Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 503 (11.10.1935)
- Date
- 1935-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i DIE NEUE WELT Nr. 503 5>ie mnerjüdfedie Lage im Drillen Heidt Aus Berlin wird uns berichtet: Auch die über die deutsche Judenschaft hereingebrochene Katastrophe, hat nicht zu einer einheitlichen jüdischen Willensbildung geführt. Der Gegensatz zwischen den national und den assimilatorisch eingestellten Elementen und zwischen Orthodoxen und Liberalen flackert trotz des guten Willens zur Vereinheitlichung immer wieder auf. Die ..Reichsvertretung der deutschen Juder.", welche aus den Vertretern aller Gemeinden gebildet wurde und demzufolge eine ..nichtrationale" Mehrheit aufweist, hat wenig Autorität. Einige Gruppen stehen abseits, andere im offenen Gegensatz zu ihr. Charakteristisch war die vor einigen Tagen abgehaltene Versammlung des national eingestellten „Jüdischen Volksbundes" unter dem Vorsitz des bekannten Zionistenführers Dr. Alfred Klee, auf welcher der frühere Präsident der Berliner Judengemeinde, Direktor Georg Kareski, das Hauptreferat erstattete. Die Versammlung erklärte die ,.Reichsvertretung" in ihrer heutigen Zusammensetzung als unzureichend. Die Versammlung ermächtigte den Volksbund. ..von sich aus unter Heranziehung aller geeigneten Kräfte, insbesondere aller jüdisch-nationalen Kräfte. Wahlen für einen Volksrat der Juden Deutschlands vorzubereiten". Die revisionistische ,,Staatszionistische Organisatio n" erklärt in ihrem Blatte „Staatszionist", daß sie es strikte ablehnt, sich von der ..Reichsvertretung" vertreten zu lassen. Es wird ausgedrückt, daß zur Konstruktion des jüdischen Lebens auf der Basis der jüdisch-nationalen Minderheit eine Körperschaft nicht berufen ist, „deren Mehrheit sich bis vorgestern dieser nationalen Minderheit nicht als zugehörig empfand". Eine freundlichere Haltung zur Reichsvertretung nimmt die „Jüdische Rundschau", das Blatt der Allgemeinen Zionisten, ein. Aber auch sie stellt an die Reichsvertretung die Forderung, den Worten und Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen. Aber auch sie verlangt eine bewußt nationale Einstellung. Nicht darum, weil es andere sagen, sondern aus sich selbst muß das jüdische Volk in Deutschland den Weg zu sich selbst finden und gehen. BILLIGE REISE Abfahrt 17. Okt. Rückfahrt 21. Okt. evtl. auch später Auskunft bei Dr. S. Tocker, IX, Liechtenstelnitr. 2 «■BBaBBBaBBaaHBIHBaBaDHBMMBHMCBaBHHaaBMHflM In einer Versammlung der Allgemeinen Zionisten stellte Rabbiner Dr. I. Prinz einen Fünfjahrplan für die Auswanderung auf. Er machte den Vorschlag einer jährlichen Auswanderung von 15.000 Juden, so daß -m Verlaufe dieser fünf Jahre unter Berücksichtigung des Sterbeüberschusses die Juden in Deutschland um 11 7.5 00 Personen abnehmen und im Jahre 1940 325.000 Seelen zählen würden. Als Forderung der deutschen Zionisten proklamierte Dr. Prinz die Einführung des Fünfzig-Fünfzig-Prinzips zwischen Zionisten und Nichtzionisten für Reichsvertretung, Landesverbände und Gemeinden. Er forderte für den Zionismus die sachliche Führung der Juden Deutschlands und sagte: „Die jüdische Schule wird jüdisch-national sein oder gar nicht!" — Eine Erklärung der Nichtzionisten zu den in der „Jüdischen Rundschau" und in der Versammlung erhobenen zionistischen Forderungen liegt