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Die neue Welt · 1935-09-27 · Heft 501 (27.9.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 501 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 501 eroner IN IHREM WELTERFOLG ■■Perlnfi mich nie!" "ESCAPE ME N E V E R" REGIE: PAUL CZINNER AB DIENSTAG, DEN 1. OKTOBER BURG-KINO, I. RQTENTURM-XINQ,!. EIN B.-&-D.-FILM DER UNITED ARTISTS BEI DR. HAUbEK & CO., OES. M. B. H. nensische Wirtschaft hat zweifellos Fortschritte gemacht. Es wurde gebaut, geschaffen, gearbeitet. Es kamen viel Kapitalien und viel Menschen ins Land. Was aber fehlte und fehlt, ist die Konsolidierung der Wirtschaft, die politische Sicherung, ein Verwaltungeregime, das den Notwendigkeiten der jüdischen Entwicklung angepaßt ist. Drohend erscheint auf dem palästinensischen Horizont der Legislative Council, der von England schon oft angekündigte gesetzgeberische Rat — das Parlament, das unter den gegenwärtigen Verhältnissen das größte Hindernis für die jüdische Aufbauarbeit wäre, ja eine Katastrophe für den werdenden Judenstaat. In der Ablehnung dieses mandatswidrigen Experiments sind sich alle zionistischen Kreise einig. Nichtsdestoweniger muß man mit größter Vorsicht jene zionistischen Elemente kontrollieren, die — wie überall — auch hier zu Kompromissen geneigt sind. Diese Kompromißgeneigtheit zeigte sich beispielsweise auf dem Luzerner Zionistenkongreß, v/o einzelne lebenswichtige Resolutionen wegen der „Schärfe" der Judenstaatspartei von der Mehrheit abgelehnt wurden. Außer den zionistischen Kongressen gab es im abgelaufenen Jahr einen Minoritätenkongreß ohne Juden, die schon im Vorjahr auf die Teilnahme an einer Tagung verzichteten, wo die Minoritätenrechte, soweit sie das jüdische Volk betreffen, eine Einschränkung erfuhren, den MuselmanischenKongreßin Genf, der nichts Entscheidendes zu sagen hatte, und den Makkabi- Weltkongreß in Brünn. Die Haltung der Makkabim war nicht gerade imponierend. Die Anerkennung der Histadruth als einziger palästinensischer Arbeitergewerkechaft wird nicht ohneböse Folgen bleiben, und die Resolution bezüglich der Teilnahme der Makkabi-Sportler an derBerlinerOlympiade bezeugte nicht gerade die Wahrung jüdischer Würde. Es gilt hier, die nächsten Ereignisse abzuwarten. Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge hat sich nicht vermindert. Da da3 für diese politischen Opfer aufgebrachte Geld bereits verausgabt ist und die meisten „offiziellen" Flüchtlingskomitees sich selbst liquidiert haben, bleibt die Lösung des Flüchtlingsproblems in den Händen einzelner jüdischer Organisationen. Zum Glück hat sich hier das jüdische Solidaritätsbewußtsein bewährt, soweit nicht, die allgemeine jüdische Verelendung ausreichende Hilfe unmöglich gemacht hat. Nach dem Monat August, dem angekündigten Monat der deutschen Judenverfolgung, versetzton die sogenannten „Judengesetze" die Welt in Aufregung. Wir haben diese Gesetze als schändlichen Bluff demaskiert. Das Leben der deutschen Juden innerhalb des „deutschblutigen" Volkes ist nicht geregelt. Die Juden Deutschland müssen sich selbst die Möglichkeit eines „erträglichen Beisammenleben" schaffen, wobei natürlich das stärkste Ventil die Auswanderung verbleibt. Es wäre eine Illusion anzunehmen, daß die Juden in Deutschland nunmehr „nach erfolgter gesetzlicher Regelung" von weiteren Drangsalierungen verschont bleiben werden. Das Jahr 5695 hat uns durch den Verlust wertvoller unvergessener Männer und historisch bedeutsamer Gestalten in tiefe Trauer versetzt. So verloren wir die großen Judenfreunde König Alexander von Serbien und Louis Barthou, ferner den polnischen Marschall Pilsudsky, den Baron Edmonde de Rothschild, den Oberrabbiner J. H. Kook in Jerusalem, den bedeutenden Publizisten und Pro- Mir schadet kein Wetter und mich ermüdet nichts denn ich verwende ständig DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens Lewährt Soll in keinem Haushalt fehlen In jedem besseren Geschäft erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich ..DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA" Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen pagator der hebräischen Kultur Schmarjahu Levin, Herzls treuen Mitarbeiter Tng. Johann Kremcnezky, Prof. Oskar Strnad, den alten Zionisten Isak Goldberg, den Keren Hajessod.Fanatiker Dr. W i 1 e n s k y, den Gelehrten Prof. I Templer, den braven Zionisten Zahnarzt Dr. Karl P o 11 a k und viele andere, derer gelegentlich des Maskir gedacht wird. Herzls 75. Geburtstag und Moses Maimonides' 800. Geburtstag waren Anlaß, der großen politischen und religiös-geistigen Führer des Judentums zu gedenken. Die Größe solcher jüdischer Männer gibt uns den Glauben an unsere Zukunft, die Zuversicht, daß der Feinde Trachten und Werk zerschellen wird, daß wir unbesiegbar sind, wenn wir uns als einiges Volk fühlen, das leben will — getreu den sittlichen Lehren, die uns überantwortet sind. Ein neues Jahr hebt an. Das vergangene hat uns hart angepackt. Das kommende soll uns gerüstet finden. FABRIK LUMAG p A B R I K Kinderwagenverkauf: von s 35.- VII, Neubaugasse 21 / I, Tuchlaubenhof 7 X, LaxsnburgerstraBe 82 / XX, JlgerstraBe 41 Fahrradrabrlk: Vit, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! ■■■■HaaaMMHHMMaMMaMMMiHMMMHMMMaHi Die Wiener Judengemeinde prole§tiert Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in seiner Plenarsitzung vom. 24. September folgende Protestresolution einhellig beschlossen: „Die schwere Bedrückung und dio unmenschliche, an das tiefste Mittelalter erinnernde Behandlung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, ihre soziale und politische Aechtung, der gegen sie systematisch geführte wirtschaftliche Vernichtungskampf und die Sanktionierung ihrer Entrechtung durch die Gesetzesbeschlüsse des Nürnberger Reichstags haben in der Wiener jüdischen Bevölkerung Mitgefühl und tiefste Entrüstung ausgelöst. — Die Wiener Judenschaft protestiert gegen die zur Begründung der judenfeindlichen Maßnahmen vorgeschützten, unwahren und böswilligen, gegen die gesamte Judenschaft erhobenen Anklagen. Sie richtet an das durch den Völkerbund repräsentierte Weltgewissen, an alle an der Spitze der Staaten stehenden verantwortlichen Männer den Appell, die gegen die Juden gerichteten deutschen Gesetze, die ihnen zugrunde liegenden Motive und Ziele als den Grundsätzen der Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Kultur widerstreitend, zu verurteilen, und erklärt sich feierlich mit allen Bestrebungen solidarisch, die eine Beseitigung der der gesamten Judenschaft angetanen Schmach herbeiführen wollen." lach Polen äSUJ billigst und bequem mit D-Zug. Numerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz! REISEBÜRO „IN DBE WELT" (Dr. S. Tocker) Wien IX. LIECHTENSTEINSTRASSE 2, Tel. A-14-504 eB^tBmKaaamBatBm^mnKKmm^mKBmmmtwmmmmmma^mma^mmmmmmtm Der Vorstand hat diese Resolution auf telegraphischem Wege dem tschechoslowakischen Außenminister Dr. B e n e s c h als Vorsitzendem der jetzigen Tagung der Versammlung des Völkerbundes übermittelt. Er hat weiterhin an alle österreichischen Judengemeinden die Forderung gerichtet, ihrerseits zu den Vorgängen in Deutschland Stellung zu nehmen. Bisher haben von großen Gemeinden und Organisationen der Schweizerische Gemeindebund, der Verband aller tschechoslowakischen Judengemeinden, die Judengemeinde Warschau und Dr. Stephen W i s e im Namen des „Co mite des Delegations juives" an den Präsidenten der Völkerbundversammlung in gleichem Sinne gehaltene Kundgebungen gegen die Nürnberger Judengesetze gerichtet. Die Juden an den österreidii§dhen Hochschulen Soeben hat das Bundesministerium für Unterricht die Statistik Uber den Besuch der österreichischen Hochschulen (Wintersemester 1934/35) veröffentlicht, aus der man auch ein Bild über den Anteil der Juden am Hochschulstudium in Oesterreich gewinnt. An der Wiener "Universität haben sich von 11.439 Studierenden 2091 zum Judentum bekannt. Am stärksten kommt der jüdische Anteil auf der medizinischen Fakultät zum Ausdruck, wo von 3862 Hörern 1178 Juden sind. Von