Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 515 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712139--5449-2719068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Srtte 4 DIE NEUE WELT Nr. 515 Englische Juden sogen den Transfer Aus London: In der Sitzung des Board of Dcputies (Verband aller englisch;-!! Judengemeinden 1 teilte der Vorsitzende des Palästina-Komitees, Dr. Israel Feldman mit. daß die Mitglieder des Komitees mit den Mitgliedern der britischen Sektion der Jewish Ageney eine Besprechung über die Frage des Transfers DcutschlaiHi-Paliistina pflegen werden. Ueber den Verlauf derselben wird in der nächsten Sitzung des Board berichtet werden. Harry Samuels, der nun das Wort ergriff, griff scharf das Transfer-Abkommen als eine Unterstützung des Hille tums an. In ähnlicher Weise äußerten sich B. H e nriques und P. D. J. Druiff. Letzterer gab zu bedenken, daß durch den Transfer in Palästina ein Dauer markt für deutsche Waren geschaffen wird und daß sich aus dieser Bevorzugung deut scher Waren zum Schaden der Produktion der englischen Mandatarmacht Reibungen ergeben würden. WIEN HAIFA (Beyrulh-Alexandrien) S 195a" I BUKAREST mit Gratis«isa Wien bis Wien S 133«* Bahnfahrt, Kabine und Verpflegung. Abfahrt jeden FJeiUR | ul. rjis 29. Dezember — Saminelpnß — D-Zug-PlMzkarte Alle Informationen für Palästina: WIENER REISEKLUB-AUSTROLLOYD I, Weihburggasse 27 Telephon ft-28-0-69 Werdet NItglfeder! Neu erschienen! Neu erschienen! üälB BALI K Leben für ein Volk Ersfmaüge umfangreiche Darstellung des Lebens und Schaifens unseres Größten nationalen Dichters und seiner Epoche MU vielen bisher unveröffent- — ÄMI lichten Bildern, farbiger Um- K QC schlag, Leinen......S WCi<Ä«# Zu beziehen durch jede Buchhandlung Verlag Josef Seif, »ien I, Rabensiels Standardwerk der jüdischen Literatur Die antijüdisdien Au§$dire3*untien in Polen Aus Warschau wird uns geschrieben: Man bekommt allmählich den Eindruck, daß die antijüdischen Exzesse im ganzen Lande systematischen Charakter annehmen. Schuld daran trägt nicht nur die seit Jahren von antisemitischer Seite betriebene Hetze, .sondern auch die offiziell zur Schau getragene prodeutsche Außenpolitik, die bei den Halbintellektuellen und Studenten den Eindruck erwecken muß, daß eine Nachahmung hakenkreuzlerischer Methoden Sympathien in den verantwortungsvollen Kreisen hervorrufen werde. Wie auf ein Signal brachen in den einzelnen Gegenden die Attacken gegen jüdisches Leben und Eigentum los. Bei Unwohlsein — besonders bei träger Darmtätigkeit — ist das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser ein angenehm wirkendes Hausmittel, die Beschwerden erheblich zu verringern, zumal oft schon kleine Mengen sicher nützen. Aerztlich empfohlen! In Lemberg forderten die Exzesse der national demokratischen Studentenschaft bisher ein Todesopfer. Der jüdische, von Nationaldemokraten Überfallene Student Rosenberg erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen, Im Sosnowitzer Industrieort Pogon wurde bei der Sprengung der S5-nagoge der 14jährige Abraham Rosenblum schwer verletzt und starb kurze Zeit darauf. In Dombrowa v/urde von Hooligans die Synagoge ausgeraubt, die Thorarollen vernichtet. In Warschau wurde ein bisher unaufgeklärter Mord im jüdischen Nalewki-Viertel zum Anlaß einer schändlichen Judenhetze genommen. So wie in Lemberg