Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 511 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen lahrgang 9 Freitag, den 8* November 1935 Nr. 511 V* b. b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeur" 187 Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 1R. —; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tsehechoslowakci monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120. —; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Marl: 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tei. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Brief aus Paris Pariser Antisemiten arbeiten mit Arabern und Hitler. (Von unserem Korrespondenten) P a r i s, 2. November. Aus Anlaß der antisemitischen Ueberfälle auf einige von Juden besuchte Pariser Kaffeehäuser hat eine Abordnung, bestehend aus Vertretern der „Jüdischen Föderation" und des „Verbandes der jüdischen Kriegsfreiwilligen", beim französischen Innenminister Päganos vorgesprochen und ihm ein Memorandum über die antisemitischen Umtriebe in Frankreich überreicht. In dem Memorandum wird darauf hingewiesen, daß die Agitation hauptsächlich von zwei Organisationen betrieben wird, und zwar von der „Partei dös nationalen Proletariats" und der „Nationalsozialistischen Partei". Beide Parteien können nur auf eine verschwindend kleine Mitgliederzahl hinweisen. Demgegenüber ist ihr Aufwand an Geld für Propaganda ein ganz ungeheurer. Tausende großer antisemitischer Plakate und eine Unzahl von Broschüren werden gratis verteilt. Man erhält einen Begriff davon, woher das Geld stammt, wenn man einen Umstand ins Auge faßt: Die Leistungen dieser beiden französischen Parteien haben als G'äste Hitlers an dem nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg teilgenommen. Der Minister dankte der Deputation für diese Information und versprach alles zu unternehmen, um dieses verdächtige Treiben aufzudecken und seine Fortsetzung unmöglich zu machen. Die Abordnung hat auch auf einen anderen sehr auffälligen und bedeutsamen Umstand hingewiesen. In letzter Zeit konnte man unter den antisemitischen Demonstranten eine sehr große Zahl von Arabern aus Algier feststellen, die sich durch besondere Wildheit auszeichneten. In einigen Fällen war sogar die Zahl der Araber überwiegend. . Der Minister bestätigte diese Beobachtung und teilte der Abordnung mit, daß laut dem ihm übermittelten Polizeibericht bei der letzten Demonstration 28 Araber verhaftet wurden. Er erklärte, auch in dieser Hinsicht für Aufklärung der Zusammenhänge sorgen zu wollen. Allzu schwer dürfte die Aufklärung der Zusammenarbeit der Pariser Antisemiten mit den Ära« bern aus Algier nicht fallen. In der französischen Kolonie Algier haben sich vor einiger Zeit antijüdische Zentren gebildet. Es ist auch dort zu schweren Pogromen gekommen. Wer die Drahtzieher sind, weiß man auch. Seit mehreren Jahren sitzt in Algier ein Herr Heß, der Bruder des Berliner Rudolf Heß, affenschmuggel und Sicherheit in Palästina Von Oscar H e r 1 i n g e r, Tel-Aviv Ende Oktober 1935. Die Palästina-Regierung gab folgende Kundmachung heraus: „Eine Warenkonsignation, lautend auf 537 Säcke Zement, kam am 16. Oktober niit dem Dampfer „Leopold n." an. Aufgeberin war eine belgische Firma, Empfänger ein gewisser I. K a t a n, Tel-Aviv, den man bisher nicht eruiert hat. Dieser Katan hatte eine Transportgesellschaft beauftragt, die Ware zu übernehmen und nach Tel-Aviv zu bringen. Noch während abgeladen wurde, entdeckte man in einem zerrissenen Sack ein Päckchen, das geöffnet wurde und in welchem Patronen und ein Revolver gefunden wurden. Zollamt und Polizei wurden nun verständigt und diese stellten fest, daß sich in den Zementsäcken wirklich Waffen und Munition befanden. Die Ware wurde beschlagnahmt und nach den Beteiligten an diesem Schmuggel wird. gefahndet." Zu diesem Statement ist noch hinzuzufügen: Der Dampfer fuhr dann nach Haifa weiter, wo eine neuerliche Untersuchung, vorgenommen wurde, da ';: £ s».?t^A gange Sache unerhört des Stell Vertreters AdolfHitIcrs. In dem Hause des Mannes, der Geld aus vollen Händen ausstreut, verkehren die Führer verschiedener antifranzösisch orientierter arabischer Gruppen. Man braucht also wirklich nicht sehr scharfsinnig zu sein, um zu erkennen, wer die antijüdische Agitation in Algier und in Paris unter die Araber trägt und wer das nötige Geld beisteuert. Mit welch teuflischem Raffinement diese hitleristisch-arabische Zusammenarbeit betrieben wird, geht aus einem Zwischenfall hervor. Die Pariser Juden sind, dem Himmel sei Dank, keine Lämmer, die sich geduldig abschlachten lassen. Bei den letzten Zusammenstößen wurden die Angreifer entsetzlich verprügelt, einige sogar nicht leicht verletzt. Tags darauf erschienen in den arabischen Zeitungen in Algier telegraphische