Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 513 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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feite 4 DIE NEUE WELT Nr. 313 Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden Poplin In allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst, bei 9 «»! Rabenstoig 3, Tel. U-20-709 Hiinmeipforig. 5, Tel.R-25-8-84 / Kä!lnerhofg.1,Ta!.R-26-8-99 f^MvmuNimmMk'iumm. imiiwiiwiihiiiiiwiiiiiiiwiiw >,h i.h—gase— Stellung in der V»*clt, unser moralisches Profil, unseren Fiats unter den Völkern in Gefahr versetzt. Der VPrnii'htuiijvskiimpf gegen die deutschen Juden ist keine Sache, die nur die deutschen Juden angeht. Es ist eine Angelegenheit, die au die Interessen aller Juden aller Länder rührt. Damit sind die weiteren Richtlinien gegeben. Der Krieg kann und darf nicht lokalisiert werden. Er muß auf alle Länder, wo sieh Juden befinden, ausgedehnt werden. Ist es da möglieh d;iß gerade Palästina eine Ausnahme darstellt? Die Kampfmittel, die in unserem Machtbereich sieben, sind bekannt: Moralische und wirtschaftliche Isolierung Hitler-Deutschlands; Boykott deutscher Waren; Schwächung ur.ü Unterminierung des antijüdischen Regimes: wirtschaftliche Blockade der Quellen des Antisemitismus, am das kann in allen Ländern außerhalb Deutschlands und von allen Juden mit Ausnahme der deutschen durchgeführt werden. Niemand hat eigentlich offiziell den Boykott proklamiert. Er hat sich spontan, instinktiv, direkt vom Volk aus wie eine gesunde Reaktion von Menschen eingestellt, die fühlen, daß ihnen Gefahr droht. Kiebei hat niemand die deutschen Juden gefragt, ob sie mit der Boykottpolitik einverstanden sind. Und mit Recht: Was für Ratschläge kann ein Gefangener geben, der in einem Konzentrationslager sitzt, allen Peinigungen preisgegeben? Sein Verstand und seine Logik sagen ihm vielleicht, daß die Tätigkeit seiner Brüder Im Aualand seine Lage verschlechtern könne, gar nicht zu reden davon, daß er rein ökonomisch vom Boykott mitbetroffen ist, als Teil des deutschen ökonomischen Organismus. Sein Herz, sein Instinkt, sein Ehrgefühl, das Bedürfnis, es den Peinigern heimzuzahlen, seine gemarterte Seele stehen ohne Zweifel bei denen, die dem Nazismus die gebührende Antwort geben. Wäre es anders, müßte man das Totengebet sprechen über den kalten gefühllosen Körper dos deutschen Judentums, der ausgelitten hat. * Das Weltjudentum hat die Kriegserklärung aufgenommen und kämpft gegen den antijüdischen Nazismus. Die Schlacht spielt sich an der internationalen Front ab. Bringen wir damit das „Wohlergehen" der 500.000 deutschen Juden in Gefahr? Gewiß. Ihre Lage kann sich verschlechtern, besonders in der ersten Zeit. Sie sind hilflos. Man kann sich sehr leicht an ihnen rächen. Und doch hört man immer weniger Stimmen gegen den Boykott. Im Gegenteil. Auch die Helden von Luzern — sobald sie nach Hause gekommen sind — nehmen Beschlüsse an und veröffentlichen flammende Aufrufe, den Boykott gegen deutsche Waren zu verstärken. Sie reden gar nicht davon, daß das den jüdischen Gefangenen in Deutschland schaden könne. Die Pro-Transferargumente von Luzern sind verschwunden. Der Boykott wird mit gesamtjüdischen Interessen als begründet und bei'echtigt deklariert. Man argumentiert: Wenn auch jetzt, im Augenblick, die deutschen Juden schwer leiden, wird der Boykott schließlich zum Endsieg führen, zu einer vollen Erlösung, Rettung. Es Lst also eine Rechnungssaehc und das Ergebnis lautet: Es steht dafür! Man argumentiert immer damit, daß das Schicksal von 15 Millionen auf dem