waren auch hier antisemitische Studenten die Rädelsführer. In Wilna und Krakau ist das Öffentliche Leben durch diese antijüdischen Exzesse lahmgelegt. Trotz der Einstellung der Vorlesungen an den diversen Hochschulen gehen die Demonstrationen weiter. Die Behörden verhalten sich zurückhaltend. Das antisemitische Hauptorgan „Warszawski Dziennik Karodovi" fordert nach dem hitleristischen Muster des Prof. Dr. Groß (Berlin) zur Austreibung der Juden aus Warschau auf, ohne daß das Blatt konfisziert wurde. Gleichzeitig mit den physischen Angriffen ist eine Unterminierung der jüdischen Gemeindeautonomie zu befürchten, da die Regierung bereits für das Frühjahr 1936 eine Aenderung des Gemeinde- Wahlrechts plant, wobei ihr das Recht zustehen soll, einen großen Teil der sogenannten „Wahlmänner" selbst zu ernennen. Angesichts der bedrohlichen Lage finden ernste Beratungen im Jüdischen Parlamcntsklub statt. AiJercings haben bisher die Interventionen des Abg. Dr. Sommerstetn und der Senatoren Rabb. Rubinstein und Pro/. Schorr keinen sichtbaren Erfolg gehabt. Die polnischen Juden und Palästina Auf einer Pressekonferenz in Warschau gab der Direktor des Keren Hajessod in Jerusalem Leib Jaffe Aufschlüsse Uber den Keren Hajessod nach Abschluß seiner ersten fünfzehnjährigen Epoche. Im Verlauf seiner Rede teilt« er mit, daß gegenwärtig 130.000 polnische Juden in Palästina lebeu, von denen allein im Jahre 25.000 ins Land gekommen sind; die Ziffer für 1935 Wird höher sein. Uefa er 250.000 Pfund haben polnische 1 Juden in Palästina an ihre unterstützungsbedürftigen Verwandten in Polen im Jahre 1934 geschickt, Für das polnische Judentum ist Palästina nicht nur ein Ideal, sondern eine blutige L e b e n s n o t w e nd i g k e i t. Aus Holland In dem historischen Wr.g-Haus in Amsterdam fand anläßlich der 300-Jahr-Feier der Amsterdamer aschkenasischen („hochdeutschen") Gemeinde die Eröffnung einer historischen Ausstellung des holländischen Judentums durch den Bürgermeister von Amsterdam, Dr. W. de V 1 u g t, statt. Die. in dem prächtigen, aus dem IG. Jahrhundert stammenden Wag-Haus untergebrachte Ausstellung ist mit großer Sorgfalt zusammengestellt und bietet einen erschöpfenden Ueberblick über die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Amsterdamer Judentums und sein religiöses Leben im Laufe von drei Jahrhunderten. Sehr bemerkenswert sind die statistischen Aufstellungen über die Bevölkerungsbewegung unter den Juden Amsterdams. Die Gemeinde ist von zehn Seelen im Jahre 1 635 auf jetzt über 6 3.0 0 0 angewachsen. Bisher unveröffentlichte Zahlen illustrieren das rapide Anwachsen der Zahl der Mischehen; auf je 100 rein jüdische Ehen entfielen in den Jahren 1900 bis 1904 13. 1920 bis 1924 25 und 1930 bis 1934 40 Mischehen. Kinderreichtum, aber auch Kindersterblichkeit sind bei der jüdischen Bevölkerung von Amsterdam zurzeit geringer als bei der nichtjüdischen. Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden - Poplin in allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei . I ■9 Rabensteig 3, Tel. U-20-709 Himmelpfortg.5,Tel.R-25-8-84 / Köllnerhofg. 