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Die neue Welt · 1935-10-11 · Heft 503 (11.10.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 503 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PfeiS 20 GrOSChen Jahrgang 9 Freitag, den II» Oktober 1935 Nr. 503 V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—: Bnl&arlcn monatlich Lewa SO.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universität sstr. 8,7ei. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Billige Reise nach Polen und Czernowitz Abfahrten: 17. u. 28. Okt. / Rückfahrt: 21. Okt. oder aufgelöst „F R A N C 0 P 0 L", Wien III, Rennweg 1 Tel. U-16.4-90 J)k HüUe des fdedeas Von Dr. Israel Zwi K anner Wir feiern im Monat Tischri Rosch Haschana, .Jörn Kippur und Sukkolh. Die beiden ersten Feiertage, die zu den ernsten, ehrfurchtgebietenden gehören, sind in den Ring der Zeil mit dem Luubhüllenfesl eingegliedert, dem dritten in der Reihe der frohen Feste. Der Monat Tischri begrüßt uns gleichsam mit ernstem und. mit heiterem Antlitz. An den Hohen Feiertagen war unsere Synagoge ein stattliches Haus, ein Palast. Fintritt nur mit Karten, an den Türen livrierte Diener, dichtgedrängte Gemeinde. Am Sukkoth aber ist die Synagoge zur einfachen Hütte geworden: die Diener verschiounden. Kurten überflüssig, Plätze in Menge. Wir sind in die Hütte gezogen, in der wir uns nun, und zwar nicht bloß für die paar Tage des Hüttenfestes, sondern für das ganze Jahr behaglich einrichten können. Viele Symbole sagen uns, wie wir uns einrichten sollen. Der Ethrog, von dem die Alten sagen, daß er in seiner Form dem Herzen gleicht, ist da; wir haben das jüdische Herz. Der Lulaw, der zur Höhe strebt, ist das Sinnbild des jüdischen Stolzes, des Selbstbewußtseins, der Ehre des Judentums. Die Myrthe, die liebliche, das Bild der Wohltätigkeit, ist vorhanden; viel Gutes geselliehl im Israel unserer Tage. Und schließlich haben wir auch noch, schlichte Juden, die beten und jüdisch leben, wie die Alten — die einfachen Bach, weiden. Sukkolh. gilt der Lebensfreude, der Freude am Judentum, der Freude an der Arbeit und an den Segnungen des Lebens. In diese Lebensfreude klingen noch, die letzten ernsten Stimmen des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages hinein mit ihren Lehren von den Schatten des Lebens, und die Hütte selbst, zeigt, auch nach der alten Vorschrift melir Schatten als Licht, mahnt auch an die Unbilden des Lebens und zeigt uns das ganze Dasein als ein Hüttenwohnen, sieben Tage in der Hütte und sieben Jahrzehnte auf Erden. Aber die Sterne strahlen hinein, und wenn wir mit unseren Lieben in die Hütte einziehen und den Herrn preisen, der Israel und uns und die Unsrigen behütet hat, sind wir voll der Empfindung über solches Glück. Die Hütte ist. das Symbol des Judentums. Der Eingang in die prunkvollen Räume der Welt, wird uns erschwert. Wir n>erden nicht gern gesehen. Bescheiden wir uns mit der traulichen Hütte und lassen mir uns von dem quellenden Segen des jüdischen Lebens unirmischenl Bleiben doch die Sterne des Himmels über der Welt und die Hütte des Friede n s wird einst d ie Menschheit vereinen. Das ist die Hoffnung Israels an seinem Hüttenfest. In Hütten fanden die Väter Schulz vor Gefahren aller Art, als sie durch die Wüste wanderten. In Hütten wohnten die frommen Waller, wenn sie nach der Obst- und Weinlese an der Stätte des Tempels weilten. Mit Opfern, feierlichen Pulmumzügen und lautem Jubel priesen sie Ihn, der ihnen wie einst dem Geschlecht der Wüste Speise und Trunk gab zur rechten Zeil. Sie waren des Ewigen gewiß und darum des Ewigen froh. Wo Friede in Gott, da F r ende a m Leben. Das ist die Summe aller Gedanken und Verkündigungen des Sukkoth, des heiteren, lieblichen und friedenbringenden Festes. ALASTINA 4 Schiffskalten und Geseüschaf tsfahrten.Visumbeior&uns billigst durch Reisebüro »IN DIE WELT« (Dr. S. Toitor), Wien IX, Liecfatensteinstr. 