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Die neue Welt · 1935-10-25 · Heft 507 (25.10.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 507 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 507 DIE NEUE WELT Seite S 1 Londoner Riesenkundgebung gegen Hitlers Rassenhetze Ann London wird berichtet: Die hiesige Presse kündigt für Sonntag, den 37. Oktober, eine Maasenversammlung im Hyde-Park an, welche?.um Protest gegen die in Deutschland wütende Rassen- und Keligionshetze einberufen wurde. Das Meeting wird vom Rat der „Britischen interkonfessionellen Anti-Nazi-Liga" veranstaltet. Es werden sechs Rednertribünen errichtet sein, von welchen 19 Redner und Rednerinnen zu den Massen sprechen werden. Als R od n er sind u. a. vorgemerkt: Lord Ma r ley, der Führer der Opposition im Unterhaus Major A111 c e, Unterhausmitglied Oberst W e d g w o o d, Königlicher »lustizrat C. D. Pritt, Professor Haidane, die 91jährige Frauenrechtlerin Charlotte Despard, Miß Sylvia Pank hur st, der Generalsekretär des Gewerkschaftskongresses Sir Walter Citrine und viele andere. Der Bischof von Birmingham hat an die Anti-Nazi-Liga ein Begrüßungsschreiben geschickt und sein Fernbleiben mit dem Ausdruck des Bedauerns entschuldigt. BoykoffffAnfrag „Manchester Guardian" berichtet, daß auf dem Meeting neuerlich die Frage des Boykotts deutscher Produkte aufgerollt und hiedurch die bestehende Boykottbewegung verstärkt werden soll. Das Blatt teilt mit, daß dem Meeting ein Beschluß-Antrag vorgelegt werden wird, in welchem jeder englische Bürger aufgefordert wird, deutsche Waren so lange zu boy ko11ieren, bis „die vo'l 1 en bürgerlichen und religiösen Freiheiten in Deutschland hergestellt sind." Abessinienkrieg und Palästina Italienische Propaganda in Palästina Das Londoner Regierungsblatt für Kolonialfragen "Great Britain and the East" (früher "Near East and India"). befaßt sich mit der italienischen Propaganda in Palästina. „Gerüchten zufolge", heißt es in dem Artikel, „richtet ItaliendieAugenaufPalästina. Die hierzu verwendeten Mittel sind mechanisch dieselben, wie sie von den russischen Agenten und von Deutschland in der Vergangenheit angewandt wurden; die Versprechungen sind ebenso grundsätzlich dieselben, nämlich die vollständige Unabhängigkeit von europäischer Oberherrschaft. Die Bevölkerung weiß jedoch sehr wohl, daß die Ersetzung eines politischen Systems, sei es auch das einer vormundschaftlichen Regierung, durch ein anderes, angeblich demokratisches, nichts als eine Bekräftigung durch eine bloß äußerlich verschiedene Ausdrucksweise darstellt." „Die italienische Propaganda", heißt es in dem Aufsatz weiter, „hat bisher den Orient, und insbesondere Palästina, nicht bis zu einem merklichen Grad der Beeinflussung durchdrungen. Einige kleinere Kundgebungen da und dort, die Gewinnung eines gewissen Maßes individueller Unterstützung aus Gründen, die entschieden nicht mit Sympathie für italienische Ziele im Zusammenhang stehen, können kaum als volkstümliche Antwort auf so ehrgeizige propagandistische Pläne gewertet werden. Nach dem Mißerfolg zu urteilen, den die Betätigung anderer Theoretiker hatte, besteht wenig Wahrscheinlichkeit, daß diese Bemühungen irgendwelche konkrete Erfolge erzielen werden. Es muß jedoch als Tatsache in den menschlichen Beziehungen von heute verzeichnet werden, daß dieAutokratienEuropas (gemeint sind Italien, Deutschland und Rußland) ihre Angeln im Orient auswerfen." Ein Erbe nach Sir Herbert Samuel Wenn der englischen Regierung jetzt die Umtriebe gewisser, nach ihrer Meinung von Italien mit reichen Geldmitteln versehener Agitatoren in Palästina unangenehm wird, so kann sie sich hiefür nicht zuletzt bei ihrem früheren Minister und Gouverneur von Palästina, Sir Herbert Samuel, bedanken. Denn der Träger der pro-italienischen Agitation in Palästina ist ein Geschöpf Sir Samuels: der Vorsitzende des Obersten mohammedanischen Rates und Großmufti von Palästina, Emin el Hu ssein i. f#&l Bücher - Schwedenbrücke! BUCHHANDLUNG SCHNEIDER & CO., WIEN I, Franz>Josefs-Kai 7 Reichste