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Die neue Welt · 1935-10-18 · Heft 505 (18.10.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 505 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELL Nr. 505 1 SCHULBÜCHER ■■■■I I ü r ■■■MMI Volks-, Haupt- und Mittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen — in der Buchhandlung" N. Rath, Wien II. Taborstr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen! zu zweifeln, daß mir jemand auf sie eine beruhigende Antwort geben wird, weil ich, erfüllt von tiefer Unruhe, vor dem Jischuw und seinen führenden Faktoren die aktuellen Probleme der Sicherheit in ihrer ganzen Schärfe ausbreiten will. Eine Gemeinschaft von 400.000 Juden mit ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Interessen im Land darf sich nicht auf Zufälle und Wunder verlassen. Sie muß rechtzeitig auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. An erster Stelle steht die Sorge um die Sicherheit im vollen und allseitigen Sinn des Wortes. Die führenden und verantwortlichen Instanzen der zionistischen Organisation im Jischuw haben sich über diesen Zustand Rechenschaft abzulegen. Die Ereignisse dürfen uns nicht unvorbereitet antreffen, wie dies schon oft und besonders im Jahre 1929 der Fall gewesen ist. Es gibt Fragen, die nur wir selbst mit unseren eigenen Kräften zu lösen vermögen. Aber in zahlreichen Dingen gibt es keinen andern Weg als das Kooperieren mit der Palästina-Regierung, welche rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht werden muß, daß das Land nicht genügend geschützt ist, daß es gewisse Reserven benötigt, vor allem Lebensmittelreserven, wie auch entsprechende Maßnahmen, welche verhüten sollen, daß im Fall einer Krise die junge jüdische Industrie und Landwirtschaft erstickt werde. Beu&iaH Imkia - $&tmmkf Pensionspreis bei M i n d e s t au f en th al t von 3 Tagen S 10.- inklusive Abgaben . Es ist beispielsweise leichtsinnig, daß die Bevölkerung von Palästina, eines Landes, das so sehr exponiert ist, keine Ahnung vom Schutz gegen Gasangriffe h a t. Es ist unverzeihlich, daß die Bevölkerung selbst, wie es jetzt in der ganzen Welt geschieht, nicht aufgeklärt wird, wie sie sich im Fall von Luftangriffen zu schützen hat. Es wird vielleicht wieder ein Lächeln auf den Lippen der superklugen Zyniker hervorrufen, wenn ich sagen werde, daß es z. B. ein Verbrechen ist, jetzt Häuser ohne Keller zu bauen. In anderen Ländern sind alle Keller bei der Polizei registriert. Man weiß auch, daß in London hunderte Meilen glänzend geschützter Untergrundbahnen ausgebaut sind, die als Zufluchtsort im Fall von Luftangriffen benützt werden können. Es ist ein alter Spruch: Schütz' dich selbst, dann schützt dich Gott. Und Palästina gehört sicherlich nicht zu den Ländern, die außerhalb jeder Gefahr irgendwelcher verderblicher Ueberfälle stehen. Wer — frage ich — denkt darüber nach und macht man sich überhaupt darüber Gedanken? Gerade jetzt darf man die Augen vor den innerjüdischen beklagenswerten Problemen nicht verschließen. Es ist kein Geheimnis, daß man von Einheit und Geschlossenheit weit entfernt ist. Jede Gruppe hält sich für selbständig und handelt nach Belieben. Mangel an nationaler Disziplin hat man zum Rang von Heldentum erhoben. Alles ist erlaubt! Sogar wenn es sich um Konferenzen und Erklärungen in ruhigen Tagen handelt, ist dies eine arge Gefahr. Wenn es sich aber um Lebensfragen handelt, zumal in solch schwerem Moment wie dem jetzigen, müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um für gewisse Schritte eine einheitliche Linie zu schaffen. Sie werden esniebereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA- Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sieh am oesten gegen alle Unbill des Wetters und des Alters. