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Die neue Welt · 1935-11-08 · Heft 511 (8.11.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 511 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 511 Bei Regen, Wind, Kälte wird man leicht von Erkältung betallen man muß daher rechtzeitig dafür Sorge trafen, daß im H-iuse nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige Hana Franzbranntwein mit MENTHOL welcher für Mtvssage.Einreibung,Umschläge und als Gurgeln-asser gleich unentbehrlich »3t. In jedem besseren Geschiift erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich DIANA und nehmen Sie nur DI AN A. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. rungsstellen seine Arbeit zur Verteidigung der Siedlungen durchrühren könnte. Von verschiedenster Seite, keinesfalls nur von Extremisten, wird daher der Ruf nach jüdischen Formationen erhoben, nach Verstärkung des jüdischen Einflusses in Grenzwache und Polizei.' Auf der einen Seite die Araber, die in der Vergangenheit bewiesen haben, daß sie aggressiv sein können, und von denen man weiß, daß sk> bewaffnet sind. Das wissen auch die Behörden und tolerieren Uebertretungen bei den Aratorn bis zu einem gewissen Grad. Wie wäre es sonst .«möglich, was ich selbst in einem kleinen Dorfe mitangesehen habe, daß bei einer „Fantasia", die zu Ehren des Oberkommissärs veranstaltet worden ist, in diesem Orte, der nur drei Waffenlizenzen besaß, über 20 Gewehre auftauchten? Auf der anderen Seite die Juden, die doch sicherlich keinerlei aggressive Absichten haben und nur auf ihre Sicherheit bedacht sind. Sie haben den Eindruck, daß ihre berechtigten Wünsche nicht den notwendigen Widerhall finden. Selbst wenn die Juden aus rein verkehrstechnischen Gründen eine Verstärkung der städtischen Polizei benötigen,, ergeben sich Widerstände über Widerstände. So sah sich die Gemeinde Tel - Aviv genötigt, mit der Regierung in Verhadnlungen einzutreten, weil sie dringend eine Erhöhung ihrer Polizei um200Mann benötigt. Es dauerte lange, bis die Administrative zustimmte, und trotzdem die Iriah Tel-Aviv schon vor zwei Monaten die Stellen ausschrieb und sich darauf viele Hunderte meldeten, sind bis heute erst 70 junge Leute geprüft worden. Von ihnen wurden erst 35 aufgenommen, die von Instruktoren der Regierung ausgebildet werden. Die übrigen werden immer wieder vertröstet. Wenn es sich nun bei der Untersuchung des Vorfalles mit dem Waffenschmuggel wirklich herausstellen sollte, daß die geschmuggelten Waffen für die Juden in den Kolonien bestimmt waren, wird sich jemand darüber wundern können? G?erade aus der Art der geschmuggelten Waffen — es waren fast ausschließlich Revolver und Munition dazu — ersieht man eindeutig, daß es sich um Verteidigungswaffen handelt. Und Waffen zur Verteidigung benötigen die Juden in Palästina, auch wenn es Ruhe im Lande gibt, und werden sie so lange benötigen, bis sie die Gewähr haben werden, daß für ihre Sicherheit von Juden gesorgt wird. Um den Juden Sicherheit zu garantieren, um ihnen zu ersparen, Gesetze zu umgehen, um für alle Fälle gerüstet zu sein, ist es notwendig, daß die Menschen, die heute für Palästina und den Zionismus verantwortlich sind, ernstlich Wege ausfindig machen, die dazu führen sollen, daß jüdische Formationen, jüdische Polizeiabtei- Jungen den Schutz der jüdischen Gebiete Palästinas übernehmen. Da aber vorauszusehen ist, daß es geraume Zeit dauern muß, bis in dieser Frage Fortschritte erzielt werden, ist es notwendig, daß die zionistische Führung Schritte unternimmt, um irn Rahmen der gegebenen