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Die neue Welt · 1935-11-08 · Heft 511 (8.11.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 511 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 511 DIE NEUE WELT Seite 3 Film-Boykott — „höhere Gewalt // Aus Warschau: (Meldung des „Telegraf".) Ein sensatiaoaller Prozeß, der mit einem nicht weniger sensationell«» Urteil geendet hat, wurde soeben vor dem Bezirksgericht in Bialystock durchgeführt. Das Kino- Theater Moderne in Bialystock hat im Jahre 1933 von ofc-r Üia den Film „Im Geheimdienst" gemietet. Als Anzahlung gab es einen Wechsel auf 400 Zloty. Infolge der deutschen Judenverfolgungen kam es noch vor der Aufführung des Films zu der Gründung eines Schutzverbandes in Polen, der einen Boykott über alle deutschen Erzeugnisse verhängte. Daraufhin führte das Kino den in Deutschland gekauften Film nicht vor und löste den Wechsel nicht ein. Die Ufa reichte schließlich die Klage auf Bezahlung des Wechsels ein. Das Gericht wies das Klagebegchrcn ab und erklärte in seiner Begründung, daß man das Kinotheater zum Spielen eines deutschen Films nicht zwingen könne und daß der Boykott als „höhere Gewalt" anzusehen sei. Sowohl in Polen wie in Deutschland hat dieses Urteil ungeheure Sensation hervorgerufen. Die polnischen Blätter heben die Urteilsverkündung als richtunggebend hervor. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Statt Rettung — Ausbeutung Die Gesellschaft „Haawarah'* in Palästina ist von der zionistischen Anglo-Palästinabank, der zionistischsozialistischen Arbeiterbank und noch anderen palästinensischen Instituten zu dem Zwecke gegründet worden, den deutsch-palästinensischen „Transfer" zu besorgen, d. h. für Geld deutscher Juden Waren in Deutschland zu kaufen und in Palästina zu verkaufen. Auf dem Luzerncr Zionistenkongreß hat die Judenstaatspartei verlangt, daß die Zionistische Organisation und ihre Banken und Fonds jede Verbindung mit „Haawarah" und „Transfer" lösen sollen. Die Zionistische Organisation und die Institute dürfen nicht als Agenten Hitler-Deutschlands in Palästina und im. Orient arbeiten, denn sie verletzen damit die nationale Ehre, schädigen die palästinensische Industrie und rufen durch Ueberschwemmung des Marktes mit deutschen Waren die Feindschaft Englands und aller anderen, den Juden sonst gut gesinnten Mächte hervor. Die Kongreßmajorität, Allgemeine Zionisten und Arbeiterparteiler, antworteten: „Die einzige Möglichkeit, die deutschen Juden und ihr Kapital aus der deutschen Hölle zu retten, bietet eben der Transfer!" Sie haben nicht nur die Judenstaatspartei niedergestimmt, sondern darüber hinaus beschlossen, den Transfer zu verstärken und offiziell unter Kontrolle und Verantwortung der Zionistischen Organisation zu stellen. Alles mit der Begründung: „Einzige Rettung der deutschen Juden und ihres Kapitals!" Aber jetzt, wenige Monate nach Luzern, dringt die Wahrheit durch, für welche die Judenstaatspartei dort leider vergeblich gekämpft hat. Vor vier Wochen hat, wie bereits berichtet wurde, der frühere politische Referent der zionistischen Exekutive, Oberst Kish, in englischen und palästinensischen Zeitungen die Manipulationen der „Haawarah** als auf Profit hinzielende Täuschung des jüdischen Volkes hingestellt. Jetzt tritt Dr. Asriel