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Die neue Welt · 1935-11-15 · Heft 513 (15.11.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 513 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 513 DIE NEUE WEL'i Seite 5 nFß'KUSSFESTE Ein n@u@r Lippenstift Kislik ist ein neuer, wirklich kußfester Lippenstift und keine gewohnliche, nach veralteten Methoden erzeugte Schminke. Kistik enthält einen besonderen farbigen Zusatz, der mit einer Schönheitscreme so verarbeitet ist, daß die Farbe auf den Lippen so lange hält, bis sie entfernt wird. Essen, Wasser und auch Küsse zerstören sie nicht. Eine einmalige Anftrugung am Morgen genügt zur Verschönerung Ihrer Lippen für den ganzen Tas?, ohne daß Korrekturen notwendig wären. Die Damen, die Klsfiik erprobt haben, sind entzückt. in ailftw FachqeschSHen erhältlich tKmKtmmmammmmmmmmmmfmammtmmmmnmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmamm Wßckes*sit!$$ei Ein franzosäsdhes Urteil Ich denke an die deutschen, jüdischen Soldaten, die während des Weltkrieges unsere Gegner waren, die ihr Leben hingegeben haben und deren Namen jetzt auf Befehl der deutschen Regierung von den Gedenktafeln verschwinden sollen. Ohne dem Chauvinismus zu verfallen, ist man stolz, Franzose zu sein, wenn man bedenkt, daß eine so niedrige Schändlichkeit in Frankreich unmöglich wäre. Gäbe es einen Irre n, der es anordnete, so gäbe es Hunderttausende von anständigen Rebell e n, die nicht gehorchen würden. Abel Hermant, Mitglied der Academie Franccise, Paris. Jesu — kein Nidhfarier Jesus war kein Christ, sondern Jude. Er verkündete keinen neuen Glauben, sondern er lehrte den Willen Gottes zu, tun. Der Wille Gottes stand für ihn wie für die Juden im Gesetz und in den übrigen heiligen Schriften, die dazu gerechnet wurden. Julius Wellhausen, Einleitung in die drei ersten Evangelien. Das Hakenkreuz vorgeahnt „Besonders in München leben meine Antipoden." Friedrich Nietzsche. ZW gute tHaßtniedeeu. doch nickt teucec! Wian I, Plankeng.^/S^lziu'rgtorie'sg^slo'ai ANNA ZWÜLFER Keine Illusionen Es geht Deutschland schlecht, sehr schlecht. Kanonen, welche die Butter ersetzen, haben keinen großen Nährwert. Man hat sehr viele Arbeiter zur Herstellung dieser Kanonen beschäftigt, die Arsenale sind voll — was soll mit diesen nun arbeitslos Gexoordenen geschehen? Die Staatskassen sind leer. Man kann die fehlenden Nahrungsmittel nicht im Ausland kaufen. Das Hitler-Regime steht ungewöhnlich ernsten Schwierigkeiten gegenüber, denen keine politische Konstruktion zu begegnen vermag. Die Folge ist, daß die Führer des Regimes es jetzt plötzlicli mit der internationalen Solidarität zu tun bekommen. Oh, loir machen tms keine Illusionen ... „Intransigean t", Paris, November 1935. Sie toben sich aus Das Kreisgericht in Kassel liat unter der Beschuldigung der „Rassenschande" den 35jährigen Arzt Dr. P. B. ku neun Jahren Gefängnis verurteilt. Offizielle Berliner Meldung, November 1935. In BCetten ♦ ♦ ♦ Unter den Arrestanten, welche in das Jerusalemer Gefängnis eingeliefert wurden, befinden sich auch sogenannte „iUc9ale,< Einwanderer. Sie sind in Ketten geschmiedet, ebenso auch die Greise und Kinder. Vor kurzem sind diese Einwanderer wieder in den Hungej-streik getreten. Pal. Korr., Jerusalem 1935. Sowjetvußlands doppeltes Gesicht Die Sowjetregier un g hat beschlossen, die internationalen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem italicnlsoh'abesainischen Konflikt auszunützen und die Zahl der auf dem Mittclmccr kursierenden Schiffe xu vergrößern, hauptsächlich durch Einführung einer neuen Linie Odessa—Saloniki. Das erste Schiff dieser Linie, die „Grusia", ist bereits in Palästina eingetroffen. Der Versuch SowjetrußlandSj an der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu profitieren, während der jüdischen Auswanderung aus Sowjetrußland die größten Schwierigkeiten gemacht werden, hat in der palästinensischen Oeffentlichkeit Erbitterung hervorgerufen. Eine Reihe öffentlicher Institutionen bereitet eine Aktion gegen dieses russische Schiffahrtsgeschäft vor und verlangt Boykottier ung der sowjetrussischen Schiffe, solange Sowjetrußland die jüdische Auswanderung nicht freigibt. Palästinensische Presse, November 