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Die neue Welt · 1935-11-15 · Heft 513 (15.11.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 513 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 513 Is geht jeden an denn jeder ist den Unbilden einer Verkühlung ausgesetzt, die von verhängnisvollen Folgen begleitet sein kann. Derbeste Schutz gegen Verküh. lung ist die Abhärtung und die Stählung des Kör. pers, die am besten durch ständigen Gebrauch des D I A N Franzbranntwein mit Menthol ermöglicht wird In jedem besseren Geschäfte erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana«« u. nehmen Sie nur „Diana" Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen toren mit den Arabern auf dem Lande wenig Glück. Die arabischen Grundherren, welche durch Verkauf von. Boden und Produkten an Juden bisher stark verdienten, hatten wenig Sinn für eine Hetze gegen die Juden. Aber auch der kleine arabische Bauer, welcher vom jüdischen Aufbau sehr großen Nutzen zieht, zeigte sich für Streikparolen nicht sehr empfänglich. Diesmal war das Bild ein anderes. Zufolge der durch den englisch-italienischen Konflikt und den Krieg in Ostafrika hervorgerufenen wirtschaftlichen Stagnation in Palästina (Bankkrise, Kreditsperre, Einstellung von Investitionen etc.) haben sich natürlich auch manche Verdienstmöglichkeiten der Araber verringert. Als Folge ergab sich, daß es diesmal den arabischen Propagandisten viel leichter gelungen ist, die Unzufriedenheit der arabischen Einwohnerschaft zu erwecken und Haß in die Dörfer hineinzutragen. Auch das Verhalten der städtischen arabischen Arbeiterschaft ist ein beachtenswertes Kapitel. Bekanntlich hat die zionistische Linke, vor allem die sozialistische Gewerkschaft ,,Histadruth", sich trotz der von vielen Seiten erhobenen Bedenken bemüht, die arabische Arbeiterschaft politisch und gewerkschaftlich zu organisieren. Man phantasierte von einer gemeinsamen arabisch-jüdischen Arbeiterfront gegen die chauvinistischen arabischen Kapitalisten und Großgrundbesitzer. Im Generalstreik erwies* sich die Unsolidität und Schädlichkeit solcher Kombinationen. Die von der Histadruth und sogar in der Histadruth organisierten arabischen Arbeiter leisteten nur. zu sehr geringem Teile und nur anfänglich Widerstand gegen die Streikparole. Zum Schluß erwies sich, was die national eingestellten Zionisten vorausgesagt hatten, als richtig. Das national-religiöse Moment war stärker als das künstlich gezüchtete soziale. Zuletzt taten so ziemlich alle arabischen Arbeiter an dem Streik gegen die Juden mit. Schließlich muß noch ein Umstand hervorgehoben werden. Die Palästina-Regierung, welche ja die jüdische Einwanderung immer zu drosseln bemüht ist, hat jetzt einen neuen Vorwand: Die unruhige Stimmung im Lande, hervorgerufen durch die arabische Demonstration. Der Kampf, den die Zionistische Organisation immer um Zertifikate führen muß, ist dadurch sehr erschwert. Umsomehr, als dieser Streik, und gewiß nicht unabsichtlich, gerade in einer Zeit politischer Spannung und wirtschaftlicher Krise inszeniert wurde. Als ein günstiges Moment in dieser Zeit ist hervorzuheben, daß eine Gefahr von Ausschreitungen der Araber gegen Juden während der ganzen Zeit nicht bestanden hat. Die Anwesenheit von englischen Kriegsschiffen im Haifaer Hafen — im Pogromjahr 1929 mußten Kriegsschiffe erst angefordert werden — hat gewiß viel dazu beigetragen, den Arabern die Lust an Gev/alttaten zu nehmen. Aber das allein war es nicht. Die Arber wissen, daß die Judenschaft im Lande weitaus stärker und widerstandslustiger geworden ist. eng