Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 507 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 507 Mir schadet kein Wetter und mich ermüdet nichts \ denn ich verwende ständig DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur HaarpiUge bestens bewährt Soll in keinem Hauthalt fehlen In jedem besseren Geschäft erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich ..DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA" Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen langjährige politische Referent der zionistischen Exekutive und Vertrauensmann Weizmahns, Oberst F. H. K i s h, steht. Oberst Kish veröffentlichte im Tagblatt „The Palestine Post" einen Aufruf gegen den Transfer, in welchem er die schwersten Beschuldigungen gegen die ihn leitenden zionistischen Führer und Banken (Anglo- Falästina-Bank, Arbeiterbank, die Arbeiterpartei-Genossenschaft ,Nir" etc.) erhebt. Er stellt fest, daß das Schlagwort von der „Rettung unglücklicher deutscher Juden und ihres Kapitals nach Palästina" eine bewußte Täuschung ist. Durch den Transfer hat nur ein ganz kleiner Bruchteil deutscher Einwanderer einen Teil seines Kapitals nach Palästina gebracht. Hingegen haben sich die Gesellschaften b ereichert und wurden Kapitalsverschiebungen vorgenommen, die mit deutscher Einwanderung nichts zu tun haben. Zusammenfassend schreibt Oberst Kish: „Der Transfer zerstört die jüdische Einheitsfront gegen den Nationalsozialismus. Er schädigt die Entwicklung der jungen palästinensischen Industrie, welche gegen das deutsche Dumping nicht aufkommen kann. Er verwandelt einen Teil der jüdischen Einwanderung in eine Organisation, welche f ü r B e r 1 i n arbeitet und g e g en jene Juden, welche gegen die brutalen Methoden der Hitler-Regierung ankämpfen. Er demoralisiert das jüdische Leben in Palästina, indem er Kaufleute zum Kauf und Verkauf deutscher Waren verpflichtet, da sie im Weigerungsfalle wirtschaftlich ruiniert sind, anderseits aber Prämien für den Handel mit deutschen Waren erhalten. Er ruft in der ganzen englischen Welt Empörung und Verachtung hervor, da sie mitansieht, wie die Juden Palästinas die Judenverfolger in Deutschland belohnen, dadurch, daÖ sie immer mehr deutsche Waren und immer weniger englische Produkte ins Land bringen. Ist doch die T-ransferkommission jetzt so weit gegangen, deutsche Waren über Palästina nach Aegypten, Syrien und den Irak zu bringen." Die Transferkommission, welcher Vertreter der Zionistischen Exekutive, Banken und Fonds angehören, hatte die ganze Zeit hindurch geschwiegen. Erst der Aufruf des Obersten Kish hat sie zur Veröffentlichung einer Antwort veranlaßt. Sie weicht in dieser Antwort den meisten Anklagen aus und behandelt nur zwei Fragen: Wie stellt sich die Mandatarraacht England zur Begünstigung der Einfuhr deutscher Waren durch die zionistischen Behörden und Banken? Wie stellt sich die jüdische und vor allem die zionistische Welt zum Transfer? Zur ersten Frage schreibt die Kommission: „Wir bedauern, daß Colonel Kish nochmals das Argument in die Oeffentlichkeit bringt, welches dem jüdischen Interesse schadet, nämlich daß der Transfer den Import britischer Waren vermindert und verhindert. Dieses Argument wurde in Luzern berührt und als unbegründet verworfen. Die Transferkommission st eht in s t ä n d igemKontakt mit den R e Präsentanten der britischen Interessen, und es wurde alles getan, um die erwähnten Befürchtungen zu zerstreuen." Diese Behauptung ist eine allzu durchsichtige Erfindung. Aus unzähligen englischen Publikationen geht hervor, daß man in englischen Kreisen ehrlich entrüstet ist und die leider vorhandenen antizionistischen Strömungen im englischen Publikum und in Regierungskreisen durch den Transfer deutscher Güter auf Kosten englischer eine für den Zionismus verhängnisvolle Stärkung erfahren. Wie die „Repräsentanten der britischen Interesse n", mit denen in „ständigem Kontakt" zu stehen die Transferkommission vorgibt, in Wirklichkeit denken, ist gerade jetzt, klargev/orden. Soeben hat. die englische Regierung in der Londoner Presse den Bericht des berufensten Repräsentanten britischer Interessen in Palästina, nämlich den Bericht des Herrn C. E m pt o n, Handelsbevollmächtigter des englischen Staatsdepartements für Ueberseehandel In Haifa, veröffentlicht. Kin eigenes Kapitel des Berichtes ist dem Schaden gewidmet, welchen der deutsche Import dem englischen Handel in Palästina