Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 507 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. oOT ESTHER GOLDHIRSCH BERNHARD 1EWINTER W5N XX WIEN XVI empfehlen sich als Verlobte in Blut$be?-i?hungen ^Heiliger Hitler, hilf uns!) zu der so hochbegabten jüdischen Rasse 3tehen. Sie erzählt, daß die Svedins mütterlicherseits von einem aus Deutschland nach Schweden gekommenen Juden namens Abraham Brody, der sich später Berlin nannte, stammen... Sven und Adolf liegen sich in den Armen und der selige Abraham Brody freut sich darob. ItöaskmpieQet Von den abessinisdien Juden ..Dir Steppenbewohner sind heidnische oder vwi'ftiv.mcdank-cke Ifamitcn: die Stämme im- Mittelland H a m i t o s c mi t r u: dir Bergbewohner reine Semiten christlichen Glaubens. Zwischen den Millionen Metisclicn christlichen. Glaubens aber leben isoliert, am Ufer des Tanasee$ in 2700 Meter Höhe die Falaschas, schwarze, eingeborene Juden, die angeblich Nachfahren der „verlorenen'' Stämme Israels sind und ihren Glauben ats das einzig wahre Judentum preisen. Sie schmieden noch heute v:ie seit Jahrhunderten Waffen und Kupferfierätc." Ernst Heinrich Schrenzel Uber „Abessinien, die afrikanische Sphinx". Wie Gcsdiidiislugen entstehen .yMein unglücklicher Freund Arlosoroff, der gewesene Finanzsachverständige Palästinas, der b ek a n n tli c h vor zwei Jahren von politischen Gegnern ermordet wurde, pflegte zu sagen . . ." Aus Dr. Hugo Hermanns „Palästina heute — Licht und Schatten". Rassenreiner Wein s,We'm ist oticus Liebes, und wenn man ihm schon einen Namen geben muß, dann müßte es ein herziger sein, ein GUicksansdruck einer überquellenden Trinkerseele. Und icie haben sie nun den neuen Wein genannt: ,.R a s s e n r e i n e r". Politik ganz beiseite. Aber in diesem, Wort liegt etwas Scharfes, Kaltes, Wein-Ungemäßes. Es ist fern aller Weinpoesie. Mit dem Vokabularium des Weines hat der Name nichts gemeinsam. Rassenrein f Er ist doch etwa nicht bisher mit Jordanwasser gemischt gewesen? Nein, liebe Brüder, von jenseits der Grenze, wir reden euch in Taufangelegenheiten nichts drein, aber wir Oesterreicher hätten einen netteren, herzlicheren Natnen für euren neuen Wein gewünscht,'' ..Salzburger Volksblatf, Oktober 1935. Nicht die Juden/ sondern die Armenier „Warum, wird einem Volk voll Friedlichkeit, Talent, Verstand, Geist, die unmenschliche Last aufgebürdet, nicht leben und nicht sterben zu dürfen? . . . Großmächtige Nationen zerrinnen wie Schnee. Sie aber, die ohnmächtigen, bleiben. In der Feuerschmiede der Verfolgung werden sie geglüht, im Eiswasser der Fremde gekühlt, damit sie hart und geschmiedet seien. Ihr Schatz an Menschlichkeit roächst ständig, weil nur s i e wissen, was unmenschlich ist." Aus Franz Werf eis Vortrag über das Schicksal der Armenier, Oktober 1985. .,Das deutsche und italienische Beispiel ist verführerisch. Wir luiben jedoch die vom Nationalsozialismus und Faschismus wiederholten Behauptungen nicht vergessen, daß ihre Lösung keinen Ausfuhrartikel darstellt. Rassen im physischen Sinn gibt es nicht, sie stellen desh<üb auch keinen realen Werl dar. Hingegen sind die- Völker als Garantie u>id Schuta der Tradition eine Wirklichkeit. Das sind auch die Gründe, die Achtung vor den Völkern aufnötigen. An der eigenen Zukunft zuarbeiten, bedeutet positive geistige Werte vtt wählen, für die die Vergangenheit keine Lebenskräfte besitzt . . Der tacusi. Gesandte Osusky (Paris), Okt. 1935. Jubiläum des Heien Hajessod Aus Jerusalem: Anläßlich dea X5jährigen Bestehens des Palästina-Aufbaufondß Keren Hajessod fand im Amtsgebäude der Jewish Agency in Jerusalem eine Feier statt, an der sich die Vertreter einer Reihe großer jüdischer Institutionen beteiligten. Die Bedeutung des Keren Hajessod und «eine Leistungen für den Palästina-Aufbau wurden in Ansprachen des Direktors des Keren Hajessod, Leib Jaffe, des Schatzmeisters der Jewish Agency, Elieaer Kaplan, und des Vorsitzenden dos Waad Leumi, Jlzchak ben Zwi, gewürdigt. Im R.ahmen der Feier wurden an den Fonds anläßlich seines 15jährigen Jubiläums von Präsident Roosevelt, Lloyd George, Edouard Herriot, Lord Robert Cecil und anderen hervorragenden Persönlichkeiten gerichtete Glückwunschschreiben Verlesen. Seit tausend Jahf«n schon wir« «l«r Myrrhe-Extrakt, der lieh gegen Lockerung der zahne und Blutung des Bahntleisches besonders wirksam erwiesen bat, verwendet. O d 0 1 - M u n d- Woy«r enUiüH »eben dem OdQl-AatUeptlkum, den MyrrhetoctraKk Die Wahrheit über die türkischen Juden Von unserem Korrespondenten Barzc! (Fortsetzung und Schluß) Politisch sind wir Juden völlig gleichberechtigt, wie aHe anderen nationnlon .VUnorifäton. Der türkische I autoritäre Staat hat theoretisch die Existenz aller j nationalen Minoritäten abgeschafft. Wir sind hier alle zu Türken erklärt worden; es ist daher ganz natürlich, daß die türkische Regierung darnach strebt, alle nationalen Minoritäten in die tllrkinche Gemeinschaft aufzunehmen, 1. h.. daß sie eino nationale Assimilation niler nichttiirkisehen Elemente wünscht. Es handelt sich also um eine Staatspolitik, die konsequent durchgeführt wird. Sie ist nicht ausschließlich gegen die Juden gerichtet, sondern gegen alle anderen nationalen Min de r h e i t e n; sie kann also nicht als antijti .lisch oder antisemitisch bezeichnet, w-rden. Mag uns .Juden die:.;e Politik nicht gefallen, so ist es doch eine historische Talsache, daß wir Juden in der Diaspora nirgends unser Leben selbst bestimmen können; wir Find überall Objekt in fremden Händen. Wir in der Türkei stehen vor einer klaren Situation und haben daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Die o b 11gntorischc Assimilation der nationalen Minderheiten wird um jeden Preis durchgeführt; die Programme aller nichttürkischen Schulen sind nach diesem Prinzip hergestellt. In der neueren jüdischen Geschichte stehen wir türkischen Juden vor einer beispiellosen Tatsache, vielleicht </or einem Unikum in der Assimilationsgeschichte des Judentums. Während in der liberalen Aera dea neunzehnten Jahrhunderts im Westen die Juden selbst die Assimilation propagierten und nur die Konfession bejahten; während die Ideologie der Assimilation mehr eine jüdische interne Angelegenheit war, ist sie jetzt zum obersten politischen Prinzip erklärt worden. In dieser Politik sieht die türkische Regierung eine innere Gesundung des sozialen Lebens; sie strebt nach Homogenität der Bevölkerung und glaubt, sie durch Gewaltassimilation erzielen zu können. Die spontane Assimilation ist ein natürlicher Prozeß, der einer inneren Wandlung, die durch einen natürlichen Druck hervorgerufen wird, entspricht. Sie kann als „gesunder Prozeß" bezeichnet werden; ihr Weg ist zwar etwas langsam, aber das Resultat ist doch immer eine ,.gesunde Assimilation". Die