Carlebach, der bekannte, jetzt in London lebende deutsche jüdische Schriftsteller, mit einem aufsehenerregenden Artikel in den großen jüdischen Tageszeitungen gegen die „Haawarah" hervor. Er stellt fest, daß die unter der zionistischen Leitung arbeitende „Haawarah" die deutschen Juden nicht rettet, sondern in gewissenloser Art ausbeutet. Dr. Carlebach, der, wie Oberst Kish, zu den Anhängern des heutigen zionistischen Regimes zählt, schreibt jetzt u. a.: „Ein deutscher Jude hat tausend Pfund. Er bittet das Finanzamt seiner Stadt um Erlaubnis, das Geld auszuführen, weil er nach Palästina auswandern will. Nach einem Jahr (früher ist eine Antwort noch nie erfolgt) geht die Sache zum Oberlandesfinanzamt und er bekommt die Erlaubnis, wohl nicht das Geld auszuführen, sondern auf das Konto der „Haawarah" zu erlegen. Bei Erteilung der Erlaubnis nimmt die deutsche Regierung 3 0 Prozent als Kapitalfluchtstcuer für sich. Bleiben von den 1000 Pfund 800. Von den 800 nimmt die „Haawarah" 35 Prozent Spesen für sich. Bleiben 550 Pfund (die 35 Prozent werden nämlich von den ganzen 1000 Pfund gerechnet). Diese 550 Pfund verspricht die „Haawarah" wie folgt an den Juden in Palästina auszuzahlen: 40 Prozent In jüdischnationalen Obligationen (Nationalfonds etc.), 20 Prozent in Aktien von palästinensischen Gesellschaften, 30 Prozent in Anteilen palästinensischer Genossenschaften und 30 Prozent in bar. Die Auszahlung, erklärt sie, kann frühestens in zwei Jahren erfolgen, höchstwahrscheinlich erst in drei Jahren. Eine Mark „transferieren" heißt also, eine Zusage bekommen, daß man in drei Jahren 13 Pfennige sehen wird." Ich vorstehe noch, daß die „Haawarah" für Umrechnung der Valuta 35 Prozent Kosten rechnet. Ich verstehe noch, daß die jüdischen Fonds auf die deutschen Vermögen eine Steuer auflegen, ich verstehe noch, daß man, bevor man dem Juden sein Geld in die Hand gibt, damit e r sich eine Existenz gründen kann, lieber auf seine Kosten wichtige Genossenschaften in Palästina konsolidiert. Ich verstehe alles; nur eine Kleinigkeit verstehe ich nicht: Woher nimmt man die Frechheit, eine solche Sache zu nennen: Die Rettung des deutsehen Judentums. Und wie ich, so verstehen das auch nicht die 500.000 Jaden in Deutschland. Sie erblicken in der Haawarah die grausamste ihnen auferlegte Plage und versuchen sich, ihr zu entziehen. Und zwar so: Man nimmt Geld von der Bank und bezahlt der Regierung 20 Prozent Kapitalfluchtsteuer. Verfallen. Dann zahlt man der Haawarah 10 Prozent, welche sie fordert für — nichts. Sie hat ja das Monopol von Hitler bekommen. Verfallen. Und für die restlichen 70 Prozent kauft man sich in Deutschland Ware. Und so fährt ein Advokat mit 1000 Dutzend Handschuhen, ein Rabbiner mit fünf Kisten Rasierklingen, ein Arzt mit Werkzeugen für Schuster nach Palästina. Man kommt in Tei-Aviv an und fängt an, zu verkaufen. Kleinweiso, von der Hand in den Mund, man will ja leben. Und man überfüllt Erez Israel mit deutschen Waren. Ein deutscher Jude hat mir vor kurzem geschrieben: „Das Vermögen meines Bruders hat man konfisziert, man hat es der „Haawarah'« zum Transfer übergebe n." Das ist die große Wohltat, welche die Zionistische Organisation durch ihre „Haawarah" den deutschen Juden erweist. Das ist der Weg, den sie geht, um, wie sie behauptet, 30.000 