpfen. Profest der Allgemeinen Zionisten Aus Jerusalem: Die „allgemeinen" Zionislm Palästinas nehmen in ihrem Organe. „Haarez" heftig gegen die Konstituierung der neuen Exekutive Stellung und beschweren sich darüber, daß den allgemeinen Zionisten kein einziges wichtiges Referat zugewiesen wurde. Zuletzt wurde der „Allgemeine" Izchak Grünbaum go tigt, das von ihm bisher innegehabte Referat für E i nwanderung abzutreten. Auch der bisherige Generalsekretär des zionistischen Einwanderungsamtes, B a r 1 a s, hat sein Amt niedergelegt. Er erklärte, der nicht sachgemäßen, sondern einseitig-politischen Führung des Amtes durch die neuen Referenten Dr. Senator (Nichtzionist), 5 h e r t o k (Soziallst), D o b k i n (Sozialist) und S c h apiro (religiöser Sozialist) keine Folge leisten zu können. Ausnahmen von den Sanktionen gegen Italien Aus Jerusalem: High Commissioner Sir Arthur Wauchope ist ermächtigt worden, in bestimmten Einzelfällen Befreiung von der Einhaltung der Sanktionsvorschriften gegenüber Italien, die am 18. November in Kraft getreten sind, zu gewähren. Börsengeschäft in Palästina Tel-Aviv (Palnews.) Unter der Firma Gnagnatti 6 L e n z i n i, Brokers of Foreign. Goods & Commodities Exchanges wurde in Tel-Aviv eine Agentur zur Ausführung von Termingeschäften an den internationalen Warenbörsen (New York, Chikago, Winnipeg, Liverpool, London, Paris, Antwerpen, Alexandrien usw.) für Rechnung Dritter gegründet. Die Firma, die sich als erste in Palästina mit der Ausführung internationaler Warentermingeschäfte befaßt, hat sich früher in Italien auf diesem Geschäftsgebiet betätigt. Die Agentur erhält von sämtlichen Börsenplätzen regelmäßige Notierungen, die der Kundschaft zur Verfügung stehen. Transaktionen für Industrielle, Importeure, Kapitalisten und Private sind in Aussicht " genommen. Sammy Groncmaun in Wien. Der bekannte Zionist und jüdische Schriftsteller Dr. Sammy Gronemann, Vorsitzender des zionistischen Kongreßgerichtes, welcher demnächst nach Palästina übersiedelt, wird in den nächsten Tagen in Wien eintreffen. Dr. Gronemann ist allen Zionisten so gut bekannt, daß es überflüssig ist, ihn vorzustellen. Seine liebenswürdige und witzige Persönlichkeit erfreut sich ebensolcher Beliebtheit, wie seine jüdischen Büchel-, von denen sein „Tohuwabohu" und „Hawdoloh und Zapfenstreich" die bekanntesten sind. Doktor Gronemann wird am 2. Dezember um 8 Uhr abends im Mittleren Konzerthaussaal einen Vortrag über das Thema „Das jüdische Volk und Palästina" halten, für den sich bereits allgemeines Interesse kundgibt. Warnung. Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien macht darauf aufmerksam, daß in der letzten Zeit bei Privaten und Unternehmungen wiederholt Personen unter Vorweisung eines Sammelbuches oder Sammelbogens angeblich im Namen der Kultusgemeinde Spenden für die Winterhilfe der Kultusgemeinde erbaten. Die Kultusgemeinde wirbt für ihre Aktionen unmittelbar schriftlich, nicht jedoch von Haus zu Haus mittels Sammelbücher oder Sammelbögen. Sammlungen dieser Art, im Namen der Kultusgemeinde vorgenommen, sind ein grober Mißbrauch und eine bewußte Irreführung der Oeffentlichkeit. Es wird gebeten, im Falle der Vorsprache derartiger Personen Namen und Adresse der Betreffenden festzustellen oder durch behördliche Organe feststellen zu lassen, damit der Vorstand der Kultusgemeinde in die Lage versetzt wird, die entsprechenden Schritte zu unternehmen. || FESTPREMIERE LAND DER VERHEISSUNG EIN F0X-M0VIET0NE-FIIM SONNTAG, DEN 24. NOVEMBER 1935 11 UHR VOR* MITTAGS, IM APOLLO NORMALE KINOPREISE Karten bei: Buchhandlung R. Löwlt, I, Wollaeile 6, Telephon R-25-4-53, Bücherstube M. Rath, II, Taboratr. 20a, Telephon R-45-305. Buchhandlung Rieh. Lanyi, I, Kärntnerstraße 44, Telephon B-26-3-33, Keren Hajessod, I, Marc- Aurel-Straße 5, Telephon U-22-2-17