Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 513 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 513 DIE NEUE VVEL1 Seite 7 nung und einwandfreien Qualität der Waren nicht bloß eine Sorge der Industrie und des Import- und Großhandels sein kann, sondern in erster Linie auch den Einzelhandel angeht, denn seine Hand ist es, aus der das kaufende Publikum die Ware empfängt, und Lob und Tadel werden daher stets ihn zuerst treffen. Mit den bisher behandelten Fragen berührt sich in der Praxis aufs engste die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung auch der Quantitätsbegriffe. Wenn auch die Palästina-Regierung sich noch immer nicht dazu entschließen konnte, das veraltete orientalische Maß- und Gewichtssystem Palästinas definitiv durch das internationale metrische System zu ersetzen, so steht doch nichts im Wege, daß unsere modernen Industriellen, Importeure, Detaillisten von sich aus resolut mit dem Unfug der „nördlichen" und „südlichen" Okia, mit „Dirhem" und „Rottel", mit „Pic" usw. Schluß machen. Gleichzeitig würde es sich sehr empfehlen, beim Verkauf der Ware nach. Gewicht im Einzelhandel die in Oesterreich und der Tschechoslowakei übliche und bestens bewährte Rechnung nach „Deka" (je 10 Gramm) ein- »uJühren. Ganz nahe verbunden ist damit die Vereinheitlichung bestimmter Warentypen und Formate. Was ist beispielsweise beim Schreibpapier „Quart" und ,,Folio"? Oft treffen wir dafür in drei verschiedenen Papierwarenläden einer Tel-Aviver Geschäftsstraße drei verschiedene Formate an. Auch die Größen- Nummern" bei Schuhwaren und bei Fertigkleidung sind in der Praxis des palästinensischen Einzelhandels noch keineswegs einheitlich und können Käufer uad Verkauf er oft fast zur Verzweiflung bringen. Aehnlich steht es beispielsweise auch mit den Sortimenten bei Kleineisenwaren. All die Reformen, von denen wir hier sprachen, mögen noch vor wenigen Jahren nicht sehr eilig gewesen sein, da damals unsere Stadt noch klein, der ,,Jischuw" zahlenmäßig und wirtschaftlich schwach, das Warenangebot noch wenig auswahlreich war. Heute indessen hat sich das von Grund auf verändert. Palästina ist ein hochmodernes Land geworden, mit rapid zunehmender Bevölkerung, die in ihrer Arbeitsweise und in ihrem Konsum den neuesten Vorbildern Westeuropas und Amerikas nachstrebt. Diese jüngste Epoche Palästinas stellt auch ihre besonderen Ansprüche an die Geschäftswelt. Dazu gehört vor allem: eine präzise, unzweideutige Bezeichnung der Waren in gutem Hebräisch, eine wahrheitsgetreue Angabe der Qualität, ein modernes Maß- und Gewichtssystem, schließlich auch das, daß man dem Kunden den Einkauf der Ware durch Typisierung und Standardisierung mittels „Normen" möglichst erleichtert. Anwachsen der Bevölkerung Palästinas Aus Jerusalem (J. T. A.): Wie aus einer im Amtsblattc der Regierung „Palestine Gazette" veröffentlichten Statistik hervorgeht, hat sich die jüdische Bevölkerung Palästinas im September d. J. um 8786, die arabische um 1752 Seelen vermehrt. Diese Ziffern "berücksichtigen jedoch nur die Vergrößerung der Bevölkerung durch Einwanderung, während eine amtliche Statistik über den natürlichen Zuwachs noch aussteht. Auf Grund der zur Verfügung stehenden nichtamtlichen Ziffern kann man den jüdischen Bevölkerungszuwachs im September insgesamt auf etwa 13.000, den arabischen auf rund 9000 Seelen schätzen. Da die Zahl der Einwanderer der Kategorie A 528 beträgt, sind mindestens 52 8.0 00 Pfund neu in das Land gekommen. Dieses Kapital schafft neue Arbeits- und damit wieder neue Einwanderungsmöglichkeiten. Von den ein-. gewanderten Mohammedanern und Christen hat keiner eigenes Kapital mitgebracht; die Erhöhung der wirtschaftlichen Kapazität ist somit ausschließlich auf die jüdische Einwanderung zurückzuführen. Kommt das Palästina-Parlament? Aus Jerusalem (J. T. A.): Führende jüdische Kreise in Palästina haben die Information erhalten, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der in dieser Woche wieder in Jerusalem eintrifft, am Freitag, den 15. November, die Schaffung des Legislative Council für Palästina proklamieren wird. Der Council soll aus 6 Mohammedanern, 2 Christen und 10 Engländern bestehen. Für die Juden sollen 4 Sitze reserviert werden, die jedoch im Hinblick auf die Ablehnung des Council durch die Juden unbesetzt bleiben dürften. Der High Commissioner wird als Vorsitzender uneingeschränktes Vetorecht gegenüber den Beschlüssen des Council haben. Demgegenüber führt die hebräische Tageszeitung „Doar Hajom" aus, sie habe aus sicherer Quelle erfahren, daß das Colonial Office in London und der High Commissioner Sir Arthur Wauchope gemeinsam beschlossen haben, die Bildung des Legislative Council auf