bisher nicht vor. Die Tagung hat folgende Resolution angenommen: Die „Reichsvertretung der Juden in Deutschland" hat eine Kundgebung veröffentlicht, in der sie den Anspruch auf totale Führung der gesamten Judenheit Deutschlands erhebt und das Streben nach Schaffung einer einheitlichen, staatlich anerkannten Zwangsorganisation der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt. Hiezu erklären wir: 1. Die „Unabhängige jüdische Orthodoxie in Deutschland" fordert nach dem Diktat ihres religiösen Gewissens vom jüdischen Gemeinschaftsleben, daß es in all seinen Betätigungen dem Gesetze der T h o r a entspreche. Für sie bedeutet es daher einen unerträglichen Gewiss ensdruck, zwangsweise einer Gemeinschaft einverleibt zu werden, die die Gesetze der Thora nicht als oberste Norm ihrer Verfassung anerkennt. 2. Die Kundgebung der Reichsvertretung trägt nicht nur dem religiösen Standpunkt der unabhängigen jüdischen Beschluß des Theoterdlrektorenverbandes in der Spielzeit 1935/36 werden ermäßigt« Karten ausschließlich durch die Kunststellen abgegeben. Ihre Kunststellenorganisation die Vidiselfjß, JlWfWWW (angeschlossen an die österreichische Kuhststelle), Wien 1, Franz Josefskai 3. R-28-2-86 Melden Sie sofort Ihren Beitritt an! Orthodoxie keinerlei Rechnung, sondern sie verleugnet, darüber hinaus, die zentrale Stellung der jüdischen Religion als konstitutive Grundbedingung allen jüdischen Volkstums. 3. Die unabhängige jüdische Orthodoxie muß daher für sich auf allen Gebieten des religiösen und kulturellen Lebens volle Autonomie in Anspruch nehmen. 4. Die Vorbereitung zur Auswanderung nach Palästina und ihre Bewerkstelligung kann die Unabhängige jüdische Orthodoxie in Deutschland, um des religiösen Aufbaues Palästinas willen, nur Hand in Hand mit der agudistischen Organisation und dem Keren Hajischuw vornehmen. Man ersieht aus all diesen Aeußerungen, daß auch in diesen fürchterlichen Tagen von einer jüdischen Einheit in Deutschland nicht gesprochen werden kann. Von der Judenstaatspartei Die Wcltexckutive der Judenstaatspartei teilt mit. daß das reorganisierte Sekretariat die Arbeit in vollem Umfang aufgenommen hat und bereits mit allen Landeszentralen in engstem Kontakt steht. Das Sekretariat leitet jetzt eine Reihe großzügiger organisatorischer Arbeiten ein. die durch diverse Propagandareisen unterstützt werden. Die Anhänger der Judenstaatspartei in Ländern, in denen es keine Landeszentrale gibt, werden aufgefordert, sich umgehend mit dem Sekretriat in Verbindung zu setzen; insbesondere die Gesinnungsgenossen in Frankreich. Belgien, Schweiz, Bulgarien und Jugoslawien. Die Anschrift lautet: Weltexekutive der Judenstaatspartei, Tel-Aviv, P. O. B. 1236. Aus der Tschechoslowakei: Der Intensiven Arbeit des Barak Ken, Prag, ist es gelungen, in Ceski Budejovice (Budweis) einen neuen Ken, der bereits 25 Mitglieder hat, zu gründen. Auch in anderen Orten wurden Grundlagen zu neuen Ortsgruppen geschaffen. Aus Oesterreich: Nach den Feiertagen wird das Sekretariat der Judenstaatspartei Oesterreichs seine volle Tätigkeit aufnehmen. Sekretariatsstunden täglich (mit Ausnahme von Freitag) von 7 bis 9 Uhr abends im Zentralheim, I„ Werdertorgasse 14. Auch die Arbeit in den Sektionen wird nach den Feiertagen aufgenommen. Judenstaatler, Gesinnungsgenossen, meldet euch zur Arbeit. Wie alljährlich beginnen Ende Oktober eine größere Anzahl von Hebräisch-Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene. Anmeldungen im Sekretariat des Zentralheimes, I., Werdertorgasse. 