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Die neue Welt · 1935-10-18 · Heft 505 (18.10.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 505 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ITC-, 505 . W '» i M Abessinienkrieg — Palästina — Zionismus Die »Times« zur Haltung der Zionisfen und Araber Am 4. Oktober ist in unserem Blatte ein Artikel „Palästinas Feuerprobe" von Robert Stricker erschienen, in welchem darauf hingewiesen wurde, wie Wichtig es für den Zionismus und damit für das ganze jüdische Volk ist, daß vor allem die Judenschaft in Palästina die, richtige Haltung bewahre. In dem Artikel wurde ü. a. ausgeführt: „Weizmann begründete seine Politik der absoluten Nachgiebigkeit gegenüber England damit, daß der Zionismus dem großen England nichts zu bieten habe und auf dessen reines Wohlwollen angewiesen sei. Die Judenstaatler kämpften gegen diese Einstellung heftig an. Sie wiesen darauf hin, daß eine zionistische Politik, welche das jüdische Volk als politischen Almosenempfänger hinstellt, der seinerseits nichts zu bieten vermag, zum Scheitern verurteilt ist. Sie wiesen darauf hin, daß es nicht nur unzionistisch, sondern auch eine krasse "Verkennung der Wirklichkeit ist, wenn man das jüdische Palästina als politisch bedeutung slos für England und die Welt hinstellt. Schon seiner Lage nach ist Palästina einer der wichtigsten Schlüsselpunkte für die Welt im Mittelmeer, für Asien und Afrika. Es ist für England von höchster Bedeutung, wenn sich dieses Land in zuverlässigen jüdischen Händen befindet. Wenn England das zionistische Aufbauwerk fördert, so schenkt es den Juden nichts, es erweist nicht nur dem jüdischen Volk einen großen Dienst, sondern es dient damit auch seinem eigenen Lebensinteresse." „Diese Auffassung muß der zionistischen Politik zugrunde gelegt werden. Weizmann hatte darauf nur die eine, mitleidig-ironische Antwort: ,Was bildet ihr euch ein? Das ist leeres Gerede. Das kleine Palästina bedeutet dem großen britischen Imperium mit seiner Flotte und seinem Suezkanal nichts, gar nicht!" „Dio Vorgänge in Palästina beweisen jetzt, daß Weizmanns Einstellung falsch war und die auf die Bedeutungslosigkeit des kleinen Palästina gegründete zionistische Politik des Bittens und ständigen Nachgebens verfehlt ist. England hat es Immer gewußt und weiß es heute, daß Palästina für das englische Imperium von höchster Wichtigkeit ist. Alles, was es jetzt in Palästina unternimmt, spricht von dieser Erkenntnis." * „Aus dieser Erkenntnis ergibt sich, daß die Juden Palästinas heute vor eine ganz große Aufgabe gestellt sind. Sie und mit ihnen der Zionismus haben eine Feuerprobe zu bestehen. Sie haben xu beweisen, daß sie ein Element sind, dem man vertrauen und auf das man sich stützenkann..." „Die palästinensischen Juden müssen allen Ereignissen ruhig und würdig standhalten. Sie müssen Opfer auf sich nehmen, treu an der Seite der britischen Mandatsmacht ausharren und zuverlässige Helfer in schweren Tagen sein. Der Geist der Aengstlichkeit und Selbstsucht darf nicht ihr Geist Sein. Der Zionismus hatjetzt eineFcuerprobe zu bestehen!" Es hat sich sehr rasch erwiesen, wie richtig und notwendig es war, auf die immense Bedeutung der Haltung der palästinensischen Judenschaft in diesen Tagen mit allergrößtem Nachdrucke hinzuweisen. Die englischen Zeitungen beschäftigen sich immer intensiver mit den politischen Stimmungen in Palästina. So bringt jetzt „Times", das für die Außenpolitik