Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 505 (18.10.1935)
- Date
- 1935-10-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 'M»M.....>..................................MMM>M< DIE NEUE WELT Nr. 503 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19. Tel. A-17-3-99 u. A-I6-9-34 Lieferant für Heilanstalten ^^^^g^^LSSmiSäS^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. 3' Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos :: Ix., Barggasse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 \\ ^»♦♦»»♦»♦♦»♦»♦»»»♦»♦»♦♦»»♦»♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦»♦»♦»»»♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦t verschwindend kleine Quantitäten unserer Früchte gekauft, obwohl sie selber sich eines ständig wachsenden Exports ihrer eigenen Produkte nach Palästina erfreuen. Da wir nun 1935/36 mindestens eine Million Kisten mehr werden absetzen müssen als in der vorigen Saison, so wurde eine entsprechende verkaufspropagandistische und handelspolitische Vorarbeit notwendig. Bedauerlicherweise ist bloß die erstere -geschehen. Die Palästina- Regierung hat die Exportabgabe per Kiste, die sie zwecks Bildungs eines Propagandafonds erhebt, von 1,5 MiLs in 1933/34 und 2 Mils in 1934/35 auf diesmal 3 Mils erhöht, so daß ihr für die Propaganda in 1935/36 mindestens 24.000 pal. Pf. zur Verfügung stehen werden. Zunächst hat sie über die Verwendung von 22.500 pal. Pf. für die Zitruswei-Vung disponiert, und zwar 13.000 pal. Pf. für die Reklame in Großbritannien, 8000 pal. Pf. für die Werbung auf ci; i Kontinent, je 500 pal. Pf. für die Werbung in Palir Ina selbst, für die Werbung in Kanada und — erstmal:. — für die Werbung in Ceylon und Indien. Können aber „Palästina-Früchte-Wochen", Presseempfänge usw. allein genügen, angesichts der Tatsache, daß zahlreiche Länder unserem Zitrusexport durch Zollmauern, Devisenschranken, Kontingentierungen die denkbar schlimmsten Schwierigkeiten machen? Gerade diese Hindernisse haben uns in der vorigen Saison gezwungen, unser Hauptangebot auf den englischen Markt zu werfen, mit dem Ergebnis, daß dort nur sehr kümmerliche Preise erzielt wurden, nämlich durchschnittlich 8 bis 13,5 englische Shilling per Kiste (je nach Anzahl der gepackten Früchte), gegenüber 9 bis 14,5 in 1933/34. Es ist die weitere Folge davon gewesen, daß heute der Pflanzer beim Vorverkauf „ab Bau m" per Kiste höchstens 200 bis 225 Mils erzielt, gegenüber 250 bis 275 Mils im Vorjahr. Diese dürftigen Vorverkaufspreise sind ein Gradmesser der Stimmung und bedeuten die Quittung auf das handelspolitische Versagen der Mandatsverwaltung. Sie hat noch nicht einmal durchsetzen können, daß Großbritannien, die Mandatarmacht selbst, uns die „Imperial Preference" hinsichtlich der Verzollung einräumt, also die zollpolitische Gleichstellung beispielsweise mit der südafrikanischen Orange, was für uns, die wir mit dem billigen Massenangebot der spanischen Apfelsine konkurrieren müssen, eine wesentliche Aufbesserung des Exporterlöses einbringen würde. Soweit auf dem Kontinent da und dort ein handelspolitisches Entgegenkommen erzielt worden ist, haben wir es überwiegend nicht den britischen Instanzen, sondern der eigenen Initiative unserer palästinensischen Wirtschaftsführer zu verdanken, so in Rumänien, in Polen, neuerdings auch in Ungarn und in Schweden — teils in Form verbilligter oder (Schweden für Grape-Fruits) aufgehobener Zölle, teils hinsichtlich des Kontingentumfanges, teils hinsichtlich