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Die neue Welt · 1935-11-22 · Heft 515 (22.11.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 515 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 515 // HCL erlaubt iich die A\ittcilung 211 machen, daß sie die fceittffts des völlig umgestalteten und vnter dem Namen „Zum weißen Rossel" als gemütliches Restaurant wiedereröffneten ehemaligen Apostelkeller» In der ANN AG ASSE 3 »bernornmen hat lind sie holft, dau nun sich bei Ihrer bekannt guten Küche, bei dem ausgezeichneten Nufldorfer Hier, bei Ihren vernünftigen Preisen, bei dei stimmungsvollen Mualfc und in diesem reizenden neuen Milieu wieder so wonl fühlen wird wie einst bei Da» gemütliche Restaurant „Zum w.-ißen Ri>»3el* Ist täglich ab f Uhr «Bends g«5ffntt und führt Iiis 2 Uhr früh ununterbrochen warm« Käthe Täglich eins KÜchempezialitätl iitaeJmsfäefet Definition des Judentums Das Judentum ist eine alles umfassende und umschließende politisch-nationale und soziale Kulturform, die deshalb neben den erhabensten Sätzen abstrakter Ethik auch Zeremonialgesetze rein religiöser Art sowie völlig irdische und profane Anschauungen enthält. J03cph Klausner, ,.Jesus von Nazareth". Der falsdie Nationalismus Eine dritte Irrlehre, die besonders in der Gegenwart, nicht zum ersten Male in der Geschichte, aber neuerlich wieder emporstieg, ist der überspitzte einseitige Nationalismus, der glaubt, daß ein Volk allein berechtigt ist zu leben, daß es besser i$t als alle anderen; nicht der gesunde Nationalismus, der sagt, daß wir Menschen, die einem betimmten Volk angehören, unseren Beruf innerhalb dieser Volksgemeinschaft erfüllen sollen sondern der falsche Nationalismus, der meint, daß das eigene Volk höherwertig und daher zur Herrschaft über die anderen "berechtigt ist. Minister Dobretsberger, Wien, 1935. Zionismus und Kultusgemeinde Die Zionistische Organisation tritt als Jüdische Volkspartei im. Wahlkampf für die Pester Israelitische Kultus gemeinde mit einem umfassenden Gemeindeprogramm vor die Oeffentliohkeit: Im Vordergrund steht das allgemeine, proportionelle Listenwahlrecht, die Einführung der hebräischen Sprache als-Unterrichtssprache in den Schulen und ausgedehnte soziale Hilfstätigkeit, die sich auch auf Chaluzhilfe erstreckt. Budapester Meldung, November 1935. für ju "isdie Arbeit Der. Verband der Besitzer \-on Gasos-Kiosken (Ffuchtsüfteläden) in Tel-Aviv hat beschlossen, für die Verarbeitung nur solche Cltrusfrüchte zu verwenden, die ans Plantagen stammen, v:o ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Im Verlauf der Saison werden durch die Kiosk-Besitzer in Tel-Aviv nicht weniger alt 500 Kisten Orangen täglich für die Erzeugung von Orangensaft verwendet. Pal. Korrespondenz, 1935. Hunger und Gefängnis Im Verlauf von Krawallen auf den Hamburger Märkten, wo Fett, Butter und Schweinefleisch ausverkauft waren, wurden 2 8 Frauen verhaftet. Holländische Meldung, November 1935. Vom Donauraum Der Donaupakt muß die Staaten der Kleinen Entente, Oeslerreich und Ungarn umfassen, wobei jedem Teil völlige Gleichberechtigung zuerkannt werden muß. Prag hat niemuh daran gedacht, irgendwelche Hegemonieansprüche zu stellen, wie tendenziöaerweise. behauptet wurde... Einen etwaigen Anspruch Deutschlands auf eine-Vormachtstellung im Donauraum müssen wir una dem Bereich der Diskussion ebenso ausschließen wie die Ilegemonicubsichtcn eines der zentraleuropäischen Länder. Minister Dr. C. Krofta (Prag). Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn nie verwenden Mtändiff zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewährten Hana Franzbranntwein mit Menthol Kräftigt durch tägliche Einreilmngcn (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. In jedem heHseren Geschäft erhiüüich. Verlangen Hie ausdrücklich Iii ANA, und nehmen Bie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. m&bmb^^ £in Studienkotnifee des Völkerbundes Als vor zwei Jahren, gleich nach der Installierung des Hitler-Regimes in Deutschland, die Fluchtlingsfragc aktuell wurde, ging der Völkerbund daran, ein großzügiges Flüchtlingshilfswerk zu organisieren, worin