Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 501 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Rosch Haschana-Nummer lahrgang 9 Freitag/ den 27« September 1935 Nr« 501 V* b. b. Zeitung vom Verleger versendet ' -----' "-"Tiftdle par l'editeur" Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. E U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monaUlch Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monaUlch Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljahrig Dinlr 40.-; BoWnien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lire 14.—; Schwein und die übrigen Länder monaUlch Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IXtUniversitätsstr.8,let.A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag 5696 — ein Jahr der Zuversicht Selten noch in seiner Geschichte hat der Jude so Vielfältiges — so Grausames und so Hoffensrelches — erlebt,, wie in dem Jahr, das eben abgelaufen ist. Ein Jahr gelit vorüber, ein neues hebt an, und dieser Wandel, diese qwige Wiederkehr hat sich in das Bewußtsein . des jüdischen Menschen tief eingegraben. Was immer er auch in den Jetzteii zwölf Monaten erlebt haben mag, so hebt ihn doch die Zeit, da Rosch Haschana naht, über die Leiden und Kümmernisse des Jahres empor, zu den Höhen, von denen er Zicn erkennen kann, aus den engen Wänden .der Tiefe empor, zu den Gipfeln, und er vermag die Worte des Jeremias zu hören: „Erlöse, Gott, dein Volk, den Rest Israels! Schau, ich bringe sie aus dem fernen Norden, ich sammle sie aus allen Ecken und Enden der Welt . . .!" Die Tage rings um Rosch Haschana haben die Kirait, daß der einzelne und die Gemeinschaft der geschichtlichen Macht der jüdischen Religion bewußt werden; denn sie zwingen zu seelischer Einkehr, sie erfassen, schaue<rvoll auch jene, die das ganse Jahr hindurch nur im profanen Leben wirken; sie lassen den Zusammenhang mit den gewesenen und kommenden Geschlechtern ahnen. Und wenn wir aus der Verbannung nach Zion streben, dorthin, woher das Wort Gottes kam, wenn wir Z i onisten sind, dann betonen wir den Zusammenhang von Einst und Jetzt und Nachher durch Gesinnung und Tat. Groß war das Leid, das unser Volk im letzten Jahr erlitten hat. Blut floß. Jüdische Ehre und Würde wurden zertreten, der jüdische Name verunglimpft. In Deutschland, in Nordafrika, in Polen und sogar in Erez Israel haben unsere Volksgenossen Verfolgung, Peinigung, Schreck und Tod zu erdulden gehabt. Gespenster des Mittelalters huschten durch die jüdischen Gassen. Aber es ist uns gegeben, die uns von Gott her überantworteto Stellung innerhalb der Völker nicht nur äußerlich zu sehen, uns nicht nur als Objekt der Geschichte zu betrachten. Das Gefühl des Verlassen- und Verlorcnseins würde uns übermannen, gäbe es nicht etwas, das uns über alle Zweifel und Aengsto erhebt: Der Glaube an die Unzerstörbarkeit des jüdischen Wesens, an die Ewigkeit des Judentums und seiner sittlichen Lehre. Dieser Glaube ist es, der immer an der Wende eines neuen Jahres mit intensiver Deutlichkeit in uns rege wird. Er gibt Sinn unserer Geschichte. Er wird zum Instrument unseres Kampfes gegen den inneren und äußeren Feind. Wir nationale Juden besitzen das tröstende Bewußtsein, daß wir die Güter, die der jüdische Genius geschaffen hat, in Treue zu wahren und zu vermehren bestrebt sind. Uns sind die Wmrte des Propheten, der zu Rosch Hasohana gelesen wird, nicht papierne Literatur, sondern tägliches, kämpferisches Leben. So gibt uns jenes Bewußtsein die Kraft, immer wieder mit neuer Hoffnung ans Werk zu gehen, an die Wiederkehr in die Heimat, die uns keine irdische Macht streitig machen kann, wenn wir selbst stark im " unerbittlich in unserem Wollen und zu allen Opfern bereit sind. o. r. Wien, 29. Elul. Die Ereignisse des eben abgelaufenen Jahres registrieren heißt — wiederum ein Kapitel aus der langen Leidensgeschichte des jüdischen Volkes zu den anderen legen. Leiden stumpft ab. Es macht aber fernsichtig und feinhörig und vor allem zum Philosophieren geneigt. Nicht die kleinen Dinge und Zufälligkeiten sieht man mehr. Man gibt sich der Betrachtung der ewigen Wahrheiten hin, und diese sind es, die uns bei aller Grausamkeit täglichen Geschehens die innere" Ruhe und Sicherheit geben. Gerade die Rosch-Haschana-Tage kommen solchem Tun entgegen. Die Herbststimmung der Elul-Zeit läßt uns an Gewesenes anknüpfen, an gewesene Geschlechter und gewesene Epochen. Wir fühlen uns als Glied in der Kette zahlloser Generationen. Das Heutige wird im Augenblick zur Vergangenheit. P ALAISTINA 4 Schiffskärtenun4GeseIlschaftsfahrten.Visunibesorguihg b i I I igst durch Reisebüro »IN _DiE WELT« (Dr. S. Todter). Wieni IX. Ligdtlenstelnstr. 