Englands wohl maßgebendste Blatt, einen Bericht ihres Palästina-Korrespondenten, in welchem es heißt: „Die Wirkungen der italienischen Propaganda in Palästina sind mehr stimmungsmäßig als real. Die italienische ,Banca di Koma', die italienischen Schulen und Hospize hab<Hi ja in den vergangenen Jahren immer eine gewisse Agitation betrieben. In letzter Zeit haben sie häufig Besuchsfahrten von Schulldndern nach Italien arrangiert. Diese Kinder wurden dort besonders herzlich begrüßt, großartig bewirtet und in streng faschistischem Sinne beeinflußt. Hauptsächlich wurden sie im Sinne eines italienisch-arabischen Freundschaftsbündnisses instruiert." „Die Förderung einer pro.italienischen Politik wird hier hauptsächlich durch Emln el Hussein!, den Großmufti von Jerusalem und Vorsitzenden des Obersten geistlichen mohammedanischen Rates, und seiner Partei besorgt. Die Zeltung des Mufti „Jamla el Arabia" veröffentlicht fortwährend pro-itallenische Artikel. In den Zeitungen der gegnerischen Nashashibi- Partei wird behauptet, daß der Führer der nationalistischen Araber im Auslande, Emir Arslan, an den Mufti einen Brief gerichtet hat, in welchem seine Heiligkeit zu reger Tätigkeit für Italien aufgefordert wird. Während der letzten Wochen sind in der allgemeinen arabischen Presse wiederholt Artikel erschienen, in welchen aufgefordert wird, die gegenwärtigen Internationalen Komplikationen dazu auszunützen, in Gemeinschaft mit den Arabern aller anderen Länder einen Kampf fUr die Annullierung des englischen Palästina-Mandats (Balfour-Deklaratlon) zu führen." „Unter den Juden steht die Partei der Z1 onlsten-Revisionisten, welche jetzt Neue TRAU BEN -TRINKKUR Während der Weinlese bringen wir täglich frisch — aus dem Weingarten Traubensaft für Kurzwecke. — Die Herbstkur mit naturfrischem Traubensaft ist durch nichts zu ersetzen — sie wirkt verjüngend auf den ganzen Organismus — besorgt eine vollkommene innere Reinigung — und beseitigt so — die Grundursachen von Krankheiten und vorzeitigen Altems. — Von der einfachen Verdauungsstörung bis zu den hartnäckigsten Leiden — vollführt diese einzigartige Heil- und Erneuerungskur ständig Wunder. 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Zufolge ihrer antisozialistischen und nationalistischen Einstellung ist die revisionistische Partei eher dazu berufen, als die gegenwärtige zionistische Leitung (Jewish Agency), ein freundliches Uebereinkommen mit den palästinensischen Arabern zu treffen. Es mag noch festgestellt werden, daß die Revisionisten in Italien eine Marineschule erhalten, und der Betar, die revisionistische Jugendorganisation, von der italienischen Regierung ein Schulschiff gekauft hat." Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieser Artikel den Auftakt zu einer Diskussion über die politische Haltung der Juden in Palästina bildet und daß diese Diskussion anhalten wird, solange die Spannungen im Orient bestehen. Es ist unausweichlich und notwendig, daß von zionistischer Seite in diese Diskussion eingegriffen wird. Schweigen wäre wohl die schlechteste Politik. Vorerst müssen unzutreffende Behauptungen, sofern sie im Verlaufe dieser Auseinandersetzungen um die Haltung der Juden oder jüdischen Gruppen auftauchen, richtig- Greta Garbo wietmkkie ■mmmmmmmmmmmmmm Der bunte C^hwlAE^ HERBERT MARSHALL WVlIIVlVl WARNEROLAND OPERN i, STAFA vh, VOTIVPARK ix. gestellt werden. So die Behauptung des englischen Berichterstatters, daß die italienische