Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 500 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 500 DIE NEUE WELT Seite 3 Todesstoß gegen die jüdische Wirtschaft Fünf neue Gesetze Wie die J. T. A. aus maßgebenden Kreisen in Berlin erfährt, bereitet die nationalsozialistische Regierung fünf neue Gesetze vor, die auf eine weitere Isolierung der Juden und ihre wirtschaftliche Einschnürung ab zielen. Das Vermögen der Juden soll ganz unter Kontrolle gestellt werden. Die Gesetze sehen vor: 1. Einsetzung eines liegicrungskommissar zur Kontroll« und Mltvorwalt u n g aller jetzt noch in jüdischen Händen befindlichen Wohnhäuser und G r u n d s t ü c k e. 2. Verpflichtung der Banken, de« Behörden In jedem Fall, wo ein jüdischer Depositcninhaber einen Be trag von 1500 Reichsmark aufwärts abhebt, Mittei lung zu machen. 3. Verbot an die jüdischen Aeritc, dl* noch eine Privatpraxis ausüben dürfen, unverheiratete Ariorin n e n zu behandeln. 4. Ein jüdischer Arzt wird eine verheiratete, Aricrin nur dann ärztlfch behandeln dürfen, wenn die Patientin rinn schriftliche Bestätigung Ihres Ehemannes vorlegt, daß dieser nichts gegen die Behandlung seiner Frau durch einen jüdischen Arzt einzuwenden habe. (Diese Bestim mung bezweckt offenbar auch, die Feststellung und Ver folgung jener deutschen Männer zu erleichtern, die noch jüdische Dienste In Anspruch nelimen.) den hohen Feiertagen rtifpn WX1 nach POLEN billigst und bequem mit D-Zug. Nummerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz. REISEBÜRO „IN DIE WELT" (Dr. S. Tocker) Wien IX. LIECHTENSTEINSTRASSE 2, Tel. A-14-504 ö. Den jüdischen Anwälten, die auf Grund der Au^nahmeklausel des Arierparagraphen als ehemalige Frontkämpfer noch zur Praxis zugelassen sind, soll das Betreten der Gerichte Uberhaupt verboten werden; die von ihnen bearbeiteten Fälle sollen bei Gericht einzig durch arische Anwälte vertreten werden dürfen; solche arische Rechtsvertreter werden aber nicht vom jüdischen Rechtsanwalt, sondern vom Gericht bestellt. Schacht wird lOOprozentiger Hitler-Antisemit Der „Prager Presse" wird aus Berlin gemeldet: Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der bisher in der Judenfrage einen Standpunkt eingenommen hat, der sich von dem nationalsozialistischen wesentlich unterschied, hat sich während des Parteitages in Nürnberg offensichtlich anders orientiert. Während er noch in seiner Königsberger Rede vor der Ausdehnung der Judenverfolgungen auf wirtschaftliches Gebiet ernstlich warnte, hat er nun sämtliche Angestellte der Reichsbank und ihrer vielen Zweigstellen durch ein Rundschreiben aufgefordert, den Ariernachweis zu erbringen. Ferner hat Dr. Schacht vor Beamten der Reichsbank eine Erklärung abgegeben, derzufolge die Anwendungdes Arierparagraphen innerhalb eines Jahres auch in der deutschen Wirtschaft in weitgehendem Maße zu erwarten sei. Daß Dr. Schacht seine frühere Haltung aufgegeben hat, konnte man schon daraus entnehmen, daß er während des Nürnberger Parteitages dem „Angriff" ein Interview gewährte. Kurz vorher stand er mit dem Blatt, hauptsächlich wegen des Falles Köppen, In einem förmlichen Kampf. Seine neue Orientierung in der Judenfrage hat sich auch in dem ihm nahestehenden Organ „Deutsche Wirtschaft" angekündigt. Lcbcnsmittelpakete für Provinzjuden Aus Berlin: Die VorkUniiung der Jutiengoaetzo in Nürnberg wird von den nationalsozialistischen Kreisen in der Provinz so aufgefaßt, daß der Jude nunmehr vogelfrei ist. Namentlich dehnt sich die Aktion zur Au sh ii n g e r u n g der J u d e n in