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Die neue Welt · 1935-11-08 · Heft 511 (8.11.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 511 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 511 Du ludchjtacd ZW w MwsUUefo Von Dr. Israel Zwi Kanncr In der letzton Zeit. hat. sich aus aktuellem Anlaß d'e Literatur über die schwarzen Juden von Abessinien (Fallaschas) gehäuft. Hauptsächlich wurden die Forschungen des Dr. Jakob Feitlowitsch herangezogen. Im nachstehenden wird von einer ganz anderen Judenart Abessiniens berichtet, die mit dem traditionellen Judentum mehr verbunden als die Fallaschas. Als die großen Massen der Juden sich aus Babylon über Nordafrika und Spanien ergossen, bestand die Gefahr, daß sie in weiter Entfernung vom Mutterlande jede Hoffnung auf die Wiedererrichtung eines jüdischen Staates aufgeben und sich gänzlich den fremden Völkern assimilieren werden. Die Abwehr dieser Gefahr nahm G RABSTEINE \F RIED LÄN DER & DEUTSCH Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, |j| Samstag \XI.. Zeniratfriedhot, neb, d. 7. 7nr. I>| geschlossen Eldad Hadani auf sich. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts tauchte er in den Ländern der Diaspora auf und brachte seinen Volksgenossen Grüße von ihren Brüdern in Ostafrika. Hier, sagte er, habe der Stamm Dan im Verein mit anderen Stämmen einen Judenstaat errichtet, in welchem der jüdische Kultus in vollem Umfange betrieben werde. Selbst die Natur füge sich dem Ritualgesetz. Der im Talmud erwähnte Fluß Sanbation, der am Sabbat ruht, befinde sich in dem Judensteat Dan. Ihr Talmud sei nicht verdorben durch die aramäische Sprache und durch die Unmenge der Autoren und Diskussionen, vielmehr von einem Autor und in einem reinen Hebräisch abgefaßt. Hebräisch bilde auch ihre Umgangssprache. Ja, sein Staat sei sogar ein Idealstaat, sagte Eldad. Nichts wisse man hier von Fehden unter den Juden. Sein Stamm habe in Palästina auch an keinerlei Spaltungen teilgenommen. Als das jüdische Reich sich unter Jerobeam und Rechabeam teilte, sei der Stamm Dan in seinen jetzigen Wohnsitz ausgewandert, da er sich am Bruderzwist nicht beteiligen wollte. Aus diesem Grunde feiern diese Juden auch nicht die Feiertage, die erst nach der Zerstörung des ersten Tempels eingeführt wurden: 9. Ab, Purim und Chanukka. Von Bedeutung ist, daß sie sich Juden nannten, während z. B. die Fallaschas, die jüdischen Blutes sind, den Nam;n „Juden" gar nicht kennen, weil sie scheinbar zur Zeit, da die zwölf Stämme noch nicht unter einem Namen gesammelt waren, sich von diesen entfernten und weit von ihnen ansiedelten. Es ist auch möglich, daß sie bereits von Aegypten aus nicht den Weg nach Palästina, sondern zu ihrem jetzigen Wohnort nahmen. Was immer auch die Legende erdichtet haben mag, so viel 3teht fest, daß in Ostafrika fast bis zur Vollendung des ersten Jahrtausends ein unabhängiger israelitischer Staat bestand und daß eine jüdische Gruppe einen Boden ansehnlichen Umfan^es längere Zeit hindurch unabhängig in Händen hatte. Für Abessinien als dieses Land spricht die Tatsache, daß die Abessinier noch heute den Sabbat S a n b a t (siehe oben Sanbatia) nennen. Das biblische Kusch (KWSCH), das Aethiopien der Griechen (Septuaginta), das Chawaach (KWSCH) in der Sprache der Araber heißt in den neueren Sprachen Abessinien. Die wörtliche Uebersetzung des Wortes Chawasch heißt „Zufluchtsland", denn hieher flüchtete man zu allen Zeiten und von allen benachbarten Ländern, also auch die Danitcn aus Palästina. Vermutlich haben diese der Provinz D a n a k i 1 (südwestlich von Eritrea) den Namen gegeben. Eldad macht einen Unterschied zwischen den Stämmen, die in Asien und zwischen denen, die in Afrika zerstreut sind. Die asiatischen gleichen Beduinen. Sie sammeln sich nur, wenn sie auf Beute ausziehen, und nur im Bedarfsfalls wählen sie einen Anführer. Die afrikanischen hingegen bilden einen regelrechten Staat, haben einen König und führen Krieg nach Völkerrecht. Ihre Nationalfahne ist eine weiße Flagge mit der Inschrift des göttlichen Einheitsbekenntnisses. Ihr fruchtbares Gebiet mußten sie fast alljährlich gegen einfallende Stämme verteidigen. Der Sanbation, der Steine