des Zahlungsmodus (Rumänien). Im allgemeinen wissen wir von der kommenden Orangensaison Palästinas, daß sie wiederum viel Arbeit und sehr bescheidenen Verdienst bringen wird. Die „Tapuchei Sahav", die „goldenen Aepfel", sind zwar Goldes wert für die menschliche Gesundheit, aber dem Pflanzer und dem Kaufmann gewähren sie nur das, worin sich in unserer Zeit überhaupt das Gold verwandelt hat, Papier, mit sehr mageren Ziffern bedruckt oder, im Falle mancher Devisensperrländer, überhaupt vorerst auch nur mit Zahlungsversprechungen ... Bekleidungsindustrie in En Charod Aus Jerusalem: In der Kolonie En Charod wurde in Zusammenarbeit mit der Siedlerorganisation aus privaten Mitteln eine Werkstatt für die Erzeugung von Trikotagen, Blusen usw. errichtet, in der zwanzig Mädchen Beschäftigung finden. Die Erzeugnisse werden an die verschiedenen landwirtschaftlichen Gruppen durch die Konsumgenossenschaft Hamaschbir verkauft. Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden. In dem Betrieb werden auch aus Deutschland eingewanderte Mädchen beschäftigt. Das Unternehmen hat eine Beihilfe von der Zentralstelle für die Ansiedlung deutscher Juden erhalten. Soll die Zahnpaste schäumend oder nichtschäumend sein? Ueber diese Frage entscheidet der persönliche Geschmack. Chlorodont bietet Ihnen beides und beide Arten — schäumend oder nichtschäumend — sind gleich gut in Qualität und Geschmack. DANKSAGUNG Der Verein der Buczaczer in Wien bringt Her.n Josef Rates, Rabbiner und Prediger, XX., Universumstraße 40, den Dank für sein an den hohen Feiertagen in Ihrem Bethaus in uneigennütziger Weise abgehaltenes vorzügliches Vorbeten und Predigen zum Ausdruck und wünscht ihm y\\S "IDJ Von den Juden im Jemen Im Süden der arabischen Halbinsel, dem früheren „goldenen" Arabien, leben zirka 60.000 Juden, deren Existenz erst vor fünfzig Jahren bekannt wurde. Sie sind seit zweitausend Jahren von der übrigen Judenheit isoliert, reinblütig und haben immer hebräisch gesprochen. Sie leben in einem Reiche, das von fanatische«, mohammedanischen Despoten regiert wird, unter ungeheurer Bedrückung. Vor vierzig Jahren erhielten sie Kunde von der jüdischen Kolonisation in Palästina und von da ab sind sie von einem Wunsche beseelt: Auswanderung nach Palästina. Einige tausend sind bereits dort und bilden eines der wertvollsten Elemente der neuen jüdischen Siedlung. Der Iniam, der Beherrscher Jemens, verbietet aber die Auswanderung unter Androhung der Todesstrafo und nur wenigen gelingt die Flucht. Der Korrespondent des „(Corriere della Sera" schreibt über die jemenitischen Juden: In Jemen lebt eine große Anzahl Juden, deren Los bedeutend schlechter ist als das der Araber oder auch deren Sklaven. Bezeichnend ist, daß es laut Gesetz Pflicht der Juden ist, die Straßen der Städte, insbesondere der Hauptstadt Sanaa, vom Aas gefallener Tiere freizuhalten, ein Geschäft, zu dem sich ein freier Araber nie erniedrigen würde. Die Juden müssen außerdem in Ghettos wohnen, die weit von den Ansiedlungen der Araber entfernt sind. Meistens liegen diese Ghettos so, daß sie von den Arabern im allgemeinen nicht eingesehen sind: in Taiz z. B. liegt das Ghetto hinter einem Hügel, in Maaber ist es ein mauerumgebenes Dorf, ein paar Kilometer von der arabischen Stadt entfernt. Nur das Ghetto der Hauptstadt ist seit seiner Gründung infolge Ausdehnung der Stadt in nähere Verbindung mit der Araberstadt gekommen. An arabischen Festtagen dürfen die Juden ihre Ghetti nicht verlass e-n„ ebensowenig am Sabbat. Es besteht ferner die Verpflichtung, daß die Judex* sich den Schädel scheren und Schläfenlöckchen tragen müssen. Turbane sind ihnen strengstens verboten, sie haben das schwarze Käppchen zu tragen; leinener oder wollener Kaftan ist obligatorisch. Waffen zu besitzen oder gar sie zu tragen, ist ihnen verboten; eine Wehrpflicht besteht für sie nicht, dafür haben sie eine Sondersteuer zu entrichten. Das Reiten ist ihnen nur auf Eseln, nicht aber auf Pferden, dem Stolz des Arabers* gestattet; und selbst auf ihren Eseln dürfen sie nicht rittlings sitzen, sondern müssen ihre Beine auf einer Seite? des Tieres herabhängen lassen. Im heutigen Jemen ist den Juden zwar gestattet, ein Haus zu besitzen, doch muß dieses einen bescheidenen; Eindruck machen und darf nicht mehr als zwei Stockwerke haben. Es gibt ferner im Jemen ein altes Gesetz, wonach! ein Jude, der das Land verläßt, seines Eigentums verlustig wird und dieses in den Besitz des arabischen, Herrschers übergeht. Obwohl dieses Gesetz nicht mehr in seiner vollen Strenge gehandhabt wird, bildet es doch! einen bedeutenden Grund, daß die jüdische Auswanderung aus dem Jemen nach Palästina im letzten Jahrzehnt in bescheidenen Formen verblieben ist. Da viele unter den jemenitischen Juden trotz der Ausnahmsgesetzei recht wohlhabende Leute sind, hat der Herrscher ein In« teresse daran, daß sie im Lande bleiben. Er hat daher in der letzten Zeit einige Verordnungen erlassen, die die Verachtung und den Haß, den die Araber gegen ihre jüdin sehen Mitbürger offen zur Schau tragen, in gewissen, allerdings weit genug gezogenen Grenzen halten sollen. Der neue Lehrplan Von Professor Dr. Manfred P a p o Vor kurzem erschien im Rahmefi-der Gesamtlehrpläne für alle österreichischen Mittelschulen auch der neue Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht. Da beim Großteil des jüdischen Publikums sicherlich der Wunsch bestehen dürfte, über Entstehung und Inhalt dieses neuen Lehrplanes informiert zu werden, so sei diesem in den folgenden Zeilen Rechnung getragen. Im Kreise der jüngeren Lehrerschaft unseres Faches bestand schon seit Jahren das Verlangen nach einer grundlegenden Aenderung des Lehrplanes, da das bisherige Lehrprogramm, welches auf dem Gebiete der biblischen und nachbiblischen Geschichte, der jüdischen Religions- und Sittenlehren vollkommen zweckentsprechend war, sich hinsichtlich des Hebräisch-Unterrichtes als gänzlich unzulänglich erwies. Man konnte sich zwar auf den Standpunkt stellen, der Lehrplan toleriere und gestatte ein gründliches und systematisches Arbeiten im Hebräischen, es braucht aber kaum erörtert zu werden, welche Schwierigkeiten in diesem Falle entstehen konnten und auch entstanden. Der neue Lehrplan mit seiner grundlegenden Umgestaltung des Hebräisch-Unterrichtes hat sein Entstehen dem innigen Zusammenwirken dreier Faktoren zu verdanken. Die „Histadruth Iwrith", die deklariert unpolitische und überparteiliche Organisation zur Förderung der hebräischen Sprache mit Dr. David Rothblum an der Spitze, begann sich intensiv für eine Verbesserung des Hebräisch-Unterrichtes im Rahmen des Religionsunterrichtes zu interessieren. Der zweite Faktor, der damalige Obmann der Unterrichtskommission der Kultusgemeinde, Prof. Moses Rath, selbst bewährter Fachmann auf dem Gebiete des Hebräisch-Unterrichtes, setzte seine ganze Energie für die Sache ein und nicht zuletzt war es der Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, welcher einen Ausbau