zufügt. Herr Erupton weist darauf hin, daß die hauptsächlich Maschinen und Stahlwaron umfassende deutsche Einfuhr England den größten Schaden zufügt. Der Wert der deutschen Einfuhr von Ganz- und Halbfabrikaten hat z. B. im Mai 1935 die englische Einfuhr um 14 Prozent übertreffen, In dem ersten Quartal 1985 hat sich der Anteil des deutschen Importes an der Gesamteinfuhr gewaltig erhöht, der Prozentsatz der englischen Einfuhr aber ist ebenso gefallen. Herr Empton warnt nachdrücklichst vor dieser Entwicklung. So hat die Transferkommission die „Beunruhigung" der englischen Fachkreise und Oeffentlichkeit „zerstreut"! — Das Gegenteil ist wahr. Bezüglich der Stimmung in der jüdischen und zionistischen Welt behauptet die Transferkommission in ihrer Erklärung: „Die frühere Opposition gegen den Transfer hat aufgehört in Anerkennung der Tatsache, daß die Umstände, die den Transfer erforderlich machen, weit wichtiger und entscheidender sind dls alle von den Transfer-Gegnern vorgebrachten Argumente. Alle Parteien, mit Ausnahme der Großmann- Gruppe (so nennt sie die Judenstaatspartei, um auf diese billige Weise ihre Bedeutung herabzusetzen) haben eingesehen, daß im Interesse einer höheren Notwendigkeit über die negativen Umstände des Transfers hinweggesehen werden müsse." Diese Behauptung hat im Lande nur Lachen ausgelöst. In einem Augenblicke, da der Waad Leumi in der Transferfrage öffentlich von der Exekutive und den Banken abrückt, da der Industriellenbund die schärfste Verwahrung einlegt, da die gesamte Jugend gegen den Transferschacher revoltiert und schwere Polizeistrafen für Demonstrationen gegen den Transferschacher auf sich nimmt, wagt man zu sagen, daß alle Parteien hinter dem Transfer stehen. Die wahre Stimmung kommt in einem Vorfalle zum Ausdruck, den eine ergebene, mit Inseraten reichlich versehene Presse bisher ängstlich verschwiegen hat. Nach Aegypten, in welchem scharfer Boykott gegen deutsche Waren geübt wird, kamen jüdische Agenten aus Palästina und boten deutsche Waren an. Als man sie auf die Gemeinheit ihres Vorgehens aufmerksam machte, wiesen sie darauf hin, daß ja die zionistische Leitung und die zionistischen Banken hinter diesen Geschäften stehen. Daraufhin haben die ägyptischen Juden den Boykott über die zionistischen Fonds, über den Keren Kajemeth und den Keren Hajessod, verhängt. Gewiß sind die ägyptischen Juden in ihrer Entrüstung zu weit gegangen, wenn sie die Fonds des jüdischen Volkes für die Verfehlungen zionistischer Parteiführung büßen lassen. Aber durch Verschweigen macht man eine kranke Sache nicht gesund. Tatsache ist, daß die Empörung über den Luzerner Transferbeschluß unaufhaltsam wächst. Hinter ihm stehen jetzt eigentlich nur mehr die unmittelbaren Nutznießer des Handels mit den Hitler- Leuten und die Polizei, welche einschreiten muß, wenn sich der Zorn gegen die verachteten Nutznießer gewaltsam äußert. macht sich nicht bezahlt Reorganisierung der deutschen Assimilanten Der C. V., der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben s", die Organisation der assimilatorischen Juden Deutschlands, steht vor der Entscheidung, wie sie sich in die neugeschaffene jüdische Gemeinschaft Deutschlands eingliedern soll. Die bisherige Haltung gegenüber dem deutschen Volk und gegenüber der national bewußten Judenheit Deutschlands ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die deutsche Gesetzgebung hat sogar dem vom C. V. streng gehüteten Begriff „Deutsche Juden" ein Ende gemacht, indem sie eine scharfe Trennung zwischen Jude und Deutscher nach außenhin vollzog und sogar ein weiteres Nebeneinander von Juden und Deutschen unmöglich machte. Der Jude ist in Deutschland kein Staatsbürger mehr; er ist ein — vorläufig noch geduldeter — Gast ohne Gastrecht. Mestsim Bskstem - SetnHtemp Pensionspreis bei M i n d e s t au f en th alt von 3 Togen S 10.