einen geeigneteren Moment zu vertagen. Somit sei die Frage des Legislative Council gegenwärtig nicht aktuell. Mord um Polizeisergeanteu Kosenteid Aus Jerusalem: In der Nähe von Ajn Charod wurde der jüdische Polizeisergeant Moschc Rosenf cid ermordet aufgefunden. Von den Mördern fehlt bis jetzt jede Spur, Der Mord geschah am Fuße der GUboa^ Hügel, am Körper Roscnfelds wurden drei Einschußstellen festgestellt. Neben dem Toten fand man eine arabische Scout-Üniform, einen Revolver und Proviant. Man nimmt an, daß Rosenfeld ermordet wurde, als er in den Orangenhain von Ajn Charod eingedrungene jugendliche Araber verscheuchen wollte. Rosenfcld. der 28 Jahre alt wurde, ist der Sohn eines jüdischen Kolonisten. Er wurde in der Kolonie Mcnachemia geboren. Seit 10 Jahren diente er bei der Polizei. Begräbnis Aus Jerusalem: In Ajn Charod wurde der von arabischen Marodeuren erschossene jüdische Polizeisergeant Mosche Rosenfeld feierlich zu Grabe getragen. Hinter dem Sarge schritten Rosenfcld» betagte Eltern und Kolonisten aus allen Teilen des Emek. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive Mosche Shertok hielt die Grabrede. Arabischer Angriff auf jüdische Rodenkäufer Aus Jerusalem (J. T. A.): Eine Gruppe von vier Juden, die in der Nähe des arabischen Dorfes El Duamia Boden, der ihnen zum Kauf angeboten wurde, besichtigten, wurde von einer arabischen Bande angegriffen. Der arabische Führer der jüdischen Käufer wurde verwundet. Folme der Woche (nach den Herstellungsländern zusammengestellt). .Amerika: Der Rabe — Staatsfeind Nr. 1 — Der seltsame Fall des Dr. Prentice — Die Peitsche der Pampas — Die Jungen der Paulstraße — Sommernachtstraum — Kleines Mädl — Der bunte Schleier. England: Kardinal Richelieu. Filme unter Arierparagraph: Unsterbliche Melodien — Liebesleute — Der mutige Seefahrer — Der Student von Prag — Liebesrhapsodie — Ein idealer Gatte — Ich liebe alle Frauen — Sylvia und ihr Chauffeur — Einer zuviel an Bord — Die ganze Welt dreht sich um Liebe — Der grüne Domino. pm$e$, sekt nettes mit S 20 000 Mitgift, sucht zwecks Ehe einsn Kaufmann im Alier von 26 bis 30 Jahren mit Kapital kennenzulernen. Zuschriften unt. ,A. B.' an d:e Exp. d. Bl. B^se & SsfofasÄesra unter den neuesten Schuh-Modellen bringt Schuhhaus „Willy" in hervorragender Qualität zum Preise von nur S 19.50. Es sind dies 2 aparte Modelle in schwarz Samtkalb' oder Leder für die elegante Dame, tadellos in Ausführung und Material. Ueberzeügen Sie sich davon bei „Willy", V., Pilgramgasse 6. e . Am 20. November d. .1. wird da" „Jüdische Kulturthoatcr" mit dem Schauspiel ,,H ö r e I s r a e 1" von Ossip Dymow. in neu^r Bearbeitung von E. J u b a 1 eröffnet. E. Jubal in dessen Händen die künstlerische Leitung ruht, stellt ein Programm zusammen, welches alle Kunstg." Hungen, darunter Kleinkunst, jüdische Operette, jüdischn Revuen usw. umfassen soll. Bereits einige Tage nach der Premiere von „Höre Israel" bringt das Theater einen Kleinkunstabend heraus. „Das Jüdische Kulturtheater", dessen Bau eben fertiggestellt wurde, befindet .sich auf dem Franz-Josel'skai 3. Es soll für die anderen Theater absolut keine Konkurrenz bedeuten, denn es kommen nur Stücke in Betracht, die die übrigen Bühnen aus verschiedenen Gründen nicht verwenden können. Das „Jüdische Kulturtheater" widmet sich vor allem der Pflege jüdischer Literatur in. deutscher Sprache, der Aufführung von Stücken, die sich mit jüdischen Problemen, mit dem jüdischen Leben befassen. Das Ensemble des Theaters besteht aus jungen Kräften, die mit Begeisterung und Liebe am Werk sind. Dem Theater ist ein dramaturgisches Eüro angeschlossen, welches die gesamte dramatische Produktion von Juden aller Länder für seine Zwecke nutzbar machen will. Oskar Singer. Herren der Welt. Zeitstück in drei Akten. Rofta-Verlag Prag-Wien-Zürich. Em Problem, das jeden ethisch empfindenden Menschen, vornehmlich jeden Juden zu erschüttern, vermag, nämlich das Schicksal der deutschen Judenheit, kann vielfach dargestellt werden. Die dramatische Form hat den Vorzug wirklichkeitsnaher Wirkung, unmittelbarer Lebendigkeit. Oskar Singers Zeitstück konfrontiert die einzelnen Typen im heutigen Deutschland miteinander und bringt so wuchtige Szenen und den Zusammenprall magischer Kräfte zustande, die in jedem echten Theaterstück wirken. Das Martyrium des jüdischen Menschen im heutigen Deutschland wird als Zeuge sinnloser Barbarei aufgerufen. Man soll die „Herren der Welt" spielen. Sie sind echt in der Leidenschaft und auch architektonisch gelungen.- In Prag hat eine junge jüdische Bühne mit den „Herren der Welt" Oskar Singers tefste Wirkung erzielt. Für das Wiener Jüdische Kulturtheater sähe ich hier eine Aufgabe, o. r. . >A