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Die neue Welt · 1935-11-01 · Heft 509 (1.11.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 509 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 509 DDE NEUE WELT Seite 3 Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliche Pflege mit O-OOL- Zahnpasta. Kleine Tube S — .90 Größe Tube S 1,40 Die Berliner Olympiade Aus Berlin: Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro hat bekanntlich vor einigen Tagen eine Meldung aus New York verbreitet, daß das American Olympic Committee „einstimmig und endgültig" beschlossen hat, an der Olympiade Berlin 1936 teilzunehmen. Nunmehr ersucht das DNB. die deutschen Zeitungen, diese Meldung nicht zu bringen, da sie mit der "Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Der Vorsitzende des Organisationsausschusses der Berliner Olympiade Dr. Theodor Lewald, hat die jetzt in Kalifornien lebende Meisterfechterin Helene Mayer, Tochter eines Offenbacher jüdischen Arztes und einer arischen Mutter, zur Teilnahme an den Olympischen Spielen eingeladen. Von Helene Mayer ist bereits eine zustimmende Antwort eingetroffen. Der Weltbewegung gegen die Abhaltung der Olympiade in Berlin soll durch diese Tatsache der Wind aus den Segeln genommen werden. Wie man aber in unterrichteten Kreisen weiß, hat Helene Mayer, die übrigens dem Judentum formell nicht angehört, die 3inladung Lewaids nur auf Drängen ihrer Verwandten in Deutschland angenommen, die im Falle einer Ablehnung schwere Unannehmlichkeiten für sich befürchten mußten. Die deutsche Presse erwähnt mit keinem Worte die Teilnahme Helene Mayers an den Olympischen Spielen. Aus New York: General Charles H. Sherril], Mitglied der Internationalen Olympischen Kommission, der schon längere- Zeit im Interesse Hitler-Deutschlands für die Teilnahme der Amerikaner an der Berliner Olympiade arbeitet, veröffentlicht eine Erklärung, in der er die Teilnahme Helene Mayers an der Berliner Olympiade als einen Beweis dafür hinstellt, daß jüdische Sportler in Deutschland nicht diskriminiert werden. * A n m. der ft e d. Helene Mayer hat sich nach ihren ersten Erfolgen taufen lassen. Seinerzeit erregte ihre Haltung auf einem Turnier in Paris, als die Sieger die Flaggen ihrer Staaten schwenkten, Erstaunen, indem die Taufjüdin Helene Mayer statt der schwarz-rot-goldenen (damals offizielle Farbe der deutschen Republik) eine schwarz-weiß-rote (damals Farbe der antisemitischen Reaktion) Fahne entfaltete. Sie hat sich nachher mit „Zerstreutheit" entschuldigt. Wir glauben nicht, daß die Dame sehr gezwungen werden mußte, den Hitler- Leuten zu Willen zu sein. Die englische Regierung interveniert Aus Berlin: Der englische Botschafter in Berlin hat die deutsche Regierung um Informationen in der Angelegenheit der Verhaftung des englischen Juden Rudolf Selz, die wegen Vergehens gegen das Gesetz „zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" erfolgt war, ersucht. Es heißt, daß der Botschafter der deutschen Regierung klar gemacht hat, daß die Verhaftung von Selz eine Verletzung der englisch-deutschen Verträge bedeutet. Praktische Neuheit! 1 Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden - Poplin in allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I Rabenstelg 3, Tel. U-20-709 Hlmmolpfortg.5,Tel.R-25-8-84 / Köllnerhofg. 1, Toi. R-26-B-99 Die Palästina-Regierung sduvimmt in Geld 9 Millionen Uebersdiuß verlogener Art. Gerade die christlich-deutsche Jugend ist es, der man von den Juden, wenn man Juden überhaupt erwähnt, nur Schlechtes zu sagen weiß. Von diesem Standpunkt aus besehen, ist die Rede Minister Czermaks ein Unikum, leider ein Unikum. ■f In der in Jerusalem erscheinenden Amtszeitung der Palästina-Regierung wurde jetzt das Budget der Palästina-Regierung für das vom 1. April 1935 bis zum 1. April 1936 reichende Finanzjahr veröffentlicht. Die Ausgaben sind mit 4,863.877, die Einnahmen mit 5,856.440 Pfund prälimiiiiert. Unter den Ausgaben stehen an erster Stelle diejenigen für öffentliche Arbeiten; hierfür ist ein Betrag von über einer Million Pfund vorgesehen. Die Reserven der Palästina-Regierung betrugen Ende August 1935 5,82 4.5 15 P f u n d. Sollte der monatliche Verwaltungsüberschuß bis zum Jahresende ebenso hoch bleiben wie in den ersten fünf Monaten des Finanzjahres, so wird der Ueberschuß dieses Jahres allein über dreieinhalb Millionen ausmachen. * Aus diesen Ziffern ist zu ersehen, daß in den Kassen der Palästina-Regierung zu Ende des Finanzjahres über 9 Millionen überschüssiges Steuergeld liegen werden. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß zumindest 7 Millionen davon auf jüdische Rechnung zu schreiben sind. Dem aufstrebenden jüdischen Palästina wurde diese Last aufgelegt und es hat sie getragen. Jetzt herrscht in Palästina infolge der Komplikationen um den Abessinienkrieg drückende Geldnot, welche die Wirtschaft lahmzulegen droht. Was tut die reiche Regierung? Nichts! Auf dem soeben abgehaltenen Meeting der parlamentarischen Pro-Palästina-Gesellschaft hat der Vorsitzende James de Rothschild an den anwesenden Kolonialminister MacDonald, die Mahnung gerichtet, die Palästina-Regierung zu helfendem Einschreiten zu veranlassen. Wir bringen nachstehend zu dieser Frage einen Artikel des Vorsitzenden der Weltexekutive der Judenstaatspartei, Meir Großmann. Was tut die PaläslinasRegi'erung? Von Meir Großmann (Tel-Aviv) Seit mehr als fünf Wochen lebt der Jischuw, die jüdische Gemeinschaft Palästinas, im Zeichen der Verwirrung. Was hinter diesem Wort verborgen liegt, läßt sich nicht leicht feststellen. Jedenfalls ist es ein bequem handliches Wort, hinter dem jeder verstehen kann, was er will. Klar ist, daß es mehr ein geistiger Zustand der Gesellschaft ist als der Reflex eines Zustandes, in welchem sich die Wirtschaft des Landes befindet. Wer die Verwirrung hervorgerufen hat, wie sie zum Ausdruck gekommen ist und weshalb der Jischuw wie trockenes Heu geworden ist, an das sich ein Zündhölzchen herangemacht hat — all das wird noch gründlich zu erforschen sein. All das mit den kranken jüdischen Nerven und der leichtsinnigen Neigung zu Panik zu erklären, ist zu einfach und zu oberflächlich. Die Erscheinungen, unter denen wir jetzt leiden, haben sicherlich tiefere Ursachen, sowohl politische als auch wirtschaftliche. Wir stehen einer Tatsache gegen- 53et rfjeumatifdjen 33efdfroerben aller Stri haben ftd) XoQaUZablttttn gan^ heroor^ ragenb oeroäfirt. 3&filretd)e 3)anfftfiretBen über Xogal hei oeralteteit ßeiben, bei benen fein anberes ÜDctttel half. Gin 5ßer[ud) überseugt! 3« etilen STpoifiefen bes 5ns unb 2Iuslanbes crfiältlid). "preis S 2.40. über: Der Jischuwbeginntimra erstärker den Druck des Mangels an flüssigem Kapitalzu fühlen. Ein Teil der Judenschaft hat sein Kapital aus den Banken gezogen; der andere Teil hat dieses Umstandes wegen das Tempo seiner Tätigkeit verlangsamt und den Umsatz verkleinert. Beim besten Willen sind die Banken — insbesondere die mittleren und kleinen, welche mit dem Publikum direkt zu tun haben — gezwungen, ihren Klienten die Kredite zu kürzen. Das Geld, das man aus den Banken gezogen hat, wird wie ein teurer Schatz gehalten. Dadurch, daß die großen Banken ihre Kassen breiter geöffnet haben, wurden schwere Erschütterungen vermieden, aber grundsätzlich hat die gute Geste, noch mehr die gute Absicht, keine entscheidende Aenderung oder Besserung der Lage herbeigeführt. Banken, auch große, sind ganz oder halb private Finanzinstitute, denen man Geld anvertraut hat und die zum Schutz ihrer eigenen Interessen Wache stehen müssen. Mit ihrer ganzen Weitherzigkeit und dem Verständnis für die allgemeinen Bedürfnisse müssen sie vor allem die eigene Liquidität hüten. Wie können die vier großen Banken den Mangel an Kredit gutmachen, der durch die erschreckten Einleger verursacht worden ist! Es fehlen die Millionen Gelder, die aus den Banken herausgenommen wurden und bis nun noch nicht zurückgeströmt sind. Der Kredit ist beschränkt, der Jischuw fühlt den Geldmangel. Fabrikanten, Kaufleute, Importeure und Beamte haben ununterbrochen Schwierigkeiten mit