1, Tel. R-26-8-99 Gemeindewahlen in Stockholm Aus Stockholm (J. T. A.): In Stockholm fand die Neuwahl der jüdischen Gemeinderepräsentanz statt. Zum ersten Male waren verschiedene Kandidatenlisten aufgestellt und ein Wahlkampf durchgeführt worden. Auf die von der bisherigen Leitung aufgestellte Li3te „Bürgschaft für die Zukunft" entfielen sieben Mandate, auf die zionistische Liste .Lebendiges Judentum" zwei Mandate, auf die Liste „Für das traditionelle Judentum" ebenfalls zwei Mandate und auf die unter dem Namen „Volkspartei" aufgetretene Arbeitergruppe ein Mandat. Die oppositionellen Parteien haben zusammen 500 Stimmen, die herrschende Gruppe hat 543 Stimmen erzielt. Die die schwedische Staatsangehörigkeit nicht besitzenden zahlreichen neu eingewanderten Juden, die fast durchwegs den oppositionellen Gruppen angehören, konnten an der Wahl nicht teilnehmen. Tschechen und Aricrpuragrapli Aus Prag (J. T. A.): Das „Nar. Osv." berichtet, daß gelegentlich einer Exkursion des Vereines der tschechischen Mediziner nach Jugoslawien ein Mitglied ausgeschieden wurde, mit der unstichhaltigen Begründung, daß die Zahl der offiziellen Teilnehmer schon erreicht sei. Bei einer anderen Exkursion, nach Polen, wurde dasselbe Mitglied aasgeschaltet, diesmal mit der Motivierung „aus gesellschaftlichen Gründen". Als das Mitglied Aufklärung forderte, habe ihm ein Herr aus dem Vorstand unverhüllt esagt, daß er deswegen von der Beteiligung ausgeschlossen wurde, weil er Nichtarier sei. „Stürmer" auch bei der * Reichspost Aus Berlin: Der „Stürmer" berichtet mit Stolz, daß nach der Reichsbahn nun auch die Reichspost die gebührenfreie Anbringung seiner Schaukästen an Postgebäuden verfügt habe. Männliche Hausgehilfen Aus Breslau: Die Judengomeinde Breslau richtet Ausbildungskurse für männliche Hau sang eteilte ein. Es soll dadurch ermöglicht werden, daß der jüdische Arbeitsnachweis geeignetes und mit Ausbildungszeugnissen versehenes männliches Hauspersonal den jüdischen Haushaltungen zur Verfügung stellen kann. Man verspricht aich gleichzeitig davon eine Linderung der Not der jüdischen Arbeitslosen. — Bekanntlich dürfen Arierinnen unter 35 Jahren bei Juden nicht dienen, Korruption ♦ ♦ ♦ Konflikt in der Weener ludengememde Schon seit langem bedienen sich einige Führer der in die Minderheit geratenen „Union österreichischer Juden" im Kampf gegen die zionistische Majorität des Mittels der politischen Verdächtigung und Angeberei. Da nun diese Methode, deren moralische Qualifikation bereits bezeichnet wurde, nicht auszureichen scheint, schreien die Herren jetzt von zionistischer Korruption. Als Anlaß bedienen sie sich der jetzt vorzunehmenden Besetzung der freigewordenen Stelle des ersten Sekretärs. Während in früheren Perioden die Leitung der damals viel kleineren Agenden durch mehrere leitende Beamte, die Inzwischen gestorben oder in den Ruhestand gegangen sind, besorgt wurden, war in letzter Zeit nur e i n geschäftsführender Beamter da, Amtsdirektor F u c h s g e 1 b. Aber auch diesem ausgezeichnet befähigten und überaus fleißigen Beamten wäre die Bewältigung der übergroßen Aufgabe nicht gelungen, wenn nicht der geschäftsführende Vizepräsident Doktor Löwenherz seine ganze Person und seine ganze Zeit eingesetzt und neben der Kontrolle der Geschäfte auch zu einem großen Teil deren Erledigung übernommen hätte. Nun ist Amtsdirektor Fuchsgelb gestorben, ohne daß ein gleichwertiger Ersatz in der Beamtenschaft da wäre. Die Verantwortung für diesen Mangel trifft keinesfalls die zionistische Majorität, welche noch keine vollen drei Jahre die Verwaltung leitet. Die