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Die neue Welt · 1935-10-15 · Heft 504 (15.10.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 504 (15.10.1935)
Date
1935-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 504 SCHULBUCHER I U r Volks-, Haupt- und Nittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen — in der Buchhandlung M. Rath, Wien II, Taborstr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Pr eisen! gen nicht akzeptiert werden, ändert sich das Antlitz des Heiligen Landes ununterbrochen." Wenn man in Betracht zieht, daß das Regierungsblatt, welches den Parlaments-Plan immer eifrig verfochten hat, gerade jetzt auf die „Unhaltbarkeit" des politischen Zustandes in Palästina verweist, so ist das wenig beruhigend. Auch der Umstand, daß im Kclonialministerium mit streng nationalistischen Araberführern über den Parlaments-Plan verhandelt wird, und dazu in einer Art, welche diese „befriedigt", ist kein Anlaß zu Sorglosigkeit. Ilm den Abe§$HiBenkg*ieg Arabische Agitation In der Jerusalemer arabischen Tageszeitung „Fafestin" erschienenen Artikel wird der Versuch unternommen, den italienisch-abessinischen Krieg für die a n t izionistische Propaganda auszuwerten. Das Blatt schreibt, daß die entschlossene Haltung der Mächte in Genf zugunsten Abessiniens den Arabern ein Beweis dafür sein sollte, daß sie sich im Kampf gegen den Zionismus des Völkerbundes bedienen können. Die palästinensischen Araber werden aufgefordert, eine Aktion, und zwar insbesondere in der Türkei, in Persien und im Irak, zur Unterstützung des Kampfes gegen jüdische Einwanderung nach Palästina zu unternehmen. Diese Mächte würden , sich bestimmt im Namen der vierhundert Millionen Mohammedaner der Welt für die Araber Palästinas einsetzen. Die vom früheren arabischen Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibi geführte „Partei für nationale Einheit" hat allen anderen arabischen Parteien Palästinas, Transjordaniens und S yr i e n s vorgeschlagen, angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage sich zu verständigen und einen arabischen Kongreß einzuberufen. Der Kongreß soll es sich zur Aufgabe machen, die Selbständigkeit der drei arabischen Länder zu erringen. Die erste Meldung über arabische Einigungspläne im Zusammenhang mit der internationalen Lage hat die führende deutsche Hitler-Presse, voran der „Völkische Beobachter", gebracht. In den Orientländern sind die Beziehungen zwischen deutschen Nationalsozialisten und arabischen Nationalisten kein Geheimnis, und man nimmt an, daß die neuen arabischen Aktionen zu einem gewissen Teil von deutscher Seite beeinflußt sind. FABRIK LUMAG? A B R I K Kinderwagenverkauf: von s 35-— VII, Neubaugaita 21 / I, Tuehlaubenhof 7 X, LaxenburgerstraBe 82 / XX, Jägerstrafla 41 Fahrrad Fabrik: Vll, Burggaste 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! Em neues WeltkongreßsProjekt? Aus Amsterdam: Die hiesige Ortsgruppe der Alliance Israßlite Universelle richtete an die Pariser Zentrale der Alliance den Antrag, für Ende des Jahres 1935 einen Weltkongreß zur Abwehr der Judenverfolgungen nach Amsterdam einzuberufen. Amsterdam wird als besonders geeignet bezeichnet, weil das 300jährige Bestehen der Aschkenasisch-Jüdischen Gemeinde in Holland Zeugnis ablegt für den Geist der Toleranz in den Niederlanden. Das Jahresende ist günstig, weil um die Weihnachtszeit eine gewisse Friedensatmosphäre in der Welt herrscht. Die Amsterdamer Ortsgruppe bereitet auch eine Weltpetition an den Völkerbund gegen die Judenverfolgungen in Deutschland und gegen die Verbreitung der antisemitischen Seuche in allen Ländern durch deutsche Agenten und Spione vor. Das Projekt ist ein neuerlicher Beweis der Zerfahrenheit und Ratlosigkeit und ist zum Scheitern verurteilt. Seit mehr als vier Jahren gibt es eine Weltexekutive für den jüdischen Weltkongreß und unzählige Versuche wurden von wirklich berufener Seite unternommen, den Widerstand der Weltjudenheit zu organisieren. Wenn bis jetzt die Sache nicht gelungen ist, so trägt die Alliance Israelite einen Teil der Schuld. Die Alliance hat bis jetzt brüsk die Notwendigkeit eines Weltkongresses bestritten und ihre Teilnahme an einem solchen abgelehnt. Jetzt scheint in ihren Kreisen die Einsicht zu dämmern. Aber statt Einkehr zu halten und mitzutun, geht man her und will einen „Konkurrenz- Kongreß" veranstalten. Dabei kann nichts herauskommen. Jüdi'sdie Frontkämpfer Brief aus Berlin Wien—Haifa S 195.