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Die neue Welt · 1935-11-15 · Heft 513 (15.11.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 513 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 513 /'! \ SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCMHAUEREI Zeatralc: IX.. Beregise 19. Tel. A-trö-99 n. A-lb-9-54 Lieferant für Heilanstalten AbfeiSungaft Sür »i!»*-FJeisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabhinats der Isr. Kultusgeraeinde Wien Autozustellung kostenlos *X. Berggasse 15 / XVH3., Ufähringerstr. 97 kratischen Studenten Versuche, die j ü d i ü c h e n Studenten zu zwingen, in den letzten Bänken auf der linken Seite des Hörsaales, die sie als „Ghetto- Bank e" bezeichneten, Platz zu nehmen. Als die jüdischen Studenten und Studentinnen Widerstand leisteten, wurden sie verprügelt und hinausgeworfen. An der Polytechnik nahmen die Exzesse einen solchen Umfang an, daß die Vorlesungen eingestellt werden mußten. Nach einer in der Kreuz-Kirche abgehaltenen Trauermesse für zwei nationaldemokratische Studenten, die vor zwei Jahren in Wilna und in Lemberg anläßlich der Zusammenstöße zwischen antisemitischen und jüdischen Hochschülern den Tod gefunden haben, veranstalteten Gruppen nationaldemokratischer Hochschüler antisemitische Straßenkundgebungen, wobei fünf jüdisch aussehende Passanten geschlagen und die Fenster vieler jüdischer Geschäfte zertrümmert wurden Der -verjagte Oberrabbiner In Czernowitz hat sich anläßlich der Installierung des neuen griechisch-orientalischen Metropoliten Erzbischof V i s a r i o n ein antisemitischer Skandal sondergleichen meldet: ereignet. Das „Czernowitzer Morgenblatt" Erzbischof Visarion Puiu. welcher mit dem Bukarester Chefrabbiner Senator Dr. Niemirover vom Senat aus seit Jahren bekannt und befreundet ist, hat die Einladung des Chefrabbiners veranlaßt. Der Chefrabbiner hat auch an der feierlichen Installierung des Metropoliten in der Kathedrale teilgenommen. Der Chefrabbiner begab sich nachher in Begleitung des Kultuspräsidenten Doktor M e n c z e r in die Residenz zum Bankett. Beim Aufgang in den Saal postierte sich Deputierter Robu, umgeben von einigen jungen Leuten, und verwehrte dem Senator Niemirower den Eintritt, indem er ihn mit folgenden beleidigenden Zurufen apostrophierte: „Schauen Sie, daß Sie wegkommen, hinaus, Sie haben hier nichts zu suchen, es ist eine Schande, fahren Sie ab, wir installieren hier einen Metropoliten und nicht einen Rabbiner" usw. Darauf rief Senator Dr. Niemirower Robu zu: „Ich bin Senator, ich habe eine Einladung bekommen." Robu wiederholte seine Zurufe und machte Miene. Senator Dr. Niemirower hinauszudrängen. Dr. Niemirower wollte eine weitere Störung der Feierlichkeiten verhüten und kehrte Robu den Rücken, um wegzugehen. Der Kultuspräsident Dr. Menczer verließ mit ihm das Residenzgebäude. Einer der Garde Robus verfolgte Dr. Niemirower mit Schmährufen bis zum Tore. Der Czernowitzer Oberrabbiner Dr. Mark, welcher vorher in den Speisesaal hinaufgegangen war, verließ nach erhaltener Information über den Vorfall das Bankett. Kammerspiele. „Frau Florfts Töchter", Lustspiel von Lunzer und Friedmann. Diese oft bewährte Schwankfirma hat hier ein Stück geliefert, das ganz auf seine Hauptdarstellerin Gisela Werbezirk gestellt ist. Sie führt als Hotelbeaitzerin ein strenges Regiment über ihren Betrieb, ihre beiden Töchter und ihren Gatten. Mit allen Sorgen, die ein Geschäft und eine Familie bringt, muß sie sich