— inklusive Abgaben Dieser Tatsache muß nun auch der C. V. Rechnung tragen. Auf seiner Generalversammlung am Montag, den 21. Oktober, hat er grundlegende Statutenänderungen in bezug auf den Namen, den Zweck und die Weiterführung des Vereins vollzogen. (Genaues über diese Beschlüsse ist noch nicht bekannt.) Jedenfalls läßt sich sagen: Auch für den Zentral verein hat eine neue Epoche begonnen. Für uns, die wir als nationale Juden den Weg des Central verein-Judentums stets als Irrweg erkannten und bezeichneten, ist die zu erwartende Haltungsänderung der Endpunkt eines natürlichen Prozesses, die Pointe der zionistischen Erkenntnis vom immanenten Bestehen der Judenl'rage auch in den Ländern höchster Kultur, Gesittung und Humanität; die Bestätigung der alten Herzischen These, daß man uns „nicht in Ruhe lassen" wird, solange wir zerstreut und national unorganisiert unter fremden Völkern leben, solange unsere Existenz also eine anormale ist. Ein großer Teil der Juden Deutschlands glaubte diese Tatsache ungestraft ignorieren zu dürfen, glaubte dem Judenschicksal zu entgehen, ja verstieg sich sogar „zur unbeirrbaren Pflege deutscher Gesinnun g", wie es in den bisherigen Statuten des Centraivereins heißt. Es war die sogenannte „C.-V.-Gesinnung:\ die nicht beim Betonen des deutschen Charakters halt machte, sondern das nationale Judentum, die deutschen und außerdeutschen Z i o n i s t e n, in der schärfsten Weise bekämpfte. Es hat keinen Sinn, in der heutigen Schicksalsstunde des deutschen Judentums den Herren vom C. V. ihre Sünden vorzuhalten. Nichtsdestoweniger kann ein kurzer Rückblick nicht schaden. Wir erinnern beispielsweise an die zahllosen Ver suche des C. V., die zionistischen Aspirationen zu verdächtigen, die zionistischen Leistungen zu schmäleren, die zionistischen Gruppen geradezu zu denunzieren. Die Diskreditierung des Zionismus vor der nichtjüdischen deutschen Oeffentlichkeit wurde bis zur Meisterschaft geübt, wobei diese C.-V.-Richtung auch von anderen jüdischen Elementen, wie z. K. vom Reichsbund jüdischer V r o n t k ä m p 1* e r, 2'uzng erhielt, mit der erkennbaren Absicht, den innerjüdischen, d. h. zionistischen Gegner unter Druck zu setzen. So kämpfte dieser Teil der in Deutschland lebenden Juden gegen die Zionisten, ihre „deutsche Gesinnung" in staatsbürgerlicher Hinsicht bezweifelnd und dadurch allen jenen Nahrung gebend, denen die jüdische Minderheit an sich ein Dorn im Auge war. Die deutschen Assimilanten unter Führung des Centraivereins traten allenthalben der zionistischen Auffassung entgegen, daß sich Bekenntnis zum Volkstum und staatsbürgerliches Pflichtbewußtsein durchaus vertragen, ja gegenseitig ergänzen können. j Die heutige Situation des Centraivereins der \ Juden Deutschlands verlangt eine Klärung nach j der jüdischen und nach der deutschen Seite hin. ''■ Die Diskussionen, wie sie früher zwischen de« deutschen Zionisten und Assimilanten an der Tages«« Ordnung waren, sind zum größten Teil hinfällig ge« v/orden — hauptsächlich unter der Wucht der Tat-* Sachen, von denen die wichtigste lautet: Das jüdische Palästina ist eine Realität,, geschaffen durch den Zionismus! Es; geht heute jeden in Deutschland lebenden Juden an< denn die Einschränkung der wirtschaftlichen Be« tätigung der Juden, wie sie die deutsche Reichs« regierung ankündigt, wird, abgesehen von den gefühlsmäßigen und historisch begründeten Faktoren, die Auswanderung nach Palästina zur dringendsten Auf«« gäbe machen. Es wäre ein unverzeihlicher Irrturm, wenn der! Centraiverein seine antizionistische Haltung weiter* beibehalten und seine Juden in der Illusion belassen, wollte, daß sich mit der Zeit ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen VolK herauskristallisieren werde. Die Beschlüsse des Central Vereins werden darüber Auskunft geben. Sio werden bezeugen müssen, ob nun endlich eine Neu-« Ordnung auch der inner jüdischen Haltung voll-« zogen und die Front gegen den Zionismus liquidiertworden ist. Der Fall des deutschen Centraivereins ist leider kein vereinzelter. Er ist bloß ein Muster^ b e i s p i e 1 für die tragische Haltung gewisser jüdischerSchichten, welche historische Entwicklungen nicht sehen wollen, sich gegen die Zeichen derZeit blindstellen und lieber das Bild trostloser Lächerlichkeit bieten, als mit ihrer Vergangenheit Schluß zu machen. Wenn der Centraiverein sich zur Erkenntnis durchgerungen hat, daß die Frage des jüdischen Volkes in Deutschland zur Diskussion steht, dann wird er Beschlüsse fassen, die seinen Mitgliedern die Mitarbeit am zionistischen Werk ermöglichen. Dann wird er den Irrtum vieler jüdischer Generationen in Deutschland gutmachen und den Assimilanten anderer Länder einen Fingerzeig geben — die Lehre nämlich, daß sieli jüdischer Antizionismus nicht bezahlt macht, o. r. H iuma SACHSELHERBSTHÜTE Der melierte wetterfeste Modehut S 9.80, S 12.50 Aus Haarfilz S16.-, S 20.-; Biber S 28. - Borsalino, Antica Casa ...... 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