— inkl. Bahnfahrt, Schiffahrt mit Bett und Verpflegung. Anmeldungen im Wiener Eelseklub — Austrolloyd, I., Mfeihburggaase 27, E Den Berliner jüdischen Notaren, welche als ehemalige Frontkämpfer ihrem Beruf noch nachgehen konnten, ist jetzt in den jüdischen Feiertagen ein Rundschreiben des Berliner Landesgerichtspräsidiums zugekommen, in welchem nütgeteilt wird, daß über Anordnung des Reichsministers für Justiz sämtlichen jüdischen Notaren die Ausübung ihres Beruf es mit sofortiger Wirksamkeit untersagt wird. Innerhalb einer Woche haben die betroffenen Notare alle Behelfe für ihre bisherige Tätigkeit, wie Siegel, Urkundenregister, Urkunden und so weiter an das zuständige Amtsgericht abzuliefern. In Berlin allein sind hiedurch viele Hunderte Rechtsanwälte, welche als ehemalige Frontkämpfer den Beruf als Notare ausüben konnten, ihrer Existenzgrundlage beraubt. Hiezu kommt noch, daß in der nationalsozialistischen Presse ein Gesetz angekündigt wird, welches allen jüdischen Rechtsanwälten und den wenigen jüdischen Richtern, die als Frontkämpfer an untergeordneten Stellen noch Dienst versehen, das Betreten von Gerichts- und Amtsgebäuden verbietet. Damit ist eine der letzten Illusionen zu Ende. Der Gedanke, daß jüdische Frontkämpfer auf Grund ihrer Leistungen bei der Verteidigung des Vaterlandes eine bessere Wertung und Behandlung zu erwarten haben als die anderen Juden, hat nun auch den Schein der Berechtigung eingebüßt. POLEN Abfahrt17.u.88.0ki Rückfahrt 21. Okt. evtl. auch später NACH Auskunft bei Dr. S. Tocker, IX, Llechtensteinstr. 2 Es ist wohl die bitterste Groteske, daß gerade in der Zeit dieses Erlasses im deutschen Judentum ein Kampf um diese verlorene Illusion, d. h. um das jüdische Frontkämpfertum in vollem Gange ist. Die allgemein-zionistische „Jüdische Rundschau" und der zionistisch-revisionistische „Staatszonist" einerseits und der „Schild", Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten anderseits, streiten wortreich und heftig darum, welche Stellung den jüdischen Frontkämpfern als solchen in der Führung des deutschen Judentums gebührt. Es ist schon einige Jahre her, daß der Reichsbund den Anspruch auf Führung im deutschen Judentum erhob. In der Zeit, da der Niedergang des Liberalismus und der Sozialdemokratie offensichtlich wurde, betonte der Reichsbund diesen Anspruch immer stärker. Der Gedankengang, der hiezu führte, war einfach: Die Parteien und Führer im Reiche stellten sich immer mehr auf den militaristischen Standpunkt. Wehrhaftmachung des deutschen Volkes wird Trumpf, also ist es nur selbstverständlich, daß die Führer und Parteien im deutschen Volke nur jene und gerade jene Juden als Vertreter achten und als Verhandlungspartner anerkennen werden, welche den Gedanken der nationalen Wehrhaftigkeit repräsentieren. Und das sind einzig und allein die ehemaligen jüdischen Frontkämpfer. Es ist daher am besten, wenn die jüdischen Frontkämpfer in den Vordergrund treten. Eine weitere Stärkung seines Standpunktes erblickte . der Reichsbund n ach der Machtergreifung Hitters in dem berühmten „Gesetz über das Berufsbeamtentum". Das Gesetz hat die Entfernung der Juden aus allen Aemtern und aus allen Berufen, welche mit dem staatlichen und öffentlichen Leben in irgend einem Zusammenhange stehen, dekretiert. Nur eine Ausnahme wurde gemacht: Die ehemaligen jüdischen Frontkämpfer bleiben in Amt, Beruf undWürde! Die zionistischen Kreise in Deutschland nahmen von Anfang an gegenüber dem Anspruch des Reichsbundes auf Bevorrechtung eine ablehnende Haltung ein. Während die Kreise um den liberalen Zentralverein und die trennungsorthodoxe Agudah eine mehr abwartende Stellung bezogen, vertraten die Zionisten vom jüdischnationalen Standpunkt her die Auffassung, daß es keine „privilegierten" Juden gibt und jedes Herausstreichen besonderer Leistungen gewisser jüdischer Gruppen gegenüber anderen Gruppen nutzlos und schädlich ist und mit dem Gebot nationaler jüdischer Solidarität schließlich in Widerspruch geraten muß. Auch wenn es sich um jüdische Leistungen auf dem Schlachtfelde handelt. Die Folge dieser Auseinandersetzungen war, daß zwischen dem organisierten jüdischen Frontkämpfertum einerseits und den zionistischen Organisationen