herumschlagen, bis eine Amerikanerin kommt und alles zum Happy End führt. Gisela Werbezirk füllt ihre Rolle und das Stück mit der ihr eigenen Behäbigkeit, mit ihrem satten Humor aus. Man muß sie in dieser Rolle gegeben, haben, Die Judengemeinden Polens bedroht Aus Warschau: Hier fand eine Beratung jüdischer Gemeindeführer Polens über den Plan der Schaffung eines Verbandes jüdischer Gemeinden statt. Der Präsident der Warschauer Gemeinde, A. Ma zur, berichtete, daß die Warschauer Gemeinde täglich Briefe von verschiedenen Gemeinden des Landes erhält, in denen über unberechtigte Eingriffe der Behörden in die Gemeindeangelegenheiten geklagt wird. Aus einer Reihe von Tatsachen geht hex-vor, daß Ortsbehörden die Existenz der Gemeinden in Frage stellen. Das Steuerrecht der Gemeinden wird begrenzt, bei nationaldemokratisch gesinnten Beamten herrscht die Tendenz vor, die rituelle Schächtung unmöglich zu machen, auch in Angelegenheiten der rituellen Beschneidung mischen sich die Behörden ein. Eine sehr arme jüdische Gemeinde in einer kleinen / Stadt erhielt vom Stadtrat einen Zahlungsauftrag über 1000 Zloty für Ziehung eines „Eruw" (Ziehung eines Drahtes als Sabbatweggrenze, damit das Tragen von Gegenständen innerhalb der Stadt am Sabbat möglich wird). Der Präsident der Lublincr Gemeinde Halberstadt führte aus, falls in der legalen Position der Gemeinden nicht bald Wandel geschaffen wird, wäre anzuraten, daß sich alle Gemeinden demonstrativ auflösen. Die Aufsichtsbehörde hindert jede Etataufstellung und maßt sich sogar an, Schächter ihrer Wahl der Gemeinde aufzudrängen. Kürzlich hat der Starosta von L u b 1 i n den Präsidenten der Repräsentanz der Lubliner Jüdischen Gemeinde, Silber, mit 5000 Zloty bestraft, weil er die Repräsentanten zu einer außerordentlichen Beratung eingeladen hatte. Qualität und Quantität Aütagsprobleme der Palästina-Wirtecftaff Von Dr. J. Adler (Tel-Aviv) Vor kurzem hat die Palästina-Regierung — die ja nicht nur hohe Politik, sondern auch praktische Administration zu treiben hat — eine Verfügung erlassen, wonach beim Verkauf von Pflanzenfetten die Bezeichnung ..künstliche Butter" nicht mehr gebraucht werden darf. Vermutlich sind auf Grund des neuen Nahrungsmittelgesetzes noch weitere Vorschriften geplant, die sich mit der richtigen Benennung von Lebensmitteln befassen und eine Täuschung des Publikums verhindern sollen. Unseres Erachtens wird damit ein Grundproblem der palästinensischen Wirtschaftpraxis berührt, das über den Interessenkreis des Lebensmittelhandels weit hinausgreift und auch zahlreiche andere Branchen der Tel-Aviver, Jerusalemer und Haifaer Geschäftswelt angeht. Wie sollen wir unsere Waren sachlich richtig und zugleich in einem gediegenen, einwandfreien Hebräisch benennen, wie insbesondere die Qualitätsunterschiede charakterisieren, damit der Konsument genau erfährt, was ihm da angeboten wird? Darf man einen Kleiderstoff noch als „Seide" benennen, wenn tatsächlich ein erheblicher Prozentsatz Kunstseide darin enthalten ist? Wie steht es mit den Baumwollbeimischungen bei Woll- und Leinenfabrikaten? Und wenn jetzt der Winter kommt, die Tropenhelme in die Kleiderschränke für fünf Monate verschwinden und erhöhte Nachfrage nach Filzhüten eintritt, wie steht es da linguistisch und verkaufstechnisch mit der Unterscheidung zwischen bescheidenem Wollfilz und echtem H a a r f i 1 z? Nicht nur muß man Ersatz und echtes Material streng voneinander abgrenzen, sondern auch noch andere Fragen des