Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 499 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Reite i DIE NEUE WELT Nr. 499 Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden - Poplin in allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., Rabenstaig 3, Tel. U-20-709 Himmelpfortg. 5, Tel. R-25-8-84 / Köllnerhofg. 1, Tel, R-26-8-99 Öffentlichkeit zeigen, was sie können, zeigen sie auch, wie falsch der Blödsinn von der Rassenlehre ist." Der ,,Prager Mittag" gehört Juden und wird nur von Juden geschrieben. Abgesehen von der ganz unglaublichen Würdelosigkeit, welche dieser Artikel aufweist, ist er Wasser auf die Mühle jener tschechischen Sportfanatiker, welche geneigt sind, den Juden die Teilnahme an der Olympiade ohne Rücksichtnahme auf deren Ehre und cur unter dem Gesichtswinkel des sportlichen Erfolges zu empfehlen. Jeder anständige Jude wird von den Ausführungen des „Prager Mittag" abrücken. Der Artikel mahnt zur Vorsicht. Ich will es mir angelegen sein lassen, die Leser dieser Zeitung über etwaige Versuche, den wahren Sinn der Olympiade-Resolution zu umgehen, auf dem laufenden zu erhalten. * In der Frage, betreffend die Belassung der Zionisten-Revisionisten in der Makfcfcbi-Organisation, ist eine eigentliche Entscheidung nicht gefallen. Der tschechoslowakische Kreis hatte den Antrag gestellt, Zugehörigkeit zur revisionistischen N. Z. 0. sei mit der Mitgliedschaft zum Makkabi unvereinbar. Ferner wünschte er, daß jeder Makkabi nach einjähriger Zugehörigkeit zur Makkabi-Organisation zur Zahlung des Sehe k eis der Zionistischen Organisation verpflichtet sei. Beide Anträge wurden abgelehnt. Dazu trug wesentlich der Einspruch der Makkabim aus Palästina bei. Trotzdem hat die Mehrheit des Kongresses folgende Resolution angenommen: „Der Makkabi bekennt sich zum einheitlichen, überparteilichen Zionismus. Er verurteilt die Spaltungstendenzen innerhalb der zionistischen Bewegung. Er fordert eine zionistische Weltorganisation, eine Gewerkschaft, einheitliche Fonds, einheitliches Schul- und Unterrichtswesen und Anerkennung des Makkabi durch die Zionistische Weltorganisation als die nationale Turn- und Sportbewegung." Wenn auch die radikalen antirevisionistischen Anträge der tschechoslowakischen Delegation formell gefallen sind, so ist doch aus dieser Resolution zu ersehen, daß Revisionisten als Mitglieder unerwünscht sind, da sie ja allen, in dieser Resolution enthaltenen Forderungen ablehnend gegenüberstehen. Es wird auf die Haltung der Landesverbände ankommen, wie sie diese Resolution auslegen werden. Die Forderung nach einer einzigen Gewerkschaft begegnete dem lebhaften Widerspruch vieler Delegierten, die, ganz im Gegenteil, die Schaffung einer eigenen, nationalen Makkabi-Gewerkschaft, respektive eine Entpolitisierung der Histadruth verlangt hatten. Auch hier waren es palästinensische Delegierte, die vor der Verschmelzung der Makkabi-Jugend mit der linken Arbeiterbewegung warnten, und man muß bei dieser Gelegenheit konstatieren, daß die Referate der Palästinenser von tiefster Sittlichkeit, von größtem Ernst und von feurigstem nationalem Geist erfüllt waren. In diesen Referaten wird mit treffenden Worten darauf hingewiesen, daß der Makkabi, wenn er nicht selbst für die Alijah seiner Jungmitglieder'sorge, wenn er weiter bei der rein äußerlichen Vereinsmeierei beharre, Gefahr laufe, daß sich noch mehr Mitglieder von ihm lösen würden, daß noch mehr Zertifikathungrige seine Reihen verlassen werden. Wenngleich für die Eingliederung des Makkabi- Nachwuchcs in die Histadruth volle Autonomie verlangt wird, so steht schon jetzt fest, daß außer Zugeständnissen formeller Natur nichts erreicht werden wird. Führende Makkabim haben nichts unternommen, um der Monopolstellung einer Partei entgegenzuarbeiten. Jetzt liest man in allen Referaten zwischen den Zeilen die Angst, es konnte zu einer völligen Aufsaugung kommen. Es ist Sache aller wahren Makkabi-Freunde, sich dagegen mit aller Energie zu wehren. Die Demission dc3 bisherigen Vorsitzenden des M.-W.