türkische Regierung' gab der Zwangsassimilation den Vorzug; sie begeht den Fehler, unreife Früchte vor der Zeit reif zu machen. Die Schaffung einer höheren türkischen Kultur ist die Vorbedingung für das Prinzip, die nationalen Minderheiteri In die türkische Gemeinschaft aufzunehmen. Man braucht den Minoritäten nicht nachzulaufen; sie werden selbst unbewußt kommen, wenn sie für diesen Prozeß reif sein werden. Die spontane Assimilation würde von selbst kommen, wenn man den Minoritäten höhere Kulturwerte als die eigenen anböte. EINZIG IN WIENIII **ss .80 nur beste paßform! Alle Artikel in Wäsche und Wirkwaren billigst bei GMANN. I 1 Bei RABENSTEIG 3 TELEPHON U-20-7-O9 HIMMELPFORTGASSE 5 TELEPHON R-25-8-84 KÖLLNERHOFGASSE 1 TELEPHON R.26-8-99 Wir bitten »ich be «dem Elnkqul ng! unser Blatt zu berufen Von einer modernen türkischen Kultur kann aber momentan keine Rede sein. Es werden zwar große Anstrengungen gemacht, um die Europäisierung des Landes und dl« Hebung dea kulturellen Niveaus zu beschleunigen. Man weiß aber, daß dieser Neubildungsprozeß Generationen dauert. Was soll die jüdische Jugend bis dahin tun? Mit dem Strom gehen, d. h. den Assimilationsweg betreten als einzige Lösung, oder Gruppierung auf nationaler Grundlage? Dieses ist gesetzwidrig, während der erste Weg keine Lebensmöglichkeit bietet, weil die türkische Regierung ganz inkonsequent vorgeht. Wenn ale den Minoritäten auf der einen Seite sagt: „Ihr seid alle meine SöUno, Kinder dieses Landes", so muß sie auf der anderen Seite wirtschaftlich für alle sorgen. Der Kontrast ist aber klar: Hier zeigt sich das Bestreben, fremde Minoritäten zwangsweise dem TUrkentum zu assimilieren, dort sperrt man die wichtigsten Tore der Wirtschaft. Denn es muß betont werden: Die Verfassung der türkischen Republik gewährleistet den Grundsatz der Parität für alle Kinder des Landes. In der Praxi« aber »tonen die administrativen Maßnahmen in scharfem Gegensatz zu dieser Parität und sind ausschließlich g^gen dir Minor!- t ii I e n gerichtet; deren Lebensraum ist sehr «tnrk eingeschränkt; die Verstaatlichung aller öffentlichen Dienste (viele von diesen wnren in Händen konzessionierter ausländischer Gesellschaften) fordert noorme Opfer von diesen Minoritäten; Tnusrnde sind auf einmal brotlos geworden. Der große wirtschaftliche Urnbildungsprozeß. den die Türkei jetzt mitmacht; die neue wirtschaftliche Struktur des Landes, die eine große Aehnlichkelt mit der sowjetistischen Wirtschaft aufweist; die neuen staatlichen Textilfabriken (sie sind mit russischen Maschinen ausgerüstet und mit russischem Kredit finanziert), alle diese Erscheinungen schwächen die wirtschaftliche Existenz von tausenden Juden, dk» schließlich zu einer Umschichtung schreiten müssen; für eine Umschichtung aber sind leider keine Perspektiven vorhanden. Die Landwirtschaft war für die türkischen Juden immer ein unbekanntes Gebiet. Ohne staatliche Hilfe kann sie keinesfalls durchgeführt werden. Wo ist aber diese Hilfe? Es wäre sehr naiv, auf sie zu warten. Wir Juden stehen daher vor einem unvermeidlichen Verelendungsprozeß. In dieser Situation hören wir manchmal die Stimme der jüdischen Jugend, die ihre hoffnungslose Lage begreift, sagen: Wozu .sollen wir unsere Seelen hergeben? Wozu sollen wir unsere nationale Individualität aufgeben, ohne Garantie für ein Stück Brot? Was ist das für eine Assimilation, die uns