im Reiche anderseits ein Gegensatz entstand, der eigentlich sachlich und programmatisch völlig unbegründet ist. Es gibt wohl nichts, woraus man herleiten könnte, daß Frontkämpfertum und Zionismus einander ausschließen. Aber der Widerstreit ist da und ein Vorfall in den letzten Tagen beweist, wie leidenschaftlich er geworden ist. Die bittere Not hat wieder einmal die sonst ziemlich untätige „Reichsvertretung der Juden 1 Deutschlands" veranlaßt, mit einem Aufruf zur Einigkeit an die Juden heranzutreten. In diesem Aufruf ist auch von der Auswanderung nach Palästina und vom zionistischen Aufbauwerke die Rede. Ganz selbstverständlich, denn der verbissenste Gegner des Zionismus in Deutschland hat erkannt, daß heute Auswanderung, und vor allem Auswanderung nach Palästina, die einzige Chance ist. Der Aufruf schließt dementsprechend mit der Aufforderung an die Judengemeinden und Organisationen, das zionistische Aufbauwerk in Palästina zu fördern. Da erhebt der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der übrigens selbst in der Reichs Vertretung sitzt, seine Stimme und sagt nein! Er will auch in Fragen des jüdischen Palästina nicht mit den Zionisten gehen. Da aber auch er nicht leugnen kann, daß heute das ganze jüdische Deutschland sehnsüchtig nach Palästina blickt, erklärt er, sich in Fragen des Palästinawerkes der Trennungs-Orthodoxie, der „A g udah", zu unterstellen. Weil nämlich auch diese ein Zusammengehen mit Zionisten abgelehnt und ein eigenes Palästinawerk geschaffen hat, das in Wirklichkeit von minimaler Bedeutung ist. Der Reichsbund der jüdischen Frontsoldaten hat nie mit Orthodoxie etwas zu tun gehabt. Seine Führer und Mitglieder gehören vorwiegend jenen Kreisen an, die längst von jüdischen Traditionswerten losgelöst sind, und gar von jenen, welche den Anschauungen der Agudah entsprechen. Aber um nur nicht mit den Zionisten einen Schritt gehen zu müssen, verschreiben sie sich der Agudah. Die Nürnberger Judengesetze sind gekommen, in welchen von jüdischen Frontkämpfern nicht mehr die, Rede ist und welche dem Juden das primitivste Büngerrecht absprechen, auch wenn er auf hundert Schlachtfeldern geblutet hat. Man jagt jetzt den jüdischen Frontkämpfer aus Aemtern, Gerichten und Kanzleien glatt hinaus. Für die Machthaber gibt es kein jüdisches Frontkämpfertum mehr. Afber die Juden Deutschlands streiten weiter um das Frontkämpfertum, Urfeil im PogroimProzeß Aus Warschau: Das hiesige Kreisgericht hat Wegen Teilnahme am Morde an Jecheskiel Delman am 8. Juni Wladislaw Borosz, Jan Lewinski, Henryk; Majewski und Felix Kuszewski zu je 3V2 Jahren Kerker verurteilt. Wegen Ueberfalls auf friedliche Passanten, wegen Demolierung von Wohnungen, Geschäftslokalen und des Lokals der J.-L.-Perez-BibliotheK wurden sieben Angeklagte zu je zwei Jahren Kerkers veri urteilt. Elf wurden freigesprochen« In der Begründung des [Urteils heißt es: Diel traurigen Geschehnisse waren das Resultat der Vej> breitung falscher Gerüchte, daß Juden zwei Christen umgebracht hätten, und daß ein 65jähriger Jude ein; christliches Kind geschändet hätte. Diese Ge* rüchte hatten keinerlei Grundlage, ebensowenig das Ge-* rücht, daß die Juden eine christliche religiöse Prozession gestört hätten. Das Gericht sah als mildernd an, daß die Angeklagten einer niederen Sphäre an« gehören und aufreizenden Gerüchten leicht zugäng« lieh sind. KINO-PROGRAMME IfDEIIT-lfliiO Uraufführung des großen t\KCU& l\ll*W Kriminalfilms 1, Wollzeile 17 VonttlLgen: «. tt«, VaS. ttIO IM lIllIIlLUlMIM ROTENTURM I, Fleischmarkt l Telephon R-29-1-59 Beginn: h, V16, </*S, VO0 Elisabeth Bergner m Ueeteß Htitkkie! SCHWEDEN II, Taborstraße 1 V%k, Va6, Vst8f ValO Telephon A-49-0-60 Kaftherine Hepburn In dem großen Ausstattungs-Film Komödie mim Hieße SCHXFFER VI, Marlahilferstraße 37 Telephon B-20-203 tieginn: Vnk, V»6, 'A10 Nur 3 Tage der wunderbare Film DieiustöfetolUwe ml! MAURICE CHEVALIER und Jeanelle MacDonald STAFA, Vll Mariahilf erstra De 120 Telephon B-38-0-G8 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr NACH DER SCHEIDUNG Eine Frau von 20 Jahren — mit S I LVIA SYDNEY Sonn- und Feiertage: Vtk, Vni, V*8,9 Uhr VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Deginn: *, Vi«, 'A10 Nach der Scheltiuns Eine Frau von 20 Jahren — mit SILVIA SYDNEY

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