2, Tel, A-14-504 12 Peitschenhiebe Sobald die ersten Nachrichten über die Verfolgung und Entrechtung der deutschen Juden in die Welt drangen, bildete sich spontan in allen Ländern eine Front von Menschen, die zu einer Abwehr dieses Vernichtungskampfes bereit standen. Es war dies eine moralische Front. Als ein Strom jüdischer Flüchtlinge sich in die Nachbarländer ergoß, wurde im Schoß des Völkerbundes ein Kommissariat für Flüchtlinge eingerichtet und der Amerikaner James MacDonald zum Oberkommissär bestimmt. Das Flüchtlingsproblem sollte gelöst werden, aber die Lösung mißglückte. Nachdem die privat unter Juden gesammelten Gelder aufgebraucht waren, liquidierte das Büro MacDonalds. In den nächsten Tagen wird MacDonald vom Komitee Abschied nehmen und nach Amerika zurückfahren. Aber das Elend der Flüchtlinge und die deutsche Judennot bestehen weiter. Die Judenheit hat, wie man weiß, gemeinsam mit nichtjüdischen Organisationen und Gruppen einen antideutschen Boykott organisiert, dessen Wirkung nicht ausgeblieben ist. Die Machthaber des Dritten Reiches mußten mehrmals die Schädigung der deutschen Wirtschaft durch diesen Boykott zugeben. Außer den amerikanischen, polnischen und holländischen Komitees waren es insbesondere die englischen Juden, die einen lückenlosen Boykott propagierten. Erst vor einigen Tagen hat die Vertreterschaft der englischen Juden in London das Gelöbnis, deutsche Waren und Dienste zu boykottieren, erneuert, indem sie eine Resolution faßte, worin es heißt, daß kein sich selbst achtender Jude deutsche- Waren kaufen oder deutsche Dienste in Anspruch nehmen wird und daß jede diesbezügliche Aktion gegen das Naziregime die Billigung der englischen Judenheit findet. Von dieser allgemein geltenden Einstellung nimmt sich bekanntlich Palästina aus, wohin auf Grund des von uns hinlänglich beleuchteten Transfer- Abkommens deutsche Waren einströmen und in jüdischen Läden feilgeboten Wörden. Auf dem Luzerner Zionistenkongreß im Sommer des heurigen Jahres wurde das Transfer-Abkommen gegen den Willen der judenstaatlerischen Delegierten bestätigt, ja, die Durchführung des deutsch-palästinensischen Warengeschäftes unter die Kontrolle der Zionistischen Exekutive gestellt. Daß diese Regelung jedes patriotische Empfinden verletzt, braucht nicht erst erläutert zu werden. Empörung über solch eine jüdisch-hitleristische Beziehung ist ein natürlicher Gefühlsreflex. In Palästina, wo neben dem Transfergeschäft — eine gutgeleitete Boykottorganisation besteht, muß wohl das Gefühl der Empörung am stärksten sein, und es ist auch tatsächlich zu verschiedenen Aeußerungen und Handlungen des Unmuts gekommen. Die1 Absurdität von Boykottpropaganda und gleichzeigtigem, zionistisch sanktioniertem Verkauf deutscher Waren muß zwangsläufig zu Konflikten führen. Der gesunde Menschenverstand muß gegen solch einen Widerspruch rebellieren. Und er rebelliert! Die Jüdische Telegraphen- Agentur meldet unter dem 7. Oktober aus Jerusalem: Zwi Safra, ein 17jähriger Jude, wurde vom Polizeigericht in Jerusalem zu zwölf Rutenstreichen verurteilt, weil