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Die neue Welt · 1935-10-25 · Heft 507 (25.10.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 507 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 50t DIE NEUE WELT Seite 7 1 Neu etliche Spaltung Allgemeine Zionisten in Palästina Aus Tel-Aviv wird uns berichtet: Dieser Tage hat hier ein. Massenmeeting Allgemeiner Zionisten stattgefunden, auf welchem die Führer des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten (Allgemeine Zionisten, Gruppe B) mit aufsehenerregenden Erklärungen hervortraten. Es sprachen die drei Hauptdelegicrten der palästinensischen Gruppe B auf dem Luzerner Kongreß, Prof. Mossinsohn (Präsident des Weltverbandes), Prof. Bograschov und Elijahu Berlin. Alle drei erklärten ihren Au s t r i 11 .aus dem Weltverbande. Als Grund hiefür gaben •sie die Vorgänge im Klub der B-Zionisten auf dem Luzerner Kongreß an. Mossinsohn und Bograschov erzählten, daß die Beratungen im Klub sich in persönlichen Eiferr aüchteleien und Intrigen erschöpften und daß von einer programmatischen Einstellung und Arbeit überhaupt keine Rede war. Es habe sich in Luzern herausgestellt, daß bei der Führung der B-Zionisten von Zielbewußtheit keine Rede sein könne und hoben demgegenüber lobend die Haltung der anderen Kongreßparteien hervor. Die Rolle des Wcltverbandes auf dem Kongreß wurde von den Rednern in schärfster Weise kritisiert und als blamabel hingestellt. Der Verlauf des Meetings spricht dafür, daß der Weltvirband der Allgemeinen Zionisten in Palästina in nächster Zeit zerfallen dürfte. Wohin mit den Juden? Im Rahmen eines Vortragsabends der Berliner Judengemeinde sprach Dr. Mark V/inchnitzer, der Geschäftsführer des Hilfsvercins deutscher Juden über die 'drei Massenwanderungen innerhalb der letzten fünfhundert Jahre. 1492 bis 1497 die Wanderung der Juden der pyrenäischen Halbinsel, 1881 bis 1882 die Wanderung der russischen Juden, seit 1933 das Auswanderungsproblem bei den Juden in Deutschland. Heute ist das Weltwirtschaftsbild anders als vor fünfzig oder fünfhundert Jahren. Wenn auch Palästina heute bei der jüdischen Wanderung eine andere Rolle spielt als zu damaliger Zeit, so kann es doch den Drang zur Massenwanderungnicht allein befriedigen. Wir müssen nach anderen Ländern Umschau halten. Das Problem ist auch in Europa nicht zu lösen. Wir müssen unseren Blick nach Uebersee richten. Die Möglichkeiten sind nicht allzu gering. Dr. Wischnitzer schätzt die Zahl der nach den Vereinigten Staaten bis zum September 1935 Ausgewanderten auf etwa 10.000; mindestens 2000 sind nach der Südafrikanischen Union gegangen, 3000 bis 4000 nach Brasilien, 1000 bis 1500 nach Argentinien, 500 nach Chile, alles in allem nach etwa vierzig überseeischen Ländern 24.000 oder 25.000. Es sind 10.000 Juden jährlich aus Deutschland, abgesehen von Palästina, nach Uebersee gewandert. Etwa 5000 dürften in Europa Fuß gefaßt haben. Dr. Wischnitzer warnte vor irreführenden Projekten, insbesondere vor dem Ecuador-Projekt. Auch in Bezug auf Angola sind unrichtige Vorstellungen vorhanden. Der Vordere Orient und auch die südlichen Republiken Südamerikas müßten ins Auge gefaßt werden. Dr. Wischnitzer erinnerte an die Bodenreserve der Ica in Argentinien, die weitere Kolonisation.ipläne in Brasilien habe und Untersuchungen über Paraguay ausstellt. Die erste Gruppe von Familien, die sich für Landwirtschaft eignen, wird im Dezember aus Deutschland nach Argentinien gehen. Aus Kanada Aus Toronto (J. T. A.): Bei der Neuwahl des kanadischen Parlaments sind auch die beiden jüdischen Abgeordneten Samuel Jacobs und Samuel Factor wiedergewählt worden, während die Antisemiten eine vollständige Niederlage erlitten haben. Abgeordneter Samuel Jacobs hat in seinem Wahlkreis Winnipeg, Manitoba, 11.000 Stimmen mehr erhalten als sein antisemitischer Gegenkandidat Saluste L