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Auch in der vitalen Frage, die sich auf unsere Verteidigung gegen Ueberraschungen bezieht, fehlt die Einheitlichkeit. Mehr noch: Es besteht nicht der mindeste Kontakt zwischen den verschiedenen Faktoren, die sich mit diesen Problemen zu beschäftigen haben. Jetzt ist die Z e it gekommen, die Fehler von gestern gutzumachen. Unter allen Umständen muß dahin gewirkt werden, daß jene, welche die politische Verantwortung für den Jischuw tragen, nücht mit übereinancfergelegten Händen dasitzen. Es ist ihre Pflicht, die Initiative auf sich zu nehmen. Zu handeln! Nicht passiv auf die weitere Entwicklung der Dinge zu warten. Unsere wirklichen Kräfte im Land müssen gesammelt und organisiert werden. Man darf nicht mit Unsicherem operieren. Langsamkeit in solchen Zeiten kommt sehr teuer zu stehen. Jeder muß mit allen Eventualitäten rechnen — sogar wenn man den Glauben hat, daß der Sturm sich bald legen und uns nicht streifen wird. Man hat in Luzern beschlossen, einen Obersten Wirtschaftsrat zu schaffen. Er muß unverzüglich ins Leben gerufen werden. Seine Basis muß breit sein. Nur nicht kleinlich und engherzig sein! Lieber mehr Vertreter schaffen und sicher sein, daß man alle Faktoren herangezogen hat. Gerade jetzt ist die Zeit, zu handeln, da! ■■■■■■■■■■■■MMaHHHBHBMMHaHMHMHMHMHMaMMHMMH Bei Verdauungsschwäche, Blutarmut, Abmagerung, Bleichsucht, Drüsenerkrankungen, Hautausschlägen, Furunkeln regelt das ntaürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser vortrefflich die so wichtige Darmtätigkeit. Die letzten stürmischen Wochen haben wieder einmal bewiesen, daß wir solch eine höchste autoritative Institution benötigen. Man darf sich jetzt nicht auf das „freie Spiel der Kräfte und Ereignisse" verlassen. # Unsere junge Gemeinschaft sieht sich vor eine schwere historische Frage gestellt. Wir sind einfach: jüdische Bewohner eines Landes, das Palästina heißt, ein Haufen von Menschen ohne > einen eigenen, organisierten, zielbewußten Willen oder einen halbst a'a tlichen Organismus, der seinen wohlbedachten Weg geht. Der Jischuw muß zu fühlen beginnen,-daß er ein Volk ist, das auf seiner eigenen Scholle s i t zt und weiß, wie und w a ri n es siezuverteidigenhat. Die jüdischen Nerven sind müd und krank. Sie können nur dann gesund und stark werden, wenn die Juden daran gewöhnt, werden, der Wirklichkeit unerschrocken in die Augen zu sehen. Man muß die Dinge beim richtigen Namen nennen. Jeder möge sich fragen: Sind wir vorbereitet? Ich zweifle daran. Aus HiilerffDeulsdiland Aus Düsseldorf: Sämtliche hiesigen jüdischen Detailgeschäfte, etwa 300 an der Zahl, erhielten Mitteilungen ihrer Banken, daß ihnen die Kredite entzogen werden. Viele Geschäftsinhaber haben bereits ihre Geschäfte zum Verkauf ausgeboten. Man erwartet, daß die große Mehrzahl der jüdischen Geschäfte in Düsseldorf entweder liquidieren oder in arische Hände übergehen werde. 1 Aus München: In Stadt und Kreis G u n z.e,nhausen in Bayern ist durch öffentliche Bekanntmachungen den Juden verboten worden, an Sonntagen sich auf den Straßen zu zeigen; sie dürfen öffentliche Institutionen, wie Museen usw., nicht betreten, sogar Friedhöfe dürfen sie nicht besuchen. Die Juden dürfen auch keinen Grundbesitz erwerben oder pachten, auch die Autowege nicht benützen. Andererseits wird die Bevölkerung, besonders die Jugend, ersucht* die Juden an Sabbattagen auf dem Wege zur Synagoge nicht, zu belästigen. Aus Frankfurt: Aus allen Teilen-des Reiches treffen