Meldungen aus Paris über „M örderische Ueberfälle von Juden auf Araber in Paris". Die Namen der arabischen „Opfer" und ihre Verletzungen waren groß und breit auf den Titelseiten verzeichnet, natürlich mit wahnwitziger Uebertreibung der „Verluste des arabischen Volkes". Die Zeitungen verzeichneten dann ungeheure Aufregung unter der arabischen Bevölkerung in Algier. :# Kostenlose Beratung In allen Relseaneeleeenheiten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch bei Dr. S. TOCker, <X. Uechtenstelnstraße 2. Tel. A-14-504 So wird gearbeitet. Der Minister hat versprochen, den Verhetzungen ein Ende zu machen. Es ist anzunehmen, daß es der Regierung gelingen wird, in Paris Ordnung zu halten. Ob es ihr in Algier gelingen wird, ist schon fraglicher. Umsomehr, als die französischen Kolonialbehörden blind sind oder blind sein wollen, denn sonst dürfte der Agent Adolf Hitlers, der erwähnte Herr Heß, nicht zwei Jahre frank und frei in Algier arbeiten. Pogromproipaganda in Algerien Aus Algier: In Tiare t, dem Zentrum des Getreidehandels von Oran, versuchen hauptsächlich aus Europäern bestehende antisemitische Banden tinruhen hervorzurufen. Die jüdische Jugend hat ein Selbstwehrkorps gebildet. Die Behörden haben Maßnahmen xur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. (J. T. A.) Nach Amerika mit Koscher-Küche §§ auf den Dampfern 1 aufgebauscht hatte und behauptete, daß sich noch weitere Munition auf dem Schiff befände. Die Untersuchung verlief jedoch ergebnislos und Kapitän und Mannschaft, die verhört wurden, mußten freigelassen werden, so daß das Schiff vorgestern von Haifa weiterfahren konnte. Daraufhin wurde die arabische Zeitung „AI Difaah" in Jaffa, deren Nachrichten sich als unwahr erwiesen, verwarnt. Mittlerweile entfalteten die arabischen Führer und Parteien eine rege Tätigkeit, Der Mufti höchstpersönlich, begleitet von den Mitgliedern des Supreme Moslem Court, begab sich zum stellvertretenden High-Conimissioner, bewaffnet mit einem langen Memorandum, das bisher noch nicht veröffentlicht worden ist, in welchem jedoch, nach der in Kairo erscheinenden Zeitung „AI Ahram", die Polizei Palästinas der Mitschuld geziehen wird und fut fedeu lewitbkäufee vwpöfUetWUJUifkeit! Um wirklich wenig Ueld sind jetzt die schönsten u. prachtvollsten echten Perserteppiche (gesunde, ausgesucht« Qualitätsware) bei uns zu haben. Bekannt reelle Bedienung. 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Daß die Araber Waffen ins Land schmuggeln, teils zu Land über Syrien und Transjordanien, wo ja kein Waffenverbot besteht, teils über See, ist allgemein bekannt. Ebenso bekannt, wie die alte Sache, daß palästinensische Araber, trotz gegenteiliger Behauptung, noch immer die Möglichkeit haben (und davon Gebrauch machen), sich in Transjordanien militärisch auszubilden. Nun ist die Situation derart, daß man zu den englischen Schutztruppen, die sich im Lande befinden, trotz der in den letzten Jahren durchgeführten Reorganisation, keinesfalls ganzes Vertrauen haben kann. Numerisch sind diese Truppen sicherlich in der Lage, für Ruhe in den größeren Orten zu sorgen, die für die englische Luftschiffahrt wichtigen Flugplätze, den für die englische Schiffahrt wichtigen Hafen Haifa und die ,,P i p e - L i n e" zu schützen, doch ekinesfalls reichen sie aus, um die kleinen jüdischen Kolonien gegen einen plötzlichen Ueberfall zu verteidigen oder größere Unruhen in kurzer Zeit zu unterdrücken. Es ist ja verständlich, daß die Engländer keine große Lust haben, mehr Soldaten, als für ihre Zwecke notwendig, im kleinen Palästina zu erhalten, und deshalb würde man es verstehen, wenn der Mandatar alle Bestrebungen unterstützen würde, die eine Sicherheit im vollen Umfang für die Dauer garantieren könnten. Es heißt immer, wenn über derartige Dinge gesprochen wird, daß die jüdischen Kolonien mit Zustimmung der Regierung versiegelte Waffendepots haben, doch wer je Gelegenheit gehabt hat, die Inventarliste eines derartigen Depots zu sehen, wird erkennen, daß da den Verhältnissen keinesfalls vollauf Rechnung getragen wurde. Die Depots sind viel zu klein — ganz abgesehen davon, daß viele Stützpunkte überhaupt keine Depots besitzen —, die Waffen zum Teil unbrauchbar, zum Teil veraltet, und die Menschen, die vielleicht einmal in die Lage kommen könnten, diese Waffen zu gebrauchen, sind aus Mangel an Uebung nicht genügend geschult. Dazu kommt noch, daß man doch nicht von Menschen, die man plötzlich aus ihren Berufen reißt und die nie vorher eine militärische Ausbildung genossen haben, verlangen kann, daß sie sofort wie geschultes Militär in Tätigkeit treten. Das wäre vielleicht möglich, wenn ein Apparat von geeigneten und vorgebildeten militärischen Führern existieren würde, der offiziell und vielleicht sogar mit Unterstützung der Regie*