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Die neue Welt · 1935-10-11 · Heft 503 (11.10.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 503 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 503 DIE NEUE WELT Seite 5 Ein Symphome*Ordiesfer Es ist noch nicht lang« her. daß Bronislaw H 11 b c r m a n in den Bereich jüdischen Geistes- und Kulturlebens getreten ist. Man kannte den großen Violinvirtuosen auch als Menschen mit weiten politischen Interessen, die allerdings mehr gefühlsmäßig als parteimäßig fundiert waren. Erst zwei tiefgreifende Ereignisse — die persönliche Berührung mit dem neuen jüdischen Menschen in Palästina und der antljüdische Vernichtungsfeldzug in Deutschland — führten ihn von der Peripherie des jüdischen Lebens ins Zentrum des Judentums und weckten die Pläne, die unter seiner genialen Hand zweifellos zur Reife gedeihen werden. Schon im Vorjahre beschäftigte sich Huberman während seiner palästinensischen Tournee mit dem Projekt der Schaffung eines erstklassigen Orchesters in Palästina. Hiefür waren verschiedene Gründe maßgebend: „Eines der Motive ist", erklärte Prof. Huberman dem Wiener Tta-Vertretcr, ,,den hervorragenden jüdischen Kräften, die der Arierparagraph in Deutschland besonders schwer getroffen hat, eine würdige Arbeitsstätte zu verschaffen. Ein zweites Motiv ist durch den unvergeßlichen Eindruck, den ich von dem in Palästina jetzt schon existierenden Publikum habe, hervorgerufen ... Ein weiteres Motiv für meine Pläne ist die Möglichkeit zu unerhörter Propaganda gegen den Antisemitismus einerseits und für Palästina andererseits." Huberman erzählte im weiteren Gespräch vom Talent der Juden für die Organisation der Musik, von den dem jüdischen Volk innewohnenden organisatorischen und pädagogischen Kräften und schließlich von dem eigent liehen Plan: die besten Orchesterkräfte zu einem Kon servatorium ersten Ranges in Tel-Aviv zu vereinigen Das Orchester soll große Theater- und Musik feste veranstalten, ferner sollen klassische und mr "~rne Meisterwerke biblischen Inhalts in ihrem natürlichen historischen Milieu aufgeführt werden. Huberman knüpft hier an die Idee der Schaffung von Festspielen ä la Beyreuth, Salzburg u. a. an. Die Geldmittel werden von Mäzenen in der Galuth und in Palästina (teilweise durch Konzerte selbst) aufgebracht. Zum Schluß seiner Auaführungen entwickelt Huberman das Arbeitsprogram, das künstlerisch und organisatorisch auf gediegener Basis stehen wird. Im Zusammenhang mit Hubermans Plänen wurde *n Tel-Aviv eine Aktion eingeleitet, um die Tätigkeit des palästinensischen Philharmoniker-Orchesters finanziell zu sichern. Dieses Orchester besteht bereits und wird nach dem Projekt Hubermans abgebaut werden. Wenden ein Mann vom künstlerischen und gesellschaftlichen Rang Hubermans die Schaffung des großen Symphonie- Orchesters übernimmt, dann kann mit der restlosen Durchführung dieses für die jüdische Kultur Palästinas so wichtigen Planes gerechnet werden. Nachfolge nadi Oberrabbmer Kook Aus Jerusalem (J. T. A.): In den an der Rabbinatsfrage interessierten Kreisen Palästinas werden drei Kandidaten auf das durch das Ableben von Rabbi Kook freigewordene Amt eines aachkenasischen Oberrabbiners von Palästina genannt: Rabbi Amiel (Antwerpen), Oberrabbiner von Irland Dr. Herzog (Dublin) und Dr. Chaim Tschernowitz, als Schriftsteller unter dem Pseudonym „Raw Zair" bekannt, der jetzt in Amerika lebt. * Anmerkung der Redaktion: Doktor Tschernowitz ist einer der Gründer der Judenstaatspartei in U. S. A. und gehört ihrer Leitung an. WIEN-HAIFA s195.