Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 507 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ü.ite b DIE NEUE WELT Nr. 507 RUNDSCHAU Nudtkljs.g xuin Berner Prozeß wegen der , Weisen von Zion" Aus Zürich wird uns berichtet: Im Prozeß, welchen die Schweizer Judenschaft gegen die nationalsozialistischen Verbreiter der „Protokolle der Weisen von Zior." angestrengt hatte und welcher mit einer beschämenden Niederlage der Hakenkreuzler endete, hatte der vom Gericht bestellte Sachverständige Professor C. M. Loosli ein Gutachten abgegeben. Er bezeichnete die „Protokolle" als niedrigsten Betrug. Als er dann nachher in der Hakenkreuzpresse Deutschlands und der Schweii; angegriffen wurde, erwiderte er mit einem vernichtenden Urteil über den Charakter der nationalsozialistischen Angreifer. Er erklärte, sich schämen zu müssen, wenn diese ihn als ihresgleichen ansehen würden. Nimmehr erscheint in den Schweizer Zeitungen folgende Nachricht: „Kochtsanwalt R u e f in Bern hat im Auftrage eines Mitgliedes des im Prozeß um die zionistischen Protokolle bekannt gewordenen punariS'iien Komitees beim Untersuchungsrichterarat Bern eine Strafanzeige gegen den überparteilichen Experten im Prozeß, C A. Loosli (Bern-Bümpliz), wegen Abgabe eines falschen gerichtlichen Gutachtens eingereicht. Der Kläger stellt sich sowohl als Strafantragsteller wie auch als Zivilpartei. — Wie dazu bekannt wird, betragen die Kosten der drei im Prozeß um die zionistischen Protokolle abgegebenen Gutachten zirka 106.000 FT., wovon allein auf das Gutachten Fleischhauers 82.000 Fr. entfallen. Ueber die endgültige Kosten- Verteilung ist noch nicht verfügt worden." Fiüditlingsfragen und Völkerbund Aus Genf: Das Expertenkomitee, welches die Aufgabe haben soll, dem Völkerbundrat einen Bericht über den Stand des Flüchtlingsproblems im Zusammenhange mit dem Vorschlag der norwegischen Regierung, das gesamte Flüchtlingsfürsorgewerk unter den Auspizien des Völkerbundes zu vereinheitlichen, zu erstatten, wrude bereits ernannt und setzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Sir Horace Rumbold (England), Marcel Rolland (Frankreich), Senator de Michaelis (Italien), Pariser Gesandter der Tschechoslowakei Stefan O s u s k y und Michael Hansen (Norwegen). Das Komitee wird am 28. November zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Hauptversammlung des Central-Vereines Aus Berlin: Am 21. Oktober fand in den Räumen der Hauptgeschäftsstelle unter Leitung des Vorsitzenden Justizrat Dr. Julius Brodnitz die außerordentliche Hauptversammlung des „Centrai- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" statt. Es wurde einstimmig beschlossen, den bisherigen Vereinsnamen abzuändern in „Centrai-Verein der Juden in Deutschlande. V.". § 2 der Satzung enthält folgende Fassung: Der Verein bezweckt die Pflege des jüdischen Lebens sowie die seelische, rechtliche und wirtschaftliche Betreuung der in Deutschland lebenden Juden. (Die alte Satzung schrieb die Pflege einer Gesinnung „Für Deutschtum und Judentum" vor.) In der unmittelbar an die Hauptversammlung anschließenden Hauptvorstandssitzung wurden die Beschlüsse der Hauptversammlung genehmigt. Außerdem bestätigte der Hauptvorstand Justizrat Dr. Julius Brodnitz-Berlin als Vorsitzenden des Vereins und die Herren Rechtsanwalt Dr. Rudolf Callmann-Köln, Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger-Frankfurt am Main, Rechtsanwalt Dr. Ernst Herzfeld-Essen, Bankier Ernst Wallach- Berlin, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil-Berlin als Stellvertreter des Vorsitzenden. Stephen Wise schlägt die Abhaltung der Olmpiade in Wien vor Aus New York: Der Präsident des American Jewish Congress und des Comite" des Delegations Juives Dr. Stephen S. Wise regt in der Oeffentlichkeit die Abhaltung der künftigen Olympiade in Wie n, statt in Berlin, an. Er erklärt: Ganz Amerika ist eines Sinnes in der Frage des Boykotts der Berliner Olympiade. Gelingt es Hitler, zivilisierte Völker nach Berlin zu bringen, so wird dies sein größter Triumph sein. Die künftige Olympiade sollte nach Wien verlegt werden, dies würde Oesterreich gegenüber dem Hitlertum