Modern« Mar r™r$2.50 Kulantester Tauscht ♦ I Modern« MarUenempränger Wochenraten Ecke TaborstraBe, Telephon A - 44-207 1 Am England Ehrung der engiisdi'jüdisdien Kriegsopfer Aus London: Die jüdische Gefallenen-Ehrung im Rahmeu der Feier des W affenstillstandstages in London nahm in diesem Jahre einen besonders eindrucksvollen Verlauf. Der Chef des Generalstabs der englischen Armee, Feldmarschall Sir Archibald A. Montgomfiry-Maasingverd, nahm den Vorbeimarsch von 5000 jüdischen Kriegsteilnehmern bei der VI. Parade des jüdischen Kriegsteilnehmer-Verbandes ab. 30.000 Zuschauer waren bei den Zeremonien auf dem Horse Guards Paradefeld zugegen und weitere 10.000 bildeten in den zum Grabe des Unbekannten Soldaten führenden Straßen Spalier. Am Grabe des Unbekannten Soldaten wurde von den jüdischen Frontsoldaten ein Kranz aus Mohnblüten niedergelegt. Den Feierlichkeiten folgte ein Tee in der Albert Hall, dem Sir Archibald A. Montgomery-Massingverd als Ehrengast beiwohnte. Der Leiter der Veranstaltung, Major Brunei-Cohen, verlas ein dem König gesandtes Huldigungstelegramm, sowie die Antwort des Königs, in welchem für die Grüße der jüdischen Frontkämpfer herzlich gedankt wird. Der Chief Rabbi des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz brachte einen Toast auf Feldraarschali Sir Archibald und die übrigen anwesenden hohen Offiziere dea britischen Heeres und der Marine aus, Zu den Gästen gewandt, sagte er u. a.: „Sie sind die Repräsentanten von Englands Macht, aber auch Träger des Symbols von Englands Humanität. England steht für Freiheit und Gerechtigkeit ein. Ein Land, welches diese Prinzipien außeracht läßt, ist zur Barbarei zurückgekehrt." British Labour Party und Zionismus Aus London: Aus Anlaß der bevorstehenden Parlamentswahlen in England gab der Vorsitzende der Arbeiterfraktion im britischen Parlament Major A thlce im Namen der gesamten Labour Party folgende Erklärung ab: „Die British Labour Party denkt mit Stolz daran, daß sie sich bereits in den dunklen Tagen des Weltkrieges dem Ideal der Schaffung einer nationalen Heimstätte für d a s j ü d i s c h e Volk in Palästina verpflichtet hat. Seither hat die Labour Party auf ihren Jahreskonferenzen wiederholt mit Enthusiasmus die Bereitschaft dargetan, die Anstrengungen zur Verwirklichung dieses Ideals zu unterstützen. Die Labour Party hat niemals ihre aktive freundschaftliche Mitarbeit an dem großen Werk politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Palästina unterbrochen und sie wird die Mitarbeit auch in Zukunft nie versagen. Die Arbeit an diesem Werke erwies sich als immer notwendiger und wurde zu einer kategorischen Pflicht in dem Augenblick, als die deutschen Juden unter einer schweren Last von Rechtlosigkeit und Verfolgung zusammenzubrechen drohten. Vor der zivilisierten Welt entsteht jetzt die dringende Pflicht, den Menschen, die so plötzlich und so ganz ohne Schuld solchen Leiden und Nöten ausgesetzt sind, Mitgefühl entgegenzubringen." Chamberlain an die jüdischen Wähler Aus London: Der Schatzkanzler des britischen Kabinetts, Neville Chamberlain, konservativer Kandidat für den Stadtteil Edgbaston von Birmingham, hat anläßlich der Pariamentswahlcn folgende Kundgebung an die Zionisten gerichtet: „Seien Sie versichert, daß es in der Richtung der Politik der Regierung liegt, das Mandat für Palästina dem Buchstaben und dem Geiste nach zu verwalten. Sie wird ohne Furcht vor irgendjemand oder Gunst gegen irgendjemand ihre aus dem Mandat ihr erwachsenden Verpflichtungen erfüllen und — bei gleichzeitiger Sicherung der bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften Palästinas — fortfahren, die Errichtung des Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina zu fördern." Aehnliche Kundgebungen erließen der konservative Führer Sir Austen Chamberlain und mehrere andere Kandidaten der Konservativen. Die nächsten billigen Reisen nach Abfahrt: 17. November, 12. u. 23. Dezember 1935 Rückfahrt: 5. Dezember, 7. Jänner Auskünfte bei Dr. S. T0Ck6r, IX, Liechtensteinstraße 2 Telephon A-14-504 §dhämt ihr euch nschf? In Bielitz (Bielsko, Polnisch-Schleslen) erscheint seit zwei Jahren ein Blatt, die „Jüdische Wochenpos t", das sich zur Aufgabe gemacht hat, einer ganz würdelosen Assimilation zu dienen und die nationalen Bestrebungen der Juden zu besudeln und herabzusetzen. Auf diesem Wege verschmäht es die „Jüdische Wochenpost" auch nicht, für das „neue" Deutschland Stimmung zu machen. „Wir wissen, daß die deutsche Regierung loyal genug ist . . ." heißt es z. B. in der Nummer vom 11. Oktober. Bei dieser Schmach bleibt es aber nicht. In der Nummer vom 8. November 1935 sind zwei sogenannte Zuschriften veröffentlicht, welche die moralische und geistige Verfassung des Blattes ins rechte Licht setzten. In der ersten Zuschrift, die sich zuerst gegen die Verwendung des Magen David als eines angeblich bloß zionistischen Symbols v/endet, heißt es: „In der Eröffnungsrede zur deutschen Winterhilfe hat sich Herr Rabbiner Dr. ßaeck auf ein Gedicht „Rufet auf das Volk!" berufen, das vor 80 Jahren Chaim Nachman Bialik gesehrieben hat. Hlobel nannte Dr. Baeck den Dichter Bialik den „großen Seher". Wir glauben, daß Dr. Baeck vor 36 Jahren noch an die wahren Propheten der Bibel geglaubt hat und erat in letzter Zeit sich den falschen Propheten zuwendet. Seit wann ist Bialik ein Prophet für die Berliner Juden? Und warum muß man ein derartiges neutrales Werk aus- UensißH tiksiem. - Semmemf Pensionspreis bei M i n d e s t a u f e n t h a 1 von 3 Tagen $10. - inklusive Abgaben gerechnet unter Berufung auf einen Dichter einleiten, den ausschließlich die Zionisten für die Propagierung ihrer Ideen in Anspruch nehmen und der mit der jüdischen Religion und Tradition ho gut w I e g a r nichts gemeinsam hat?" Dem großen Dichter und Denker Bialik wird also der Sinn für jüdische Religion und Tradition abgesprochen. Welch absurde Schändlichkeit! Die zweite Zuschrift eines Bewerbers um einen Oberkautorpoetea wendet sich, gegen die. Forderung der ausschreibenden (Kattowitzcr) Gemeinde, die die Kenntnis des Hebräischen verlangt, und verhöhnt „das von der1 heutigen nationalen Jugend geplapperte Modern-Hebräisc h". Um zu beweisen, daß dieses vom nationalen Judentum zu neuem Leben erweckte Hebräisch keinen ethischen Erziehungswert habe, führt der Briefeinsemler, d. h. der Petent, folgendes an: „Achi Mei'r hat seinerzeit, zionistischen Blättermeldungen zufolge, den linksorien Merten Zionistenf uhrer Arlosoroff mit der In einem auRgC7.elchneton Modern- Hebräisch gestellten Frage „Kamu schaa?" (Wieviel Uhr ist e«?j niedergeknallt . . Der die wiedererwecktc Sprache der Bibel ironisierende Mauschcl weiß nicht, daß Ach! Meir nicht einmal angeklagt war, Arlosoroff ermordet zu haben. Das geniert die .Jüdische Wochenpost" nicht, diese Zuschrift zu veröffentlichen, das Blatt, das von der Loyalität der Hitler-Regierung dem Judentum gegenüber überzeugt und von der Leipziger Messe begeistert ist. Schämt ihr euch nicht, Bielitzer Juden, daß solch ein Blatt bei euch gedeihen kann? In der letzten Zeit haben Vertreter der österreichischen Regierung deutlicher als sonst auf die Grundsätze hingewiesen, unter