Sprachgebrauchs, wie zum Beispiel den noch stark umstrittenen Anwendungsbereich der Qualitätsmerkmale „prim a", „erstklassig" usw., zu allgemeiner Befriedigung zu lösen suchen — und oft findet sich heute der palästinensische Detaillist noch einer Kritik des Publikums ausgesetzt, die man von Rechts wegen eher an die Lieferanten und Fabrikanten der Ware adressieren sollte. Würden die Waren, die in den Ladengeschäften Palästinas feilgehalten werden, heute schon zum größeren Teile im eigenen Lande hergestellt, so könnten wir das Problem der richtigen Benennung ziemlich einfach lösen. Unsere Fabrikanten würden sich unter der Aegide des Tozereth-Haaretz-Komitees leicht darüber verständigen. Leider ist nun aber unsere palästinensische Industrie erst noch im Aufbau begriffen, so daß wir vorläufig noch eine große Anzahl von Waren aus dem Ausland importieren müssen, und zwar aus den verschiedensten Ländern der Erde, die in der Geschmacksrichtung und im Qualitätsbegriff stark voneinander differieren. Was ist beispielsweise, um etwas scheinbar ganz Harmloses zu fragen, „f e instes Schreibpapier"? Ein japanischer, ein englischer, ein polnischer Lieferant werden darüber vielleicht Ansichten äußern, die sich keineswegs decken. Erschwerend kommt hinzu, daß in vielen Exportländern auch heute noch die Meinung sich behauptet, für die „Levant e" sei das Minderwertige immer noch gut genug — „Bon pour l'Orient!", wie die alte, berüchtigte Parole lautet. So wirft man Ware, die im Inlande anzubieten man sich schämen würde, ungeniert und unbedenklich auf den Palästina- Markt. Die schönen Versprechungen der Kataloge und Prospekte und Preislisten werden oft nicht eingehalten, und es kommt auch vor, daß selbst Musterproben keinen Schutz gegen Uebervorteilung bieten, da bisweilen die Warensendung ganz anders ausfällt, als die Musterprobe erwarten ließ. Unter der Unreellität gewisser ausländischer Lieferanten leiden unsere Importeure ebenso wie unsere Detaillisten und unsere Konsumenten. Können wir uns überhaupt dagegen wehren, daß unser Land von minderwertigen Auslandswaren unter täuschenden Bezeichnungen überschwemmt wird? Von den Regierungen der Exportländer ist hier leider im allgemeinen nur selten ein Eingreifen zu erhoffen. Während bei uns in Palästina die Regierung streng darauf achtet, daß nur Orangen von einwandfreier Qualität exportiert werden, haben manche andere Staaten gerade das entgegengesetzte Prinzip. Sie schützen zwar ihr eigenes Publikum vor minderwertigen Erzeugnissen, verzichten aber gegenüber dem Export auf jedwede Qualitätskontrolle, damit ja nur recht billig exportiert und die Do^isenlage verbessert werden kann. Nun gibt es neuerdings Versuche, durch internationale Vereinbarungen der Industrien selbst für einwandfreie Warenbezeichnungen und für die Garantie der Qualität zu sorgen. So wird im nächsten Jahr in Wien ein internationaler Kongreß der Uhrmacher tagen, um die Qualitätsstufen der Uhren genau festzulegen, auch ihre Bezeichnung unmißverständlich zu regeln und die Garantiefristen international einheitlich zu bemessen. Wann aber würden sich jemals die internationale Textilindustrie, Papierindustrie, Baustoffindustrie, Lederindustrie usw. zu ähnlichen Schritten entschließen? Eöbec bleibt dej» jplä^ensiecbea Emo\hanMt .soweit er infolge der Lücken in der einheimischen Industrie noch auf den Besug von Auslandswaron angewiesen ist, heute nichts anderes übrig als der Weg der organisierten Selbsthilfe, indem er aus eigener