Spiel st<-hl. Kk'htig. Ia dem Dilemma zwischen dor Gesamtheit und einem Teil entscheidet sich das Weltjudentum offen und unbarmherzig — für die Interessen der G es a m t h e i t. Täuschen wir uns nicht. Die Boykottbewegung schädigt das deutsche Judentum nicht bloß als einen Teil de;; deutschen wirtschaftlichen Organismus, sondern proportienf!! sogar in größerem Maß, weil der deutsche Jude stets einen exponierten Platz im deutschen Exporthandel eingenommen hat, der vom Boykott erfaßt wird. Der Jude hat immer ausgezeichnete Verbindungen mit dem Ausland gehabt. Der Boykott deutscher Waren fangiert gerade ihn am schärfsten. 3ollten doch diejenigen von uns, deren Herz vor Mitleid überfließt und so großen Anteil an der Tranafersache nimmt, auch in Sachen des Boykotts ihr großes Mitgefühl an den Tag legen! Sie tun es aber nicht. Man führt die Attacke gegen Deutschland weiter, ohne die Interessen der jüdischen Exporteure, Fabrikanten, Händler zu berücksichtigen, die a!.-; r:r.Hte Opfer der Boykottschlacht fallen. F3a kann auch nicht anders sein. Ich begreife bloß das doppelgesichtige Tun nicht. Der Boykott ist koscher und der Transfer ist koscher. Was wird aua dem Prinzip, daß im Kampf für das Wohlergehen des ganzen jüdischen Volkes und für das g a n z e d e u t s c h e J u d e nt u m die Gesamtheit den Vorrang verdient? Jeder jüdische Patriot und logisch denkende Politiker versteht, daß der Boykott die einzig mögliche Haltung ist. Es fragt Pich aber: Wo kommt die Logik hin, der jüdische Patriotismus, das Prinzip, daß die Interessen der Gesamtheit iib?r den Bedürfnissen eines einzelnen Teiles stehen, wenn es sich um den Transfer handelt? Da öffnet sich plötzlich ein Abgrund. Da verschwinden alle Motive, mit welchen man gerade in der Frage des Boykotts im Weltmaßstab operiert hat. Es tauchen neue Argumente und Stimmungen auf. Man appelliert an Mitleidsgefühle! - Gefühle, die mar. gerade selbst beiseitegeworfen hat. Es ist wert, diese Metamorphose naher zu analysieren. Ist es ein gesunder palästino-zentrischer Patriotismus oder ein gewöhnlicher und engherziger palästinensischer Egoismus? '♦♦»♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦■»♦+♦+ »♦♦♦»»»» » ♦ 9 » Mos<he Kerzner Lea Kerzner ^eb. Rokach \ er mahlte Wien, i m N o v e m her 1 'J 3 5 March es chic an '> (>.%' AAAAAiAAAAAiAAiAAiAjAAAiAtAAAAAAAAAA*AiAlittillfcfttii»A4AAA| VW V?f f W W twttt"t™T» VW VV TTf? WWW WV WWW V VWWW* 15 Jahre Meten Hftgessod Geldeingang i-iber 140 Millionen Schilling. Auf der ersten zionistischen Tagung nach dem Weltkrieg, die im Juli 1920 in London stattfand, wurde die Gründung eines ständigen Finanzinstruments beschlossen, des Koren Hajessod für A n 3 i c d 1 u n g und Einwanderung. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, diesen Fonds als öffentlich-rechtliche Körperschaft eintragen zu lassen. Tm März 1921 erfolgte dann die Eintragung in London. Die Gesamteinnahmen betrugen bis Ende 1935 insgesamt 5,444.57« Pfund netto, das heißt nach Abzug der Unkosten und Eintreibungsspesen der Landesorganisationen. Die Einnahmen verteilen sich auf die einzelnen (jüdischen) Jahre wie folgt: 5681 .... 227.113 Pfund 5682 .... 387.580 56S3 .... 461.652 5684 .... 444.053 5885 .... 526.485 5686 .... 520.318 5687 .... 583.617 5688 .... 426.308 5689 .... 388.074 5690 .... 327.294 5691 .... 273.930 5692 .... 188.509 5693 .... 172.458 5894 .... 257.184 5695 . zirka 262.000 Summe . . . 