-V., Dr. Lclcver, wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Sein Amt übernahm Prof. Dr. Brodetsky CLeeds), das Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, und es kann daher wohl kein Zweifel darüber bestehen, wie das Makkabi-Schiff in Hinkunft gesteuert werden wird. Zu den hohen Feiertagen rütPH Umi nach POLEN billigst und bequem mit D-Zug. Nummerierte Sitze. Sichern Sie sich reentzeitig einen guten Platz. REISEBÜRO „IN DIE WELT" (Dr. S. Tocker) Wien IX, L1ECHTENSTE1NSTRA.SSE 2, Tel. A-14-50* Katholiken und Protestanten zur Olympiade Die bekannte New Yorker katholische Wochenschrift „T hr V n m ni o n \x o a 1" schreibt in einem .Artikel zur Olympiade 11)3(5: „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Politik der Olympischen Komitees zu beeinflussen oder dem einzelnen nmerikunisehen Sportler zu sagen, was er tun soll. Doch im Interesse der Gerechtigkeit regen wir an, daß kein Katholik und kein Freund sportlicher Betätigung katholischer Institutionen die Reise nach Berlin unternehme. Wir fordern alle Organisationen, die mit der Kirche im Zusammenhang stehen, auf, ihren Mitgliedern klar zu machen, daß die Teilnahme an diesen Spielen bedeutet: die Gutheißung der willkürlichen und gewalttätigen Verfolgungen l" In einem Leitartikel der Chikagoer p r o t e s t a ntischen Zeltschrift „Christian C e n t u r y" heißt es: „Keine Verdrehung der Nachrichten in der kontrollierten Presse könnte dem deutschen Volk die Erkenntnis darüber vorenthalten, wie die übrige Menschheit über die Vorgänge in Deutschland denkt. Der Vorschlag, die Olympisehen .Spiele aus Berlin zu verlegen, bietet, die dramatischste und datier wirksamste Gelegenheit, die sieh bisher geboten hat, es Deutschland zu sagen. Um der katholischen, protestantischen und j ü d is c hc n Jage n d D e u t s e, hlands zu sagen, daß die Welt gegenüber den Verfolgungen, denen sie ausgesetzt ist, nicht gleichgültig ist und um den nat.-soz. Führern das Entsetzen vor Augen zu führen, das ihre Brutalität erzeugt, sollen die Sportinstanzen die Olympischen Spiele verlegen! Einer Maßnahme dieser Art «erden andere Länder folgen. Sio wird einen direkten moralischen Einfluß in Deutschland ausüben. Sie sollte daher ohne Zögern durchgeführt werden. Es muß Deutschland gesagt werden!" * Angesichts dieser entschlossenen Haltung katholischer und protestantischer Organe ist der Beschluß des Brünner Makkabi-Weltkongresses, welcher nicht den Mut aufgebracht hat, ein offenes und ehrliches Verbot der Teilnahme jüdischer Sportler an der Berliner Olympiade auszusprechen, noch tiefer zu bedauern. Billigste Reisen nach PALÄSTINA und ÄGYPTEN durch Palestme-Onent Lloyd Generalvertretung tür Oesterreich: »NORDISCHES REISEBÜRO« (Reiseleitung N. M. Racker), Wien I, Am Graben 10, Telephon R-24-2-30 Die Juden in Mexiko Aus New York (J. T. A.): Bei einem Besuche in New York gab der Herausgeber der in Mexiko erscheinenden jüdischen Zeitung „Der Weg", Mosche Rosenberg, der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgende Schilderung der augenblicklichen Lage der mexikanischen Juden: Die etwa 30.000 Juden Mexikos haben sich den Landesverhältnissen gut angepaßt. Ihre materielle Lage ist zufriedenstellend. Es gibt in Mexiko zwei jüdische Volksbanken und etwa 20 nationale Berufsvereinigungen und Finanzinstitutionen. Auch das kulturelle Leben verfügt über eine verzweigte Organisation. Die jüdische Bevölkerung ist national eingestellt, von Assimilationsträumen gibt es fast keine Spur. Vor kurzem wurde der Grundstein zu einem eigenen Schulgebäude gelegt. Die jüdische Schule wird im kommenden Jahr zu einer höheren Schule ausgestaltet und besitzt volles Oeffentlichkeitsrecht. Die Unterrichtssprache ist Spanisch, doch wird auch dem Jiddischen und Hebräischen ein breiter Raum gewährt. Die Juden Mexikos verfügen über ein ständiges jüdisches Theater. Es arbeiten in Mexiko etwa zehn jüdische Schriftsteller und Publizisten. Die einzige jüdische Zeitung ist „Der Weg". Zur Einwanderungsfrage bemerkte der Gewährsmann, daß vorläufig völlige Einwänderungssperrc besteht und es den in Mexiko ansässigen Juden sogar schwer ist, Angehörige aus Europa nachkommen zu lassen; man erwarte aber, daß binnen kurzem ein neues Einwanderungsgesetz gewisse