- Bahnfahrt, Schiffahrt mit Bett und Verpflegung Roise-Auskünfte, Schiffskarten nach Palältina, Aegypten uud Syrian zu besonders ermäüigten Preisen ReisebUro: WIENER REISEKLUB AUSTROLLOYD l, Weihburggasse '27. Tel. R-V8«0-C9 Werdet Mitglieder! Falsche tierüdiie über die neue Sdiedule Aus Jerusalem (J. T. A.): Es waren Gerüchte verbreitet, wonach die Jewish Agency die Einwanderungs- Schedule für das nächste Halbjahr bereits erhalten hätte. Es hieß, daß die Zahl der Zertifikate diesmal kleiner sei als im letzten Halbjahr und 5500 bis 6500 betrage. Auf Anfrage der J. T. A. hat der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, Mosche Shertok, erklärt, daß die Gerüchte falsch seien. Die Agency habe die neue Schedulc noch nicht erhalten. Die Verfolgung der „Illegalen" Aus Jerusalem (J. T. A.): Wie die arabische Tageszeitung „Feiestin" mitteilt, hat Polizeiinspektor Hauptmann Rice, der soeben von einem kurzen Aufenthalt im Libanon nach Jerusalem zurückgekehrt ist, seine Reise dazu benutzt, um Maßnahmen anzuordnen, durch die illegale Einwanderung Uber die 1 i b a n e s i s c hpalästinensische Grenze unmöglich gemacht werden soll. Ein syrischer Jude, der ohne Visum nach Palästina gekommen war, ist in Jerusalem verhaftet und zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Deponierung verurteilt worden. Ein Chauffeur, der in seinem Wagen eine jüdische Frau aus dem Irak nach Palästina gebracht hatte, wurde zu fünfzehn Tagen Ge.i fängnis verurteilt. Richter G a ci in Migdal hat fünf Juden aus Polen und Rußland, die illegal nach Palästina gekommen waren, zu je einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Die Kontrolle in den palästinensischen Häfen und die Laborprüfung der Einwanderungspapiere ist jetzt sehr verschärft. Vor kurzem wurden zwei Familien (sechs Personen), die mit der „Jorusalemc" aus Triest, und vier Personen, die mit der „Polonia" aus Konstanza gekommen waren, zur Weiterreise nach Beirut gezwungen. Eimer vierköpfigen Familie aus Bulgarien, die mit der „Burgas" eingetroffen war, wurde die Landung untersagt, weil das Alter des Familienvaters der Angabe auf dem Zertifikat nicht entsprach. Der Vater unternahm daraufhin in einer Kabine einen Selbstmordversuch durch Erhängen. Er konnte im letzten Augenblick gerettet werden und mußte mit seinen Angehörigen die Rückreise nach Bulgarien antreten. Insgesamt ist in der vorigen Woche fünfzig jüdischen Einwanderern die Erlaubnis zum Landen verweigert worden. „Palästina finanziell gesund." — Gegen Kriegspaniii Aus Jerusalem: Der Direktor der Anglo-Palestinc Bank S. H o o f 1 c n hat vor den Vertretern der Presse erklärt, er glaube fest an die gesunde Wirtschaftslage Palästinas und bedauere die jüngste Panik im Zusammenhang mit dem Kriege zwischen Abessinien und Italien. Die überstürzte Behebung der Einlagen aus kleineren Banken hatte zu einer Einschränkung der Kreditgewährung und damit zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit und des Baugewerbes in Palästina geführt. Hoofien versichert der Bevölkerung Palästinas, daß das Finanzsystem des Lartdes gesund sei, denn es ist eng verknüpft mit dem englischen Finanzsystem, das einem Weltkrieg standgehalten hat. Die größten Finanzinstitute des Landes, wie Barclays Bank und die Anglo-Palestine Bank, kamen den kleineren Banken großzügig zu Hilfe und erneuerten die Kredit- Jttdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke Taborstraüe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung Uberallhin. Verzeichnisse kostenlos: / Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 möglichkeiten für Kleinhändler. Ferner habe die Hypothekenbank ihre Darlehen vermehrt, um die Bauätigkeit zu fördern. Sie habe monatlich nicht weniger