Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 507 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. WT DIE NEUE WELT Seite 5 Überfremdung in Palästina Die neue Hypothekenbank Aus Jerusalem wird berichtet, daß die vor einigen Monaten mit einem Kapital von 400.000 Pfund (in Aktien von je 1 Pfund) gegründete Landwirtschaftliche Hypothekenbank (Agricultural Mortgage Company of Palestine) ihre Tätigkeit beginnt. Der Generaldirektor der neuen Bank, Noel Cre w e, bisher Vizedirektor der Aegyptischen Hypothekenbank, ist bereits in Palästina eingetroffen und hat sein Amt übernommen. Das Kapital der Bank wurde aufgebracht von Barclays Bank, Anglo- Palestine Bank, Prudential Assurance Company, Guardian Eastern Insurance Company, Palestine Corporation und der New Yorker Palestine Economic Corporation. Mau muß es begrüßen, daß in Palästina endlich ein großes Institut, geschaffen wurde, welches den Landwirten, die heute keinen Kredit oder nur sehr teueren Kredit erlangen können, Geld unter erträglichen Bedingungen zur Verfügung stellen kann. Es ist klar, daß die neue Bank auf einem der wichtigsten Gebiete palästinensischer Politik, auf dem Gebiete der Bodenpolitik, eine gewaltige, man kann sagen, ausschlaggebende Rolle spielen wird. Sie kann die jüdische und die arabische Landwirtschaft in gleicher Weise fördern, sie kann aber auch einer oder der anderen den Vorzug geben. Sie kann den Bodenbesitzwechsel zwischen Juden und Arabern beschleunigen oder verzögern, sie kann auch seine Richtung bestimmen, d. h. sie kann indirekt aber wirksam darauf Einfluß nehmen, ob der Araber dem Juden Boden verkauft oder der Jude dem Juden, oder der Jude dem Araber. Es braucht, wohl nicht ausführlich begründet werden, daß es sich hier um eine lebenswichtige Bedingung des Zionistischen Aufbauwerkes handelt. Wenn man die Gründung von diesem Standpunkte aus betrachtet, und das muß man doch, dann steigt eine Sorge auf, welche die Freude an der Gründung vergehen läßt. Der Generaldirektor der neuen Bank im jüdischen Nationalheim ist ein englischer Beamter aus Aegypten. Die Hauptaktionäre sind englische Riesen- Institute, Bank und Versicherungsgesellschaften. Die auch beteiligten jüdischen Institute wirken neben ihnen zwerghaft. Es ist klar, wer die Politik der Bank bestimmen wird. Unklar ist, wie sie bestimmt werden wird. Gewiß ist, daß diese Politik keine grundsätzlich jüdische, d. h. eine auf die besondere Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft gerichtete sein wird. Nicht die Interessen der Juden werden die bestimmenden sein, sondern ganz andere. Es ist keine Sicherheit gegeben, daß diese anderen und für die maßgebenden Leiter der Bank höheren Interessen nicht gegen die Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina gerichtet sein werden. Mußte das so kommen; war kein jüdisches Kapital für diesen Zweck aufzutreiben? Die ganze jüdische Welt verfolgt jetzt die Wirtschaft in Palästina mit außerordentlicher Teilnahme. Es besteht die ausgeprägte Tendenz, jüdisches Geld dort zu investieren oder sonstwie, sei es auch unter den bescheidensten Bedingungen, unterzubringen. Man hat absolutes Vertrauen. In den palästinensischen Banken liegen über fünfzehn Millionen Pfund, jüdische Millionen, aus aller Herren Länder, die gar keine oder nur minimale Zinsen tragen. Es entsteht die Frage, warum dieses freie Geld nicht für große und reelle Unternehmen, wie die landwirtschaftliche Hypothekenbank, interessiert und herangezogen wird. Uebrigens keine Frage von heute. Als in letzter Zeit die Ruthenbergsche Wasserkraft- und Elektrizitätsgesellschaft und die Anglo-Palästina-Bank, also zwei für die Palästina- Wirtschaft lebenswichtige und prosperierende Institute ihr Kapital vergrößerten, ging man auch auf den Londoner Geldmarkt und nicht auf den jüdischen in Palästina und in der ganzen Welt. Jüdisches Geld fehlt nicht. Es fehlt das Verständnis und daher auch der Wille dafür, dieses Geld national und großzügig