Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 509 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ifblTe 4 DIE NKMB WELT Nr. 509 1|Ä„ _ ■■• lf^ J^II aus Laste* oJ. Stoff, schlank machend, lleuBleleriMiBsaMÄ für solch einen Zweck? Dessen hat man uns ja immer versichert: Welchen konstruktiven Zweck erfüllen denn die rund 6 Millionen Pf u n d, welche teilweise in englischen Staatspapieren angelegt sind, teils sich in der Kasse des Schatzmeisters befinden? Anstatt gerade jetzt in der Bevölkerung zu zirkulieren und Handel und Industrie zu befruchten, erscheinen diese Reserven ausschließlich in den zufriedenstellenden Bilanzen und Budgets der Regierung. Die Regierung redet. Der Oberkommissär telegraphiert aus London. Die Direktoren der großen Banken geben Erklärungen ab. Alle beruhigen das Publikum. Alle erklären, es werde kein Krieg sein. Sehr schön. Besteht denn allein darin die Funktion einer Regierung? Handelt es sich denn jetzt um die Angst vor einem Krieg? Nein. Der finanzielle Apparat des Landes verlangt eine Reparatur, bezw. ist ein zeitweiliger parallel funktionierender Hilfsapparat erforderlich. Wenn die Regierung aus ihren Kassen 1 oder 1V-J Millionen Pfund nehmen, für einen Teil Obligationen der Hypothekenbank kaufen und den Rest bei den großen Banken in Form langfristiger Depositengelder einlegen würde; wenn die großen Banken ihrerseits das Geld durch die mittleren und kleinen Banken in die Kanäle der Wirtschaft strömen ließen, welche Kredite benötigt, würde sich das Bild schnell ändern. Die Krankheit wäre schnell vorbei. Solch ein aktiver Schritt der Regierung, die im übrigen ihr Geld auf die beste Art durch erstklassige Sicherungen schützen kann, ist ein Gebot der Stunde. Er ist dringend, durchführbar, von entscheidender Bedeutung. Die Form dieser Maßnahme kann die oder jene sein. Wir wollen bloß den guten Willen sehen. Wo ist er aber? Bis nun haben wir die Mandatarmacht in der Rolle eines steuerauftreibenden Reservensammlers und Ordnungshüters gesehen. Schön und gut. Besten Dank für die Leistungen. Jetzt muß die Palästina- Regierung sich in einer anderen Rolle zeigen. Sie muß beweisen, daß sie faktisch führt und regiert. Verwicklungen muß man voraussehen. Handeln muß man rechtzeitig und vor allem die Initiative ergreifen. Eine Regierung darf nicht den Dingen freien Lauf lassen. Dem Chaos, das aus der Verwirrung stammt, muß ein klarer Wille entgegengestellt und eine starke Hand gezeigt werden. A 11 s ogleich, ohne Zögern und nicht erst später. Gerade jetzt, wenn bloß Verwirrung herrscht und nicht Krise. Die Regierung hat oft Vertrauen und Zusammenarbeit verlangt. Sie hat unseren Verdacht bestritten, daß sie den Jischuw als Stiefkind behandelt und daß sie die speziellen Bedürfnisse eines Mandatslandes nicht befriedigt. Sie soll uns jetzt überzeugen, daß wir in einem Irrturn befangen waren. Einen Freund erkennt man in der Not. Schnelle und konstruktive Maßnahmen sind erforderlich. Die Regierung muß großzügig sein. Jetzt ist keine Zeit zu Spintisierereien. Der Jischuw kann natürlich auch allein die Schwierigkeiten überwinden, die durch äußere Ursachen enstanden sind. Aber wozu die unnötigen Kosten und Opfer? Die Regierung darf nicht warten, bis man sich an sie wendet, sie bittet und ersucht. Sie hat selbst die Initiative zu ergreifen und zu handeln! Der Jischuw und das ganze Land stehen in Erwartung. Dumm madien ♦ ♦ ♦ Wen? — Sich oder die anderen?;;chäftigten Dämchen im Omnibus das Handtäschchen ab- I zwicken. Leider ist der Judenstnat kein HandtH.ichchen j und England kein unvorsichtiges Dämchen. Sonst aber j stimmt die Rechnung der allgemeinen Zionisten. j Ueberraschend wirkt nur der Schluß des Artikels. ' Da wird erklärt, daß die ..Allgemeinen" zwar nicht ..unablässig vom Judenstaate reden", sondern „für ihn (dri JudenstaaO in London und Genf politisch arbeiten" werden. Nun haben die ..Allgemeinen" in | L'jzern Professor W e i z m a n n zum Präsidenten und danach zum Führer d^r Pc'itik gewählt. Weizmann aber ' ist ein entschiedener Gegner des Judenstaate.