Auswahl neuerBücher bester Autoren zu billigsten Preisen! Katalog gratis! Das Streben des jüdischen Gouverneurs war es, wie bei so vielen hochgekommenen Juden, seine „Objektivität" zu beweisen, und zwar in der Art, daß er fremde Interessen, hier die arabischen, immer höher stellte als die jüdischen. So ist es gekommen, daß unter seiner Verwaltung Transjordanien von Palästina losgetrennt und für die Juden gesperrt wurde, daß die Araber Staatsländereien erhielten und die Juden nicht usw. Sein Meisterstück aber war die Erhebung Emin el Husseinis. Im Jahre 1920 hatte dieser Herr die ersten Pogrome gegen Juden inszeniert. Er wurde dafür von englischen Richtern zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verurteilt. Sir Samuel aber war anderer Ansicht. Er begnadigte Husseini, holte ihn aus dem Kerker und ernannte ihn Zum höchsten geistlichen Würdenträger und versah ihn mit einem Riesen gehalt aus jüdischen Steuergeldern. So bewies Sir Samuel, äer von anfangs stürmisch begrüßte erste jüdische Gouverneur, wie sehr er bereif, jüdische Interessen hinter die arabischen zu setzen. Zum Danke half der1 Mufti beim Pogrom im Jahre 1929 wacker mit. Die Folgen der weisen Regierungspolitik Sir Samuels treten nun zutage: Die vor jüdischer Kolonisation bewahrten Araber Transjordaniens verhungern, die an Araber abgegebenen Staatsländereien liegen jetzt nach 15 Jahren noch brach und sein Liebling, der Mufti, hetzt in der ihm von Samuel verliehenen hohen Stellung wacker gegen England. Einiifi erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe SWING W # Von den Arabern in Palästina Im arabischen Lager in Palästina ist man eifrig bemüht, eine Verständigung zwischen den einzelnen Parteien herbeizuführen. Die Initiative hierzu geht vom „Nationalen Block" in Nablus (Sichern) aus. Er hat die Vertreter der verschiedenen Parteien zu einer Beratung eingeladen. Die Aktion dieser Gruppe wird von der Nashashibi-Partei des früheren Jerusalemer Bürgermeisters (Partei für nationale Verteidigung) unterstützt. Diese verfolgt noch weiterreichende Pläne. Sie will auch die arabischen Kreise Syriens und Transjordaniens in die Aktion einbeziehen. Auch die „Arabische Reformpartei", Führer ist der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Chaldi, verstärkt ihre Tätigkeit. Sie hat eme Proklamation veröffentlicht, in der es u. a. heißt, daß „die Lage im Lande Schritte erfordert, um eine Beteiligung der Araber an der gesetzgeberischen Arbeit und Verwaltung herbeizuführen, Wir glauben, daß es keinen Araber im Lande gibt, der auf volle Selbständigkeit verzichten will". Der „Arabische Jugendverband'4 hat iü Jaffa eine Konferenz aller seiner Gruppen abgehalten, in der beschlossen wurde, alle arabischen Parteien aufzufordern, ihre Vertreter in eine gemeinsame Delegation zu entsenden, die von der Regierung die Einstellung der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufes verlangen soll. An den stellvertretenden High Commissioner wurde ein Prot es ttelegramm betreffend den Zwischenfall mit dem Gerer Rabbi an der Höhle Machpela gesandt. Arabische Gegenposten sollen vor denjenigen jüdischen i Unternehmungen aufgestellt werden, die wegen der Beschäftigung arabischer Arbeiter von jüdischen Posten bewacht werden. Der Großmufti von Jerusalem warnt vor der bevorstehenden panarabischen Konferenz in Amman. Die Engländer arbeiten darauf hin, daß auf dieser Konferenz eine proenglische Stellungnahme für den Fall eines Krieges erfolge. In Mufti-Kreisen wird diese Konferenz als „englisch-jüdische Verschwörung" bezeichnet. Der Mufti von Jerusalem hat jetzt auch seine Stellung zu dem Projekt eines Legislative Council (Parlament in Palästina) dargelegt. Der Mufti erklärt, er sei als Demokrat gegen die Ernennung der Mitglieder des Council und fordere die Ausschreibung allgemeiner Wahlen. Er sei auch dagegen, daß Beamte der englischen Palästina-Verwaltung stimmberechtigt dem Council angehören, in dem sie zusammen mit den jüdischen Mitgliedern sogar die Mehrheit bilden könnten. Ferner wendet sich der Mufti dagegen, daß