Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 511 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 511 DIB JS'EUE WELT Seite 7 lüäiscJteItetkskod WIEN I, FRANZ-JOSEFS-KAI 3 / TELEPHON R-28-2 36 Oer mditarisdie Nobelpreis Als kürzlich ein deutscher Gelehrter den Nobelpreis verliehen bekam, konnte sich die deutsche, d. h. nationalsozialistische Presse an Uebersteigerung der deutschen Leistungen nicht genugtun. Sie berechnete, daß unter den Preisträgern der letzten 30 Jahre 36 deutsche Männer waren, bei 130 Preisen mehr als ein Viertel. Niemand wird die großartigen Leistungen der Deutschen auf dem Gebiete der Physik, Medizin, Chemie und Literatur in Frage stellen. Aber es mutet »sonderbar an, wenn z. B. die deutschnationalen „Wiener Neuesten Nachrichten" sich auf die Nobelpreisziffern beziehen, welche ,,mehr als viele Worte den überragenden Anteil der Deutschen, die der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben" — ohne zu erwähnen, daß es unter diesen „Deutschen" eine ganze Menge Nichta r i, e r gegeben hat. Von den deutschen Nobelpreisträgern waren 7.wölf (12!) Juden, bezw. Judenstämmlinge, u. zw. Paul .'Ehrlich, Albert Einstein, James Franck, Gustav H c r t z, Karl Landsteiner, Otto Wallach, Richard Willstädter, Fritz Haber, Paul H e y s e. Unter 36 deutschen Männern 12 Juden, also ein Drittel, obwohl das Bevölkerungsverhältnis der Nichtjuden zu den .Juden in Deutschland 110 : 1 beträgt. Der Menschheit den größten Nutzen geleistet? Zweifellos. Aber das hindert die heutige deutsche Presse und einen Teil der österreichischen nicht, die Juden als Kulturverderber zu bezeichnen, anderseits aber die Juden dort mitzunehmen, wo man mit einer „hohen deutschen Ziffer" protzen will. »^xiMs^mifi^MJvwimmKtm Hakenkreuzpropaganda an Palästina Aus Jerusalem*. Die hebräische Tageszeitung „Dawar" bringt einen Artikel über die immer zunehmende Hakenkreuz-Propaganda unter den palästinensischen Regierungsbeamten. Zur Illustration erzählt die Zeitung, daß kürzlich in den Räumen der landwirtschaftlichen Abteilung der Regierung an den Wänden' große, auf Papier gezeichnete Hakenkreuze befestigt und erst über Betreiben der jüdischen Beamten beim Abteilungschef, der Ins dahin den Unfug geduldet hatte, herabgenommen wurden .Tags darauf fanden alle jüdischen Beamten auf ihren Tischen Hakenkreuze. Die Zeitung fordert die Regierung energisch auf, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Palästina-Einwanderung im September 1935 Aus Jerusalem: Vom Einwanderungsamt der Palästina-Regierung wird offiziell mitgeteilt, daß im Monat September 1985 61 78 Juden als Einwanderer nach Palästina gekommen sind. 528 von den Einwanderer» gehörten der Kapitalistenkategorie an, von denen jeder sich über einen Kapitalsbesitz von mindestens 1000 Pfund ausweisen konnte. In den neun Monaten Jänner bis September 1 9 3 5 kamen über Haifa und Jaffa 46.425 Juden ins Land, insgesamt wird die jüdische Einwanderung in diesen neun Monaten auf über 5 0.0 0 0 geschätzt. Tabakproduktion im ersten Halbjahr 1935 Tel-Aviv (Palnews). Die palästinensische Tabakproduktion hat . sich im ersten; Halbjahr 1935 gegenüber dem ersten Halbjahr 1934 nur unwesentlich von 363.380 Kilogramm aüf 378.992 Kilogramm erhöht. Die wichtigsten Produktionsziffern stellen sich wie folgt (in Kilogramm): 1. Quartal 1935 2. Quartal 1935 Zigaretten 172.046 149.061 