zu organisieren. So ist es gekommen, daß jetzt die erste, große Hypothekenbank, der Schlüssel zur Bodenpolitik, welche die Bodenentwicklung und Bodenverteilung in Palästina und damit das Schicksal der jüdischen Kolonisation für unabsehbare Zeit und in unabsehbarem Ausmaße beeinflussen wird, in fremde Hände geraten ist. * Ich hatte auf dem letzten Zionistenkongreß in Luzern die Aufgabe, den Antrag der Judenstaatspartei, welcher das Bekenntnis der Kongresse zum Judenstaate als Ziel des Zionismus förderte, zu begründen. Ich verwies nachdrücklich darauf, daß es sieb nicht nur um eine pathetische Proklamation handle, nicht um das Bekenntnis zu einem schönen Worte, sondern um das Bekenntnis zu dem Programm staatspolitischer Arbeit in Palästina. Alle Arbeit, die wir in Palästina verrichten, muß nach dem Ziele des Juden Staates gerichtet sein, das heißt Anbin, Herren im eigenen Hause zu werden, Das gilt nicht etwa nur für die politische, sondern auch für die wirtschaftliche Arbeit im Lande. Es ist notwendig, arbeitende Menschen und arbeitendes Kapital hinzuschaffen. Aber die Anhäufung von Menschen und Kapital und die höchsten Arbeitsleistungen genügen nicht, um sicher davor zu sein, daß nicht eines Tages andere dort ernten werden, wo wir gesät und gearbeitet haben. Die Juden haben auch anderswo gut und viel gearbeitet und sind dann verdrängt worden. Es genügt nicht, ohne Bedenken und Blick in die Zukunft zu arbeiten und zu investieren. Man muß wissen, wofür man arbeitet und wie das Erarbeitete geschützt werden muß. Die kleinste Arbeit muß mit dem Blick auf das große Endziel verrichtet werden. Das Beispiel der großen englischen Hypothekenbank im jüdischen Lande sollte den Zionisten die Augen Öffnen. Unter einer zionistischen Leitung, welche nicht an das Endziel, sondern nur an die praktische Tagesarbeit denkt, konnte es geschehen, daß das wichtigste Instrument jüdischer Bodenpolitik in fremde Hände gerät. Nie hätte das unter einer Leitung geschehen können, welche den Judenstaat anstrebt, das heißt, die Stellung der Juden in Palästina als Herren im eigenen Hause. Robert Stricker. Palästina und die Sanktionen Durch die Lahmlegung des italienischen Schiffsverkehrs ist die Einwanderung nicht betroffen Aus Jerusalem (J. T. A.) An den vom Völkerbund im Zusammenhang mit dem italienisch - abess i n i 3 c h e n Krieg gegen Italien beschlossenen Sanktionen wird sich auch Palästina beteiligen. Die Palästina-Regierung erwartet noch genaue Instruktionen aus London über Art und Umfang dieser Sanktionen. Der palästinensische Import aus Italien machte im Jahre 1934 481.250 Pfund aus, der Wert der Ausfuhr nach Italien betrug 16,700 Pfund. Man nimmt an, daß die italienische Palästina-Schiffahrt durch Teilnahme des Mandatsgebiets an den Sanktionen schwer behindert würde. Im Jahre 1934 haben 365 italienische Schiffe in den Häfen Palästinas Anker geworfen. Die ungeschützte jüdische Industrie. Wieder ein Opfer Aus Jerusalem: Infolgo dos ausländischen Dumpings mußte die Fabrik für Kleider- und Wäschestoffe ,.L e c h c d d a" bei Haifa geschlossen werden, nachdem erst vor kurzem die Seidenfabrik „Meschi" und die Wirkwarenfabrik „Gerew" dem Mangel an a u sreichendem Zollschutz zum Opfer gefallen sind. Diesmal sind japanische und russische Konkurrenz die Ursache für die Betriebseinstellung. Die Ständige Kommission für Handel und Industrie ist zur Untersuchung der Ursachen der Schließung der Fabrik ,,Meschi" zusammengetreten, hat aber keinerlei Maßnahmen getroffen. In Wirtschaftskreisen wird darauf hingewiesen, daß die Bemühungen der Kommission daran scheitern, daß immer nur die Einzelfälle behandelt werden, allgemeine Maßnahmen für einen wirksamen Industrieschutz jedoch nicht ins Auge gefaßt werden. KFensferglasfabnk Haifa (Palnews). Das Gebäude der Glasfabrik „Phoenicia" wie auch der Bau des großen Schmelzofens und die Maschineninstallation sind nahezu beendet. Die Produktion wird noch vor Ende des Jahres aufgenommen