Zahlungen. Verpflichtungen gegeneinander und gegen andere werden nicht so eingehalten, wie es früher der Fall war. Dadurch ist man gezwungen, den Umfang der Geschäfte einzuschränken, obwohl es nicht an Aufträgen fehlt. Gleichzeitig fällt die Kaufkraft der Bevölkerung, wodurch wieder die Kaufleute leiden, welche bisher mit großen Geldumsätzen gerechnet haben. Durch diese Dinge wird die „Verwirrung" noch größer. Unsicherheit greift um sich. Die Räder drehen sich, aber der Motor arbeitet immer schwächer, weil ihm Benzin und Oel fehlen. Im Grunde ist die Wirtschaft des Landes gesund und normal — jedenfalls so gesund und normal, wie sie noch vor drei Monaten war. Die Einwanderung dauert an. Iausen.de kommen ins Land. Es werden unzählige neue Unternehmungen gegründet. Zahllos© neue Bauten sind im Werden und noch mehr werden geplant. Die Orangenernte ist gut. Getreide ist geraten. Die Ansprüche auf Häuser und Waren sind nicht kleiner geworden. Die neue Einwanderung bringt ständig Mittel ins Land und — was noch wichtiger ist — erhöht die Kaufkraft nach jeder Richtung hin. Bloß in der Wirtschaftsmaschinerie des Landes ist eine Störung zu verzeichnen. Teilweise handelt es sich um eine „Vertrauenskrise" und teilweise um den Mangel an flüssigen Mitteln, weil die Kreditbasis plötzlich verkleinert worden ist. Was tut man, wenn die Brunnen zugrunde gehen und die Regen sich verspäten? Man ergreift alle Mittel, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Bevor man die Maschinen ansetzt und neue Brunnen gräbt, bringt man Wasser von draußen. So handelt jede Stadtverwaltung, jede Regierung. * Was geht in den Tagen der Verwirrung bei uns, im Heiligen Land, vor? Außer gewissen Schritten, welche die großen Banken zugunsten der Gesellschaft und im Interesse ihres eigenen Schutzes unternommen haben, hören wir bloß optimistische Erklärungen, gute, schöne, ermunternde und beruhigende Worte. Sie sind zeitgerecht. Aber es sind nur Worte! Es wird einem leichter ums Herz, zum Einschreiten aber kommt es nicht. Die Erklärungen werden mit der Zeit zweifellos ihre Wirkung üben, während inzwischen die Wirtschaf tmaschine stets langsamer funktioniert, weil ihr das ausgeronnene Benzin fehlt. Die Lage wird nicht besser. Im Gegenteil: Die Menschen hören auf, an die Versprechungen und Prophezeihungen zu glauben. Das Volk ist realistisch. Es will konkrete Tatsachen sehen. Statt dessen kriegt es Brom. Brom ist gewiß gut für die Nerven, aber der Magen fordert das Seine, jedenfalls etwas anderes als Brom. Darum fragt der Jischuw tnit Recht: Was tutdieRegierung.? * Es kann keine Rede von einer ernsten Krankheit sein. Jawohl, die objektiven wie auch die subjektiven Bedingungen sind Zeugen dafür, daß sich im Land grundsätzlich nichts geändert hat. Es handelt sich wahrscheinlich um eine zeitweilige vorübergehende ungesunde Erscheinung. Und eben deswegen muß man sie mit schnellen effektiven Mitteln beseitigen, zumal die Gründe so klar und in die Augen springend sind, und in erster Linie muß man die verschwundenen flüssigen Mittel durch andere ersetzen. Die Kredite müssen in ihrer bisherigen Höhe gehalten werden. Die Maschine darf ihr Tempo nicht verlangsamen. Das kann nur die Regierung veranlassen. Die nötigen Maßnahmen kann nur die Regierung ergreifen. Nur die Begierungskasse verfügt über die Mittel, die für solch eine Operation erforderlich sind. Sie besitzt eine Reserve in ihrem Schrank, eine Reserve, über die sie verfügen kann — eigene Mittel des Staates und nicht Gelder von Einlegern, wie das der Fall bei den Banken, auch bei den großen, ist. Der Jischuw braucht, Gott behüte, keine Subsidien. Er wendet sich nicht an die Regierung um Unterstützung, er schnorrt nicht. Er verlangt bloß Kredit. Noch weniger: es mögen bloß in die Wirtschaftskanäle jene Gelder zurückströmen, welche die Regierung aus dem Land gepreßt hat und nun in toten Papieren bei sich behält. Wozu hat denn die Regierung die großen Reserven gesammelt, wenn nicht für solch eine Zeit und

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