5,444.576 Pfund Teilweise werden die Gelder in Waren transferiert, z. B. in Eisen, Röhren, Holz und Vieh. Unter den europäischen Ländern steht Deutschland an erster Stelle. Den dritten Platz nimmt Südafrika ein. Die dortige Judenheit zählt 75.000 Seelen und spendete und spendet noch heute vorbildlich für den Aufbau des Landes. Aus der Aufstellung ist ersichtlich, daß insgesamt 15 Prozent der Gesamteinnahmen des Keren Hajessod in den Jahren 5681 bis 5695 aus Südafrika kamen. Uebersieht nach Ländern. Pfund Prozent Vereinigte Staaten von Amerika . . 2,549.86.3 46,8 Europäische Länder....... 1,404.627 25,8 Südafrika .......... 537.572 9,9 England........... 237.535 5,3 Kanada............ 179.730 3,3 Süd- und Mittelamerika..... 140.386 2,6 Asien, Australien, Nordafrika . . . 108.142 2,0 Erez Israel.......... 148.244 2,0 Sonderfonds.......... 148.244 2,7 5,444.576 100,0 KINO--PROGRAMME STAATSFEIND HR.1 KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-1Ö Vorstellungen: <«, '/*6, Vi8, 'AI© Lewis Störte, John Barrymoore, ehester Morris ROTENTURM I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 beginn: h, 5A6, W, 'Aio Hmdimlikhäim mit GEORG ARIISS SCHKFFER VI, Marlahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: %t», Vs6, 'A8, V*10 STAFA, VIT Mariahilf erstraSe 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: », 7, » Ulu DER RABE BORIS KARLOFF, BELA LUG0SI VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %6, V»8, 'AIO DER RABE BORIS KARLOFF JudeiBSiaatsparfei Oesterreichs Vernn«laltiingKk:ileiuk-r: LoiiDiililsl'.ill, Tl., Tahorstraßo 2l:i. abend.--: Heimabend (Akademie und p o S Uhr S ( k t i i) n Samsin?;, den .16. d. Tan,:). ö fkli o n I' rate r. IT., Kl. Zufuhrtstraßc 16fi. Samstag, den 1(5. d.. 8 Uhr abends,! Uiniabend (Programm, e.nsciillef.'.end Tan/). Sektion IX.XVIIl. Sonntag, den 17. d.. 11 Uhr vormittags, im Selmbert-Kino, IX , Wühringerstraße 46, Auffüjniing des I'nbiMina-Füni'i „Dm Ist da* Land". Reichhaltige« Beiprogramm. Köstliche Karlen an der Kinokassa erhältlich. Sektion V TiV 1 I. Montag, den 18. d.. 8 Uhr abend«, tfnsanii-u'Tikunft sämtlicher Mitglieder im Rotöl Kummer. Vi\, Mai iebiirerstraße 71a. Sektion X I V,X V. Dienstarr, den 1!). d., im Heim. XV.,. S. hanzstniiie 32, Genera! vcrsamm'un:-,'. Referenten: Dr. Sa!. Wolf,, Frlt:-: Richter. Mittwoch, den 20. <J.. halb ü Uhr abends, Vortrag im Helm, L. Wcrclerto.'gassc 11. * Die Judenslnalsparlei. .J urle!i.4aatsjugend und Hechnlili Haleumi gratulieren ihrem langjährigen und verdienstvollen Leitungsmitglied, Herrn AI o s c h e K e r & n e r, anläßlich seiner Vernrihfung mit Frl. Lea Rokach aufs herzlichste. O r t 3 g r u p p o G r a z der .Tudcnstnntspnrloi gratuliert ihrem Gp,'. Herrn Dr. B r a u n anläßlich deiner Promotion zum Doktor der Medizin. Die Boz i r k s r r u p p o B r i p i t I. c n a u hat in der um Dienstag, den 12. d,. stattgefundenen Versammlung sieh neu konstituiert und ihre Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenommen. Der Sit:', der Sektion befindet sich provisorisch im Helm. II., Unt. AugartensMaße 38, woselbst auch jeden Dienstag Vorträge abgehalten werden. Die Organisation j ti d e n s t a a 11 e r I s c h c r F r a u e n ..D eboru h" luit ihre Arbeit wieder aufgenommen. Anmeldungen zu sämtlichen Kurpen täglich von 7 bis 0 Uhr abends im Sekretariat, T., Werdertorgassc 14. Auskünfte ebendort. Voranzeige: Die Bezirksgruppe Favoriten veranstaltet am Montag, den 2. Dezember, Im Wiener Volksbildungsverein, X.. IIanengas.se 38, eine Sondervorstellung des Palästina-Films ,,Dus Ist das Land". Der Vizepräsident der Judenstaatspartei. Herr Fritz Richte r, begibt sich als Vertreter der Judenstaatspartcl Oesterreichs zu der am Sonntag, den 17. d.. irn Mor.