als 100.000 Pfund Darlehen gewährt. Palästinensischer Aero-KIub „Hagamal Haraeofef" Aus Warschau: Ing. D. Halberstadt ist aus Palästina in Warschau eingetroffen, um für den in Palästina gegründeten Aero-Klub „Hagamal Hameofef" (das fliegende Kamel — bekanntlich zeigen auch einige Palästina-Postmarken das Bild eines fliegenden Kamels) Aeroplane einzukaufen. In der letzten Sitzung der polnisch-palästinensischen Handelskammer berichtete Ing. Halberstadt über die Arbeiten seines Klubs, woraufhin beschlossen wurde, dem Klub eine Subvention von 3000 Zloty zur Verfügung zu stellen und ferner eine Flugsektion bei der Kammer zu schaffen. 60. Geburtstag. Am 11. d. M. feiert Herr Josef Grubner, Papierwarenfabrikant in Wien, Vater unseres Gg. Theodor Grubner, den 60. Geburtstag. Wir gratulieren dem Jubilar, der durch sein wohltätiges, liebenswürdiges Wirken die Wertschätzung vieler erworben hat, herzlichst. iaer läßt sich rasch und gründlich beseitigen, wenn man etwas Chlorodont- Zahnpaste auf die trockene Zahnbürste drückt und damit die Zähne nach allen Seiten, auch auf den Kauflächen, bürstet. So kommt der natürliche Elfenbeinglanz der Zähne wieder zum Vorschein und ein herrliches Gefühl der Frische und Sauberkeit bleibt im Munde zurück. Tube S. -.90. Osferr. Erzeugnis. TiU dU „UafärnaU" Zwei Bilder aus dem Repertoire der Habimali, und zwar aus Richard Beer - Hof manns berühmtem dramatischem Gedicht „Jaakoba Traum". (Edom und Rebekka.) Die „Habimah", das erste hebräische nationale Theater, geht daran, sich in Tel-Aviv ihr Heim zu bauen. Das Bauprojekt (Prof, Kaufmann) liegt fertig vor, der Bauplatz, am Ende des breiten Rothschild-Boulevards, befindet sich bereits im Besitz des Kreises der Freunde der „Habimah", der Grundstein xourde unter Patronan» des Oberkommisärs von Palästina Sir Arthur Wauchope gelegt. Nun ist mau bemüht, die Kosten für diesen repräsentativen Bau aufzubringen. Von der erforderlichen Summe von 40.000 Pfund hat das jüdische Palästina bereits einen Teil aufgebracht. Der Rest soll außerhalb Palästinas durch die Palästina-Komitees der einzelnen Länder aufgebracht werden. •* In Wien sind zurzeit Frau Margot Klaus ne r, die Sekretärin der „Habimah''', und Herr M okadi, der Bühnengestalter, für den genannten Zweck tätig. Das Wiener Initiativkomitee veranstaltete Mittwoch, den 9. Oktober, im Hotel Bristol einen Tee unter dem Ehrenpräsidium des britischen Konsuls in Wien Cptn. J. W. Taylor und unter dem Ehrenschutz des britischen Gesandten Sir W. Selby, der durch den Legationsrat Montagn P ollo c k vertreten wurde. Nach Ansprachen der Herreh Polock und Taylor hielt Frau Margot Klausn e r eine in sachlicher und formeller Hinsicht gediegene Conference, worin sie die Gründe für die singuläre Stellung und Bedeutung der „Habimah" darlegte und die Wiener Freunde der „Habimah" zur Mitarbeit an der Aufbringung des restlichen Batifonds anregte. Die Conference machte auf die anwesenden Gäste, die den künstlerischen, gesellschaftlichen und finanziellen Kreisen Wiens angehörten, tiefen Eindruck. Von Schriftstellern war u. a. Richard B e e?;- H o f m an n erschienen, dessen „Jaakobs Traum'-' sich im Repertoire der „Habimah" befindet und dessen „Jünger David" vorbereitet wird. Dr. David Rothblum dankte den britischen Vertretern und den Gästen für ihr Erscheinen und für die Bereitschaft, die Vorarbeiten für den Bau des Habimah- Hauses zu fördern. Anschließend an den Tee fanden die ersten Zeichnungen für den Habimah-Fonds statt. Das rege Interesse für das nationale Kulturinstitut wird zweifellos den Erfolg des Unternehmens sichern* i

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