denen der österreichische Staat auf-, gebaut werden soll. Betont wurde insbesondere, daß die Mitarbeit jeden offen steht, der dem österreichischen Vaterland dienen will, unabhängig von Konfession, Rasse und Nationalität; der deutschchristliche Staat kenne nur Staatsbürger. Im Sinne dieser Auffassung richtete der österreichische Bundeskanzler kürzlich einen Appell zur Winterhilfe, zu der alle Oesterreicher beitragen und an der alle Oesterreicher beteiligt sein sollen. In Hitler-Deutschland nimmt man zwar für die Winterhilfe jüdisches Geld, beteilt aber nur Volksgenossen. Diese noble Ucbung wollen die nationalbetonten ,,Wiener Neuesten Nachrichten" auch für Oesterreich angewendet sehen. Sie widmen nämlich der österreichischen Winterhilfe-Aktion einen Leitartikel (10. Nov.), den sie „Hilfe für den Volksgenossen" betiteln und worin sie mit auffallender Hartnäckigkeit nicht von Oesterreichern, sondern von „Volksgenossen", „Volksgemeinschaft", „deutschem Stam m" sprechen, um schließlich ganz klar die propagandistische Spitze ihrer Ausführungen zu deklarieren. Sie: schreiben nämlich: „Wenn es zur Stärkung des österreichischen Deutschtums gehört, auch in kritischen Lebenslagen die Lebensfreude nicht zu verlieren, dann hat wirklich unser Stamm (!) die beste Gelegenheit, eine seiner schönsten Tugenden zu zeigen." Der Appell des Bundeskanzlers zur Winterhilfe gilt allen O. esterreichern, also auch den Tschechen, Kroaten, Magyaren, Juden. Sic werden zweifellos geben, alle. Aber wir zweifeln daran, daß die Spender ihr Wohltun mit der Stärkung gerade des Deutschtums verbunden sehen und die Tugend des Stammes hervorheben wollen. Nein. Sie werden geben, weil sie helfen, Not lindern wollen. Exkursionen in eine unösterreichische Ideenwelt von Blut und Stamm sind gerade bei der Winterhilfe unangebracht. Der neue Rektor Die Hebräische Universität Jerusalem hat einen neuen Rektor. Bisher war es der aus Amerika stammende Dr. J. L. M a g n e s, der dieses höchste Amt der einzigen jüdischen Universität seit ihrer Gründung bekleidete. Der neue Rektor (für das Studienjahr 1935/36), wurde nicht ernannt, sondern erwählt. Es. ist der bisherige Leiter der Jerusalemer Üniversitäts- und Nationalbibliothek Dr. Hugo Bergmann. Hugo Bergmann, in Prag 1883 geboren, befaßte sicli schon während seiner Hochschulzeit mit dem jüdischen und hebräischen Schrifttum, schrieb eine Anzahl philosophischer Arbeiten, hauptsächlich Uber Kant, und kam 1928 als Bibliothekar nach Jerusalem. Seine zionistische Tätigkeit setzte ihn zahlreichen scharfen und berechtigten Angriffen aus. Bergmann trug nicht unwesentlich zu der verderblichen Propagierung eines „geistig-kulturellen Zentrums" in Palästina bei und arbeitete für die sogenannte )(Brith Schalom"-Bewegung, welche sich zum Ziele setzte, die jüdisch-zionistischen Aspirationen den arabischen Palästina-Wünschen unterzuordnen. Diese Bestrebungen Bergmanns führten in weiterer Folge zu Sympathiebezeugungen für die kleine, aber nichtsdestoweniger gefährliche Gruppe jüdischer und arabischer Kommunisten und später auch zu den „Ausglcichsversuchen" zwischen jüdischen und arabischen Interessen, deren Tendenz sich die Palästina-Regierung bei ihren antizionistischen Maßnahmen und Verordnungen zunutze machte. Bei aller Würdigung von Prof. Bergmanns fachlichwissenschaftlichen Leistungen kann man ein Bedenken nicht verbergen, dagegen, daß ein Vertreter des antijudenstaatlichen Judentums der höchsten Ehre teilhaftig wurde, welche die einzige nationale Universität zu vergeben hat.

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