~. Er erklärt ihn für fin Hirngespenst von ehedem, er glaubt nicht an ihn und will ihn nicht, er halt ihn nicht nur für unmöglich, sondern aurh für schädlich. Und ■•-.umgerechnet i h n haben die Allgemeinen dazu erwählt, in London politisch für den von ihnen gewollten Judenstaat zu ar- 1 beiten. Wen machen die Allgemeinen dumm? Gewiß nicht die anderen. . . . Auf dem Luzerner Kongreß haben di^ Führer der linken Yrbeiterpartri ,.Poale Zion" für den Transfer, d. h. für den Absatz von Waren aus Hitler-Deutschland in Palästina gekämpft und daher gegen die .,.Judenstaatspartei", welche die Loslösung der Zionistischen Organisation von diesem Geschäfte forderte. Die ..Poale Zion" gehört der sozialdemokratischen II. Internatiocale an, welche ihren Mitgliedern den Boykott des heutigen Deutschland zur Pflicht gemacht hat. Die. linken Führer haben sich daher nicht nur gegen ihren Zionismus, sondern auch gegen ihren Sozialismus versündigt. Selbstverständlich erhob sich dagegen eine Opposition der Anständigen in den eigenen Reihen. Es rumort auch nach dem Kongreß auf der Linken um den Transfer. Um die Gemüter zu besänftigen, bringt man erbauliche Geschichten von ,.Bekehrten", die gegen den Transfer waren und jetzt für ihn schwärmen. So erzählt der Warschauer ,,Hajnt", ein der Transfer-Sache und den linken Führern ergebenes Blatt, in seiner Ausgate vom 18. Oktober die rührende Geschichte von einem nichtzionistischen Sozialisten, welcher ein wilder Gegner des von den Poale-Zionisten gestutzten Transfers war und jetzt, nach einer R.eise Berlin—Moskau—Tel-Aviv, ein glühender Anhänger des Transfers gev/orden ist. Der „Hajnt" schreibt: „Der bekannte Redakteur der ,.Jüdischen Zeitung" in Buenos-Aires, Herr R o g a 1 s k i. der jetzt in Warschau ist. sagt: Ich werde jetzt nach Hause kommen, und in allen G aasen schreien: Transfer! Transfer! Es gibt keine andere Rettung für die deutschen Juden!" Herr Rogalski ist kein Zlonist, kein Parteimann und er war vorher gegen den Transfer . . ." Derselbe „Hajnt" berichtet drei Tage später, am 21. Oktober, über ein anderes Gespräch mit demselben Herrn Rogalski und sagt von ihm: „Der in Warschau weilende. Redakteur des „Jüdischen Tagbiatt.es" in Buenos Aires. Herr Rogalski, welcher ein Führer der Poale-Zion in Argentinien ist und Delegierter auf dem Luzerner Zionistenkongreß war, gab uns wertvolle Informationen. . . ." Der Herr Rogalski hat bereits vor zehn Wochen als poale-zionistischer Delegierter in Luzern wacker für den Transfer gestimmt. Jetzt kommt er plötzlich als „Fernstehender" von Berlin her und wird als „Bekehrter" schreiend durch die argentinischen Gassen laufen. So macht man sich selbst dumm. Griechische Schiliahrtslinien nach Palästina eingestellt Aus Saloniki: Sämtliche griechische Schifffahrtsgesellschaften haben infolge eines Matrosenstreiks und gewisser Anordnungen der Regierung, die sie als schädlich für ihre Interessen erachten, den Dienst nach Haifa, Jaffa und Alexandrien eingestellt. Palästina-Auswanderern aus Griechenland stehen zur Zeit nur noch russische Dampfer zur Verfügung, da die Fahrpreise auf anderen Schiffen zu hoch sind. KINO'PROGRAMME ludenslaalspatlei Oesferreidi§ Gründung eines Stadtkibbuz Aufruf! Die Judenstaatspartei