Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 501 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712125--5342-2718947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*r. 301 DIE NEUE WELT Seite 3 Ein jüdischer Sportler erschlagen! Ein uns vor einigen Tagen aus Prag zugegangener Garantiert Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, Unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. ras m Ll Pbslöo%f^MfiÄÄi^^« Nur echt in Originalpackung! ii Das neue Heidentum unter den Juden ifi ChrisUlidie JVfli'ssDonswimsdfse Bericht findet nunmehr seine Bestätigung: Ein jüdischec Fußballer ist in Ratibor (Deütsch-Oberschlesien) während eines Matches ermordet worden. Das in Mährisch- Ostrau erscheinende tschechische Blatt „Ceske" Slovo" veiöffentlicht folgende Meldung aus Bohumin (Oderberg): Am Sonntag, den 15. September, ist es in Ratibor (Deutsch-Oberschlesien) beim FuSballmatch zwischen deutschen und polnischen Spielern aus Rybnik zu einer blutigen Schlägerei gekommen, weil im polnischen Team auch ein Jude spielte. Schon zu Beginn des Spieles fingen die deutschen Zuschauer an, die polnischen Spieler zu provozieren, so daß sich der Schiedsrichter gezwungen sah, das Spiel für einige Minuten zu unterbrechen. Als das Spiel wieder begann, hörte man aus den Reihen der Zuschauer Rufe: „Jude hinaus, Juda verrecke!" Auch wurden Steine gegen die polnischen Spieler geschleudert. Ein Spieler wurde getroffen, woraufhin der Schiedsrichter das Spiel abbrach. Die fanatisierte Menge stürzte auf den Sportplatz und mißhandelte den auf polnischer Seite mitspielenden Juden schwer. Die Polizei schritt ein, leider zu spät. Auf dem Spielplatz blieb ein schwerverletzter Spieler liegen: der 21jährige polnische Jude Edmund Baumgartner. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er am Mittwoch, den 18. September, seinen schweren Verletzungen erlag. Nachfragen in jüdischen Sportkreisen von Bohumin ergaben die Bestätigung dieser tragischen Nachricht. Sic gewinnt um so aktuellere Bedeutung, als der Weltraakkabi sich erst kürzjich auf seiner Brünner Konferenz nicht entschließen konnte, ein klares „N e i n" bezüglich der Teilnahme des Makkabi an der Berliner Olympiade zu fassen. Man bedenke: Ein jüdischer Sportler, der innerhalb einer polnischen Mannschaft antritt, wird in Oberschlesien von Nazis ermordet! Schluß mit der feigen Ausrede, daß die Teilnahme an der Olympiade eine „sportliche" Angelegenheit ist. Die jüdische Ehre verlangt das Natürliche : Ein lautes Nein! , Bis zum hiiiewen Ende ♦ ♦ ♦ Gegen Greise, Frauen, Kranke und Hungrige — Segen des Pastors Die Presse in Hitler-Deutschland begleitet die Verkündung der Judengesetze in Nürnberg mit einer wüsten Hetze, die jede etwa noch bestandene Hoffnung, die Ghetto-Gesetze würden den Juden eine wenn auch beschränkte Basis für ihre materielle und kulturelle Existenz geben, zunichte macht. Görings „Essener National-Zeitung" schreibt: Der Kampf gegen die Juden wird von jetzt ab nicht vom Staate allein, sondern auch von der NSDAP, geführt werden, der durch den Willen des Führers Staatsfunktionen übertragen worden sind. Die Juden können daher sicher sein, daß die Partei, die über ihr Verhalten in der Judenfrage keinem Zweifel Raum gibt, in der Behandlung der Juden so vorgehen wird, wie es im Parteiprogramm vorgesehen ist. Hierbei ist zu beachten: Erstens: Die Gauleiter und die ihnen unterstellten Organisationen werden dazu angehalten werden, den Kampf gegen die Juden bis zum bitteren Ende durchzufechten. Zweitens: Die von Parteiinstanzen gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen werden als mit den Gesetzen übereinstimmend erachtet werden. Drittens: Die staatlichen Beamten. Gerichte und Polizei einbegriffen, werden den Parteiführern bei der Durchführung der Maßnahmen gegen die Juden beizustehen haben. Der Gemeinderat von Schotten in Hessen beschloß, daß Juden in den städtischen Krankenhäusern keine Aufnahme finden. :i> Folgende Szene hat sich vor kurzem im Preußenpark in Berlin-Wilmersdorf abgespielt: Auf einer Bank saß ein vielleicht siebzigjähriger Greis, offenbar „nichtarischer" Abkunft. Ein Trupp uniformierter SA.