Tabak 3.996 4.503 Zigarren 469 388 Halbjahr 1935 Halbjahr l»3i 321.107 306.173 8.499 8.061 85.7 405 Der Import von Zigaretten, der aite>ding's nur einen geringen Bruchteil des Bedarfes ausmacht, steigerte sich in den ersten fünf Monaten 1935 auf 28.450 Kilogramm gegenüber 17.396 Kilogramm in den entsprechenden Monaten des Vorjahres, wertmäßig erhöhte er sich von Pfund 10.322 auf 19.243. Bemerkenswert ist der Rückgang der Zigarren Produktion von -169 Kilogramm im ersten Quartal auf 388 Kilogramm im zweiten Quartal, obwohl Mittel April der Zigarrenzoll, von 1 Pfund auf 2 Pfund per Kilogramm, verdoppelt worden ist. Der Papst läßt sich über Palästina berichten Aus Rom (J. T. A.): Der Papst empfing den Erzbischof und vatikanischen Delegierten für Aegypten, Palästina und Transjordanien, Monslgnore T e s t a, in längerer Audienz. MonBignore Testa, der seinen Hauptsitz in Jerusalem hat und sich in wenigen Tagen dorthin zurückbegibt, schilderte dem Papst eingehend die augenblickliche politische Lage in Palästina, die Gestalv tung der jüdisch-arabischen Beziehungen: und unterstrich die wachsende Bedeutung, die die jüdische Gemeinschaft für Palästina gewinnt, r (nach den Herstellungsländern Oesterreich: Tagebuch "usaniineugestcllt) , ~ der Geliebten - Episode. Amerika: Der seltsame Fall des Dr. Prentie« Staatsfeind Nr. 1 — Die Peitsche der Pampas - Die Jungen der Paulstraße — Sommcvnachtstraum --- Kleines Mädel — Der bunte Schleier. ] England: Kardinal Richelieu - Verlaß mich ine ~ Bosämbo. Filme unter Arierpuragraph: Liebesrhapsodie Ein.idealer Gatte — Ich liebe alle Frauen — Licbcsleutc ' — Sylvia und ihr Chauffeur — Einer zuviel an Bord — Alles wegen dem Hund _.: Die gam.e Welt dreht sich um Liebe — Leichte Kavallerie — Variete -• Stradivari. Diplomat, Soldat und Pries',.>r. Kardinal Richelieu zählt zu den faszinierendsten Gestillten der französischen Geschichte. Diese in jeder Hinsicht interessante Persönlichkeit zog George Arliß derart an, daß über seine Anregung der United-Artists-Großlilm ..Kardinal Richelieu" geschaffen wurde, der heute Freitagim Burg- und Kotenturm-Kino zur Uraufführung gelangt. Ein neuer Charles-Laughtoii-SturMm. Charles Laughton, der den Titel eines der größten Charakterdarsteller des Films in Anspruch nehmen darf, hat in letzter Zeit nur eine große Starrolle gespielt: in dem Großlustspiel „Seine Hoheit, der Kammerdiener- (,;Ruggles of Red Gap"). Dieser Film, der in Paris, London, Berlin und New York zu den größten Erfolgen dieses Jahres zählt, gelangt demnächst in Wien zur Uraufführung. Charles Laughtons eigener Wunsch war es, nach seinen vielen tragischen und dramatischen Rollen in einem Lustspiel. zu spielen — und er spielt seine Lusispielrolle, wie sie eben nur Charles Laughton spielen kann. jüdische RCulIiiuFsgeiie -Angeschlossen an 'die OcstcrrcichiKche Kunslslello, Wien, I., Franz-Josef s-Kiti 13, Telephon K-i8-2-;i(>; Die Frist für die Auslosung clor. Palästina- F r e ifa'hrt für die heuer beigetretenen Mitglieder wurde endgültig auf den 15, November erstreckt. Ermäi.'.igte Karlen für sämtlich" Wiener Theater stehen unseren Mitgliedern zur Verfügung. Die Kurse der Volkshochschule haben bereits begonnen. Einschreibung, Auskünfte täglich von 9 bis 6 Uhr im Sekretariat, 1., Franz-' Jösefs-Kai o, Telephon 'R-2S-^-36. Oberk-.witc.r Margolies, der nun schon .seit mehr a'f zwei Jahrzehnten ais Oborkanlor der Wiener Juden«: gemeinde tätig ist, lei.st dieser Tage nach P a 1 ä r, t i T, %> Während .