einem Maße aus, das zu tiefer Beunruhigung Anlaß gibt. Hand in Hand mit der steigenden Boykottierung der jüdischen Geschäfte mehren sich die Fälle, won den jüdischen Familien auch die n o tweudigsteu Lebensmittel nicht verkauft \v erde n. Aus Meldungen der natlonalsolzallstischen Zeitungen geht hervor, daß bereits In mehr als vierzig Städte n sämtliche Lebensmittelgeschäfte von der S. A. daraufhin kontrolliert werden, ob sie Lebensmittel an Juden verkaufen. Die Zahl solcher Städte Ist aber weit größer. Oft ist die jüdlnehe Bevölkerung dJÜeser Städte In einer nicht zu schildernden verzweifelten I/age, da eine Aktion, sich mit Lebensmitteln aus anderen Distrikten zu versorgen, leicht als „G r e u e 1 p r o p a g a n d a" ausgelegt werden könne, auf die eehiwere Strafe steht, Berliner jüdische Kreise, die von der Not solcher jüdischer Familien aus der Provinz durch Nlchtjuden erfuhren, haben begonnen, Lcbcnsmittelpakete an die Notleidende n zu senden ... Zwei alle zionistische Fährer gestorben Im Alter von 76 Jahren ist in Zürich der bekannte russische Zionist und palästinensische Industrielle Isaak Goldberg gestorben. Isaak Goldberg hat anläßlich der Unruhen in Palästina 1929 seinen einzigen Sohn verloren, der in der Nähe von Tel-Aviv mit einer von ihm geführten jüdischen Wachtpatroullle in einen Hinterhalt geriet und von Arabern getötet wurde. Später stiftete Goldberg ein Bodenarel in Tel-Aviv im Werte von 50.000 Pfund für einen Stadtpark zum Andenken an seinen Sohn. In Jerusalem ist einer der ältesten Vorkämpfer der zionistischen Bewegung, Dr. Juda Leib W i 1 e n s k y, im Alter von 61 Jahren gestorben. Wilensky war in den letzten Jahren insbesondere für den Keren Hajessod und im Interesse des Aufbaus von Tel-Mond tätig. Er gehörte der Gruppe der radikalen Zionisten an. Eonige§ zum Nachdenken Aus einem Briefe aus Palästina Wir entnehmen dem Briefe eines palästinensischen Freundes an die „Neue Welt" folgendes: Wer in Palästina Rang und Namen trägt und halbwegs verdient, ist —• nicht in Palästina Im Mai, Juni und Juli eine Schiffskarte nach Europa zu bekommen, war keine leichte Sache. Ein wahres Reisefieber hat die Juden im Lande erfaßt. Eine Un zahl von Menschen hat Vergnügungsreisen unter nommen. Sehr wenige dringende Geschäftsreisen. Die Sache hat bei solid denkenden Menschen im Lande Unbehagen hervorgerufen. Man spricht davon, daß in diesem Sommer 30.000 Juden nach Europa gefahren sind. Das mag übertrieben sein. Die Zeitungen, denen die Sache unangenehm ist, geben viel niedrigere Ziffer an. Sie schreiben von 10.000 Vergnügungsreisenden im Juli und 6000 im Juni. Daß unter diesen viele Araber sind, behaupten wohl die Zeitungen, finden aber hiebei wenig Glauben. Man kann ruhig annehmen, daß im Jahre 18.000 bis 20.000 palästinensische Juden zum „Vergnügen" und zur „Erholung" ausreisen. Das ist, bei einer jüdischen Bevölkerung von zirka 320.000, ein enormer Prozentsatz, den die ältesten und reichsten Länder auch nicht annähernd aufweisen. Die Reisenden tragen, bescheiden gerechnet, lV-t bis l1/'-2 Millionen Pfund palästinensischen Geldes ins Ausland. Das ist ungefähr die Hälfte des Wertes der gesamten Ausfuhr Palästinas (Orangen und alle anderen landwirtschaftlichen und industriellen Produkte). Ungefähr viermal so viel, als die nationalen Fonds (Nationalfonds, Keren Hajessod u. a.) ins Land bringen. Wohin soll das führen? Auf der einen Seite „Tozereth haarez", die Parole: Kaufet nur palästinensische Produkte! und auf der anderen Seite diese Tendenz, Millionenbeträge