den 2742 Juristen gab es 356 und von den 4367 Philosophen 504 Juden. Im ganzen waren also 18 Prozent aller Hörer der Wiener Universität Juden. Bedeutend geringer ist der Anteil der Juden in Graz. Von 2215 Hörern gab es bloß 43 jüdische, hievon 26 an der medizinischen Fakultät, insgesamt also bloß knappe zwei Prozent. Die Innsbrucker Universität zählte von 1751 Hörern bloß 10 Juden. Die Wiener Technische Hochschule zählte unter 3258 bloß 267 Juden. Die Grazer Technik von 548 Hörern bloß 6 und die Hochschule für Bodenkultur von 381 bloß 17 Juden. Hier hat sich kein einziger Jude dem forstwirtschaftlichen Studium gewidmet, hingegen 15 Juden dem landwirtschaftlichen SCHULBUCH f U r Volks-, Haupt- und Mittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen — in der Buchhandlung M. Rath, Wien II, Taborstr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höchsten Preisen! und 2 dem kulturtechnischen Studium, wobei das landwirtschaftliche und kulturtechnische Studium zweifellos der Vorbereitung für Palästina gilt. An den übrigen Hochschulen sind die Juden sehr gering vertreten. So zählt die tierärztliche Hochschule unter 366 Hörern nur 7, die Akademie der bildenden Künste unter 243 Hörern nur 2, die Kon> sularakademic 14 Juden unter 112 Hörern. In der Welthandelshochschule waren von 983 Hörern 133 Juden inskribiert. Die Zahl der Juden an allen Hochschulen WTen» beträgt 15 Prozent, in der österreichischen Provinz 1,3 Prozent. Schon Kinder sollen die Zähne mit ODOL-Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schö.rt'und gesund % v 1 Kleine Tube S Große Tube S 1.4<> Die österreichischen Tierschutzvercine fordern ein Schächtverbot Aus Wien (J. T. A.): Das Bundeskanzleramt hat dem Verband der österreichischen Tierschutzvereine den Entwurf eines „Gesetzes zum Schutz der Tiere gegen Quälerei" zur Stellungnahme übermittelt, worin es u. a. heißt, eine Tierquälerei begeht, wer einem Tier Leiden zufügt, indem er es ,.absichtlich quält, miß-' handelt oder rücksichtslos überanstrengt... es unsachgemäß tötet..." Gegen diese Tierquälereien sollen sowohl Verwaltungsstrafen als auch Strafen im ordentlichen Gerichtsverfahren verhängt werden. Der Verband der Tierschutzvereine verlangt die Einschaltung des Satzes: „Unsachgemäß ist insbesondere jede Schlachtung eines warmblütigen Tieres, das nicht vor Beginn der Blutentziehung völlig betäubt wurde." Der Verband verlangt sonach von der Regierung ein klares Verbot des rituellen Schächtens in Oesterreich. Anmerkung der Red. In letzter Zeit haben die österreichischen Tierschutzvereine sehr starke Propaganda, auch in jüdischen Kreisen, getrieben. In keiner der zahlreichen Zusendungen war aber erwähnt, daß ein Verbot des rituellen Schächtens angestrebt wird. Unseres Wissens sind Juden als Funktionäre und Förderer in den österreichischen Tierschutzvereinen tätig, Ihre Stellungnahme zum Schächtverbot wäre immerhin interessant. Von Seiten der Regierung liegt bisher keine Aeußerung zum Antrage der Tierschutzvereine vor. Es ist nicht anzunehmen, daß sie einem Antrage, welcher einen Eingriff in das jüdisch-religiöse Leben darstellt, Folge leisten wird. Jüdischer Kaufmann wegen Beleidigung Hitlers verurteilt Aus Warschau meldet die Polnische Telegraphenagentur: Der Straf gerlchtshof verurteilte den Warschauer Kaufmann Halberstadt zu acht Monaten Gefängnis wegen B«1 c i d i g u n ig des deutschen Staatsoberhauptes Reichskanzler Hitler. Ilalberstadt, der vor einiger Zelt seine Beziehungen zu einer deutschen Firma abgebrochen hatte, sandte an diese einen uneröffneten Brief mit einem gegen Hitler gerichteten beleidigenden Vermerk auf dem Briefumschlag zurück. Der Verurteilte hat Berufung eingelegt. DALNATIENR Abfahrt 3. Oktober 1935 18 Tage Autocarfahrt (Verpflegung unterwegs).....$ 189 Komplettes Arrangement...........S 385 Mit Schilfsreise 1. Klasse (Kabine bis Ragusa) . S 400 Reisebüro »IN DIE WELT« (Dr. S. Tocker) . Wien IX, Liechtensteinstraße 2 Telephon A-14-504 I

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