zionistische Mehrheit beschloß daher, dem Kultusvorstandc die öffentliche Ausschreibung der freigewordenen Stelle vorzuschlagen. Eine unter den gegebenen Umständen gebotene Sache. Aber die Herren von der „Union" schreien „Korruption", weil die zionistische Majorität gleichzeitig verlauten ließ, daß sie den Vizepräsidenten Dr. Löwenherz ersucht hat, sein Mandat als Kultusvorsteher und Vizepräsident niederzulegen und sich um die öffentlich ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Sie hat es getan, weil sie befürchtet, daß unter den Bewerbern sonst kaum ein Kandidat zu finden sein wird, der auch nur annähernd den großen Forderungen, die gestellt werden müssen, entspricht. Ausländer kommen schon wegen der gesetzlichen Vorschriften nicht in Betracht. In Oesterreich aber gibt es keine Judengemeinde, deren Wirkungskreis auch nur entfernt an denjenigen der Wiener Gemeinde heranreicht, also keine, die einen vollwertigen Kandidaten stellen könnte. In Wien selbst ist von einer Persönlichkeit mit den erforderlichen Erfahrungen und Qualitäten nichts bekannt. Die Majorität wandte sich daher an Dr. Löwenherz, als den ihrer und aller Ansicht nach einzigen Fachmann, der nun mehr als zehn Jahre leitend in der Gemeindeverwaltung tätig ist, und forderte ihn zur öffentlichen Bewerbung auf. Er soll in eine Konkurrenz treten, die jedem die Mitbewerbung möglich macht. Die Zeugnisse der Bewerber werden öffentlich vorgelegt und unter vollster Kontrolle der O e f f e n tl ich k e i fc soll die Zuteilung der Stelle erfolgen. Radio-Lehrer Moderne Markenempf anger für { 2»50 Wochenraten?Äster * II, Karmeliterplatz 1 Im Interesse der Gemeinde, die in Zeiten höchster jüdischer Not einen enorm angewachsenen Aufgabenkreia zu erfüllen und ein Riesenbudget zu verwalten hat, wollen die Zionisten auf einen ihrer befähigtesten Parteiarbeiter verzichten und ihn an den Beamtenstab abgeben. Sio bringen ein Opfer und muten Dr. Löwenherz ein Opfer zu. Denn daß die „Union" über jeden zionistischen Bewerber hemmungslos herfallen wird, war ja vorauszusehen. Die „Union" schreit jetzt von Korruption. Wie begründet sie das? Etwa damit, daß B^ähigc zurückgestellt und Unfähige aus Parteiinteressc bevorzugt werden?, Nein! In den Sitzungen des Vorstandes haben die Unionisten die Befähigung des Dr. Löwenherz für diesen Posten rückhaltlos anerkannt und konnten auch nicht einen Fähigeren nennen. Draußen aber zetern sie Uber „Parteiwirtschaft". Die Zionisten sehen dem Ablauf der Dinge ruhig entgegen. Den Unionisten bleibt es unbenommen, Bewerber in unbeschränkter Zahl zu präsentieren. Wenn dann versucht werden sollte, Dr. Löwenherz einem besseren Bewerber vorzuziehen, dann mögen sie die Oeffentlichkeit alarmieren. Ihr jetziges Toben über die Ausschreibung einer öffentlichen Konkurrenz, von der Furcht diktiert, daß ein Zionißt der fähigste Bewerber sein könnte, ist nicht danach angetan, geradedenkende Menschen zu beirren, und liegt schon gar nicht im Interesse der Wiener Judensehait, welche einer musterhaften und initiativen Verwaltung der Gemeinde dringender als je bedarf. Neben der beliebten, iiichtschäiuncudcn Chlorodonl- Zuiitipustc bringt die Chlorodont-Fabrik neuerdings auch eine schäumende Qualität in den Handel. Man verlange ja nach Geschmack Chlorodont schäumend oder nicht* schäumend — beide Qualitäten sind gleich gut,;