und Sand mit sich führte, wird nichts anderes gewessn sein, als ein mächtiger Wall, der schließlich vom Feinde durchbrochen wurde. Es bleibt nur noch die Frage übrig, warum just der Stamm Dan unter den verlorenen zehn Stämmen als besonders tüchtig geschildert wird: Der Stamm Dan hatte schon einmal den jüdischen Herakles (Simson) hervorgebracht. Also war vielleicht zu hoffen, daß aus ihm auch späterhin Helden hervorgehen werden, die Israel befreien sollen. Die Grundlage der Erzählungen über die verlorenen zehn Stämme ist unzweifelhaft geschichtliches Gut. Der Umstand, daß die Dan-Bewohner mit Mythen und Fabeln behängt worden sind, berechtigt nicht, an der historischen Wahrheit zu zweifeln. Die Legende wirkt. Für sie ist n i cht s verlorengegangen. Die Stämme Israels loben in Ostafrika. Die Leviten wurden bei ihrer Gefangennahme in einer Wplke entführt, um nicht Heiden dienen zu müssen. Die Steine des Tempels wurden nach Prag gebracht und auf ihnen die Altneuschule erbaut. Bei der Zerstörung des Tempels sind die Tore Jerusalems in die Erde versunken. Die Schlüssel hat der Himmel aufbewahrt. Die M e n o r a h liegt in Europa verborgen. Die heilige Lade liegt tief unter Pflastersteinen vergraben. Andere Gegenstände sind da und dort verborgen — und harren ihrer Einbringung. Ja, man träumte sogar von einem himmlischen Jerusalem mit dem dritten Tempel und dem Palaste Davids, das sich einst auf die Erde herabsenken werde. Es sind Sagen gewordene Wünsche des Volkes, Träume und die Sehnsucht nach dem Zauber des TJncrforschlichen. Jüdischer Turnverein Landstraße. Um einem vielfach geäußerten Bedürfnis Rechnung zu tragen,.hat sich eine Anzahl Personen des III. Bezirkes zusammengeschlossen, um auch Im III. Bezirk eine Turnaektion des Makkabi ins Leben zu rufen. Die Vorarbeiten sind bereits soweit gediehen, daß voraussichtlich noch im November mit der Eröffnung des Turnbetriebes gerechnet werden kann. Die Teilnahme am Turnen wird Kindern von sechs Jahren aufwärts und Erwachsenen möglich sein, doch werden natürlich für die einzelnen Altersklassen sowie für männliche und weibliche Teilnehmer gesonderte Kurse abgehalten werden. Für Frauen ist überdies die Abhaltung eines Gymnastikkurses geplant. Die Teilnehmerbeiträgc werden niedrig gehalten sein. Anfragen und Anmeldungen (nur schriftlich) an Herrn Professor Dr. Albert ß a t s c h a, Wien, II];., Barichgasse 5 a. Anmeldungen ehestens durchzuführen. Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas. Die Oktober-Nummer des Organs des Verbandes der jüdischen Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas ist mit einer Reihe von Aufsätzen des wirtschaftlichen Palästina erschienen. Technische Nachrichten über plastische Massen, über den Leichtmetallmotor und über die Elektrizitätsversorgung Palästinas ergänzen das dem Palästina-Aufbau gewidmete Nachrichtenblatt. Die jüdischen Ingenieure und Techniker werden ersucht, Beiträge, die sich auf Wirtschaft und Technik beziehen, dem Verband zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. Gegenwärtiger Sitz des Verbandes, Wien, I., Kohlmessergasse 4. Biallk-Institut, VII., Kaiserstraße 30. Anmeldungen zu den Hebräischkursen täglich, außer Freitag und Samstag, ab 4 Uhr bis 6 Uhr nachmittags im Heim, VII., Kaiserstraße 3U, eventuell telephonisch beim Obmann unter Nr. B-33-1-49 L# vQn 2 bis 3 Uhr nachmittags. — Aviso! Ojneg Sabbath in* Vorbereitung. fystmkwd BMtt Bestrenommierie Küche REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 tCHWELHATEK BRÄU ll,Hammer-Purgstqll-Gasse 3 (nidist SalilorbrGAe) Tel.MH-2S Praktisches Englisch für Palästina-Auswanderer an der Volkshochschule Leopoldstadt, TL, Zirkusgasse 48, beginnt Montag, den 18. November, und findet jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends statt. Einschreibungen täglich von 6 bis 9 Uhr abends im Sekretariat der Volkshochschule, IL, ZirKusgas3e 48. Kursleitung: Eugenie Feldmann. Kundgebung der rellglös-chaluzischen Jugend. Sonntag., den 10. November, \-:,7 Uhr abends, ini großen Saal der Toynbee- Halle, Wien, XX., "Denisgasse 33. Kundgebung des religiöschaluzlBchen Jugend statt. Es sprechen: Se.' Ehrw. Rabb. Qr. M, Rosenmann, Dr. 