1935« einest! Der rottende Ehebruch Im ..Pariser Tageblatt" schreibt Manuel Kunibert : Schon lange ging in Deutschland das Gerücht um, daß der Fliegergeneral und StaatFsekretär Milch nicht die richtige, wahre, arische Muttermilch getrunken hätte. Leute mit gutem Gedächtnis erinnerten sich seiner Breslauer Ursprünge, die wenig der germanischen Heldensage, wenig der Edda und dem Arminius glichen. Sie wußten davon zu berichten, daß in der 3chlesiachen Hauptstadt eine Familie Milch lebte, deren Sprößling jetzt die rechte Hand des edlen Luftgeneralissimus G ö r i n g geworden, und daß in diesem Milchkreis bisher noch keine Rassenmischung nach der germanischen Seite hin zu verzeichnen gewesen ist. Bisher wurde der Staatssekretär Milch von diesem Gerede wenig berührt, da Preußens höchster Herrscher schützend die Hand über seinem nicht ganz blonden Scheitel hielt und mit dem weiland Wiener Bürgermeister Lueger erklärte: „Wer ein Jud' ist, das bestimm' ich!" Das Geschlecht der Neider scheint aber allzu heftig an dieser deutschen Borke genagt zu haben. Um sich der Angriffe zu erwehren, veröffentlicht der Edeling Milch nunmehr eine eidesstattliche Erklärung seiner Mutter, in der es heißt, daß „ihr Sohn außerehelich gezeugt sei und nicht von dem Juden Milch abstamm e". Wenn man dieses Zeugnis liest, kommt einem Ekel an, wie weit die Menschlichkeit vom braunen Barbarensystem in Schmutz und Kot gezerrt worden ist. Aber nichts liegt uns so fern, als diese Mutter anzuklagen, denn ihr Zeugnis, jene Preisgabe geheimster Erniedrigung nach vielen Jahrzehnten, bedeutet Aufopferung für einen Sohn, Selbstenthüllung, Eigenkreuzigung am Schandpfahl der Zeit, wie sie die Geschichte noch nicht gekannt hat. In dieser Mutter lebt wahrhaft etwas Uebermenschliches, wenn sie es fertig bekommt, Wahrheit oder Lüge auf dem Jahrmarkt der Epoche preiszugeben. Der Fliegergeneral Milch ist gewiß ein Elender, weil er solches Zeugnis von seiner Mutter verlangt hat. Diese Mutter aber ist besser als ihr Sohn, weil sie den gemeinen Karrieristen durch ein Blutszeugnis oder durch einen Blutsmeineid zu retten versucht, sicher wohl wissend, wie unwürdig er ihrer ist. Spätere Zeiten werden kopfschüttelnd vor solcher Verirrung stehen und sich frage-!, in welches Jahrhundert der Vergangenheit diese braune Aera zurückgefallen ist. Bisher verzeichnet die Menschheitsgeschichte jedenfalls noch keine Epoche, dia sich an Niedrigkeit mit der braunen zu messen vermag. Jüdische Kühe — arted'.e Kühe Das „Wolfrathshaunoner Tageblatt" veröffentlicht folgende Kundmachung der Gemeinde Königsdorf: „Zur Regelung der Haltung des Gemeindestiers und Verhütung von Ansteckungen wird angeordnet: 1. Kühe, die direkt oder indirekt bei Juden gekauft werden, werden zum Gemeindestier nicht zugelassen; 2. Kühe aus Ställen, in welchen sich bei Juden gekauftes Vieh befindet, müssen ein Jahr lang unter Beobachtung gehalten werden; vor dieser Zeit werden sie bei dem Gemeindestier nicht zugelassen. — Der Bürgermeister: Ernst Schreyer. Bis zur Verblödung Aus Berlin: „Der Stürme r" verlangt in seiner soeben erschienenen Nummer die Schaffung jüdischer Gerichte. Deutsche Gerichte sollen nicht mit jüdischen Sachen behelligt werden. Deutsche Richter wären zu schade für ,,Judereien". Es wäre deshalb gut, wenn bald ein Gesetz jüdische Gerichtshöfe für Juden schaffen würde. Dort mögen sie dann ihre Klagen einem Rabbiner zur Beurteilung vorlegen. „Der Stürmer" macht auch folgenden Vorschlag! Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß es heute den jüdischen Konfektionsgeschäften immer noch erlaubt ist, die Fenster puppen mit nichtjüdischen Köpfen zu zieren. Ich mache den Vorschlag, die nationalsozialistische Handels- und Gewerbeorganisation möge dafür sorgen, daß in allen jüdischen Konfektionsgeschäften die Schaufensterpuppen auch jüdische Gesichter tragen müssen. Aber die Juden sotten krepieren ... Aus Essen wird gemeldet: Auf einem Transparent für die Winterhilfe, das quer über einer Straße der Stadt Mühlheim a. d. Ruhr angebracht ist, kann man folgendes lesen: „Niemand soll hungern, Niemand soll frieren, Aber die Juden Sollen krepieren." Feinde unserer Zehne sind am gefährlichsten, wenn sie ihr Zerstörungswerk