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Die neue Welt · 1935-10-11 · Heft 503 (11.10.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 503 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 50» SCHULBÜCHER f U r Volks-, Haupt- und Mittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen — in der Buchhandlung N. Rath, Wien II, Taborsfr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen! wonach Im Wirtschaftsleben Palästinas im Zusammenhang mit dem itahenisch-abessinischen Krieg Kuhe herrscht, ja sogar eine gewissew i r t s c h a f 11 i c h e Belobung zu merken ist. Einige Fabriken haben von Italien, andere von Abessinien Aufträge erhalten. So hat unter anderem die Fabrik Essim van der abessinischen Regierung eine Bestellung im Werte von 8000 Tdmd, eine Fabrik für Ledervcrarbeitung einen Lieferungsauftrag von der italienischen Regierung in der Höhe von 30.000 Pfund erhalten. * Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter", der mit den Kreisen nationalistischer Araber in Palästina eine gute Verbindung unterhalt, meldet aus Jerusalem, daß die Araber, die durch den italienisch-abessinischen Krieg geschaffene Lage zur Organisierung einer Bewegung für ein „a r a b i s c Ii e s Palästina" ausnützen wollen. An die Mandatarmacht stellen die Araber das Verlangen, die jüdische Einwanderung nach Palästina sofort zu stoppe n. Laut dem „Völkischen Beobachter" werden in ganz Palästina arabische Massenversammlungen vorbereitet, in denen die maßgebenden arabischen Politiker zur Lage im obigen Sinne Stellung nehmen werden. Die arabische Presse führe schon heute gegenüber der britischen Regierung eine scharfe Sprache und schrecke nicht vor Drohungen zurück. mmm^ammmmmmmmmmaagaammmammemmamsin iiimmw——b—— Uenshn tt&st&ifo - Semmezikf Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen S 10.— inklusive Abgaben NotsftandsäktBon der Uuhuss Im Bewußtsein der schweren Verantwortung für die ungeschmälerte Erfüllung der Aufgaben der Kultusgemeinde wird sich der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien in den nächsten Tagen an die Mitglieder der Kultusgemeinde mit der Bitte um Beistand und Hilfe wenden. Allgemein bekannt sind die Schwierigkeiten, unter denen die erwerbenden Schichten der Wiener Judenschaft ausnahmslos leiden, niemand weiß aber aus so unmittc;!. barer Anschauung wie der Vorstand, in welch er3chrekkendem Maße die bis zum Hunger und zur Obdachlosigkeit gesteigerte Verelendung der aus dem Erwerbsleben ausgeschalteten Juden gewachsen ist und wie sehr die Not jetzt auch unter den Angehörigen des Mittelstandes um sich greift. Dieses Wissen um die Not zwingt den Vorstand, ungeachtet aller Schwere der Erwerbsverhältnisso wieder an die Opferwilligkeit der Gcmeindemdtglieder zu appellieren. Trotz größtmöglicher Einschränkung aller Ausgaben decken die ordentlichen Einnahmen bestenfalls die normalen Gemeindeerfordernisse, von denen schon nahezu die Hälfte Fürsorgezwecken dient; aber fast völlig fehlen der Gemeinde die Mittel für die angesichts des wachsenden jüdischen Elends unabweislichc außerordentliche Winterhilfsaktion, für die erhöhte Hilfeleistung an die unter nernen Verfolgungen leidenden, zu uns geflüchteten unglücklichen deutschen Juden, für den Ausbau der Arbeitsvermittlung und die Umschichtung der über» aus zahlreichen Arbeits- und Erwerbslosen, für die Stützung der in schwerster Bedrängnis lebenden Inte Ilektuellen und K iinstlc r, und nicht zuletzt für eine ausreichende Hilfeleistung an die Kranken und Alten, für die auch durch die jüngst erfolgte Erweiterung des jüdischen Altersheimes noch lang» nicht genügend gesorgt