für Fahrkarten, Hotelrechnungen, Luxuseinkäufe im Auslande auszugeben. Dabei ist Palästina ein armes, erst im Aufbau begriffenes Land, wo es doch heißen sollte: Arbeiten und Sparen. TRAUBEN-TRBNKKUR Die Weinlese hat begonnen — wir bringen nun wieder taglich frisch aus dem Weingarten Traubenmost für Kurzwecke. Nützen Sie die kurze Zeit zur blutauffrischenden Traubentrinkkur — diese wunderwirkende Herbstkur — ist durch nichts zu ersetzen. — Sie wirkt verjüngend auf den ganzen Organismus — besorgt eine vollkommene innere Reinigung — und beseitigt so die Grundursachen von Krankheiten und vorzeitigen Alterns. — Von der einfachsten Verdauungsstörung bis zu den hartnäckigsten Leiden vollführt diese einzigartige Heilkur ständig Wunder. Prospekte über Trauben-Trinkkur mit Gebrauchsanleitung liegen in allen Betrieben auf. ZEILINGER Landstraßer Hauptstraße 17 Mariahilf ergihtel 27 Johnstraße 39 Wlnckelmaiinstr. 22 Wallensteinstr. 4« Engros-Abteilung: Hciligenstädterstraße 33. Tel. 15-4^-0-07 ... Täglich kommen Schiffe mit Hunderten neuer Einwanderer an. Das ist für jeden jüdischen Patrioten sehr erfreulich. Aber wenn man näher zusieht, wird die Freude geringer. Das Land braucht Arbeiter, braucht Hände, die zugreifen. Solche kommen sehr wenig. Viele Kapitalisten oder sogenannte Kapitalisten, Studenten, Verwandte, fromme Gelehrte und dagegen Arbeiter in beängstigend kleiner Zahl. Man sagt, daß auf einen „Kapitalisten" etwas mehr als ein Arbeiter kommt. Wieder übertrieben. Aber viel mehr als zwei sind es wirklich nicht. Nach den offiziellen Ausweisen sind heuer im Juli 657 Kapitalisten, Menschen mit einem Vermögen von mindestens 1000 Pfund, angekommen, und 1204 Arbeiter und sonst 3000 Familienangehörige, Kinder, Frauen, Greise, fromme Gelehrte usw. Wer soll das Land aufbauen? Die Folgen dieses Mißverhältnisses sind: Arbeitermangel, der zu Löhnen führt, welche die palästinensische Produktion zu jeder Konkurrenz unfähig machen und ihr die Möglichkeit weiterer Entwicklung nehmen. Ueberwuchern der arabischen Arbeit in jüdischen Pflanzungen, und immer mehr arabische Arbeiter auch in der Stadt, auch in Tel-Aviv. Auch da muß man fragen: Wohin führt der Weg? . . . Mit den Schiffen kommen Zeitungen, voll von entsetzlichen Meldungen über die Entehrung und Verfolgung der Juden durch die deutschen Hakenkreuzler, Die gleichen Schiffe bringen Tausende Tonnen von Waren aus dem Dritten Reiche ins jüdische Land. Üeberall deutsche Waren. Die jüdischen Geschäfte überquellen von ihnen. Deutsche Traversen und Zementsäcke beim Bau, auf dem Lande deutsche Röhren und Pumpen, deutsche Maschinen in den Fabriken und Werkstätten. Die mit Inseraten reich versehenen Zeitungen entschuldigen die Schmach damit, daß sie schreiben, es geschähe, um jüdische Menschen und Geld aus Deutschland zu retten. Aber jeder weiß, daß Ihr Heim sich mit wenig- Geld elegant und gemütlich llCTÄuTfchteii, bietet Ihnen Weitzner, VI., Mariahilferstraße 105, IV., Wiedner Hauptstraße 10. J. Bouclö-Teppich, 2 X3 groß S 30.—, Velours- und Axminster-Teppiche S 78.—, Netzstoffe S 1.68, Indanthrenstoffe alb S 1.95, Seidensteppdeckii S 12.50, Stores, Handarbelt S 4.50 bis S 12.—, Doppelbettdecke S 12.— bis S 24.—, Laufteppiche, ind. Bouch§, per Meter 3.90, Bettvorleger S 3.70 usw. Fehlerhafte Teppiche, Velours, 3 x * groß S 60.- -, echter Smyrna, 350 x 450 160.—, echte Perser ab S 25— und S 58.— Banyai- Teppiche billig« ts Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke Taborstraße 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! 