Möglichkeiten die Sicherheit der jüdischen Kolonien zu erhöhen, und ihrerseits alle notwendigen Vorkehrungen trifft. Es soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, als ob seitens der Leitung überhaupt nichts zur Sicherung der jüdischen Bevölkerung im Lande getan wird. Die Siedlungen werden planmäßig angelegt, die Frage der Vertoidigungsmöglichkeit in jedem einzelnen Fall geprüft, die Schornrim (Wächter) im Einverständnis mit der Palästina-Verwaltung mit Waffen ausgestattet ut;w. Drcih ergeben sich Mängel, welche sich, falls zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen :;ollte, schwor rächen müssen. Die unzureichenden Gesetze In Palästina gelten noch immer viele alte Gesetze aus der Türkenzeit, welche der modernen Rechtsauffassung entgegenstehen. Jeder Zionist wir-' «ich an die Prozesse erinnern, die im Anschluß .in die Unruhen in Palästina stattfanden, in denen Juden des Totschlags angeklagt waren, weil sie es versucht haben, ihr Leben gegen angreifende, bewaffnete Araber mit Waffen zu verteidigen. In der ganzen zivilisierten Welt wird streng zwischen Angreifer und Angegriffenem unterschieden und es ist doch klar, daß der Mensch, der einen anderen umbringen will, vom Gericht anders behandelt werden muß, als der Mensch, der es ablehnt, sich umbringen zu lassen, und sich wehrt. Das palästinensische Recht kennt die Unterscheidung nach Angreifer und Angegriffenen nicht und setzt beide rechtlich gleich, so daß ein Jude, der in Selbstverteidigung einen Araber tötet, unter Anklage gestellt und verurteilt wird. Wenn auch jener Richter in Palästina, der eine europäische Ausbildung genossen hat, sich in dieser Frage dem europäischen Standpunkt zu nähern bemüht und innerhalb seiner begrenzten Befugnisse zwischen Angreiier und Angegriffenem unterscheidet, ist es doch unbedingt notwendig, auf eine Aenderung dieser Gesetze hinzuarbeiten, die zur Folge haben, daß ein Angegriffener, falls er sich verteidigt, vom Staate dafür in Anklage versetzt wird. Ausbau des Informationsdienstes Es ist sicherlich nicht unbillig, wenn die Juden von der zionistischen Leitung fordern, daß sie sch durch nichts überraschen läßt und über jede Bewegung der Araber unterrichtet sein soll. Wir verkennen keinesfalls die großen Schwierigkeiten, die dem entgegenstehen, doch ist das eine derart vitale Angelegenheit, daß sie an Geldschwierigkeiten nicht scheitern darf. Selbstverständlich besitzt die zionistische Leitung ihre Informationsquellen, doch der Mangel eigener, geschulter Menschen hat zur Folge, daß die Leitung wenig unterrichtet ist und oft nicht einmal die Möglichkeit hat, einlaufende Nachrichten auf ihre Richtigkeit zu untersuchen. Der Ausbau des Informationsdienstes ist unbedingt erforderlich und wird sich letzten Endes immer rentieren. P&tsian fakdein - SetHtoemty Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen $10.- inklusive Abgaben Es ist sicherlich nicht leicht, für diesen Zweck die richtigen jüdischen Menschen zu finden, und es ist kostspielig, ihnen die Ausbildung zu geben, welche sie in die Lage versetzt, wirklich nutzbringend zu arbeten. Doch da das sein muß, muß sich auch ein Weg finden lassen. Unterstützung und Ausbau der jüdischen Sportorganisationen in Palästina Wiederholt wurde schon darüber Klage geführt, daß die körperliche Erziehung der jüdischen Jugend Palästinas ausschließlich in den Händen der Parteien und privater Sportorganisationen liegt. Eine Aenderung dieses Zustandes ist von unermeßlicher Wichtigkeit. Auch da wird einiges von der zionistischen Leitung geleistet, aber so wenig, daß