14. Jugendgruppe der Judenstaatspart e I, Sektion II. Sonntag, den 20. ds., findet in unserem Heime, I., Werdertorgasse 14, eine große Simchath- Thorafei e r unter Mitwirkung erstklassiger Kunstkräfte statt. Anschließend Tanz. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. Das Provinzsekretariat der Judenstaatspartei Oesterreichs (Adresse: Dr. Felix Klug, Graz, Murgasse 14) teilt mit: Am 26. und 27. Oktober findet in Graz der erste Provinztag der Judenstaatspartei Oesterreichs statt. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten haben wir bei den Kongreßwahlen bewiesen, daß der bedeutendere Teil der Judenschaft der österreichischen Provinz hinter uns steht. Dieser Umstand verpflichtet uns, mehr als bisher, den Fragen der österreichischen Provinzjuden größte Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen. So haben wir uns entschlossen, an den oberwähnten beiden Tagen die Vertreter der Judenschaft der österreichischen Provinz, die auf dem Boden des Judenstaatszionismus stehen, nach Graz einzuladen. Wir hoffen, daß sie in großer Zahl unserer Einladung Folge leisten werden. In Kürze wird das genaue Programm bekanntgegeben. bei dar Bücher SchwedenbrQcke! BUCHHANDLUNG SCHNEIDER & CO., WIEN I, Franz-Josefs-Kai 7 Reichste Auswahl neuer Bücher bester Autoren zu billigsten Preisen. Kataloe gratis1 iie l Die Krise Im „Allgemeinen ZionismuM", welche auf der Krukauer Konferenz zur Spaltung in die Gruppen A und B führte und in Luzern durch Bildung der Koalitions- Exekutive kaschiert werden sollte, zieht immer weitere Kreise. Dieser Tage Ist es in Wien zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem der Gruppe B zugehörigen zionistischen „Landesverband" und den zur Gruppe A Ubergegangenen „Radikalen" gekommen. An sich ein Streit, welcher eigentlich nur die beteiligten Parteien angeht. Aber er hat einen Charakter angenommen, welcher das Ansehen des ganzen österreichischen Zionismus gefährdet. Man hat die zionistische Jugend In den Mittelpunkt dieses Parteienkampfes gestellt und noch dazu in einer Form, welche zur Stellungnahme zwingt. In Zeitungen und Zusammenkünften wird von anrüchigen Gebaren mit Palästina-Zertifikaten geschrieben und gesprochen, gegenseitige Beschuldigungen diffamierender Art werden vor der Oef'fentlichkeit erhoben, Polizei wird gerufen, politische Verdächtigungen usw. Und dies alles im Zusammenhange mit der allgemeinzioiiistischen Jugendorganisation und Ihren Führern. Schieds- und Ehrengerichte tagen. Was sie zutage fördern werden, das steht zur Zeit nicht fest. Aber fest steht, daß ohne auf Irgend welche, Partcllnteressen Rücksicht zu nehmen, gegen diese das Ansehen und die Ehre der ganzen zionistischen Bewegung beeinträchtigenden Vorfälle doch Stellung genommen werden muß. Es geht ja um das kostbarste Gut, um die jüdische Jugend. Frauenkrankheiten. Vorstände von Universitäts- Frauenkliniken loben übereinstimmend da3 natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasüer, da es leicht einzunehmen ist und die mild öffnende Wirkung In kurzer Zelt und ohne unangenehme Nebenerscheinungen sicher eintritt, EINZIG IN WIEN!!! 