ist. Der Kultusvorstand, dem angesichts dieser Verhältnisse das gesetzliche und statutarische Recht zustünde, mit einer generellen Erhöhung der Kultussteue(r. sätze vorzugehen, will jeden Zwang vermeiden, weil er überzeugt ist, daß seiner Bitte um freiwillige Hilfe von der Wiener Judenschaft — wie immer bisher — auch diesmal volles Verständnis entgegengebracht werden wird. Um eine gleichmäßige Grundlage für diese freiwilligen Zuwendungen zu schaffen und eine möglichst gerechte Vert<vlung der Lasten herbeizuführen, empfiehlt der Vorstand den Gemeindemltgliedem, Ihre Spende mit 20 Prozent der Kultussteuerleistung zu bemessen. Nur dann, wenn wider Erwarten die freiwilligen Spendeneingänge nicht das auf das Mindestmaß herabgedrückte Erfordernis decken sollten, müßte sich der Kultusvorstund '/ur Vorschreibung eines obligatorischen Zuschlages entschließen, wobei selbstverständlich jedem die von Ihm geleistete Spende voll in Anrechnung gebracht werden würde. Der Vorstand hofft aber mffc aller durch die bis- . heiigen Erfahrungen begründeten Zuversicht, daß jedies | Gen.eindemitglled, dem noch das Glück beschlcden ist, gehen zu können, es als Herzenspfllcht ansehen wirü, freiwillig zu helfen und damit einem der erhabensten Gebote des Judentums, der Betätigung der Nächstenliebe, gerecht zu werden. 2,000.000 Schilling für hebräische Kulturarbeit Aus Jerusalem: Jizchak Leb Goldberg hat 7 5.0 00 Pfund für Zwecke der hebräischen Kultur hinterlassen. Treuhänder ist der Keren Kajemeth. Die Zinsen werden alljährlich zur Förderung kultureller Bestrebungen verwendet. RUNDSCHAU Bravo/ Frankreich! Aus Genf wird gemeldet: Die französische Regierung hat den Generalsekretär des Völkerbundes verstündigt, daß sie das System der Nansenpässe auf die Flüchtlinge aus der Saar — d. h. auf alle jene Personen, die den Status eines „Einwohners" des Saargebietes gellabt, dieses Gebiet anläßlich des PJebLszits verlassen haben und sich nicht im Besitz eines staatlichen Passes befinden — ausgedehnt hat. * Mit den jüdischen und nichtjüdischen Flüchtlingen aus Deutschland ist seitens der Regierungen ein frivoles Spiel getrieben worden. Man hat sie wohl mit einem Schwall teilnehmender Worte und salbungsvoller Trostreden Übergossen. Dafür hat man ihnen die Grenzen gesperrt, Arbeits, und Aufenthaltsbewilligungen entzogen. Der von den großen und hochherzigen Mächten eingesetzte ..Hochkommissär" für Flüchtlinge aus Deutschland hat, außer von privater jüdischer Seite, keinen Groschen bekommen. Sogar sein Gehalt mußten ihm die Juden schenken. Nicht einmal provisorische Pässe und Ausweispapiere wollte man den Emigranten geben. Man hat sie als ausweislose „Vagabunden" der Willkür unter geordneter Polizeiorgane in aller Herren Ländern überlassen. Den Antrag der norwegischen Regierung, endlich für diese Unglücklichen etwas zu tun, hat man gerade vor zwei Wochen in Genf in den Papierkorb geworfen. Das einzige Land, das sich wirklich großzügig und menschenfreundlich gezeigt, das die größte Zahl von Flüchtlingen aufgenommen und sie anständig behandelt hat, ist Frankreich. Und wieder ist es Frankreich, das etwas für die Versorgung der Emigranten mit den notwendigsten Ausweispapieren tut. Bravo, Frankreich! Ein Freund von ehedem Zu den von den Juden Deutschlands meistgepriesenen Politikern gehörte Herr Dr. Walter von Simons. Kein Wunder! War er doch Mitglied und Exponent der von Juden 3tark durchsetzten und von Juden noch stärker unterstützten „Demokratischen Parte i". Wenn es galt, Erklärungen für Freiheit und Fortschritt und gegen deutschnationalen oder klerikalen Antisemitismus abzugeben, war die Unterschrift Doktor von