es nicht einmal angeführt zu werden verdient. Die Leitung hätte die Initiative zur Schaffung neuer Sportorganisationen zu ergreifen und müßte die bereits bestehenden viel tatkräftiger unterstützen, als es heute der Fall ist. Die Frage der notwendigen Sportdisziplinen müßte genau untersucht werden, eine Schule zur Heranbildung von Instruktoren, die dann im Ausland ihre Erziehung vervollkommnen könnten, geschaffen werden. Außerdem wäre es notwendig, die Jugend- und Sportorganisationen ständig zu kontrollieren, ihre Arbeit durch Fachleute überwachen zu lassen, gemeinsame Ausschüsse zu schaffen usw. Billige Reise nach Polen und Czernowitz Abfahrt: 17. November, 12» 19. und 22. Deiember Kuckfahrt: 5. Dezember, 7. Jänner 1936 „F R A N C 0 P 0 L", Wien III, Rennwag 1 Tel. U.16.Ü-90 In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß die körperliche Erziehung in den meisten Schulen stark vernachlässigt wird. Entweder wird in den Schulen überhaupt kein Sport betrieben oder man begnügt sich mit Spielen im Freien oder Freigymnastik, deren Leitung überdies in Händen von Menschen liegt, die absolut nicht fähig sind, ihrer Aufgabe gerecht zu werden, nie dazu vorgebildet worden sind. Die Resultate sind auch kläglich genug. Wehrsport und Erziehung im Auslande Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, in Palästina selbst die Juden wehrsportlich zu erziehen. Die Leitung ist daher verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die Menschen schon in der Galuth die notwendige Erziehung erhalten. Weiter oben wurde davon gesprochen, wie dringend man Menschen braucht, die im Ernstfalle die Organisation der Verteidigung zu besorgen haben. Man hat doch wirklich Gelegenheit, im Auslande die notwendige Erziehungsarbeit zu leisten. Man verfügt dort auch über das entsprechende Menschenmaterial. Man müßte vor allem bei der Zertifikateverteilung darauf Bedacht nehmen, in welchem Maße die neueinwandernde Jugend für den Sicherheitsdienst tauglich ist. Doch auch da wird viel gesündigt. Nicht nur, daß auf die Zertifikate Menschen ins Land kommen, die allgemein ungenügend ausgebildet sind, vermißt man bei fast allen Neueinwandernden, von welchen Parteien sie auch kommen mögen, die Ausbildung im Wehrsport und Sicherheitsdienst. Es ist notwendig, daß die zionistischen Führer sich dieser Sache annehmen und Abhilfe schaffen. Wiederholt haben einzelne Personen und auch Parteien den einen oder anderen Punkt zur Sprache gebracht, resp. auf eigene Faust versucht, eine Besserung herbeizuführen. Einzelversuche müssen scheitern. Nur von einer zentralen Stelle aus kann der ganze Fragenkomplex gelöst werden. Große Vorbereitungen sind notwendig, Investitionen usw., vücf nie wird eine zionistische Gruppe allein in atr Lage sein, mit allen Fragen, die sich auf den Schutz der' Juden in Palästina beziehen, fertigzuwerden. Durch diesen Artikel soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, als ob die Juden in Palästina schutzlos wären oder daß in der nächsten Zeit katastrophale Gefahren für die palästinensischen Juden zu erwarten sind. Es ist ruhig im Lande. Gerade diese Ruhe muß benützt werden, um für die Zukunft und alle Eventualitäten zu sorgen. halsen und Palästina Auf der in London abgehaltenen 16. Jahreskonferenz der Zionistischen Frauen Englands kam der politische Referent der Zionistischen Exekutive, Professor Selig Brodetz ki, auch auf die in der „Times" aufgestellte Behauptung zu sprechen, daß die Zionjsten England gegenüber und die Revisionisten Italien gegenüber loyal seien. Was die Beziehungen zu Italien