stärken. Die Juden Griechenlands nadi dem Umsturz Aus Saloniki: Durch die Wiederaufrichtung der Monarchie ist die staatsbürgerliche Stellung der Juden in keiner Weise beeinträchtigt worden. Ihre Gleichberechtigung bleibt ebenso gewahrt wie unter der Herrschaft des zurückgetretenen Kabinetts Tsaldaris. Der jetzige Ministerpräsident und provisorische Träger der königlichen Gewalt, General K o n d y 1 i s, hatte bei früherer Gelegenheit erklärt: „Wir können nicht vergessen, daß wir den Juden unseren Gott verdanken." Der Führer der griechischen Faschisten, General M e r k u r i s, der Griechenland auf dem Faschistenkongreß in Montreux vertrat, hat sich dort energisch gegen judenfeindliche Tendenzen gewandt. Von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinetts hat Minister Theotokis sich vor einiger Zeit in sehr warmen Worten über die Juden geäußert. „Wir wissen", sagte er, „was Spanien dadurch verloren hat, daß es seine Juden vertrieb, und wir wissen auch, wieviel Griechenland dadurch gewinnt, daß es sie sich erhält." Der neue Generalgouverneur von Mazedonien, zu dessen Amtsbereich Saloniki, die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung in Griechenland, gehört, Generalgouverneur Minister M a n d a s hat dieses Amt schon früher bekleidet und sich wiederholt in günstiger Weise über die staatsbürgerlichen und kulturellen Qualitäten der Juden geäußert. Anhänger des monarchistischen Regimes haben in der letzten Zeit wiederholt versichert, daß diese Regierungsform die volle staatsbürgerliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Juden Griechenlands im vollen Umfang garantiere. SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUERE3 | Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 | Lieferant für Heilanstalten Abteilungen ffUr ■^■Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autonistellung kostenlos IX., Berggasse 15 /XVIII., Währingerstr. 97 Der Ministerpräsident und Königliche Regent Generat Kondylis hat in Athen eine Abordnung der Juden Griechenlands empfangen und ihr gegenüber erklärt, er sei des Glaubens, daß die Juden zur Aristokratie der Menschheit gehören. Unabhängig von meiner Meinung über die Juden im allgemeinen, fuhr General Kondylis fort, hege ich tiefe Sympathie und Achtung für die Juden Griechenlands. In Literatur, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft haben die Juden-der Welt hervorragende Persönlichkeiten gegeben, die ihrer Rasse zur Ehre gereichen. Die Juden Griechenlands werden in mir einen aufrichtigen Verteidiger ihrer Interessen finden. Meine Regierung beabsichtigt die Durchführung radikaler Reformen, damit ein neues und gesundes Griechenland entstehe. Ich hoffe, schloß General Kondylis, daß die Juden als Teil des griechischen Volkes unter einer gesunden Verwaltung gedeihen werden. Wie soeben bekannt wird, ist der Abgeordnete Peppo Malla, einer der beiden jüdischen Abgeordneten des griechischen Parlaments, in London, wo er an der parlamentarischen Wirtschaftskonferenz teilnahm, zweimal vom König Georg IL, dessen Rückkehr auf den griechischen Thron demnächst erfolgen soll, empfangen worden. Der Rektor der Universität Saloniki hat anläßlich eines Besuches des Salonikier Oberrabbiners Dr. Zwi Koretz durch diesen an die jüdischen Studenten des Auslandes die herzliche Einladung zur Fortsetzung ihrer Studien in Saloniki gerichtet. Die Zahl der jüdischen Studenten an unserer Universität, erklärte der Rektor, ist sehr klein und entspricht weder der Größe des jüdischen Bevölkerungsteils bei uns, noch der Zahl jüdischer Studenten an anderen Universitäten. Wir sind sehr interessiert daran, daß dies anders werde und süid bereit, jüdischen Studenten, die unsere Universität besuchen wollen, Erleichterungen zu gewähren. (J. T. A.), Zionistischer Wahlsieg Aus Belgrad: Bei den vor einigen Tagen abgehaltenen Wahlen in die askenasische Kultusgemeinde erlangte die zionistische Liste eine überwältigende Mehrheit. Das Präsidium und die wichtigsten Referate werden von ZionLsten geleitet werden. Präsident wird Dr. Pops, Vizepräsident Dr. Fran Herzog, Finanz« referent Dr. S t e i n d 1 e r, Schulref crent Sime