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Die neue Welt · 1935-11-15 · Heft 513 (15.11.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 513 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Ih^ftttog/ den Hl* November 1935 Nr« 513 V« b* b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editsur" Wien HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljahrig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljähite Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universiiätsstr. 8, leL A-20-2-78 —■ Erscheint Dienstag u. Freitag will Balllet-Latour täuschen? Manöver rings um die Olympiade Bezüglich des nationalsozialistischen Deutschland gibt es in der Welt, der Recht und Gesittung keine leeren Begriffe sind, nur eine Meinung: daß es die Grundlagen der Kultur untergräbt, inmitten Europas einen höchst gefährlichen Unruheherd schafft und durch seine Maßnahmen gegen diejenigen, welche mit der Hakenkreuzdiktatur nicht einverstanden sind, einen großen Teil seiner Staatsbürger der Aechtung, der Ausrottung, dem Hungertod preisgibt.... Diese Weltmemung ist es auch, die sich gegen die Abhaltung der Olympiade 1936 in Berlin ausgebrochen hat. Denn man weiß, daß die heutigen Machthaber Deutschlands die Olympiade zu einer großzügigen Propaganda für den Nazismus benützen wollen und daß die Grundsätze jedes sportlichen Treffens, gleiche Behandlung und sportlicher Geist, von Hitler-Deutschland mit Füßen getreten werden. In Amerika, Holland, Kanada und in anderen Staaten würde von den maßgebenden Faktoren die Teilnahme an der Berliner Olympiade als dreiste Zumutung empfunden. Insbesondere die katholischen Kreise sprachen sich scharf dagegen aus. Als im heurigen Frühjahr der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees M. B a i 11 e t- Latour während seines Wiener Aufenthaltes gefragt wurde, ob er Berlin als Ort der Olympischen Spiele für geeignet halte, antwortete er mit Ausflüchten! Man dürfe Sport nicht mit Politik vermengen, Deutschland habe „bisher" seino olympischen Verpflichtungen eingehalten ... Inzwischen sind einige Monate vergangen. Der kalte Pogrom und die Propaganda des Hakenkreuzes gegen Juden, Katholiken, Sozialisten u. a. im In- und Ausland, die Ignorierung ."jedes fair play in Spiel und Sport, in Gesellschaft und Wirtschaft, haben sich verstärkt und in der Ausmerzung der Namen der jüdischen, für Deutschland im Weltkrieg gefallenen Soldaten einen unrühmlichen Höhepunkt gefunden. Man sollte meinen, daß nun auch das Olympische Komitee sehen mußte, was in Deutschland vorgeht, d. h. daß Deutschland den Anspruch auf Beherbergung der Olympiade verwirkt habe. Dem ist aber nicht so. Herr Baillet-Latour scheint ein ahnungsloser oder sich blind stellender Engel zu sein. Er verschickt nämlich an die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitee und an die Olympischen Komitees der einzelnen Länder, also auch Oesterreichs, eine offizielle Erklärung, in welcher es heißt: „Ich habe die Ehre, Ihnen zur Kenntnis zu bringen, daß mich die Unterredung, die ich mit dem deutschen Reichskanzler hatte, sowie die angestellte Untersuchung davon überzeugt haben, daß der Abhaltung der XI. Olympischen Spiele in Berlin und der iWintcrspiele in Garmisch-Partenkirchen nichts im Wege steht. Die Bedingungen, die durch die olympischen Grundregeln festgelegt sind, wurden vom Deutschen Olympischen Komitee respektiert. Die Besucher und Teilnehmer können eines herzlichen Empfanges gewiß sein und werden nicht Gefahr laufen, auf irgend etwas zu stoßen, das geeignet wäre, sie in ihren Prinzipien zu verletzen. Eine Boykottkampagne wurde nicht von den Nationalen Olympischen Komitees ins Leben gerufen und wird von keinem unserer Kollegen unterstützt. Sie ist rein politischer Natur und beruht auf haltlosen Nachrichten (!), die als falsch zu entlarven mir nicht schwer gefallen ist. Das Geld, das aufgewendet wurde, diese Kampagne auf solche Art zu führen, stammt nicht aus dem Fonds, über die die Sportkomitees verfügen, um davon die Kosten der Teilnahme an den Olympischen Spielen zu bestreiten. Mögen daher alle jene, die in ihrem guten Glauben getäuscht (!) wurden, ihren Irrtum einsehen und ehrlich mit uns zusammenarbeiten, um die Olympischen Spiele von Berlin und Partenkirchen zu einer Kundgebung zu machen, aus der die Jugend der Welt den Nutzen ziehen wird." Eine die Tatsachen mehr verfälschende und die Sportler mehr irreführende Erklärung läßt sich nicht denken. Was man über die schrecklichen Vorgänge in Deutschland weiß, beruht nicht auf haltlosen Nach- §edeH l<w<Mäufoc w $eäße* $k&ü$teä! Um wirklich wenin üeld sind jelzt die schönsten u. prachtvollsten echten Perserteppiche (gesunde, ausgesucht« Qualitätsware) bei uns zu haben. Bekannt reelle Bedienung Gelegenheitskäufe u.Zahltinßserleicliterungen lürjedermanr 9. Consa, U ß»?kring 12 EJs«u>* Welhburggasie, üarteobau-ObJ. richten, sondern auf dokumentarisch belegten Tatsachen, und es wird Herrn Baillet-Latour nicht gelingen, sie als falsch zu entlarven. Wie dem auch sei — das Schreiben des Herrn Baillet-Latour als Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees wird diejenigen Kreise, welche sich „in ihrem guten Glauben nicht täuschen" lassen, von ihrem Standpunkt nicht abbringen, daß die Abhaltung der Olympiade in Berlin ein Schändung des Sportgeistes wäre. Wir haben erst in unserer vorigen Nummer Gelegenheit gehabt, die Haltung des deutschchristlichen österreichischen*Staates in dieser Frage mit einem Zitat aus der Wiener Zeitschrift „Der üöeöorsuqe ftets ba§ altbewährte D|tcrrci(f)ijrf)c lineraliMfcr geblattet christliche Ständestaat" zu belegen. Dort heißt es mit Hinweis auf die angeordnete Eliminierung der Namen der jüdischen Kriegsgefallenen von Denkmälern: „Hier handelt es sich nicht mehr um die Grenzen zwischen Rassen, sondern um die Grenze zwischen öl e n s c h und Unmensch, ölit der Feststellung der Empörung sollte sich die Welt aber nicht begnügen. Eine praktische Konsequenz liegt nahe, es ist dieselbe, die die für den furchtbaren Erlaß Verantwortlichen im cgä? ffrlakJfc cti2Äi VGhfccuuesih / WIEN KPtLGßPmGßSSE 6- ==STß. fJSSENBQHN: 3,? 13.6163. Auge hatten, als sie ihr Täuschungsmanöver versuchten. Ein Wort genügt: Olympiade. Sollen Menschen, die auf Menschenwürde noch Wert legen, wirklich der Einladung zu harmlos-sportlichen Wettkämpfen in ein Land folgen, in dem solche Erlässei gemacht werden?" Die österreichischen Katholiken — die überwiegende Mehrheit dieses Staates — haben, wie man sieht, eine andere Meinung über Hitler-Deutschland als Herr Baillet-Latour. Sie wissen, daß das zur Macht gelangte Hakenkreuz keinerlei Rechte und Regeln respektiert, und bezeichnen dessen Gehaben in Sachen der Olympismen' Spiele als Täuschungsmanöver. Herr Baillet-Latour ist um seine Naivität zu beneiden — es sei denn, daß ihm noch rechtzeitig die Augen aufgehen. Absage an die Berliner Olympiade aus der C. §. R- Aus Prag: „Nar. Osvobozeni" veröffentlich eine Unterredung mit dem Rektor der Kunstakademie Jakob Obrovsky über seine Teilnahme am Kunstwettbewerb der Olympischen Spiele. Obrovsky, der sich bereits an den früheren Kunstausstellungen der Olympiade erfolgreich beteiligt hat, erklärt, daß er sich auch für die nächstjährigen Olympischen Spiele mit Freude vorbereitet habe. Eine Reihe von Tatsachen hätten ihn aber überzeugt, daß Berlin nicht der Ort sei, an dem sich alle schönen und ehrenvollen Aufgaben der Olympiade erfüllen könnten. (J. T. A.) Wa§ der arabi§die General§fresk lehrt Von unserem Palästina-Korrespondenten Jerusalem, Anfang November. Die letzten Ereignisse in Palästina erfordern eine ernste Betrachtung. Der in der vorigen Woche inszenierte arabische Streik darf nicht unterschätzt werden, denn er hat unter ganz besonderen Umständen stattgefunden. Wohl stellte er eines der Glieder in der Kette der Feindseligkeiten und Provokationen gegenüber dem zionistischen Werke dar, aber es wäre ein Fehler, ihn ohne Rücksichtnahme auf die jetzt in Palästina herrschenden besonderen Umstände zu beurteilen. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist es ein Fehler, sich damit trösten zu wollen, daß in Einzelfällen arabische Arbeiter dem Streik ferngeblieben sind, daß in einigen Dörfern die Fellachen ihre Arbeit fortgesetzt haben und daß die Schließung von einigen arabischen Geschäften, Banken und sonstigen Institutionen erst unter dem Druck der Organsation der jugendlichen Araber zustande gekommen ist. Wenn die palästinensische Presse auf diese Einzelheiten so großen Wert legt, so ist das ein Beweis, daß sie die Lage nicht völlig erfaßt. Gegenüber diesen kleinen Verstößen gegen die arabische Soldiratät stehen Fakten, die viel stärker in die Waagschale, fallen. So muß vor allem darauf hingewiesen werden, daß sich etwas ereignet hat, was vor einigen Monaten noch als unmöglich angesehen worden wäre. Der Einheitsblock der arabischen Parteien und Organisationen ist zur Tatsache geworden, Trotz der starken Gegensätoe, diesmal die jetzt etwas, die im arabischen Lager herrschen, sind Führer gemeinsam vorgegangen. Es gibt was bis nun nicht da war, auch nicht anläßlich des vor zwei Jahren inszenierten Streiks gegen die englische Palästina-Regierung — eine gemeinsame politische arabische Plattform. Es gab einige auffallende Begleiterscheinungen. So z. B. eine bisher unbeobachtete Tonart der Forderungen, welche an die Palästina-Regierung und gegen das jüdische Aufbauwerk gerichtet wurden. Bekanntlich hat der in Jaffa entdeckte Waffen sc hmugg e 1 den äußeren Anlaß zum arabischen Generalstreik geboten. In dem Memorandum, das die zum erstenmal politisch stark hervortretende Organisation der arabischen Frauen der Regierung überreichte, war nicht mehr und nicht weniger verlangt, als Abschaffung und Deportation aller jüdischen Führer aus dem Lande und Legung einer Strafe (Bußsteuer) auf alle Juden. Eine, weitere, gewiß nicht zu übergehende Begleiterscheinung war die Intensität der Agitation in den ländlichen Bezirken. Bisher hatten die nationalistischen Agita- AL ASTINA <S Schiffskqiten u. Ceseifschaftsfcihrtcn. Visum* besorgung b i 11 i 9 s t bei Dr. S. Tocker, Wien IX, Liechtensteinstr. 2, Telephon A-14-5Q4

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