unbemerkt vollbringen können, wie das Millionenheer der Fäulnisbakterien. Wenn die Schäden sichtbar werden, ist es schon zu spät. Besser ist rechtzeitiges Vorbeugen durch regelmäßige Zahnpflege mit Chlorodont-Zahnpaste, die trotz größter Putzkraft den empfindlichen Zahnschmelz nicht angreift. Jetzt auch in schäumender Qualität erhältlich, österr. Erzeugnis. Tube S. -.90. Auf Hitlers Wegen In Rumänien Die Bukarester jüdische Firma „Socec" hat auf Geheiß des Arbeitsministeriums 150 jüdische Angestellte entlassen. Die Forderung des Ministeriums basiert auf dem Gesetz „zum Schutze der nationalen Arbeit". Nach diesem Gesetz müssen die Angestellten jedes Unternehmens, auch privater Betriebe, zu SO Prozent rumänische Staatsbürger sein, Aussei <£rttftUung$firait(tf)eitett, rtyeuma« iifcfteu unb fiteftttfeheu 93e[d)tDerbcit finb XoQaU Tabletten unübertroffen. £ogaI Reibet bte fremu fäurc aus unb geht baher bireft jur SBurgel bes Hebels. 5leme fchäblicftcn 9Iebemntrfungeu. — $u alten Slnottjefen bes 3n* unb Wuslanbes. S 2.40. mmmmmmmmmamBmrummmmmmmmmmmmmmmmmmmiammmmmmnmmmmmmmmm länder dürfen nur 20 Prozent sein. Nach der Verfassung wird ein Unterschied zwischen den Rumänen von Geburt und Rumänen anderer Volkszugehörigkeit nicht gemacht. Die entlassenen Angestellten der Firma „Socec" sind durchwegs rumänische Staatsbürger. Dennoch wurden sie, weil sie Juden sind, entlassen. Als das Gesetz „zum Schutze der nationalen Arbeit" publiziert wurde, ist seitens der rumänischen Gesandtschaft in London auf eine Anfrage von englischjüdischer Seite ausdrücklich erklärt worden, das Gesetz wolle die rumänischen Staatsbürger vor der ausländischen Konkurrenz schützen, die von den Firmen angeforderten Listen, in denen auch die ethnische Abstammung und Religionszugehörigkeit der Angehörigen angegeben werden sollte, hätten lediglich statistische Zwecke. Czernowitz, 11. November. (J. T. A.) In der „Ostjüdischen Zeitung" nimmt der Führer der jüdischen Reichspartei Rumäniens, Dr. Mayer Ebne r, unter der Ueberschrift „Auf den Wegen Hitlers" zu der von der Regierung erzwungenen Entlassung von 150 jüdischen Angestellten Stellung: „Die Firma hätte sieh gegen dieses ungesetzliche Verlangen mit gesetzlichen Mitteln wehren können. Sie hat es nicht getan: weil sie Behörden fürchten muß, die immer gesetzliche Möglichkeiten haben, etwas zu erzwingen. Im Kampfe mit der Macht ist der einzelne Bürger immer der schwächere, schon gar das jüdische Unternehmen, welches für seine jüdischen Angestellten streitet. Früher waren Staat und Nation verschiedene Begriffe. Der Staat war der große Rahmen, innerhalb dessen alle Platz hatten. Wer die gleichen Pflichten hatte, sollte auch die gleichen Rechte haben. Heute aber macht der Staat Unterschiede zwischen eigenen und Stiefkindern. Alle, die nicht zur herrschenden Nation gehören, sind Bürger minderen Rechtes, Bürger zweiter Klasse. Die Juden stehen, trotzdem sie naturgemäß die loyalste Minorität sind, an letzter Stelle. Offiziell wehrt man sich gegen das Hitlertum in Rumänien. Offiziell hält man zur großen lateinischen Schwester, welche die Welt Achtung vor den Menschenrechten gelehrt hat. Aber inoffiziell läßt man das Land vom Geiste des Hitler tu ms überfluten und die regierende Partei hält politische Freundschaft mit der Cuza-Goga-Front, die zum antisemitischen Deutschland gravitiert." In Litaueu Die Vereinigung litauischer Handels- und Gewerbetreibender „Verslininki", die am Sonntag, den 10. November zu einer Tagung in Kaunas zusammengetreten ist, auf welcher Maßnahmen zur Bekämpfung des jüdischen Handels, darunter die Einfühlung der Zwangssonntagsruhe, besprochen wurden, hat 33 Mitglieder wegen nichtarischer Abstammung ausgeschlossen. An die Ortsgruppen in der Provinz wurde ein Rundschreiben versandt, in dem der Ausschluß aller nichtarischen Mitglieder verlangt wird. In Polen Die am 9. November an der juridischen Fakultät der Warschauer Universität begonnenen antijüdischen Ausschreitungen griffen auf die gesamte Uni' versität, die Polytechnik und die Landwirtschaftliche Hochschule, später auch auf die Straße über. In den Lehrsälen aller Hochschulen machten die nationaldemo*

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