«einer Wiener Perufstäügkeit hat Oberkante '.Viare.olies sein'1 Kunst immer in den Dienst der natip» . nalen Sache gestellt. Er war Mitbegründer dsfc l. W jener H e briiischen G e .<? a n g v er e i n e der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, durch Verbreitung der jüdischen Liedes für die hebräische Sprache zu demonstrieren. Oberkantor Maigolies hat auch bei seinen eigenen Konzerten und alkn öffentlichen Veranstaltungen, bei denen er mitwirkte, immer hebräische Lieder zum Vertrag gebracht. Er hat durch seine Mitwirkungbei den von Prof. Artur Wolf in Wien veranstalteten großen hebräischen Konzert™ zu den Erfolgen dieser Vci anstaltungen wesentlich bei gelingen. Mnn kann sagen, daß seit 20 .Jahren in Wien Keinegrößere jüdische, künstlerisch wertvolle. Feier stattfand, b-n d r, seinem V."ohli.'\tigkeitssinn und nationalen Gefühl iolgend, Oberkantor Margolies nicht selbstlos und opferfreudig mitgewirkt hatte. Wir wünschen ihm glückliche Fahrt und angenehme-e Aufenthalt in Palästina. Sevilla Pastor in einem -.leuen Stück. Tu den Jüdischen KünHllerspieleit. I!.. Praterstraße .")!, tlndot hou'o Freiing die Wiener Erstaufführung der musikalischen Komödie ..Koisl in n c h t Kur iif rf mit S n v i I 1;t Pastor in der '!>!<•:•• rn'.le statfi Die Künstlerin wird si< Ii dem ■ Publikum ^.»n einer neuen Seite ..eiiven. Da;; St Utk bleibt auch Kamsing, den »., Sonniag, den 10. d. .M. (abends) und Dienstag, den VI. d. M.. nul dem Repertoire. Sonntag, den 10 d. M.. mciimittags {;.-.!il bei eri.iä'.'iifstcn Preisen „Die Schicker!c'\ MoiU?:g. den 11. d. j\l., und Mittwoch, den VI. d, M., ..Der Pino.ewer .Jojresch" und Donnerstag, den 11. fl. M.. „Fvn Kasriüwke bis New York" in .Szene. Konzert 1. Stgal-Iioscnbach. Das in der Wiener Urania abgehaltene Konzert des Tenors I. S e g a 1- Roscnbach stand im Zeichen des hebräischen Liedes. Neuhebräische Kunstlieder, original yemenitische (palästinensische) Volkslieder, die jüngsten Korras und schließlich auch einige ostjüdische (jiddische) Lieder fanden im bekannten Liedersänger einen ausgezeichneten Interpreten. Segal-Rosenbach, dessen Kunst im jüdischen Wesen wurzelt, wurde mit reichem Beifall belohnt, und zu mehreren Zugaben veraniaf?.t. Eine, .sehr begabte Pianistin. Lili R i e g 1 c r, besorgte musterhalt die Begleitung. Deutsches Volkstheater. In einer dreiaktigen Komödie, „Gentlemen" von Sidney Philipps, eröffnete Albert Bassermann sein Gastspiel im Deutschen Volksthcater. Er spielt einen Arzt, der, um seine, uneheliche Tochter vor einer Ehe mit einem Todgeweihten zu retten, sein ärztliches Berufsgeheimnis verletzt. Bassermanns unnachahmliche Art der vornehmen Darstellung feiert in diesem Stück wahren Triumph. Sehr gut Gusti Huber als seine Tochter, Dagny Servacs. Else Bassermann, Egon v. Jordan und Donath. Vor allem aber gilt der frenetische Beifall dem grandiosen Spiel Albert Bassermänns. e. kr. Sevilla J'nstor — für arme Kinder'. Bei der am Dienstag, den 12. d. M.,.im Theater Reklame. II.. Praterstraße 'M. stattfindenden WohUiitigkeitsvorstel'-ung des Vereines „Mathilde", Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder, spielt die beliebte Künstlerin Sevilla Pastor die Titelrolle in der musikalischen Komödie ,,Rcis! macht Karriere".