-Leute „kämmte" den Park systematisch nach Juden ab. Als die Nazi an die Bank kamen, auf der der „nichtarische" Greis saß, brüllten sie: „Runter, du Saujude! Unsere Parkanlagen sind nicht für euch Hebräer!" Als sich der alte Mann nicht schnell genug erhob, gaben ihm die Rowdys einen so heftigen Stoß, daß er auf den Boden flog. Ein Zeuge dieser Szene, Nichtjude, der seiner Empörung über diesen Roheitsakt laut Ausdruck gab, wurde folgendermaßen angeschrien: „Halt's Maul, Judenknecht, sonst kriegst du eine in die Fresse!" Aus Dresden: Ein Herr und eine Dame fahren miteinander in der Straßenbahn. Wie sie aussteigen, folgt ihnen ein Mann, der sich als Kriminalbeamter legitimiert. Er wendet sich an die Dame: „Wie kommen Sie dazu, mit diesem jüdischen Herrn spazieren zu gehen?" Darauf die Dame: „Bitte sehr, ich bin ja selber Jüdin." Der Beamte: „So sehen Sie aber nicht aus. Haben Sie Papiere bei sich?" Die Dame: „Aber ich kann doch nicht immer alle meine Papiere bei mir tragen!'* Der Beamte: „Dann kommen Sie mit!" In letzter Zeit haben wiederholt evangelische Pfarrer und Gemeindekirchenräte, die der deutschchristlichen Richtung angehören, ihre Hilfe für die Verbreitung des „Stürmer" gewährt. Der Gemeindekirchenrat der Thomaskirche in Berlin hat auf Antrag des deutsch-christlichen Pfarrers S a w a d e die folgende Verfügung getroffen: „Der Gemeindekirchenrat hat beschlossen, dem Antrag der NSDAP., Ortsgruppe Mariannenplatz, einen „Stürmer"-Kasten an einem kirchlichen Gebäude anbringen zu dürfen, zuzustimmen." In der Gemeinde Jever in Oldenburg hat ein evangelischer Pfarrer den am Gemeindehaus aufgestellten „Stürmer"- Kasten gesegnet. Die Missionsarbeit auch unter den Juden hat, wie wir erst kürzlich in einem Bericht über jüdische Kinder in palästinensischen Missionsschulen feststellen konnten, niemals aufgehört. Die moderne Missionierung geht mit höchster Aktivität ans Werk und ist überall, im europäischen Westen und im Orient, zu spüren. Die christliche Presse hat erst kürzlich festgestellt, daß noch eine große Aufgabe zu erfüllen sei, da „immer noch nach zwanzig Jahrhunderten christlicher Glaubenslehre beinahe eine Milliarde Men* sehen auf der Welt im Irrtum leben". Mitte September 1. J. fand in Bari (Italien) die Missionstagung der italienischen Kleriker statt. Sie befaßte sich mit der Missionierung des heidnischen, "des islamitischen und des jüdischen Ostens. In achttägiger Beratung wurde, nach zahlreichen Referaten und Diskussionen, die Forderung ,,Weltmission" wiederholt und ein dementsprechendes Programm aufgestellt. Ueber die Möglichkeiten der Bekehrung von Juden sprach Prof. Riccioti. Die Wiener katholische „Reichspost" vom 24. September gibt das Referat Prof. Ricciotis wieder in einem Eigenbericht, worin es wörtlich heißt: „Unter Verweis auf ausländische antisemitische Bestrebungen veirlnagte der Vortragende für den jungen katholischen Missionär im Gegenteil höchste Achtung vor der jüdischen Religion als der besten seelischen Vorbereitung der Menschheit zu Christus. Das moderne Judentum aber sei vielleicht mehr noch als die Hebräer der alten Zeit erlösungsbedücrftig, denn hier gelte es heute vor allem, das neue Heidentum unter den Juden zu überwinden, das dieses Volk tiefer vor Gott habe Der eben abgehaltene Zionistenkongreß in Luzern hat es abgelehnt, über das Endziel des Zionismus zu sprechen. Er ist über den Antrag der Judenstaatspartei, welcher vom Kongreß ein öffentliches Bekenntnis zum Judenstaate als Endziel des Zionismus