deutsche Juden mit ihrem Geld nach Palästina zu retten. Die Gelder, welche auf solche Chancen warten, sind verloren. Die Tausende Pfund, welche auf dem Transferkonto der „Haawarah" liegen, sind keinen Groschen wert. Ihre Besitzer haben sich schon lange auf ewig von ihnen verabschiedet." aus Lastex od. Stoff, schlank machend, ffffrÄ P>EXA, Ufa«»«! I, Göttweiherga«« 1, Tel. R.21-8>25 Wie es gemacht wird Die palästinensische Wirtschaftskorrespondenz „Palcor" meldet, daß jetzt den deutschen Einzahlern auf das Berliner Konto I der „Haaworah" Schuldvex*schreibungen (Obligationen) der in Gründung begriffenen Zementfabrik „Shimshon" in Palästina an Zahlungsstatt gegeben werden. Dabei kommt folgendes heraus: Der deutsche Jude muß 1200 Mark erlegen, damit, abzüglich der 2Qprozentigen Kapitalsfluchtsteuer, 1000 Mark auf seinem Konto gebucht werden. 260 Mark plus 2 Pro zent Agio, also 2 8 0 Mark, rechnet sich die „Haawarah" für Spesen ab. 2 4 0 Mark bekommt der deutsche Jude in Palästina bar. (Wie Dr. Carlebach angibt, yrna Loy William Powell Hin Gipfelpunkt der Spannung SELTSAME FALL DES PRENTICE OPERN/, STAFA» UND VOTIVPAR1GKINO i i frühestens in zwei Jahren.) Für den Rest von 480 Mark bekommt er S h i m s h o n - O b 1 i g a t i o n e n, also Obligationen einer Fabrik, mit deren Bau überhaupt noch nicht begonnen wurde, Papiere, die natürlich unanbringlich sind. Im Resultat: Für 1200 eingezahlte Mark bekommt der Einzahler nach zwei Jahren 240 Mark Bargeld, 480 Mark stecken die Hitler-Regiexung und ihr jüdischer Partner „Haawarah" glatt ein und der Rest von 480 Mark wird ihm in unverkäuflichen Papieren einer noch nicht gebauten Fabrik angehängt. Also für heute eingezahlte 1200 Mark nach zwei Jahren 240 Mark. Das nennt man: Deutsche Juden und ihr Kapital durch Transfer und. „Haawarah" retten! Wer erhält die nächste Million? Vor kurzem berichteten die Tagesblätter über die Schlußziehung der Sommer-Klassenlotteric 1935, bei welcher, ebenso wie in der Sommerlotteric 1934, der große Millionenhaupttreffer von Kunden der; „Glückstelle Stein" an der „Hohen Brücke" gewonnen wurde. Ferner wurden dort gewonnen: der zweitgrößte Haupttreffer S 200.000, sowie Treffer zu S 50.000, 2 zu 30.000, 20.000 usw. Mit Recht fragt nun jeder, wer wohl den Millionenhaupttreffer der nächsten Klassenlotterie gewinnen wird. Warum sollen Sie nächstens nicht die Million oder einen der anderen großen Haupttreffer der Klassenlotterie gewinnen? Beachten Sie die in unserem heutigen Blatte enthaltene Beilage der „Glückstelle Stein" an der „Hohen Brücke" und bestellen Sie noch heute dort per Postkarte Ihre Glückslose. Es kostet Vs Los S 6, 74 S 12, ak S 24, Vi S 48. Klassenlosbestellungen aus den Bundesländern sind direkt zu richten an die „Glückstelle Stein", Wien, L, Wipplingerstraße 21, an der „Hohen Brücke" (da in den Bundesländern keine Filialen). Wiener Filialen: IL, Taborstraße 20; VI., Mariahilferstraße 105; X., Favoritenstraße 101. „Glückstelle Stein" hat wieder über Nacht — Tausenden in Oesterreich Glück gebracht! E Transfer schafft Freunde Die hebräische Tageszeitung „Haarez", ein der« Zionistischen Exekutive nahestehendes allgemein-zionistisches Organ, schreibt: „Vor einigen Tagen kam ein von der Kur in einem tschechoslowakischen Badeort zurückgekehrter Leser zu uns und