verhungern läßt? Man begreift, daß bei solch einer pessimistischen Stimmung die Assimilationsbcwegung keinen Reiz auf die jüdische Jugend ausübt. Man zieht die A u s w a n d er u n g, die nationale Freiheit vor, aber leider sind die Tore der Auswanderung nach Palästina hier verschlossen; eine Auswanderung auf Grund von Zertifikaten ist von der türkischen Regierung verboten worden. Der Schrei der jüdischen Jugend ist nur ein halber Trost. Sie i3t ohnmächtig, zu kämpfen, und wird den erzwungenen Weg betreten müssen: Es ist der Weg der kulturellen Knechtschaft ohne wirtschaftliche Vorteile. Spontane Assimilation oder Zwangsassimilation — die nationale Gefahr ist dieselbe. Wirtschaftlich und kulturell degeneriert •— das ist die heutige Lage der türkischen Judenheit. Preisgabe dea* nationalen Individualität, Verlust vieler wirtschaftlicher Positionen, wofür? Nur für Asylrechte! Tragik des Diaspora-Judentums! Es gibt auf der Welt kein Volk, das die Asylrechte so teuer bezahlt wie Israel! Judensfaatspattes Oesterreichs Großer Vortragsabend In Graz Anläßlich des ersten Provinztagea der Judenstaatspartei, der am 26. und 27. d. in Graz stattfindet, wird am Samstag, den 26. d., im großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde Graz, Grieskai 58, ein frei zugänglicher Vortragsabend veranstaltet, bei welchem Herr Oberbaurat Robert Stricker über den „Luzerner Zionistenkengreß" sprechen wird. Beginn halb 9 Uhr abends. Sonntag, den 27. d., findet die Arbeltssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1.0 Uhr vormittags, offizielle Eröffnung der Provinztagung. Referate: Oberbaurat Robert Stricker: „Die Lage im Zionismus." — Theodor Grubner: „Die Tätigkeit der Judenstaatspartei." — Fritz Richter: „Die Judenbowegung und der Barak in der Juden3taatspartei." — Dr. Felix Klug: „Die Provinzarbeit der Judenstaatspartei." Halb 3 Uhr nachmittags: Generaldebatte, Anträge, Resolutionen,. Schluß. Gründung einer Sektion IX./XVIU./X1X. Bezirk Um ihren zahlreichen Mitgliedern und Anhängern im 9., 18. und 19. Bezirk einen Mittelpunkt jüdischkulturellen und zionistischen Lebens zu geben, wird die Judenstaatspartei anfangs November für diese Bezirke ein Sektionsheim eröffnen. Das Heim befindet sich in der Semperstraße 19. Derzeit worden kleine bauliche Veränderungen vorgenommen. Die folerllche Heimeröffnung wird in der ersten Hälfte November vorgenommen werden. Wie alljährlich, beginnt Ende Oktober eine größere Anzahl von Hcbräisch-Kursen i'Ur Anfänger und Fortgeschrittene. Anmeldungen im Sekretariat dea Zentralhelmes, I., Werdertorgasse 14. Veranstaltungskalender: Judenstaatsjugend: Samstag, 26. d., 8 Uhr abends, im Zontralheim I., Werdertorgasse 14, Heimabend (Akademie und Tanz). Gä3te willkommen. —• Sektion XIV/XV: Sonntag, 27. d., 7 Uhr abends,;m Heim, Schanzstraße 32, Simchnth-Thora-Feler. — Mittwoch, 30. cl., 140 Uhr abends, I., Werdertorgasso 14, Vortrag Kultusvorsteher Ing. Eugen Buchbinder: „Von meiner letzten Palästina-Reis o." (Herr Ing. Buchbinder Ist erst In diesen Tagen von einem mehrmonatigen Aufenthalt in Palästina zurückgekehrt.) Nächste billige Sonderfahrt nach Polen und Cer« nautl am 29. Oktober mit „Francopo 1". III., Rennweg 1. StLodtbßk, wVf^P^Vfrfrfr der in guten poln..jüd. Kreisen verkehrt, wird gesucht. Zuschriften unter „Große Mitgift" an die Administration dieses BJattes. m \r finii ' ^^m^^mmmmmsmm