Oesterreichs und ihre Chaluzorganlsation Hechaluz Haleumi haben dieser Tage einen Stadtkibbuz gegründet. Wenn auch dieser Stadtkibbuz in erster Linie den Zweck hat. der Berufdumschicht u n g zu dienen, so hat es doch die Not der gegenwärtigen Zeit mit sich gebracht, daß sich diesem Stadtkibbuz auch bestens ausgebildete und befugte Handwerker jeden Faches angeschlossen haben. Wir richten daher an die jüdische Oeffentlichkeit und insbesondere an unsere Mitglieder und Freunde den! eindringlichen Appell, bei der Vergebung von jeglicher Arbeit Leute unseres Stadtkibbuz zu verwenden. Dadurch wird nicht nur die so wichtige Institution der Berufsi Umschichtung gefördert, sondern man hat auch die Gewähr , daß die Arbeiten tadellos und billigst durch- I geführt werden. j Wir bitten daher nochmals: Beschäftigen Sie nur I Leute unseres Stadtkibbuz, empfehlen Sie sie Ihren Freunden und Bekannten! Befugte Elektrotechniker, Mechaniker, Schlofser, Schneider. Schuster, Tischler und Handwerker stehen zur Verfügung. Telephonischer Anruf genügt. Täglich von 10 bis 2 Uhr unter A-20-2-73 und von 6 bis 9 Uhr abends unter U-27-4-87. Für unseren Stadtkibbuz benötigen wir noch einige Einrichtungfgegenstände, wie Tische, Sessel und Kasten. Wir bitten um Spenden dieser Art. Telephonischer Anruf unter obgenannten Mummern. Die Gegenstände werden von uns mit vielem Dank abgeholt. Der Stadtkibbuz der Judenstaatspartei und des „Hechaluz Haleumi". * Veraiistaltungskalendcr: Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraße 21a, Freitag, deu 1. d., 8 Uhr abends: Literarischer Abend. Referenten: Prof. SchwertfInger, Türkei und Földvary. — Sonntag, den 3. d., 8 Uhr abends: Heimabend mit Akademie und Tanz. Judenstaatsjugend, Dienstag, den 5. d., 8 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14: Plenarversammlung. Erscheinen aller Mitglieder .Pflicht. Mittwoch, den 6. d., halb 9 Uhr abends: Vortrag im Heim, I., Werdertorgasse 14. Referent und Thema werden in der Dienstagausgabe des Blattes bekanntgegeben. * Hechaluz Haleumi: Jeden Mittwoch von 8 bis 9 Uhr abenda Sekretariatsstunden im Heim, I., Werdertorgasse 14, woselbst Auskünfte über Palästina-Wirtschaft und Palästina-Wanderung erteilt werden. Judenstaatsjugend, Sektion XII-XV: Sonntag, den 3. November, im Heim, XV., Schanzstraße 32: Eröffnungs-Heimabend mit Akademie und Tanz. Beginn 4 Uhr nachmittags. Erstklassige Jazz. Regiebeitrag 20 g. Voranzeige! Sektion IX/XVm: Sonntag, den 1.7. November, 11 Uhr vormittags, im Schubert-Kino, IX., Währingeratraße 46, Aufführung des Palästina-Films „Das Ist das Land". Reichhaltiges Beiprogramm. Karten erhältlich in allen Sektionen. Aus Polen In der Parlamentskommission für den Plan, dem Staatspräsidenten gesetzgeberische Befugnisse zu erteilen, hielt der jüdische Abgeordnete Dr. Emil Sommerstein eine Rede, in der er erklärte, der Krebs, der am jüdischen Wirtschaftsleben in Polen fresse, habe begonnen, auch die Gesamtwirtschaft des Staates zu zerstören. Darum sei es hoch an der Zeit, daß die Regierung entsprechend der Proklamation des Ministerpräsidenten B a r t e 1 vom Juli 1926 dem Wirtschaftsantisemitismus ein Ende mache. Heute seien diese vor neun Jahren verkündeten Grundsätze noch nicht verwirklicht, vielmehr werde unter ausländischem Einfluß der Antisemitismus eine beliebte Waffe im politischen Kampf. Sommerstein verlangte gleiche Behandlung für alle Kategorien von Steuerzahlern. Zum Schluß gab er der Mißstimmung der jüdischen Volksvertreter darüber Ausdruck, daß keiner von ihnen, obwohl sie 10 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, in die Kommission aufgenommen wurde. Er selbst