Initiative auch in anderen Branchen dem. Beispiel folgt, dar. die Regierung bereits auf manchen. Gebieten der Nahrungsmittelindustrie gegeben hat. An der Spitze der verschiedenen Maßnahmen, die dazu notwendig sein werden, steht die Aufgabe, gemeinsam mit dem „Waad Halaschon" eine genaue Liste der hebräischen Warenbezeichnungen aufzustellen, die für jegliches marktgängige Produkt einen klaren, allgemeingültigen Namen schafft um" vor allem keine Verwechslung mehr zwischen echtem. Material und Surrogaten zuläßt. Mit jiddischer, englischer, polnischer, deutscher, russischer, französischer und arabischer Uebersetzung versehen, also dem Alltagsbedürfnis Palästinas angepaßt, würde ein solches Verzeichnis sämtlichen Landesbewohnern äußerst willkommen sein, insbesondere auch den Zehntausenden der Neueinwanderer und zumal auch unseren Hausfrauen, desgleichen nicht minder den Lieferanten im Auslande — mit alledem würden sämtlichen Beteiligten viel Mißverständnisse und Aerger erspart werden. Es würde dadurch auch der Vielsprachigkeit in den Läden ein Ende gemacht, die heute ebenso schwer den Käufer wie den Verkäufer belastet. Wenn erst einmal die sprachlich-begriffliche Seite der Warenbezeichnungen geregelt ist, dann würde sich auch leichter die Möglichkeit finden, dies© Begriffe mit realem Inhalt zu füllen, indem man palästinensische Qualitätsnormen zunächst für die wichtigsten Konsumwaren aufstellt. Im wesentlichen würde man zweckmäßigerweise die Grundsätze übernehmen, die dafür in der englischen Industrie bestehen, da England ja der wichtigste Lieferant unseres Marktes ist. Wir würden diese Grundsätze natürlich noch nach lokalen Bedürfnissen ergänzen und modifizieren müssen. Mit einer solchen Aufgabe würden wir für die einzelnen Warengruppen — zum Beispiel Textilien, Lederwaren, Papierwaren, Haus- und Küchengeräte, Möbel, Metallwaren, chemisch-kosmetische Erzeugnisse usw. — Komitees zu betrauen haben, die sich aus Repräsentanten der palästinensischen Industrie, des Einfuhrhandels, des Groß- und Einzelhandels, der Hausfrauenorganisationen („Wizo") und aus wissenschaftlichen Sachverständigen, die der Ingenieur- und Chemiker-Verband delegiert, zusammensetzen. Die Resultate würden den Ausgangspunkt zu einem großen Propagandafeldzug für den Qualitätsgedanken bilden, zu einem scharfen Kampf gegen den Schund, der heute so gern unseren Markt überflutet und viele Millionen pal. Pfund an palästinensischem Volkseinkommen ohne angemessenen Gegenwert ins Ausland entführt. Man möchte die Parole dieses Kampfes so formulieren: „Kauft Tozereth-Haaretz (Palästina-Produkte) und, soweit diese noch nicht vorhanden, nur solche Auslandsware von geprüfter Qualität, die den Palästina-Normen entspricht!" Zur Popularisierung dieses Gedankens könnte insbesondere eine belehrende Musterschau im Rahmen der kommenden Tel-Aviver Levante-Messe (30. April bis 30. Mai 1936) beitragen, die unter dem Titel „P alästina-Normen" alle wichtigen Waren in den Qualitäten zeigen müßte, die von den Branchenkomitees als vorbildlich anerkannt werden. Diese An« regung möge von unseren verantwortlichen wirtschaftspolitischen Instanzen eindringlich beachtet werden! Auf Grund praktischer Erfahrung und täglicher Beobachtung betonen wir nochmals, daß dieses Problem der wahrheitsgetreuen Bezcichb IaH ALIW? Das sorgenlose Eink o mm e n : die RENTE ALLG. RENTENANSTALT WIEN-'I. GRABE.N 20 ■ TELEPHON U 2 1 -5-10 M '■•4tmm&.j.

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