er vor einem jüdischen Geschäft, das deutsche Waren verkauft, Posten stand, um Kunden am Betreten desselben zu hindern. Der Richter heißt Bodilly, bekannt aus dem Arlosoroff-Prozeß. Dieser famose Richter fand auch eine Begründung für sein Urteil. Er erklärte nämlich, daß Safra den antijüdischen Boykott in Deutschland nachäffte und so das jüdische Volk schädigte, indem er die Sympathien dar Welt für die jüdischen Leidenden in Deutschland minderte. Das jüdische Palästina kann sich gratulieren. Es besitzt einen Richter, der die Schädigung des jüdischen Volkes nicht zuläßt; der ängstlich darüber wacht, daß die Sympathien der Welt für die verfolgten deutschen Juden nicht gemindert werden und zwecks Vertiefung dieser Sympathien läßt er junge Juden auspeitschen. Wir sind zwar der Meinung, der englische Richter Bodilly täte mehr für die deutschen Juden, wenn er seiner englischen Regierung nahelegen würde, so viel deutsche Juden wie möglich nach Palästina hereinzulassen und sie so den deutschen Peinigern zu entziehen, aber Richter Bodilly hat eine schlagkräftigere Medizin: Zwölf Rutenstreiche! Die Herren der zionistischen Leitung sollen es wissen: Sie sind es, die die zwölf Rutenstreiche, wahrscheinlich von einem arabischen Polizisten dem nackten Rücken des patriotischen Jünglings Zwi Safra verabreicht, auf dem Gewissen haben. Sie mögen heute noch ruhig schlafen. Aber es wird die Zeit kommen, wo das. Sausen der Rute ihre Nachtruhe heblich stören wird. Abe§§inieiuKrBeg und Palästina Der vor kurzem nach Palästina zurückgekehrte Bürgermeister von Tel-Aviv, Maier Dizengoff, teilte Pressevertretern mit, er habe bei seiner Rückkehr in gewissen Bevölkerungskreisen im Zusammenhang mit dem itallehisch-äbfessiyüslbhen Konflikt einen an Panik grenzenden Zustand feststellen können; allmählich sei aber eine Beruhigung eingetreten, wenn auch die Besorgnis noch nicht ganz gewichen ist. In einer öffentlichen Erklärung an die Bevölkerung erklärt Bürgermeister Dizengoff, er habe mit den Leitern der Großbanken und mit anderen maßgebenden Faktoren des Landes Besprechungen gepflogen, bei denen festgestellt wurde, daß eine Panik in Palästina im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Krieg nicht begründet sei und sich für die Wirtschaft schädlich auswirken könne. Eino Abhebung von Bankdepositen habe eine Restriktion der Kredite zur logischen Folge und schädige das allgemeine Wirtschaftsleben. Die Leiter dieser Wirtschaftsinstitutionen werden es zu verhindern wissen, daß irgend jemand in seinem Vertrauen getäuscht wird. Der sogenannte „R u n", von dem in der ausländischen Presse viel die Rede war, hat sich, wie der Direktor der Anglo-Palestine Bank, Hoofien, feststellen konnte, auf eine Reihe kleinerer Bankinstitute beschränkt, die ihren Verpflichtungen anstandslos nachkommen konnten. In einer Versammlung der Jerusalemer Handelskammer, teilte der Präsident Shelley mit, daß nicht mehr als ein Fünfzehntel der Einlagen abgehoben wurde. Die Abhebungen machen insgesamt 1 Million bis höchstens IVa Millionen Pfund aus, die Gesamtsumme der Einlagen rund 16 Millionen Pfund. Die polnisch-palästinensische Handelskammer teilt mit, sie habe aus Palästina Informationen bekommen, Diu f,.uUn, \wi^uglichon bal^n^luff^ „Gulil<:u", „Palestina" und „Gerusalemme" der direkten Eillinie TRIEST — JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 555.— / Auskünfte; Lloyd Triestir.o, Wien I, Küntnerring Nr. 6

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