erzählte uns von einem Erlebnis. Er hatte im Kurorte die Bekanntschaft mit einigen tschechischen Industriellen gemacht. Die Herren beklagten sich bitter darüber, daß sie jetzt in Palästina keine Waren mehr absetzen können, weil da3 Land mit deutschen Waren überschwemmt wird. Einer der Herren sagte unter dem Beifall seiner Freunde: ,Wir Tschechen behandeln die Juden anständig und können mit ihnen kein Geschäft mehr machen. Dafür kaufen die Juden von den Hitler-Deutschen, welche sie erniedrigen und mit Füßen treten. Vielleicht wäre es besser, wenn wir Tschechen so handeln würden, wie die Deutschen, damit auch unser Absatz in Palästina groß wird'..." Juden§taatspartei Oesterreichs Veranstaltungskalendcr. Sektion Prater, II., Kleine Zufahrtsstraße Nr. 166. Samstag, den 9. d., Uhr abends, Akademie mit Tanz. Kleiner Regiebeitrag. S ek ti on,.XIV/X V Schanzstraße 32. Dienstag, den 12. ds., *49 Uhr abends, Vortrag Dr. Salomon Wolf: „Völkerbund und Palästina". Sektion Brigittenau. Dienstag, den 12. d., *49 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14, Mitgliederversammlung. — Mittwoch, den 13. d., %9 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14, Vortrag Dr. Oskar Teller: „Neue jüdische Dichtkunst". Judenstaats jugend, Sektion XVI/XVII. Jeden Mittwoch, 8 Uhr abends, Zusammenkunft im Heim, Gastwirtschaft Grün, XVI., Friedrich-Kaiser-Gasse 21. Bei Fettsucht, Gicht und Zuckerharnruhr, Oxalurie, Phosphaturie und Harnsäurediathese verbessert das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser die Magen- und Darmtätigkeit und fördert nachhaltig die Verdauung. Aerztlich bestens empfohlen. Sektion IX/XVIII: Sonntag, den 17. November, 11 Uhr vormittags, im Schubert-Kino, IX., Währingerstraße 46, Aufführung des Palästina-Films „Das ist das L a n d". Reichhaltiges Beiprogramm. Karten erhältlich in allen Sektionen. Das Provinzsekretariat (p. A.: Dr. FefliK Klug, Graz, Murgasse 14) teilt mit: Vor kurzem fand in Knittelfeld eine gutbesuchte Versammlung statt, bei welcher die Gg. Gruber und Kiesel referierten. — Im Anschluß an den Provinztag in Graz sprach Gg. Gruber in einer sehr gut besuchten Versammlung in Leoben über „Die Judenstaatspartei am XIX. Zionistenkongreß". Die Versammlung, die unter dem Vorsitz des Gg. Friedler stattfand, bildete den Auftakt für die neue Arbeitsperiode. 1000 Zertifikate/ davon 500 für deutsche luden Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Palästina-Regierung hat der Zionistischen Exekutive die ersten tausend Zertifikate als Vorschuß auf die Schedule des Halbjahres Oktober 1935 /März 1936 übergeben. Wie es heißt, sollen 500 dieser Zertifikate für deutsche Juden reserviert bleiben. Wie schon mitgeteilt, hat die Zionistische Exekutive infolge der noch ungeklärten wirtschaftlichen Verbältnisse in Palästina bisher davon abgesehen, der Regierung einen Vorschlag betreffend die neue Schedule zu unterbreiten. Dies wird nachgeholt werden, sobald die Verhältnisse eine Klärung erfahren haben. 80 Studenten nach Palästina abgereist Aus Warschau: Mit einem Transport von Palästina-Auswanderern haben sich 80 Studenten aus Polen nach Palästina begeben, um ihre Studien an der Hebräischen Universität Jerusalem, bzw. am Haifaer Technikum fortzusetzen.

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