2, Tel A-U-504 Das Jahr 5695 hat gegenüber' dem vorangegangenen nichts an Bitterkeit eingebüßt. In dieses Jahr fielen mit erhöhter Schärfe die Verfolgungen in Deutschland, die Versuche, die in Deutschland lebenden Juden in ihrer wirtschaftlichen und moralischen Existenz vernichtend zu treffen. Daneben ging die Hakenkreuz-Propaganda gegen die Juden in aller Welt, die Aufhetzung der Völker durch verleumderische mündliche und schriftliche Propaganda von England bis Mexiko. Das Haüptwerkzeug bildeten neben dem mehr für den inneren Gebrauch bestimmten „Stürmer" Julius Streichers die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion". Zwei Prozesse fanden diesbezüglich statt. In Südafrika (Princetown) wurden die Verbreiter der „Protokolle" zu Kerkerstrafen verurteilt, in der Schweiz (Bern) erklärte der Bundesrichter, die Protokolle seien eine Fälschung; dem Inhalt nach unmoralisch, Schundliteratur, Plagiat; geeignet, zu Verbrechen anzureizen; ihre geistige Urheberschaft weise nach Deutschland hin. Wirkliche Erholung der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe Neben diesem moralischen Abwehrkampf, den ein Teil der gesitteten Welt mitführte, gab es einen substanziellen: den Boykott gegen Hitler-Deutschland, geführt auch von großen nicht jüdischen Organisationen, hauptsächlich in Amerika, England, Holland/Kanada, Aegypten, Polen und einigen südamerikanischen Staaten. Leider ist eine Boykottlücke geblieben. Die vom Dritten Reich sogar in Nordafrika, Griechenland und Palästina inszenierten antijüdischen Exzesse vermochten nicht die offiziellen zionistischen Kreise zum Anschluß an die antideutsche Boykottfront zu bewegen, so daß Palästina heute das einzige Land ist, in welches — unter der Aegyde der zionistischen Organisation kraft des sogenannten „Transferabkommens" — hitlerdeutsche Waren strömen. In loser kalendarischer Folge sind nachstehende Ereignisse zu verzeichnen: Die bis zu blutigen Auseinandersetzungen gediehenen Spannungen zwischen der linken Histadruth und den nationalen Arbeitern in Palästina sollten beseitigt werden. Nach langen Vorbereitungen kam es zu einer Besprechung zwischen Vladimir Jabotinsky und Ben Gurion in London, innerhalb welcher Bestimmungen ausgearbeitet wurden, die weitere Angriffe jüdischer Arbeiter untereinander unmöglich machen sollten. Dieser Friedenspakt der beiden „Führer" wurde aber seitens der radikalen Histadruth-Anhänger abgelehnt, so daß weiterhin der Kriegszustand zwischen den beiden Arbeitergruppen verblieben ist. Die Arbeiter-Befriedung in Palästina sollte den Auftakt zu einer allgemeinen Befriedung in den zionistischen Reihen führen. Die Versuche scheiterten. Die Lage verschärfte sich. Bei der Aktionskomitee-Sitzung in Jerusalem nahmen die Linken den Vorschlag der revisionistischen Aktionskomitee-Mitglieder zu einer Round-Table- Konferenz nicht an, worauf diese das Aktionskomitee verließen. Dieser Akt war der Beginn der Loslösung der revisionistischen Union von der Zionistischen Organisation. Den Schlußpunkt bildete der Austritt' der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation und die Bildung einer eigenen Organisation, der sogenannten Neuen Zionistischen Organisation. Aber im Lager der Zionistischen Organisation selbst kam es zu schwerwiegenden Differenzen. Die Allgemeinen Zionisten konnten die bei ihnen bestehenden Spannungen nicht zum Ausgleich bringen. In Krakau kam es zur Spaltung: die „loyalen" Allgemeinen schufen die Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten (die A-Gruppe der Weizmannisten), während die „Oppositionellen" die Bezeichnung „Weltverband der Allgemeinen Zionisten" beibehielten. Der Luzerner Kongreß schuf klare Fronten. Mit der linken Mehrheit ging die Weltvereinigung, der Misrachi und ein Teil des Weltverbandes, so daß als einzige herzlzionistische Fraktion die Judenstaatspartei verblieb, gegen deren Stimmen Pro- IJIIliUHIIIIIllllllllllllllllUlllllllllllllllllllIllllllIHIIIIIUIIIIII^ IEPHRUSSI & CO. I | BANKGESCHÄFTE ALLER ART | E Abteilungen für Wertpapiere und Devisen Wien IX, Wasagasse 2 r7llllIIIIBlIlIIIIIIIICIIBIIEIIIIIIIIIlllllllllBIISIIlIiailIlllIIIIIllIHII^ fessor Weizmann zum Präsidenten der Zionistischen Organisation gewählt wurde. Trotz der äußerlich markierten großen Koalition blieb es im Wesentlichen beim Alten: Die Linke behielt das Zepter in der Exekutive. Es blieb das schändliche Transfer-Geschäft, es blieb das Monopol derHis tadr u t h, es blieb die Scheu vor Verkündun gdes Judenstaatszionismus, es blieb die Boykottlücke Palästina. Dem Luzerner Kongreß folgte die Spaltung der Herzischen Weltorganisation, der revisionistische Gründungskongreß in Wien. Neben diesen Organisationstendenzen ging das jüdische Leben im Golus und in Palästina weiter. Die palästi- SONDERFAHRT Palästina und Aegypten mit dem Luxusexpreßdampfer CONTE GRANDE 66 •i (26.000 Tonnen) ab Triest ... 30. September an Haifa ... 3. Oktober an ASexandrien 4, Oktober Auskünfte: Generalagenfur Wien l, Kärnfnerring § U-47-5-60 U-47-5-60 i wommmm E RIUNlTE LLOYD'TRrtSTIHÖTi