werden. Das Unternehmen wird Fensterglas herstellen. Im Jahre 1934 betrug der Fensterglasbedarf in Palästina und Syrien ungefähr eine Million Quadratmeter. Er hat sich in diesem Jahre weiter erhöht. Die Verwaltung des Unternehmens setzt sich aus den Herren Buchs bäum (Holland), Michaelis (Deutschland), Copperman (Rumänien) und den Herren E. N e w m a n und Dr. Kusmirek als Vertretern der Ifico zusammen. Die Regierung hat die Rohmaterialien für die Glasfabrikation in die Liste der zollfreien Waren aufgenommen. Die Gründer des Unternehmens hatten wegen der Zollbefreiung für Maschinen, Ofenziegel usw. mit der Regierung sechs Monate vor dem Eintreffen dieser Artikel die Verhandlungen aufgenommen. Die Entscheidung der Regierung erfolgte aber erst kurze Zeit nach Eintreffen der Materialien. Der „Phoenicia" ist dadurch ein Schaden von fast 1000 Pfund entstanden, die sie an Zoll zu entrichten hatte. Alle Bemühungen der Fabrik, den gezahlten Zoll zurückvergütet zu bekommen, sind ergebnislos verlaufen. machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste. Schon nach kurzem Gebrauch er«. halten die Zähne einen wundervollen Eifenbeinglanz. Tube S. -.90. österr. Erzeugnis. Wer eine schäumende Zahn* paste liebt, verlange ausdrücklich Chlorodont schäumend* Das neue Bamkgesefs Jeruusalem. (Palnews.) Das neue BankgeBetz wird Ende des Jahres in Kraft treten. Es wird ein Mindestkapital für Banken festsetzen, Verbesserte öffentliche Rechnungslegung vorschreiben und den High Commissioner ermächtigen, von Zeit zu Zeit Bestimmungen über eine Mindest kassenreserve und Maximal« Zinsen für Depositeneinlagen zu erlassen. Die Zahl dor in Palästina registrierten Banken hat sich im letzten Jahre wie folgt entwickelt: 30. VI. 1935 30. VI. 1934 Ausländische Banken .... 12 10 Handelsbanken 81 69 Kreditbanken 6 5 Genossenschaftsbanken . . . 14 11 Eröffnung de* Hakoahs§diutzz Insgesamt...... . IIS 95 Außerdem bestehen im Lande 46 städtische und 98 ländliche Kreditgenossenschaften. JSei Appetitlosigkeit, saurem Aufstoßen, schlechtem Magen, Darmverstopfung, Aufgeblähtheit, Stoffwechselstörungen, Nesselausschlag, Hautjucken befreit das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser den Körper rasch von den angesammelten Fäulnisgiften und regelt sicher die Verdauung. Aerztl. empfohlen! Eine neue Tageszeitung Aus Tel-Aviv: Vor einigen Tagen erschien hier die erste Nummer der neuen hebräischen Tageszeitung „Habolcer" unter der Redaktion des Herrn Dr. Sch. Feldmann. Es ist das die fünfte hebräische Tageszeitung. Außer diesen erscheint auch ein Tagblatt In englischer Sprache, nämlich „The Palestine Pos t", Ausbau des Telenphonnetzes Aus Jerusalem: In Jerusalem und Tel-Aviv werden demnächst neue Telephonzentralen eingerichtet. Man erwartet, daß dadurch die Nachfrage nach neuen Anschlüssen noch vor der Automatisierung des Telephonbetriebes befriedigt werden wird. — In den nächsten Wochen wird eine Telephonverbiudung zwischen B » g <J a <3 und London über Jerusalem eröffnet, Die Touristiksektion des Sportklubs Hakoah, mit dem rührigen Obmann Hugo K o h n an der Spitze, konnte nach aufopferungsvollster Arbeit am 20. Juni den Grundstein zu ihrer ersten Schutzhütte auf dem Sem« mering legen. Inzwischen wurde der Bau fertiggestellt und kann in der nächsten Zeit bereits in Betrieb genommen werden. Die Lage der Schutzhütte ist ideal, sie befindet sich einige Minuten vom Hotel Panhans in herrlichster Umgebung und wird auch verwöhnteren Ansprüchen genügen. Die Hütte faßt 80 Personen. Es liegen auch bereits zahlreiche Anmeldungen aus dem Auslande vor. Die Eröffnungsfeier wird am 10. November stattfinden und sich zu einem großen festlichen Ereignis gestalten. Wir empfehlen zum Ankauf von Klassenlosen die vom Glück besonders begünstigte Geschäftsstelle Albert Bauer (Glücksbauer), IV., Favoritenstraße 4, welche ZU* Bequemlichkeit unserer Leopoldstädter Freunde auch ifll II. Bezirk, Leopoldsgasse 25^ eine Filiale unterhält,