auch für die j ü d 1 s c h e n Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland gesorgt werden sollte. Es wurde das Hohe Kommissariat für Flüchtlinge geschaffen und der Leiter der amerikanischen außenpolitischen Gesellschaften, James MacDoiuld, zum Chef des Kommissariats bestellt. Zwei Jahre lang amtierte Mac- , Donald. Er unternahm Reisen, setzte sich mit den anderen — privaten — Hilfskomitees in Verbindung, machte Vorschläge, verhandelte mit Regierungen ... Aber es kam bei der Sache nichts heraus. Sein Büro verschlang Riesensummen, welche die Juden Amerikas und Englands zur Verfügung stellen mußten, ver« mochte aber nirgend» helfend einzugreifen. Was für die Flüchtlinge geleistet wurde, war das Resultat jüdischer Arbelt, jüdischen Geldes, jüdischer Administration. Palästina nahm den größten Teil der jüdischen Flüchtlinge Deutschlands auf. Nach zweijähriger „Tätigkeit" schloß das Büro des Hohen, vom Völkerbund installierten Kommissariats seine Pforten. James MacDonald war ehrlich genug, zu bekennen, daß die Weiterführung des Flüchtlingskommissariats gänzlich überflüssig sei, zumal auch kein Budget mehr für dieses Amt vorhanden war. Das MaeDonald-Kommissariat hatte sich als unfähig erwiesen, seinen Aufgaben gerecht zu werden. Die jüdischen privaten Hilfsvereinigungen hatten den größten Teil der Hilfsarbeit geleistet und die Lösung der staatspolitischen Fragen, wie Heimatrecht, Paß, Auswanderung, Einbürgerung usw., war vom Hohen Kommissariat gar nicht in Angriff genommen worden. Inzwischen setzte das natiopjuwuttiJtsteiH-SemHettog. Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen $ 10.- inklusive Abgaben nalsozialistische Deutschland seinen Ausrottungsfeldzug gegen seine jüdischen Staatsbürger fort. Was in Deutschland zur Stunde noch geschieht, ist bekannt... Nun kommt eine — bisher unverbürgte — Nachricht aus Genf, wonach der Völkerbund für Anfang Dezember die erste Konferenz für deutsche Flüchtlingsfragen einberufen und damit seine Absicht kundgetan habe, das Problem der ausgewanderten und zur Auswanderung bereiten deutschen Juden selbst in die Hand zu nehmen. Es besteht schon seit längerer Zeit, ein aus fünf Persönlichkeiten zusammengesetztes Studienkomitee, das die Meinung der in den verschiedenen Ländern bestehenden, zumeist jüdischen Hilfsorganisationen eingeholt hat und sich also bereits im Besitz des erforderlichen Materials befindet. Die Anregung zü dieser Aktion ist vom norwegischen Völkerbundvertreter Hansson ausgegangen. Außer diesem gehören dem Studienkomitee ein Engländer, ein Franzose, ein Tschechoslowake und ein Italiener an. Es handelt sich nun darum, ob der Völkerbund in der Lage sein wird, Deutschland gegenüber — das nicht mehr Mitglied des Völkerbundes ist — mit dem nötigen Nachdruck aufzutreten und für die Juden einen Rechtszustand zu erwirken, der ihnen teils die freie Auswanderung, teils ein „friedliches Nebeneinanderleben" in bezug auf das deutsche Volk ermöglicht. Wenn der Völkerbund, zu dieser Aufgabe entschlossen, auf halbem Wege stehenbleibt, d, h. versagt, dann setzt er den letzten Rest seiner Autorität aufs Spiel. Jedenfalls müssen die kommenden Schritte des Völkerbundes betreffs des deutschen Judenpr.oblems mit ernstester Aufmerksamkeit verfolgt werden. BILLIGE SONDERFAHRT,., .Czernowitzer Allgemeinen Zeitung' am 22. Dezember 1935 und 2. Jänner 1936 mit Sammelpaß nach POLEN UND CZE RNOWITZ ......... IROeWahrt: 5. Janner 1936 und aufgelöste RückfahHmögllchkslf. Auskdnfte und Anmeldunngen: Oesterreichisches Verkehnböro, Frledrichsfraße 7, Telephon B.27-5Ö0, und Graben 20, Telephon U.29-0-35 [Polnische* Reisebüro „ORBIS", KorMnerstraße 41, Telephon R-21-5-78 Reisebüro Morlenbrücke, RotftnturmstroGe 26, Telephon R.24.2-86/87 Eine liebe Dame Leute, die ganz ausgesorgt haben und mehr als satt sind, zeigen oft Neigung, in sozialer Beziehung ganz radikal zu tun. Aus dieser Neigung ist der Salon-Bolschewismus entstanden, der seit langem in aller Herren Länder anzutreffen ist. Nun ist dem Salon-Bolschewismus ein Konkurrent erstanden, der Salon-Nazismus. Dem „Pariser Tagblatt' wird aus London berichtet, daß dort in