Nachrichten ein, die von einer Verschärfung der Terrorwelle gegen die Juden sprechen. Wie die. „Frankfurter Zeitung" mitteilt, hat die Gemeinde Horrweiler im Kreise Bingen den Erwerb von Grundstücken durch Juden und den'Zuzug voh Juden ver-' boten. Allen Beamten, Angestellten und Arbeitern der1 Gemeinde, den Vorständen der Vereine und den Unterstützungsempfängern ist der' gesellschaftliche und freundschaftliche Verkehr mit Juden verboten. Die Gemeindewaage ist für Juden gesperrt worden. Au.f sämtlichen Straßen und Plätzen ist das Aufstellen jüdis'cher Autos verboten. ■ Aus Saarbrücken: Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, befaßte sich Reichsinnenministei" Dr. Wilhelm Fr ick bei einer großen Kundgebung in' Saarbrücken mit den in Nürnberg erlassenen Gesetzen und kündigte dabei an, daß' in kürzester Zeit die AusfUhrungsbestimmungen zu denselben erlassen werden, Man, werde durch eine gesetzliche Regelung eine E i nsehränkung der wirtschaftlichen Betä t'i- ' gung der Juden durchführen, um damit allen Elrizel-" aktionen vorzubeugen. ... Aus Koblenz: Das „Nationalblatt'.'.,in Koblenz." meldet, daß in Halsenbach nach einem Beschluß des Gemeindebürgermeisters künftig die Blirgcrr e c h t e'- an Personen, die mit Juden gesellschaftlichen oder garnoch geschäftlichen Verkehr .unterhalten, nicht mehr, verliehen; werden. Bürgern kann, wenn ihnen ein, solches „verräterisches Treiben" nachgewiesen wird, das Bürgerrecht entzogen werden. Im gleichen Beschluß ist auch festgelegt worden, daß >,Judenknechte von der Gemeinde keine Aufträge" mehr erhalten, können.. Aus Frankfurt: Die Handwerkskammer von Oberbayern, die laut „Frankfurter Zeitung" es schon bisher abgelehnt hat, Lehrverträ'ge mit N i c h tariern zu genehmigen, gibt bekannt, daß 8ie vom kommenden Früh-jahr an Lehrverträ^e grundaätz- ' I JUDENSTAATSJUGEND - SEKTION LEOPOLDSTADT Sonntag, den 26. Oktober, um 8 Uhr abends im H Zentralheim, I, Werdertorgasse 14 H Gisse Simchath-Thorafeier Reichhaltiges Programm — Erstklassige Jazz Qäste willkommen 1 lieh nur dann genehmigen werde, wenn der Lehrling der Hitlerjugend, bzw. das Lehrmädchen dem B. d. M. angehört. Aus Nürnberg: In bayrischen Städten weigern sich Banken, auf jüdische Personen oder jüdische Firmen ausgestellte Schecks zu honorieren, und begründen diese ihre Weigerung damit, es sei Pflicht der Banken, die Begünstigung jüdischer Geschäfte zu verhindern und den Geschäftsverkehr mit Juden nicht zu ermutigen. Aus Weimar: Die staatliche Schulbehörde Thüringens gi'bt bekannt, daß es für sie schwer sein wird, der Vorschrift des neuen Schulgesetzes, eigene Staatsschulen für nichtarische Kinder in Orten, wo es mindestens 20 solcher Kinder im Schulalter gibt, zu errichten, zu entsprechen. In ganz Thüringen gibt es 214 jüdische Kinder im Schulalter, nur in vier Orten erreicht ihre Zahl die Ziffer 20. Aus Berlin: Eine Anzahl Berliner S i e dlungs- und Heimstättengesellschaften hat jüdisch en Bewohnern die Kleinwohnungen zum nächsten Termin gekündigt. An den Häusern der Heimstätten-Primus G. m. b. H. sind Plakate folgenden Wortlauts angebracht worden: „An Juden werden keine Wohnungen vermietet." Aus Hamburg: Auf einer Konferenz von Nazi- Juristen erklärte der Präsident des Hanseatischen Obersten Gerichts, Dr. Rothenberger: In Zukunft wird sich das gesamte deutsche Recht ausschließlich auf das Rassenprinzip stützen. Die Grundlagen der deutschen Jurisprudenz werden sein: das Programm der NSDAP., Hitlers „Mein Kampf" und Hitlers Reden. Aus München: Die in Ludwigshafen erscheinende „Neue Abendzeitung" meldet aus Alzey: „Innerhalb weniger Tage sind hier drei Judengeschäfte in