des hebräischen Sprachunterrichtes im Lehrplan sehnlichst anstrebte. Zunächst wurden einige Konferenzen der Rabbiner und Religionslehrer einberufen, in deren Verlauf das Thema, erschöpfend behandelt und schließlich ein Komitee zur Ausarbeitung eines neuen Lehrplanes gewählt wurde. Von diesem Komitee wurden zwei seiner .Mitglieder, Prof. Dr. J. Bronner und der Schreiber dieser Zeilen, mit der Vorlage eines Konzepts betraut, das in mehrwöchiger Arbeit fertiggestellt wurde und hierauf an den Vorstand der Kultusgemeinde weitergeleitet wurde. Der vorgelegte Entwurf wurde sowohl in der zuständigen Kommission als auch im Plenum von den Vertretern aller im Kultusvorstand vertretenen Richtungen gutgeheißen, zum Beschluß erhoben und sodann der Unterrichtsbehörde zur Genehmigung vorgelegt. Auf dem Gebiete der biblischen und nachbiblischen Geschichte sind nur geringfügige Verschiebungen durchgeführt worden, während im Hebräischen eine grundlegende Aenderung in der Richtung eingetreten ist, daß der neue Plan einen systematischeren, methodischeren Sprachunterricht vorsieht. Dabei ist stets folgender Grundsatz eingehalten: Im obligaten Religionsunterricht ist als Lehrziel des Hebräischen nur die Kenntnis desselben als Sprache biblischer Schriften und der Liturgie angestrebt; der Unterricht im modernen Hefa r ä i s c h als Umgangssprache ist im Rahmen der zu Gebote stehenden Zeit undurchführbar und liegt auch außerhalb des durch die Bezeichnung „Religionsunterricht" gegebenen Gebietes. Für diesen Unterricht muß in fakultativen Ergänzungskursen Sorge getragen werden« Diesem Grundsatz ist auch die ganze Anlage dea Lehrstoffes angepaßt. In den beiden untersten Klassen ist die Vermittlung der elementaren Lehren der hebräischen Sprache an Hand eines geeigneten Lehrbuches mit leichten Uebungsstücken vorgesehen. In der III. Klasse wird unter stetem Ausbau der grammatischen Kenntnisse mit der Bibellektüre begonnen, die sich in der III. und IV. Klasse auf das Gebiet des Pentateuch beschränkt, während in der Obermittelschule eine Auswahl von Psalmen und Propheten hinzukommt. Als Lehrziel ist die Fähigkeit gedacht, eine nicht allzu schwere Bibelstelle aus dem Stegreif so zu übersetzen, wie etwa eine Cicero-Stelle bei der Reifeprüfung im Latein. Der neue Lehrplan ist nun da — von der „Histadruth Iwrith" angeregt, von der Lehrerschaft ausgearbeitet, von der Kultusgemeinde dekretiert, von der Behörde genehmigt. Um das schöne Ziel des neuen Programms zu erreichen, ist nun noch e i n Faktor mit seiner Hilfe nötig: die Elternschaft. Gegenüber der „alten Zeit" ist vieles anders geworden. Die Lehrerschaft, die Kultusgemeinde haben sich ohne Rücksicht auf parteipolitische Ansichten in ihrer Einstellung zum Religionsunterrichte umgestellt, nun muß auch noch die Elternschaft umlernen und mithelfen. Ich denke dabei gar nicht an eine große Eltern-Organisation; die Umstellung der Eltern, ihre Mithilfe, ist im kleinen Kreis der Famliie viel wichtiger und nötiger. Wenn von der bisherigen Einstellung, Religion sei ein nebensächlicher Gegenstand, abgegangen wird, wenn Fach und Lehrer bei der Elternschaft von vornherein zumindest jene Wertung erfahren, die der Staat für sie fordert, dann ist schon viel gewonnen, Dort freilich, wo die Elternschaft (wie es ja schon in vielen Fällen geschieht) noch weitergeht, indem sie in stetem Einvernehmen mit dem Religionslehrer an der jüdischen Erziehung des Kindes selbst mlitwix'kt, dort ist der Erfolg völlig sichergestellt.