'SSS nur besfe poßform! Alle Artikel In Wäsche und Wirkwaren billigst bei I!f «Bf RABENSTEIG 3 TELEPHON U-20-7-09 HIMMELPFORTGASSE 5 TELEPHON R-25-8-84 KÖLLNERHOFGASSE 1 TELEPHON R-26-8-99 Wir blltsn, sich bei Jedem Einkauf ouf unsor Blall tu berufen Aus Lettland Aua Riga wird gemeldet: Anläßlich des fünfzehnjährigen Jubiläums der Bodenreform in Lettland wird offiziell darauf hingewiesen, daß die Aufteilung des Großgrundbesitzes auch Juden in erheblichem Umfang zugute gekommen ist. Zahlreiche ehemalige jüdische Pächter sind durch die Reform selbständige Landwirte geworden. Ferner wurde aus der Bodenreform freigewordener Grund und Boden für jüdische öffentliche Zwecke zur Verfügung gestellt, z. B. zur Errichtung von Synagogen, Schlachthäusern, Märkten usw. Außerdem haben 300 jüdische Teilnehmer an den Freiheitskämpfen in verschiedenen Teilen des Landes Grund und Boden erhalten. * Die letzte antisemitische Zeitung Lettlands, „V olkswaf f c n", ist verboten worden. Die Zeitung befaßte sich zum großen Teil mit der Wiedergabe von antisemitischen Aufsätzen aus der deutschen Nazipresac. Nach den soeben veröffentlichten Ergebnissen der letzten Volkszählung ist die Zahl der Juden in Lettland von 94.388 im Jahre 1930 auf 93.479 im Jahre 1935 gesunken. Der Rückgang um 909 Seelen in den letzten fünf Jahren wird vor allem auf Abwanderung nach Palästina zurückgeführt. Der lettländische Zweig der revisionistischen Organisation Brith Hachajal (Frontkämpfer und Reservisten) ist behördlich aufgelöst worden. Die Maßnahme wurde damit begründet, daß die Organisation in der letzten Zeit in Lettland nicht mehr aktiv war. Bei Stuhlverhallung, Unterleibsüberfüllung, Hüftennerven weh, Kreuzschrnerzen, Kongestionen, Atemnot, Herzklopfen, Migräne, Ohrensausen, Schwindel, Gemütsverstimmung bewirkt das natürliche „Franz- Josef'-Bittervvasser ausgiebige Darmentleerung, Entgasung des Körpers, freien Kopf und ruhigen Schlaf. Viele jüdische Gemeinden in Italien ohne Rabbiner Aus Rom: Der Oberrabbiner von Florenz Professor S. Artom schied aus dem Amt, um einen Lehrstuhl am italienischen Rabbinerseminar in Rom zu übernehmen. Damit ist die Zahl der verwaisten Rabbinersitze in Italien vermehrt. Die Zeitschrift „I s r a c 1" appelliert an den Verband jüdischer Gemeinden Italiens, sein Augenmerk der geistlichen Betreuung von größeren Gemeinden wie Mailand, Genua und Florenz — von kleineren Gemeinden ganz zu schweigen — zuzuwenden, da von der Lösung der Rabbinatsfrage die Zukunft der jüdischen Gemeinden Italiens weitgehend abhängig sei. Bf DFLIZ-KIMO Urauff ührung des großen Kriminalfilms I, Wollzeile 17 Telephon K-24-2- 16 Votstellungen: k. %6, Vj8, 'A10 ROTENTURM I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 Beginn: 4, V<,6, Vi«, <A10 SCHWEDEN II, Taborstraße 1 Vzk, Vit, V*B, tolO Telephon A-49-0-60 SCH ÄFF^R VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: Va6. 'A3, 'A10 in wl in dem großen Ausstatumj;s-Film j« Neues Prag ramm! STAFÄ, yii MACH DER SCflEIDUMQ Eine Frau von 20 Jahren — mit SILVIA SYDNEY Mariahilferstraße 120 Telephon B-33-0-88 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Sonn- und Feiertage: Vik, 'A4, 'A8, 9 Uhr VOTIVPARK IX, Wührlngerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beclnn: *, %«, %i, V*10 Ruch der SchelM Eine Frau von 20 Jahren — mit SILVIA SYD N EY