deutsche Hände übergegangen. Die Firma Moses Levi hat die Firma Sauer erworben, das Liebmannsche Konfektionshaus ist von Kaufmann Holstermann gekauft worden und das Porzellangeschäft von S. Neu ging ebenfalls in andere Hände Uber." Aus Warschau (J. T. A.): Seit Verkündung der Nürnberger Gesetze macht sich in ganz Deutschland, wie hierher gemeldet wird, ein neuartiger Judenboykott -bemerkbar: A r i s che Mieter kündigen massenhaft ihre in Häusern jüdischer Besitzer innegehabten Wohnungen, um nicht des „geschäftlichen Verkehrs mit Juden" bezichtigt zu werden, was besonders für Beamte von nachteiligen Folgen begleitet ist. Diesen Zustand nützen deutsche Firmen aus, die jüdischen Häuser zu Spottpreisen aufzukaufen. Auch nach Warschau kämen Agenten solcher Firmen, um Juden, die Häuser in Deutschland besitzen, zu veranlassen, ihre infolge des Boykotts entwerteten Häuser billig abzugeben. Aus Köln: Hier wurden der jüdische Kaufmann Max W o 1 f f zu zwei Wochen, sein Sohn zu drei Monaten, seine Frau aber zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem ein Nachbar die Frau beschuldigt hatte, sie hätte Exemplare des „Völkischen Beobachte r", die in seinen Briefkasten eingeworfen wurden, beschädigt, wobei ihr ihr Sohn und ihr Mann behilflich waren. Der Laden der Familie Wolff wurde auf behördlichen Befehl geschlossen. — Der Jude Gustav Fabian wurde wegen „Rassenschande" zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Aus Berlin: Entgegen dem ausdrücklichen Willen des verstorbenen Präsidenten Hindenburg, der kurz vor seinem Tode das Kriegsehrenkreuz geschaffen und bestimmt hat, daß alle Teilnehmer am Weltkriege auf deutscher Seite ohne Unterschied der Rasse , und der Religion dieses Erinnerungszeichen erhalten sollen, wird das Kriegsehrenkreuz jetzt an Juden nicht mehr verliehen. Die nationalsozialistischen Zeitungen teilen mit, daß ein ehemaliger jüdischer Frontsoldat in; Gießen die „Frechheit hatte, sich um das Kriegsehrenkreuz zu bewerben", daß aber seine Bewerbung zurückgewiesen wurde. WIEN-HAIFA 195.- Bahnfahrt, Schiffahrt mit Bett und Verpflegung Reise-Auskünfte, Schiffskarten nach Palästina, Aegypten uud Syrien zu besonders ermäßigten Preisen Reisebüro: WIENER REISEKLUB AUSTROLLOYD ■I, Weihburggasse 27. Tel. R-?8-0-69 Werdet Mltßlieder! Kino und Theater für Juden gesperrt Aus Berlin: Die "Kieler Lichtspieltheater haben im Verein mit der Gaubetriebsgemeinschaft 13, ,/Froie Berufe", der D. A. F. den Beschluß gefaßt, Juden den Besuch ihrer Theater nicht mehr zu gestatten. Ferner hat die Gencralintendanz der Städtischen Theater am Eingang des Stadtjtheaters eine Bekanntmachung anbringen lassen, wonach der Besuch des Theaters durch Juden unerwünscht soi. Gegen die Antisemiten in Paris Aus Paris: Jüdische Persönlichkeiten und Organisationen in Paris nahen beim Innenminister und dem Pol i z e i p r äf e k't e n Beschwerde gegen sich wiederholende Angriffe der antisemitischen Organisation ,,S o 1 i d a r i t 6 Franqaise" auf Juden in Pariser jüdischen Wohn/vierteln erhoben. Wie die J. T. A. erfährt, wurde den Beschwerdeführenden, mitgeteilt, daß die Polizei strengste Maßnahmen gegen eine Wiederholung der antisemitischen Ausschreitungen getroffen hat. BegeiHtert sind alle von den vielen Vorzügen der seit Jahrzehnten bewährten und beliebten „Reich"-Dauerbrandöfen. ,,Reich"-Dauerbrandöfen sind für Inland- und Steinkohle, Koks und Anthrazit geeignet und erzielen eine enorme Ersparnis an Heizmaterial. MReich''-Dauerbrand" Öfen sind in jeder Größe, Farbe und Aufführung zu habenl IV., Preftgasse 28, und I., P*rkrlng 12. 8

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