auch die Angelegenheiten des Obersten moslemitischen Rats in die Kompetenz des Council fallen sollen. Er vertrete diesen Standpunkt nicht, weil er der Vorsitzende des Rates ist, sondern weil es ihm untragbar erscheine, daß sich Christen und Juden mit einer rein mohammedanischen Institution befassen, Ktofne Tab* ©Cij GrdBe Tube S Gegenüber der Erklärung des Mufti weisen die Zeitungen darauf hin, daß der Mufti in seinen demokratischen Gefühlen nicht so empfindlich war, als er gegen den Willen der übrigen Mitglieder des Moslemitischen Rates von dem jüdischen High Commissioner Sir. Herbert Samuel zum hochbesoldeten Präsidenten des Rates ernannt wurde. Die arabischen Zeitungen melden, daß die arabw sehen nationalen Institutionen für den 2. November, den 18. Jahrestag der Balfour-Deklaration, Kundgebungen gegen diese Deklaration vorbereiten, Die PaläsfaitayResferung warnt Aus Jerusalem: Die arabische Presse hat ihren antijüdischen kriegerischen Ton etwas gemildert, nachdem die Regierung die Zeitungen, ins-! besondere die „A Difaa", ernstlich gewarnt hatte, die im Zusammenhang mit der Jaffaer Munition s« Schmuggelaffäre getriebene judenfeindliche Hetze fortzusetzen. Die Regierung hat ein Kommunique" ver<* öffentlicht, in dem mitgeteilt wird, daß vier Personen» deren Namen nicht genannt werden, unter dem Verdacht der Mitschuld an dem Schmuggel verhaftet worden sind. Der Adressat der Sendung, J. Kattan, konnte noch nicht ausfindig gemacht werden. Wie arabische Zeitungen melden, soll es sich bei den vier Ver-« hafteten um drei Juden und einen arabischen Zollbeamten handeln. —> Der stellvertretende High Commissioner, Chefsekretär John Hathorn Hall, hat den Großmufti Emin el Husseini und Dschemal Husseini empfangen und ihnen die Notwendigkeit auseinandergesetzt, die leidenschaftliche Agitation der letzten Tage einzustellen. Aus Jerusalem (J. T. Ä.7: Vertreter sämtliches arabischen Parteien haben eine Konferenz zwecks Ein-i leitung einer gemeinsamen politischen Aktion und der eventuellen Ausrufung eines arabischen General* Streiks abgehalten. Es kam keine einheitliche Stellungnahme zustande. Die Anhänger der Mufti-Partei verließen den Beratungssaal, HK II, TABGRSTRASSE 4 Gaststätte für Alle Wiedereröffnung Samstag unter neuer Leitung Sven Hedin, der „Ehren-Arier" Der berühmte schwedische Asienforscher hat jetzt in Berlin und Wien Vorträge gehalten und soll nun nach Prag kommen. Dort aber ist die Freude darüber geteilt* Sven Hedin ist nämlich — ein in der ausländischen Ge« lehrtenwelt nicht häufiger Fall — ein begeisterter Vert ehrer Adolf Hitlers. Er war bei Hitler zu Gaste und hat sein Entzücken über diese Begegnung durch die Presse aller Welt kundgetan. Zum Abschied hat efi den Zeitungen folgende Kundgebung übermittelt: „Meine herzlichsten Wünsche dem deutschen Volke und dem heute beginnenden Winterhilfswerk, dessen Eröffnung durch den Führer Adolf Hitler wir soeben gehört und erlebt haben. Berlin, 9. Oktober 1935, Sven Hedin." Die Prager Zeitungen drücken in ziemlich starken Worten ihr Mißfallen über den Besuch aus und machen insbesondere der den Vortrag veranstaltenden Präget! „Urania" zum Vorwurf, daß sie einem Propagandisten, des gefährlichsten Feindes der Tschechoslowakei, die jetzt unter hakenkreuzlerischen Umtrieben schwer zu leiden hat, Ehrungen erweist. Die jüdischen Zeitungen er-* innern daran, daß speziell das von Sven Hedin gepriesene „Winterhilfswerk" hungernde jüdische Kinder und Greise von jeder Beteilung ausschließt und so das offensichtlichste Zeugnis für die Bestialität ablegt, mit welcher im Hitler-Reiche jüdische Menschen behandelt werden. Aber die Sache hat auch ihre heitere Seite. In Begleitung Sven Hedins befindet sich seine Schwester Alma, welche vor einigen Jahren (an Beziehungen zu Adolf Hitler war damals wohl noch nicht gedacht!) ein „Erimie-« rungsbuch" über die Familie Hedin veröffentlicht hat« Darin verzeichnet sie mit einiger gewissen Befriedigung und nicht ohne Stolz, daß sie und ihr berühmter Brudeg

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