Regierung als einzige den Wiener Revisionistenkongreß begrüßt habe. Wir konnten durch Nachfragen und Erhebungen feststellen, daß die italienische Wiener Gesandtschaft auf die Einladung der Revisionisten, die übrigens allen Gesandtschaften zugegangen ist, überhaupt nicht reagiert hat. Auch der Hinweis auf die Möglichkeit intimer Beziehungen zwischen arabischer und revisionistischer Politik entbehrt der Sachkenntnis oder des Willens zu richtiger Darstellung. Zwischen Revisionisten und Arabern in Palästina bestehen bekanntlich gar keine oder nur schlechte Beziehungen. Gerade jetzt Hegt uns ein von Revisionisten erlassener Aufruf vor, welcher so beginnt: „Gefahr droht unserem im blühenden Aufbau begriffenen jüdischen Lande. Arabische Hetzer glauben, die Gelegenheit einer allgemeinen Kriegsverwirrung im Vorderen Orient benützen zu können, um den kommenden Judenstaat zu verhindern . . ." Der Aufruf schließt mit der Forderung, eine Legion gegen die arabischen Hetzer zu bilden. Ob der Aufruf gut oder schlecht ist, soll hier nicht erörtert werden. Jedenfalls läßt er die arabisch-revisionistischen Beziehungen in einem anderen und richtigeren Lichte erscheinen als der Bericht des Korrespondenten der „Times". Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindliche, Eilige nehmen nur die sanft-scharfe In der Sache selbst kann nicht nachhaltig genug betont werden, daß jeder Zionist in Palästina, der sich der Verantwortung in diesen schweren Tagen bewußt ist, nur eine Haltung kennt: Loyalität gegenüber der Mandatarmacht und vertragstreues Festhalten an dem gegebenen Zustande in Palästina. Parteüeidenschaften und Parteiinteressen verdunkeln die abessinisch-itallenische Sache. Die einen glauben in einem Weltenbrand ihre sozialistische Rechnung mit dem faschistischen Italien begleichen, die anderen glauben, durch Unterstützung Italiens dem feindlichen Sozialismus den Todesstoß versetzen zu können. Beide wollen Im Weltenbrande ihre Parteisuppe kochen. Wenn jüdische Zeltungen und jüdische Führer in Palästina in diese unselige Mentalität verfallen, dann handeln sie schlecht und erweisen der Sache des Zionismus den schlechtesten Dienst. In einer Wiener jüdischen Zeitung — sie nennt uns bramarbasierende Opposition im Zionismus — wird uns vorgeworfen, daß wir gerade in diesen Tagen die Jude».pa)ä«jtia«a auffordern, sie raBgen. sich der Mandsta- KJetee Tube S — flCfc Grd8»V|ftthevS_t^ macht gegenüber loyal verhalten. Wir nehmen dieseni Vorhalt ruhig entgegen. Wir, die schärfsten Gegner der; derzeitigen englischen Palästina-Verwaltung, sind da-, gegen, daß die antizionistischen Uebergriffe dieser Ver- .waltung seitens der palästinensischen Judenschaft in einer; Weise beantwortet werden, die auch nur entfernt als Ver<* stoß gegen das Palästina-Mandat gedeutet werden könnte* .Wer Vertragstreue fordert, muß Vertragstreue wahren, ü Auswanderung aus Sowjetrußland nach Amerika ' Aus Riga: Ueber die jüdische Auswande« rung aus Sowjetrußland nach Amerika hat der Leiter; der HTAS-Abteilung in Riga der J. T. A. folgende Mitteilungen gemacht: In den 15 Jahren der HIAS-Arbeiti in Riga sind rund 7 0.0 0 0 Juden aus Sowjetrußland über Riga ausgewandert, und zwar hauptsächlich! nach Amerika. Diese Auswanderung vollzog sich vorallem bis zum Jahre 1923, in dem die Einwanderung nach Amerika wesentlich eingeschränkt wurde. Seither kann die jüdische Auswanderung aus Sowjetrußland auch! mit Rücksicht darauf, daß für einen russischen