forderte, zur Tagesordnung übergegangen. Die Führer der Mehrheit — Professor Weizmann, Dr. Goldmann, Ben Gurion u. a. — haben das Reden vom zionistischen Endziel als nutzlose und schädliche Deklamation und Proklamation getadelt und bespöttelt... „Keine Kuh in Palästina Wird um einen Liter mehr Milch geben, wenn wir den Juden Staat verlangen!" sagte Präsident Weizmann, unter breit-behaglichem Lachen seiner Gefolgschaft. Man soll der Welt nicht an die Nase binden, was wir wollen! Vergeblich hat der Sprecher der Judenstaatspartei davor gewarnt, die Welt für dumm zu halten und sie „überlisten" zu wollen. Vergeblich hat er darauf hingewiesen, daß, wenn die Zionisten über das Ziel schweigen, die anderen über das Endziel reden werden. Aber dann in einer für den Zionismus gefährlichen, wenn nicht vernichtenden Art. Kaum zwei Wochen sind verstrichen und das, wovon der Judenstaatler gewarnt hat, ist eingetreten. Die fallen lassen als selbst sein pharisäischer Hochmut vor dem Messias. Der Liberalismus, der Skeptizismus, der Bolschewismus als geistige Einstellung des modernen Juden verlange die ganze Aufmerksamkeit und Liebe der christlichen Mission. Durch Christusgeist allein könne, wie zu Zeiten des Tempels, der Jude erlöst werden, auch von den Leiden, die die Welt über ihn verhängt. Dem Judentum gegenüber sei die christliche Mission heute nötiger als je und auch als kulturelles Geschenk der Kirche an die politische, und abendländische Kultur der Gegenwart aufzufassen. Das schließe nicht aus, daß nur gründliches Talmudstudium sowie eine genaue Kenntnis der ostjüdischen Rabbiner- Ich re der Neuzeit den Missionär vor den armen Volksmaasen der Juden im Osten Europas legitimiere; die Judenmission, bei der viele übereifrige Fehler gemacht werden seien, verlange weniger Organisationen und „Vcrsöhnung'sversuche" zwischen Christen und Juden, als vielmehr echte, tat frohe apostolische Seelsorge mitten im jüdischen Volk. Gerade seine politischen und nationalen Konzentrierungsversuche im palästinensischen Zionismus zu Füßen des heiligen Grabes sammeln dieses geprüfte Volk erneut zu Füßen des Herrn. Mitten im jüdischen Lande wie einst müssen daher die Missionäre wirken, aber sie müssen ebenso in den Großstädten des Westens wie in den Gehttos des Ostens die Juden trösten, die nicht mit Palästina verbunden sind." Der Verband der Klerkermissionäre hat sich, wie man sieht, ein weites Ziel gesteckt. Er begnügt sich nicht mehr mit den Versuchen in den verarmten ostjüdischen Massenzentren, sondern richtet sein Augenmerk auf das zionistische, zur nationalen Heimstätte werdende Palästina. Engländer sprechen vom zionistischen Endziel, welches die zionistischen Führer in „staatsmännischer Klugheit" verschweigen. In der offiziösen Zeitschrift „Ncar East and India" schrieb Lionel C u s t, früher Staatssekretär der Palästina-Regierung, über die „verdunkelte" politische Sachlage in Palästina und fordert eine Revision der Zielsetzung. Die englische Regierung, erklärt er, muß ihre Politik auf der Voraussetzung aufbauen, daß zumindest für absehbare Zukunft die Oberherrschaft über Palästina in ihrer Hand bleiben muß. Der gegenwärtigen negativen Politik bloßen Zusehens muß ein Ende gemacht werden und es müssen Mittel gefunden werden, um die legitime n A n s p r ü e h e der Bevölkerung Palästinas soweit wie möglich zu befriedigen. Der erst« Schritt, der getan weiden muß, besteht darin, das wiederholte Versprechen, irgendeine Form einer Vert r etungsköi'persch a f t einzusetzen, zu erfüllen; denn in diesem Punkt beschuldigen die A r a beidie Mandatarmacht eines ausgesprochenen Treuebnichs. Herr Cust wendet sieh sodann der Betrachtung des urabis c h e n St a n d p u n k t e s zu. Es wird als durchaus gerechtfertigt bezeichnet, daß die Araber de* Das zionistische Esidzle Wie England es heute sieht