Spitzer, Bombenwurf m ein zionistisches Parteilokal Aus Stanislau: Im Lokal der hiesigen revisionistischen Union in Stanislau explodierte eine Bombe. Alle Räume standen in Flammen. Die herbeigerufen« Feuerwehr konnte erst nach schwerer Mühe das Feuer löschen. Die Attentäter sind bisher nicht ausgeforscht worden. In den letzten Wochen häufen sich derartige Anschläge auf zionistische Lokale, Opposition gegen Sportspiele mit Deutschen Aus London: Gegen das für den 4. Dezember auf dem Spurs' Gelände zu London angesagte Fußballmatch Eng 1 and—D eutschland macht sich in England eine stetig wachsende Opposition bemerkbar. Der Sekretär des Unparteiischen Anti-Nazi-Council teilte der Presse mit, die Opposition richte sich nicht gegen die Spieler, sondern gegen die deutsche Regierung, die sich sichtlich bemüht zeigt, das Match zu politischer Propaganda auszunutzen. Wir sind, erklärte er* genau darüber unterrichtet, daß die Deutschen beabsichtigen, etwa 4000 erprobte Nazisten anläßlich dieses Matches nach England zu bringen und die Veranstaltung als eine Geste englischer Freundschaft gegenüber dem Naziregime auszuwerten. Das Mitglied des Unterhauses, Barnett Janner, richtete einen Appell an die englischen Fußballspieler, in dem es heißt: „Die Haltung der Deutschen gegenüber jüdischen Sportlern, die wegen ihrer Rassezugehörigkeit verfolgt werden, ist die unsportmännischste in der Geschichte." Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter'* „warnt" die Londoner Juden, es in ihrer Opposition gegen das englisch-deutsche Fußballmatch am 4. Dezember zu weit zu treiben und „rät" der Londoner Polizei, dem „Treiben der Juden und der Londoner Unterwelt" ein Ende zu machen. Die Zeitung berichtet, daß „in dem dreckigen jüdischen Viertel von East London" Plakate geklebt wurden, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, das Match zu verhindern. Der „Völkische Beobachter'* schließt daraus, daß die .Tuden Londons die gesamte Unterwelt „dingen", um das Spiel zu vereiteln. Aus Atlantic City: Die amerikanische Arbeiterföderation hat sich gegen die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Olympischen Spielen im Jahre 1936 in Berlin ausgesprochen. Hebräische Adressierung von Postsendungen nacK Palästina Aus Warschau: Das polnische Post- und Telegraphenministerium hat ein Rundschreiben an alle Postämter und Postagenturen herausgegeben, in dem festgestellt wird, daß die Adressierung von Sendungen nach Palästina in hebräischer Sprache und Schrift zulässig ist, Nur die Bezeichnung des Landes muß in lateinischen Lettern geschrieben sein. Das Rundschreiben wurde erlassen, weil in letzter Zeit einige polnische Postämter für Palästina bestimmte hebräisch adressierte Sendungen zurückgewiesen haben, Marionettentheater für Palästina Aus Riga (J. T. A.): In Riga wurde unter dem Namen „Schalom Alechem" ein Marionettentheater gegründet, das speziell fürErez Jisroel bestimmt ist. Vor seiner endgültigen Etablierung in Palästina wird das} Marionettentheater eine Tournee durch Lettland, Polen, Rumänien und andere Länder unternehmen. Die Spielbücher sind zum großen Teil Bearbeitungen der satirischen Schriften Schalom Alechems. Das Puppentheater soll im" Februar oder März 1936 in Palästina eintreffen. PARISER TAGEBLATT Die Zeltung jler Deutschen im Ausland Führende politische Tageszeitung Chefredakteur: Georg Bernhard In Wien In folgenden Ver schlelAstciien erhaltlich: Wollzeile 15 WIpplingerstr. 16 Schottenring 14 Tuchlauben 4 Graben, Kiosk Sellergasse 2 Kärntneratr. 12 und 31 Seileratätte 19 Flelschmarkt 9 Rotenturmotr. 14 und 23 Freyung 1 Franz-Joaefs-Kal fi Stubenring 12 Blberstr. 4 Stubenring 22 Schubertring 10 Kärntneratr. 43 Schwedenbrücke, Kiosk Schlffamtagasse 5 Schrei gase« 12 Untere Augartenatr. 35 Obere Donaustr. 35 Al" Schmelzgasse 6 Präterstr. 35, 42 und 61 Helneatr. 42 Nordbahnhof, Ankunft Nordbahnstr. 50 Taborstr. 24 a, 41 und 63 Ausstellungsstr., Kiosk nach dem Viadukt Czernlngasse 9 Hedwlggasso, Kiosk Franzensbrlickenstr. 21 Radetzkystr. 11 Radetzkystr. 11 Löwengasse 20 Favorltenstr. 14 und 2 Philadelphiabrllcke. 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