Aus* landspaß eine Gebühr von 500 Dollar in Gold entrichtet werden muß, nur noch in geringem Umfang vor sich gehen. Immerhin waren auch noch im letzten Jahrei von insg^famt 400 jüdischen Amerika-Wanderern 10O Juden aus Sowjetrußland. Mehrere jüdische Auswanderer; aus Sowjetrußland sind in Riga „gestrandet", weil sie kein amerikanisches Visum erhalten konnten. Unter, ihnen befindet sich eine Anzahl von Raibbüneriu Einige von ihnen haben Aussicht, die Einwanderungs« erlaubnis nach Palästina zu erhalten. Judenstaatspartei Oesterreichs Der Provinztag in Graz Wie wir bereits mitgeteilt haben, findet am 2ß< und 27. ds. der erste Provinztag der Juden-* Staat spart ei in Graz statt. Der Provinztag wird Samstag, den 26. ds., durch eine große öffentliche VerJ Sammlung, in welcher die Herren Oberbaurat Roberti Stricker, Fritz Richter und Theodor Grubner sprechen! werden, eröffnet. Sonntag, den 27. ds., findet die erste Sitzung statt. Das Programm der Tagung lautet: Samstag, den 26. ds., um halb 9 Uhr abends im Großen Sitzungsaal der Kultusgemeinde, Grieskai 58, Vortrag Oberbaurat Stricker. Nachher gemütliche Zusammenkunft im Hotel Elefant. Sonntag, den 27. ds., 10 Uhr vormittags, offizielle Eröffnung der Provinztagung. R ef erate: Oberbaurat Robert Stricker: „Die Lage im Zionismus". — Theodor Gruber: „Die Tätigkeit der Judenstaatspartei". — Fritz Richter: „Die Judenbewegung und der Barak in der Judenstaatspartei". — Dr. Felix Klug: „Die Provinzarbeit der Judenstaatspartei. Halb 3 Uhr nachmittags: Generaldebatte, Anträge, Resolutionen, Schluß. Die Judenstaatspartei /veranstaltet zum Provinztag eine Autabusgesellschaftsreise. Preis zirka S 20.—. Ammeidungen täglich von 7 bis 9 Uhr abends im Sekretariat, I., Werdertorgasse 14. Das Provinzsekretariat ist in der Lage, billige Quartiere zu verschaffen. Auskünfte und Anmeldungen: Dr. Felix Klug, Graz, Murgasse 14, Veranstaltungskalender: Sektion XIV/XV: Sonntag, den 20. ds., um 7 Uhi? abends im Helm, XV., Schanzstraße 32, Große Simchath- Thorafeier. — Jugendgruppo dejr Judenstaatspartet, Sektion II: Sonntag, den 20. ds., findet in unserem Heim, I., Werdertorgass© 14, eine große Simchath-Thorafeler unter Mitwirkung erstklassiger Kunstkräfte statt. Anschließend Tanz. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. Montag, den 21. dV, 8 Uhr abends, im Saale der Gastwirtschaft Matthlas Schuster, X., Viktor-Adler-Platz Nr. 13, großer, frei zugänglicher Vortragsabend. Thema: „Der 19. Zlonistenkongreß und der Wog der Judenstaatspartei". Referenten: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Sal, Wolf, Fritz Richter. Mittwoch, den 33. ds., halb 9 Uhr abends, Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Vortrag Dr. Salomon Wolf: „Völkerbund, Abessinien und Palästina", * Die Organisation judenstaatlerischer Frauen „De. borah" spricht ihrer verdienstvollen Vizepräsidentin, Frau Fanny Katz, die durch das Ableben ihres Vaters einsn schweren Verlust erlitten hat, ihr tiefstes Beileid aus, Die Judenstaatspartei Oesterreichs kondoliert ihren Parteiratsmitgliedera Frau Fanny und Herrn Julius Katz, die durch den Tod ihres Vaters, bzw. Schwiegervaters, des Herrn Osias Knoll, einen schweren Verlust erlitten haben* Stuhlverstopfung. Gutachten von Krankenhäuser» bezeugen, daß das natürliche „Franz-Josef"-BitterwasMf selbst von Bettlägerigen gern genommen und sehr bje% fcämmlich gefömjfiö 3£ir& Er

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