gewissen allerreichsten Kreisen Propaganda für das deutsche Hakenkreuz getrieben wird. Wenn Lady Y ihren Gsten Stalin vorsetzt, so findet es Lady X für gut, ihren Gästen Hitler zu kredenzen. Zur Illustration dieser Bewegung in den obersten Schichten bringt das Blatt einen Auszug aus einem Londoner Berichte des „Oeuvre", worin es heißt: „Am Mittwoch morgen demonstrierten über 20.000 Menschen im Hyde-Park gegen die antisemitischen Hetzereien des Hitlerregimes. Zahlreiche Geistliche waren zu sehen. Inmitten eindrucksvoller Stille haben alle Anwesenden durch Erheben der Hand eine Tagesordnung gegen Hitler angenommen. Er erhob sich kein Widerspruch, nur die sehr elegante Lady Guinness, im Zobelmantel und perlenbedeckt, erklärte: .Ich, meine Damen und Herren, sage: Heil Hitler! Um zu leben, muß Deutschland die Juden niedermetzeln — das ist meine Meinung!' Selbstverständlich wurde protestiert, aber in durchaus korrekter Form." Das Blatt fügt als Erläuterung hinzu, daß die Lady Erbin des reichsten Bierbrauers von England ist. Warnung an jüdi§die DeutsdilarodsRefeende Es gibt noch immer Juden, die ohne zwingende Gründe nach oder über Deutschland fahren und sich dann rühmen, es sei ihnen nichts geschehen. Manche prahlen dann dumm-frech, man habe sie für ,,Arier" gehalten. Soweit es sich um Leute handelt, die aus zügelloser Profitgier oder Snobismus nach Deutschland fahren, ist es leicht zu verschmerzen, wenn ihnen etwas widerfährt. Aber Dumme und Naive seien gewarnt. Unter dem Titel „Eine Falle für jüdische Ausländer" meldet die J. T. A.: Um diplomatische Schwierigkelten zu vermeiden, die flieh aus der Strafverfolgung f.rerader Staatsangehöriger auf Grün« des Rassegesetzes ergeben könnten, wird die Eröffnung des Verfahrens gegen der Rasseschändung beschuldigte Ausländer von der Zustimmung des Justiz- und des Innenministers abhängig gemacht. Man glaubt aber nicht, daß diese Klausei die Befürchtungen des Auslahdes beschwichtigen kann. Jedenfalls werden auch jüdische Ausländer, die sich in Deutschland gegen die Rassegesetze vergehen oder die schuldlos denunziert werden, straffällig, und zwar gilt dies auch, für jene Ausländer, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten. Jeder jüdische Ausländer, deu Deutschland bereist und die strengen Bestimmungen dea Rassegesetzes nicht einhält oder gegen den eine erpresserische Denunziation ins Werk gesetzt wird, läuft Gefahr, unter der Anschuldigung der „Rassenschände" verhaftet zu werden und lange Zeit im Polizeigefängnis zu verbringen, bis die ministerielle Entscheidung ergeht, ob das Strafverfahren! durchgeführt oder eingestellt wird. Weil er bei lüden gekauft hat ♦ ♦ ♦ Aus Berlin: Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Friedrich S a h m wird sein hohes Amt verlassen und durch den Staatskommissär für Berlin Dr. L i p p e r t, einem Protege" Dr. Goebbels', ersetzt werden. Dr; Lippert hatte früher als Rodakteur des „Angriff" den antisemitischen Teil dieses Blattes redigiert. Der Grund des Ausscheidens von Dr. Sahm, der erst im 58. Lebensjahre steht, ist erst in den allerletzten Tagen bekanntge- . worden. Dr. Sahm wurde denunziert, daß er und seino Frau in jüdischen Geschäften einkaufen. Ein Angestellter der Bank, in der das Ehepaar Sahm ein Konto hat, hat festgestellt, daß zwei von Dr. Sahm und seiner Frau ausgestellte Schecks von jüdischen Firmen zur Zahlung präsentiert worden sind, und hat sofort Dr. Sahm bei der Partei angezeigt, woraufhin der Oberbürgermeister vor ein Parteigericht zitiert wurde. Dr. Sahm, der einstige Demokrat, ist nämlich im Jahre 1933 in die NSDAP, eingetreten und hat durch diesen Schritt sein Amt als Oberbürgermeister von Berlin, zu welchem ihn die demokratische Mehrheit dos Berliner Stadtrates berufen hatte, auch unter der Naziherrschaft behalten können. Nunmehr wird er doch vom Schicksal ereilt. Dr. Sahm war von 1912 bis 1918 Bürgermeister von Bochum, 1919 bis 1920 Oberbürgermeister von Danzig, von 1920 bis 1931 Präsident des Danziger Senats, Reit 1931 ist er Oberbürgermeister von Berlin. ,Aus#'$tedtt iV BAYRISCHER HOI

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