-Ostrava stattfindenden Landeskonferenz der Judenstaatler in der C. S. Ii. Der schwedische Kronprinz an den Keren Hajessod Aus Stockholm (J. T. A.): Der Oberrabbiner Schwedens, Dr. Ehrenpreis, wurde vor kurzem vom schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf In Audienz empfangen und überreichte ihm im Auftrage des Keren Hajessod ein Album mit Bildern aller der Orte Palästinas, die der Kronprinz bei seinem Aufenthalt in Palästina im vorigen Jahr besucht hatte. Dr. Ehrenpreis sprach dem Kronprinzen namens der jüdischen Bevölkerung: Palästinas den Dank für die Freundschaft aus, die er dem jüdischen Aufbauwerk bei seinem Besuch In Palästina bekundet hatte. Der Kronprinz erwiderte: „Ich bitte Sie, dem Keren Hajessod und der ganzen jüdischen Bevölkerung Palästinas in meinem Namen den herzlichsten Dank für dieses wertvolle Geschenk zu übermitteln. Ich schätze die jüdische Aufbauarbeit in Palästina sehr hoch. Ich hatte Gelegenheit, die Erfolge dieser Tätigkeit in Palästina zu sehen. Ich wünsche dem Keren Hajessod und der jüdischen Bevölkerung Palästinas Erfolge bei ihrer Aufbauarbeit zum Wohle des jüdischen Volkes und der gesamten Bewohner des Landes. Ich bringe dem jüdischen Aufbauwerk lebhafte Sympathie entgegen und werde mich freuen, auch in Zukunft über seine Entwicklung zu hören. Ich bitte Sie, allen meinen Bekannten im Lande und der ganzen jüdischen Bevölkerung meine Grüße und Wünsche zu übermitteln." 'sUMis BAYRISCHER HOF Füty-Fifty in der Berliner Judengemeinde Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird der J. T. A. mitgeteilt: Geleitet von dem Wunsche, eine vom Vertrauen der gesamten Gemeinde getragene Führung der Geschäfte herzustellen, haben sämtliche Vorsteher der Gemeinde sowie die Vertreter aller Fraktionen der Repräsentanten- Versammlung Beratungen gepflogen, in welcher Weise und Form das erstrebte Ziel erreicht werden kann. Hierbei ist von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß keiner der in der Gemeinde bestehenden Richtungen ein für sie nicht tragbares Opfer zugemutet werden soll und daß alles zu geschehen hat, ein friedliches und freundschaftliches Zusammenarbeiten aller Richtungen unter Anerkennung ihrer völligen Gleichberechtigung in der Gemeinde zu gewährleisten. In Ausführung dieser Grundsätze ist eine Vereinbarung getroffen worden, deren wesentlicher Inhalt die Anerkennung des sogenannten Fifty-Fift y-Prinzips bei der Besetzung des Gemeindevorstandes und eine entsprechende Verteilung der Dezernate des Gemeindevorstandes ausmacht. Dieser Erklärung ist zu entnehmen, daß sich der Gemeinde vorstand nunmehr zur Hälfte aus Liberalen, zur anderen Hälfte aus Z i o n i 81 e n zusammensetzt, womit eine seit langem vertretene Forderung der Berliner Zionlsten erfüllt ist. Bisher hatten die Liberalen die Mehrheit in Repräsentantenversammlung und Vorstand. Juden nach Equaaior Aus New York (J. T. A.): Die „Hebrcw Shelterlng and Immigrant Aid Society" (HIAS) hat einen Bericht ihres Pariser Büros veröffentlicht, in dem festgestellt wird, daß die Durchführung der Pläne, Juden in Ekuador anzusiedeln, durch finanzielle und politische Schwierigkeiten aufgehalten worden ist. In dem Bericht heißt es u. a.: „Wir hatten Gelegenheit, den Entwurf eines Vertrages zu prüfen, der von der Regierung von Ekuador und dem Pariser Komitee unterzeichnet werden sollte. Dieser Vertrag bezieht sich auf einen Kolonisationsplan, dessen Verwirklichung Millionen Dollar erfordert. Da diese Millionen fehlen, Iuuxa <kt Plan natürlich nicht verwirM!<Ait *