Simons' immer zu haben. Als nach der Machtergreifung durch Hitler die Legende von den „gutdemokratischen und toleranten" großen Deutschen entstand, welche „angewidert und grollend" im Hintergrunde stehen und an dem neuen Deutschland verzweifeln, da dachte jeder an Dr. von Simons, den judenfreundlichen Demokraten aus der guten, alten Zeit der Weimarer Republik. Zur Beruhigung aller jener, welche um den Gemütszustand des in den Hintergrund geratenen Freiheitshclden und Judenfreundes besorgt sind, sei mitgeteilt, daß sich. der Gute von seinem ersten Schreck erholt hat, und zwar gründlich erholt. Aus Berlin wird uns berichtet: Der gewesene Reichsaußenminister, stellvertretende Reichspräsident und Präsident des Reiehsrats und des Reichsgerichts unter der Weimarer Republik, Dr. Walter von Simons, hielt dieser Tage in Berlin einen Vortrag über die „Erneuerung des deutschen Recht e s". In diesem Vortrag f ülirte der ehemals der Demokratischen Partei angehörige Ex-Minister u. a. aus, man müsse sich dazu beglückwünsche n, daß der neue deutsche Autoritätsstaat die vollkommene Kontrolle über die Justiz an sich gerissen habe. Ebenso sei es zu b e g r ü ß e n, daß der nationalsozialistische Staat „eine persönliche Verantwortlichkeit des Führers vor Gott, dem Volke und der G eschichte" geschaffen hat. Zur J u d e n g e s e a) z g o b u n g erklärte Doktor von Simons, daß diese unleugbar „gowisso Härte n" enthalte, daß aber diese Härten „n o t w c n d i g und gerechtfertigt'' seien. Schließlich polemisierte Dr. von Simons gegen die Schöpfer des alten deutschen bürgerlichen Gesetzbuches, die, wie der ehemalige demokratische Minister der Republik sich ausdrückte, „volksfremde Menschen" gewesen seien. Dies und geistige Frische .sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Bewahren und meinen Sie diese Schütze durch ständige, sorgsame Fliege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege — Einreibungen, Packungen (Umschlüge), Mundwasser usw. — ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol In Jedem heueren ticschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diuna" und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen nlnd energisch enrtflkzuweisen. gehe u. a. darauf hervor, daß die fremdrassigen Japaner ohne weiteres das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch zum größten Teil Ubernehmen konnten. Doktor von Simons drückte zum Schluß seines Vortrages die, Hoffnung aus, daß andere Völker dem Beispiele Deutschlands folgen und sich gleichfalls eine Gesetzgebung auf rassistischer Grundlage schaffen werden. Man kann kaum sagen, daß Dr. von Simons unter Druck gestellt worden wäre. Er ist ein älterer und sehr reicher Herr, der auagesorgt hat. Uebrigens gibt es sehr, sehr viele solcher Freunde der Juden von ehedem, die es sich jetzt überlegt haben. Dr. von Simons ist nur aufrichtiger — oder unverschämter — als die anderen Leute seines Schlages. FAHRRAD- FABRIK KINDERWAGEN* FABRIK Kinderwagenverkauf: VII, Naubaugatsa 21 / I, Tuchlaubenhof 7 X, LaxenburgentraBe 82 / XX, JSgerttrafle 41 FahrradFabrlk: vii, Burggasie 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! von S 35.