a v c r y, ein Franzö3isch-Kanadier, der in der antisemitischen Bewegung des Landes eine große Rolle spielt. Abgeordneter Samuel Jacobs gehört zu den ältesten und bedeutendsten Parlamentariern Kanadas. Der Abgeordnete Samuel Factor ist im Wahlkreis Toronto wiedelgewählt worden. Die antisemitische Wahlkampagne hatte vor allem an die durch eine jahrelange Pressekampagne wachgehaltenen judenfeindlichen Instinkte der kanadischen Bevölkerung französischer Abstammung appelliert. Doch konnte der Kandidat Jean T i s s o t, der vor kurzem wegen antisemitischer Verleumdung des jüdischkanadischen Führers und Vorsitzenden de:- Zionistischen Organisation Kanadas A. J. F r e i m a n zu 50 Dollar Geldstrafe verurteilt wurde, nur 3890 Stimmen auf sich vereinigen, während sein siegreicher Gegenkandidat von der Liberalen Partei über 16.000 Stimmen erhielt. SEVILLA PASTOR KÖNNT Aus Rumänien Aus Czernowitz: Am zweiten Sukkothtago kam es hier zu Ausschreitungen von Cuzisten gegen Juden, jüdische Straßenpassanten wurden angegriffen, der jüdische Schneider Josef Treppner durch Messerstiche schwer verletzt. Die Huligans griffen auch das Lokal der Poale Zion an, zertrümmerten die Fenster und demolierten die poalezion istische Volksk üch e. Am Jörn Kippur sollte in Czernowitz eine Reichskonferenz der Cuzisten stattfinden, sie wurde auf jüdische Beschwerden hin verboten. * König Carol II. weilte aus Anlaß einer Universitätsfeier in Czernowitz. Vertreter der Judenschaft wurden zu den Festlichkeiten nicht e i n g e'l a d e n, was offiziell damit begründet wurde, daß die Minderheiten als solche nicht geladen wurden; Die antisemitische ,.Czernowitzer Deutsche Tagespost" weist aber darauf hin, daß die rumänischen, die deutschen, die polnischen Verbindungen u. a. m„ nicht aber die jüdischen Verbindungen vertreten waren. Demgegenüber stellt die ,.Ostjüdische Zeitung" fest, „daß die jüdische Studentenschaft gerne dem König gehuldigt hätte, sie war aber nicht eingeladen, eine Tatsache, die leider auf die an den Universitäten herrschenden bekannten Verhältnisse zurückzuführen ist". Der sensationelle Kriminalfilm UerMier Em Frack I, Wollzeiie 17 Telephon R-24-2-Iii Vorstellungen: 3a*, V28, 'Aio mit Warner Baxter und Myrna Loy I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 initPAaiROBESON.nadiclcni Beginn: JA6, v«e. 'Ate Roman von Lidjjar Wa 11 ac'e SCHWEDEN II, Taborstraße 1 V*k, Vz6t V2B, VclO Telephon A-49-U-60 Die Revue der schönsten Frauen SCHXFFS VI, Mariahüferslraßc 37 Telephon B-20-203 Hesinn: 3M, Va6, 'A0, '/Ott STAFA, Vll Mariaiii iferstraBe 120 Telephon B-S3-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Ulir ■it PAULA WE//ELY IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: d, }A6, VsC, «A70 mit Herbert NarstaaBI und Warner ©Band e Büdasdie KwMtarsieNe L. Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-2S-2-36 Jüdische Volkshochschule. Im Einvernehmen mit der Hauptstelle für jüdische Volksbildung beim Volksbildungsreferenten des Bürgermeisters der Stadt Wien und dem Bildungsreferat der Israelitischen Kultusgemeinde wurde die Jüdische Kultuvstelle mit. der administrativen Leitung der Jüdischen Volkshochschule betraut. Anmeldungen und Auskünfte ganztägig von 9 bis 18 Uhr in unserem Sekretariat. — Unsere nächste Führung: Weltliche Schatzkammer. Treffpunkt: Sonntag, 27. Oktober, 'ai Uhr, Hofburg, Schweizertor. Leitung: Hugo Friedmann. — Eröffnung des Jüdischen Kulturtheaters: Anfang November. — Unseren Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für sämtliche Wiener Theater zur Verfügung. Illllllllillllllllllllfl um Einsendung von Adressen, an die v/ir Probeexemplare versenden können Di e Verwaltung „DIE NEUE V/ELT" llill!l!il!illll!l!llll!l!lllllillii!l!lil!;illi!!!i!!!tilill!lillllilji!i!f :"«"«S!9SWSE^1 .~£y»J»**A«M

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