anbelange, so sei festzustellen, daß die Juden keinerlei Grund haben, eine gegensätzliche Stellung zu diesem Land einzunehmen, das seine jüdische Bevölkerung in vorbildlicher Weise behandle. Nichtsdestoweniger müsse man dessen eingedenk bleiben, daß der Völkerbund das Palästina-Mandat Großbritannien anvertraut hat. Wir stehen und fallen mit dem englischen Palästin a-< Mandat. Wir müssen jegliches auf eine Verdunkelung dieser klaren und eindeutigen Tatsache abzielende Ma« növer, das auf irgendeinem internationalen Forum unternommen wird, bekämpfen. Palästina bedeutet dem British Empire etwas, und was Palästina heute ist, ist es dank der jüdischen Anstrengung. Der moderne Hafen von Haifa bestünde nicht, wenn nicht .die Balfour-Deklaratipn gewesen wäre. Er kam auch auf die Auswirkung der Sanktionen gegen Italien auf Palästina zu sprechen und stellte mit Befriedigung fest, daß in bezug auf die . Beförderung von Palästina - Einwanderern keinerlei Schwierigkeit durch die Sanktionen entstehe. Die Palästina-Regierung bereitet Sanktionen gegen Italien vor Aus Jerusalem: In einer Sonderausgabe der, „Palestinc Gazette" gibt die Regierung die vom Völkerbund beschlossenen Sanktionen gegen Italien und deren Anwendung bekannt. Die Sanktionen treten am 18. November in Kraft. * Aus Jerusalem wird gemeldet: Der High Commlssioner Sir Arthur Wauohopo hat die Sanktionen der Palästina-Regierung gegen Italien bekanntgegeben. Sie bestehen aus drei Hauptpunkten: 1. Ein Verbot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial rückwirkend vom 25. Oktober angefangen; 2. Verbot der Gewährung von Krediten an Italien; 3. Verbot der Einfuhr italienischer Waren. Aus Rumänien Der Innenminister erließ eine Verordnung an alle Polizeibehörden, in der diese im Hinblick auf die jüngsten antisemitischen Exzesse ermächtigt werden, drakonische Maßnahmen gegen Personen zu ergreifen, die die öffentliche Ordnung zu stören versuchen. Die Polizeibehörden werden aufgefordert, alle jene Elemente, dift eine Propaganda gegen eine bestimmte Nation oder Konfession führen und zu Haß gegen bestimmte Bevölkerungsteile aus rassischen und religiösen Motiven auffordern, strengstens zu überwachen. Das Tragen von Parteiuniformen und Parteiabzeichen ist verboten. » Der frühere Juatizminiater Grigore Junian, der Führer der Radikalen Bauernpartei, erklärte auf einem in Czernowitz ihm zu Ehren gegebenen Bankett: ,,Es ist leicht, die Schuld an allen Verhältnissen den Juden in die Schuhe zu schieben. Das ist dumm. Prüfen Sie die Verhältnisse. Ich stamme aus einem Bezirk, in welchem es keine Juden gibt. Ist die Lage der Bauern dort besser? Nein, sie ist schlechter. Die Schulden sind dort ebenso drückend, und der Bauer ist ebenso arm wie in den anderen Landesteilen. Wer beutet die anderen Bauern dort aus? Die rumänischen Bankiers. Wie wollen die extremistischen Parteien, deren einzige Formel „Nieder mit den Juden" ist, die kritischen Verhältnisse in meinem Bezirk lösen? Nicht der Nationalismus bildet den Kern des Problems, sondern die wirtschaftliche Lage. Wir müssen gegen die Ausbeuter kämpfen, gleichgültig, ob sie Juden oder Rumänen sind." * Auf einer Regionalkonferenz der Jüdischen Reichspartei der Moldau wurde auch über den Zusammenschluß der rumänischen Judenschaft gesprochen. Auf einer Sonderveranstaltung teilte Dr. Mayer Ebner mit, daß Uber seine Anregung Verhandlungen zwischen J ü d i s c h e r Partei und Union rumänischer Juden wegen Schaffung einer jüdischen Reichsrepräsen« tanz im Zuge fielen«

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