— Schmerzlich berührt ♦ ♦ ♦ Die antizionistisch und besonders anti-jüdischnational eingestellten Herren von der „Union österreichischer Juden" sind mit ihren Gesinnungsfreunden vom „Centraiverein deutscher Juden" im Dritten Reich sehr unzufrieden. Sie machen ihnen mangelnde Gesinnungstreue zum Vorwurf. Im jüngsten Aufruf der „Reichsvertretung der deutschen Juden", in welchem die Leute vom Centraiverein die Majorität bilden, ist nämlich das schreckliche Wort „jüdisches V o 1 k" enthalten, und überdies und unglaublicherweise die Aufforderung an die Judengemeinden, den Aufbaufonds für Palästina, den „Keren Hajesso d", zu unterstützen. Jüdisches Volk und noch dazu zionistischer Fonds! Das ist zuviel! Die „Wahrheit", das Organ der „Union", bricht in bewegliche Klage ob dieser Versündigung an den Grundsätzen der Assimilation aus und schreibt: „So erfreulich es ist, daß die deutsche Judenschaft das Gebot der Stunde: unbedingt© Einigkeit und Zurückstellung jedes Parteihadetrs, erfaßt, so bedenklich muß die Basis erscheinen, auf der die Reichsvertretung dejr deutschen Juden diese Einigung vollziehen will. In der Keichsveirtretung sitzen Manner, die noch vor ganz kurzer Zeit jede Scheidung zwischen deutschem und jüdischem Volkstum aufs entschiedensteabgelehnt haben, erprobte Vorkämpfer der in Ihrem ganzen Wesen längst Wilrklichkeit gewordenen Synthcteo von Deutschtum und Judentum ... Um so schmerzlicher berührt es, In Deutschland deutschjüdische Männer und Frauen die jüdischnationale Terminologie vom jüdischen „V o 1 k" akzeptieren zu sehen und sie im selben Atem, in dem sie das Geständnis ablegen, daß die verarmte jüdische Gemeinschaft der Aufgabe der Wohlfahrtspflegenicht gewachsen ist, für den Keren Hajessod agitieren zu hören ..." Die „Wahrheit" fügt dann noch hinzu, daß sich die Hoffnungen des Reichsverbandes als illusorisch und sein ideologisches Opfer, seine Verleugnung des Deutschtums, als überflüssig erweisen werden. Aber den deutschen Juden wird nicht nur eine Rüge für ihr Verhalten in der Gegenwart, sondern auch eine Lehre für die Zukunft erteilt. Auch die „Wahrheit" kann sich nicht der Tatsache verschließen, daß viele Juden Deutschland verlassen und manche auch nach dem wenig geliebten Palästina gehen müssen. Die „Wahrheit" macht diese Unglücklichen aufmerksam, was ihrer dort harrt, und zwar so: „... Da die Natur Lippenbekenntnisse, die ihr widersprechen (Anim. d. Redt.: Unter ,,n atu r vvidri1gem" Bekenntnis ist das Bekenntnis eines Juden zum jüdischen Volke gemeint.) gründlich Lüg<1n straft, werden die deutschen Juden in Palästina, auch Avenn sie sich mit jahrzehntelanger Zugehöriigkeit zur Zionistischen Organisation legitimieren können, als Prototypen der Assimilation gewertet und deshalb angefeindet!" Den Beweis für feindliche Behandlung deutsoher Juden und Zionisten in Palästina bleibt die „Wahrheit" freilich schuldig und geht dazu über, die deutschen Auswanderer anzuflehen, um Gottcswillen gute Deutsche zu bleiben. Sie schreibt: „Und wenn Hitler in seinem Buche „Mein Kampf'4 erklärt, es sei ehrenvoller, im deutscheu Vaterland Straßenfeger zu sein, als im Ausland K ö n i g, dann werden sich die deutscheu Juden, auch wenn sie im Aus. land als Straßeiuriger leben müssen, mit ihrem Deutschtum unzertrennlich e r verbunden fühlen, als ein aus dem Ausland nach Deutschland zugereister Reichskanzler und Führer." Die Hauptsache also ist: Nioht jüdischnational werden, deutsch bleiben, deutscher als der zugereiste Hitler, in Palästina und überall! ... Was geht in diesen Köpfen eigentlich vor? Auf dem Zionistenkongrcß meinten einige Führer, man solle die Bezeichnung „Nichtzionlsten" endlich fallen lassen, da es so etwas wie nichtzionistische Juden nicht mehr gebe. Sic scheinen nicht ganz im Recht zu sein. Professor Juliusz Wolfsohn hat seine Lehrtätigkeit aowhl privat als auch in seiner Musiklehranstalt wieder aufgenommen. Für besonders Begabte Hulbfreiplätze, Sprechstunden von 2 bis 4 Uhr oder nach telephonischer Vereinbarung. Wien, I., Goldaohmiedgasse 10, Telephon Nr, U-22-9-57*

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