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Der Wert der ausgeführten Rohfelle betrug 7248 gegenüber 6021 Pfund im gleichen Zeitabschnitt des vergangenen Jahres. Der Export von Seife ist mengenmäßig von 598 auf 574 Tonnen gefallen, dagegen dem Werte nach von 15.790 auf 18.103 Pfund gestiegen. Strümpfe und Wirkwaren wurden für 3064 Pfund gegen 1783 Pfund im ersten Quartal 1934 ausgeführt. Im Export von künstlichen Zähnen ist infolge der Konkurrenz aus Zypern ein Rückgang von 8863 auf 6242 Pfund zu verzeichnen. Die Einfuhr ausländischer Waren nach Palästina ist im ersten Vierteljahr 1935 bedeutend gestiegen und machte einen Betrag von 4,390.000 Pfund gegenüber 3,320.000 Pfund im ersten Quartal 1934 aus. Der perzentuelle Anteil der einzelnen Länder an dieser Einfuhr ist im allgemeinen derselbe geblieben, be-< merkenswert ist jedoch, daß der Anteil Englands von 18,3 auf 17 Prozent gefallen ist, während der Anteil Deutschlands von 12,3 auf 13,8 Prozent stieg. Der deutsche Export nach Palästina nahm somit in stärkerem Maße zu, als der englische fiel. Drei Histadruth-Leute verurteilt Aus Tel-Aviv (J. T. A.): Im Zusammenhang mit den Zusammenstößen anläßlich der Vorfälle in Ramat- Gan wurden drei Histadruth-Arbeiter zu einer Woche, bzw. fünf und drei Tagen Gefängnis verurteilt. Einer der Angeklagten erhielt außerdem eine Geldstrafe. * Die Verurteilungist eine Folge von Zusammenstößen zwischen der sozialistischen und revisionistischen Arbeiterschaft. Die Sozialisten waren in Streik getreten und die Revisionisten hatten ihre Plätze besetzt. Dia Revisionisten begründeten ihre Handlungswelse damit, daß es sich nicht um einen wirtschaftlichen, sondern um einen politischen Streik handle, der zum Zwecke des Ausschlusses aller nichtsozialistischer Arbeiter inszeniert wurde. Afrikanisch-Palästinensische Handelsgesellschaft Aus Tel-Aviv: In nächster Zeit findet die Registrierung der vor kurzem mit einem Grundkapital von 5000 Pfund unter dem Protektorat des palästinensischen jüdischen Industriellenverbandes gegründeten „Gesellschaft für den Handel zwischen Afrika und Erez Israe.l" statt. Dem zwischen der Gesellschaft und dem Industriellenverband geschlossenen Abkommen zufolge wird die Handelsgesellschaft keiner- 1 e i landwirtschaftliche oder industrielle Produkte, die in Erez Israel selbst hergestellt werden, einführen. Die Gesellschaft wird sich vor allem bemühen, die Handelsbilanz zwischen Erez Israel und Südafrika auszugleichen und nicht mehr in Palästina zu importieren, als an palästinensischen Waren auf den südafrikanischen Markt abgesetzt werden kann. Ein Teil des Gewinnes wird einem Exportprämienfonds der Palästina-Industrie zugeführt. Die unter der Leitung des südafrikanischen Exporteurs S. S. Stern stehende Gesellschaft hat bereits die Verbindung mit 63 palästinensischen Fabriken aufgenommen und ihre Warenmuster zur Erforschung der Absatzmöglichkeiten nach Südafrika gesandt. Ein ähnlicher, vor einigen .Vahren unternommener Versuch scheiterte an der damals noch mangelhaften Qualität der palästinensischen Industrieprodukte und an nicht entsprechender Organisation. Da sich inzwischen die Verhältnisse in beiderlei Hinsicht wesentlich gebessert haben, rechnet man mit dem Erfolg der jetzt eingeleiteten Aktion. Judenstaatspartei Oesterreichs Sektion XII. bis XV. - hält den feierlichen Gottesdienst an den hohen Feiertagen am 28. und 20. September 1935, 9. und 7. Oktober 1935 im Paradeiser-Saal, Wien, XIV, Slurzcasse 45, ab. Restliche Karten im Vereinslokal, XV, Schanzstraße 32