'M. A. Kwltz (Krakau) .sowie Vertreter des Bundes Uber" ,,S i t u a t i o n u n d Aufgabe der r« Uglöscn Jugend in dieserZei t". Es singt Kantor ■Allfft Feuer; ferner Sprech- und Gesangschor des Bundes. '* Jüdischer Juristenvcreln. Die diesjährige Generalversammlung des Jüdisch-Akademischen Juristenvereins findet Dienstag, den 12. November, um 8 Uhr abends im Verbandsheim,; IX., Alserstraße 26, statt. Histadruth Iwrith. Samstag, den 9. November, 8 Tfhr abends, spricht im Heim der Histadruth, IL, Kleine Möhrengasse 3, Herr Rabbiner Dr. M. Zucker über ..MechjiaTjm, baagadah". — Seminare der Histadruth für Bibel, Agadah und Literatur werden demnächst eröffnet. Letzte Anmeldungen pejm Sekretariat. Der hebräische Lehrerverband der Histadruth Iwrith, Jf., Kleine Mohrengasse 3, ladet hiemit alle hebräischen Lehrer uncj Lehrerinnen zu der am Sonntag, den 10. November, pUtiktjjQl) 7 Uhr abends, stattfindenden Jahreskonferenz höflich ein. Verein für jüdische Geschichte und Literatur In Wien. Montag, den 11. November, im Klubsaal der Hakoah, I., Wj.p» aingerstraße n (Caf6 Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Yrir> trag des Herrn Professor Dr. Samuel Krauß: „Die a b e. ssinieche Königs sage." Beginn '/a8 Uhr abends. E}ntpJt.t frei. Gäste willkommen. < .'> Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kpiklmessergasse 4, Telephon U-27-0-65, sucht dringendst Stellen'' iür a) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, GeschäftsdiMjer, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen, Nachhilfelehrer- und -lehrerlnneh' für Mittelschulfächer; b) gewerbliche Hilfskräfte aller Art — daruiiter auch Architekten für Inneneinrichtung, Chemiker, Elektratfxshniker, Installateure, Bauingenieure —, Chauffeure sowie ungelernte Arbeiter; c) handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. —Offenes te 11 e n für: Verkäufer und Geschäftsführer aus der Delikatessenbranche, Leiter eine? Automatenbüfetts in Lodz (Beherrschung der polnischen Sprache), Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnisse für In- und Ausland, geschultes Hauspersonal jeder Art, gut eingearbeitete jfeonfektionsnäherinnen (auch Helmarbeit). ,; Israelitische Jugendgottcsdienste. 1. Jugendgottqsdienat für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen); Samstag, den 9. November, um 3 Uhr nachmittags; in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. — 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen für Unterklassen im 2., 9. und 20. Bezirk: Sam?t*g, den 9. November, um 4.15 Uhr nachmittags im Lepppldatädter Tempel, II., Tempelgasse 5, und in den Verein^ Synagogen, IX., Müllnergasse 21, 'und XX., K^ucky? gasse 11. Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen, Freitag, den 8. November 1935, werden bei den urn 4.25 Uhr beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5, Oberrahser Dr. I. Taglicht; VI., Schmalzhofgasae 3, Rabbiner pok» tor J. Drobinsky; VIII., Neudeggergasse 12, Rabbiner Dr. M. Bauer; IX., Müllnergasse 21, Rabbiner Dr. Ä; SS, Schwarz; X., Humboldtgasse 27, Rabbiner Dr.> A. Wefner; XVI., Hubergasse 8, Rabbiner Dr. J. M. Bach; XIX;, Pollinergasse 3, Rabbiner Dr. A. Frankfurter; XX., Kluckygasse 11, Rabbiner Dr. B. Murmelstein; XXJ;.( Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmann. 11«-» Samstag, den 9. November 1935, beim Vormlttagagpttfls« dienste Schrifterklärungen: XX., Kluckygasflö i M, Rabbiner Dr. B. Murmelstein. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Uaffes etc. A. Barschok, II., Große Schiffgasse 3. Streng ivz. Vorzügliche Küche. Billige Preise. Caf6-ltcstaurant Impresso, i., Kotertturmstraße i. Internationale kalte und warme Küche. Menü3 zu billigen Preisen. Nagels Sclchwarenrcstaurant, IL, Praterstraße 33. Orth. Menü S 2.— . täglich Scholet, Selchfleisch mit Ritschct, Pfefferkarpfen c*-c. Dalmatiner Wcin-Restnhrant Josef Biijas, Wien. V., Harnburgerstraßo 11. Tel. B-22-0-75. Täglich jugoslawische Spezialitäten, am Rost gebraten. Linie 61, 4 Haltestellen von der Oper. Ca!c-Konditorei neumatin, u.. üreüierstiitlie / i'lelepnon A-42-3-S1), III.. Lowengasse 4? (Tel. U-lü-5-78). 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