sei hier nur Experte ohne Stimmrecht. Der von der Regierung ernannte Lodzer Stadtrat hat die von der nationaldemokratischen Mehrheit des aufgelösten früheren Stadtrats beschlossene Arierbestimmung für die Verleihung der städtischen Preise für Kunst, Wissenschaft und Literatur aufgehoben. Der am 21. März d. J. zum erstenmal in einer öffentlichen Körperschaft Polens beschlossene Arierparagraph wurde schon damals vom Regierungskommissär als verfassungswidrig erklärt und konnte mangels Bestätigung durch die Regierung nicht in Kraft treten. Durch die nunmehr erfolgte formelle Aufhebung wurde zum Ausdruck gebracht, daß solche Sonderbestimmungen gegen Juden in Polen unzulässig sind. Wie dem Verein der Kleinhändler in Lodz mitgeteilt wird, ist es in Lesaao (Distrikt Posen) zu Ausschreitungen gegen eine Gruppe jüdischer Marktfahrer gekommen. Die Händler wurden mißhandelt und ihrer Ware beraubt. Geschädigt wurden mehrere Marktfahrer aus Lodz, Warschau und Kalisz. * Die polnisch-palästinensische Handelskammer teilt mit, daß im September d. J. für 2,078.000 Zloty Waren nach Palästina ausgeführt wurden, während im September 1934 der. Wert des Exports nur 741.000 Zloty betrug. Der Import aus Palästina ist von 39.000 Zloty im September 1934 auf 116.000 Zloty im September d. J. gestiegen. In der Zeit vom JännT bis September 1035 betrug der Export aus Polen nach Palästina 11,234.000 Zloty gegenüber 6,799.000 Zloty In demselben Zeitabschnitt des vergangenen Jahres. Der Import aus Palästina, ist in diesem Zeitraum von 897.000 auf 3,207.000 Zloty gestiegen. Hartleibigkeit. Aerztjiehe Gutachten verzeichnen wahrhaft überraschende Ergebnisse, die mit dem natürlichen „Franz-Josef-Bltterwasaer bei Leuten mit Bitzen« der Lebensweise erzielt wurden. 81 Ea gibt eine Art von Politik, welche dahin zielt, den anderen dumm zu machen. Sie ist nicht immer erfolgreich, aber doch irgendwie verständlich. Weniger verständlich ist wohl die Politik, welche dahin gerichtet ist, sich selbst dumm zu machen. Sie ist jetzt bei gewissen zionistischen Gruppen Mode geworden. So bei den „Linken" und „Allgemeinen". Im Wiener Organ der „allgemeinen" Ziouisten „Die Stimme" wird davon geschrieben, daß der englische Kolonialminister Mac Donald jun. auf einem zionistischen Bankett in London eine Rede gegen den Judenataat gehalten hat. Daß für diese Rede die zionistischen Judenstaatler, welche „den ganzen Tag nach dem Judenstaat schreien", verantwortlich gemacht werden, ist nicht überraschend. Diese Taktik entspricht der Mentalität jener Zionisten „allgemeiner" Prägung, welche auf der Straße vor dem Kongreßgebäude jedem erklären, daß sie für den Judenstaat sind, dann im Kongreßsaal gegen den Judenstaat stimmen, und nachher im Vorhaus sagen, daß man den Judenstaat nur dann bekommen kann, wenn man ihn nicht verlangt. Taschendiebe reüssieren mit dieser Methode, wenn sie einem mit dem Lippenstift be- KREUZ-KINO i, Wollzeile 17 Telephon K -24-2lü VorstellunKen: *, 3A6, V28. 'Ato ROTENTURM I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-S9 Beginn: 4, %», Val MO Größter Kriminalfilm aller Zeiten 20.000 Jahre __SINQ-SING BOSAMBO mit PAUL R0SEI0N nach dem Romgn von Edgar Wa 11 a c e SCHXFFER Vi, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: •/«*, 'AS, U.10 $TÄF*7vli Mariah ilf erstraBe 120 Telephon B-88-0-68 Wochentags: I, 7, » Uli» OE mit Elisabeth Bergner Der sensationelle Kriminalfilm VERBRECHER IN FRACK mit Warner Baxter und Myrna Loy Sonn- und Feiertage: %*, *«, t Uhr VOTIVPARK IX, Wabringerstraßc 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: *, *«, %t, *A10 Greta Garbo Det ßmUe SMeiet In d«uttch«r Sprach«