Milderungen bringen wird. Die antisemitische Propaganda wird von der Organisation der „G o 1 d h e m d c n", an deren Spitze der frühere Präsident General Rodrigucz steht» getragen. Die jüdische Bevölkerung habe aber volles Vertrauen zu dem gegenwärtigen Präsidenten, General Cardenas, und erwartet von ihm, daß er die „Goldhemdcn- Bewegung" in den gebührenden Schranken halten wird« AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER OK Stüberlpreise ^^B^^w^r AIfvWientm nrinvinp-rrKVilrr. Täcrf. Musik rlpr k'an^Ilf» Anerharlv Alt/WienimGrinzingcrKcller. Tägl. Musik der Kapelle Auerbach- Konzert. Jazz. Stimmung Der Londoner „Economist" über das palästinensische Problem Aus London: Die Londoner Zeitschrift „The Economist" schreibt: „Das bedeutende Anwachsen der Zahl von Einwanderern, die Investierungskapitai mitbringen, war ein Ansporn für die wirtschaftliche Tätigkeit und hat die Kräfte wirtschaftlicher Gesundung in Palästina gestärkt." Es wird sodann ausgeführt, daß Palästina als einziges Land der Weltkrise standgehalten hat. Seine Einwanderung, sein starker Kapitalimport, seine rasche Entwicklung auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet, die steigenden Export- und Importziffern, all dies seien Anzeichen für eine Lage, die in den letzten Jahren kaum in einem anderen Lande ihresgleichen hatte. Diese allgemeine Tendenz :.ei auch in diesem Jahre nicht schwächer geworden. Die industrielle Entwicklung habe angehalten. Der schnelle und wirtschaftlich umfassende Aufschwung wurde bewerkstelligt, ohne daß viel ausländisches Leihkapital in Anspruch genommen wurde. Dagegen leide die palästinensische Wirtschaft an einem akuten Arbeite;.- mangel. Die rentable Verwertung des aufgespeicherten Kapitals im Binnen- und Außenhandel bleibe eng begrenzt, solange nicht die Last der übermäßigen Arbeits kosten verringert werden kann. Ausreichende Kapitalvorräte bei Mangel an Arbeitern, das sei das Problem Palästinas. Jüdische Kolonisation in Syrien? Aus Kairo: Die arabische Zeitung „Mo ka tarn" teilt aus Beirut mit, daß in Paris eine Verständigung zwischen dem Premier und Außenminister Laval und dem Oberkommissär für Syrien, de Martel, einerseits und einer jüdischen Vertreterschaft anderseits über die Ansiedlung von Juden in Syrien und Libanon erreicht worden ist. Als Bedingung wurde gestellt, daß die jüdischen Siedlungen nicht an der Grenze zwischen Syrien und Palästina gelegen sein dürfen. Das Wachstum der Stadt Biro-Bidschan Aus Moskau (J. T. A.): Die Stadt Biro- Bidschan, Hauptort des autonomen jüdischen Rayons Biro-Bidschan im russischen Fernen Osten, die im Jahre 1928 (damals hieß der Ort noch Tichonkaj») 000 Einwohner zählte, beherbergte 1932 bereits 4000 Seelen und zählt heute 1 0.5 0 0 Einwohner. Bis Ende des Jahres Wird die Zahl der Einwohnerschaft rund 13.000» hauptsächlich Juden, betragen. Die Bevölkerung setzt sich aus Handwerkern, Industrie- und Bauarbeitern, Angestellten und Spezialisten zusammen. Es herrscht ständiger Arbeitermangel in allen Produktionszweigen. In diesem Jahre werden über 17 Millionen Rubel für Häuserbau ausgegeben. Für das kommende Jahr ist eine immense Bautätigkeit vorgesehen, die Straßen werden asphaltiert werden. Die größeren Häuser haben Zentralheizung. Die Kanalisation ist bereits im Bau. Die Elektrifizierung wird ausgedehnt, ein Autobusverkehr wird eingerichtet. Nach dem bestehenden Plan wird Biro- Bidschan Ende 1936 über 20.000 Einwohner zählen. Das Wiener Palästina»Ami teilt mit: Entgegen verschiedenen Gerüchten und Zeitungsnotizen über angebliche Schwierigkeiten im Reiseverkehr nach Palästina über Triest teilt das Palästina-Amt Wien auf Grund authentischer Informationen mit, daß sich der Schiffsverkehr über Italien mit genauer Einhaltung der Fahrpläne nach wie vor klaglos abwickelt. Anders lautende Nachrichten entbehren jeg-* lieber Grundlage. Der Lloyd Triestino hat für die Abfahrt am 30. September 1935 den Sonderdampfer „Conte Grande" eingestellt. Aus Wien fahren mit diesem Schiff zirka 100 Olim. Die Abreise erfolgt am 29. September um 9.20 Uhr abends vom Wiener SUdbahnhof. Der Verein der Buczaczcr veranstaltet wie alljährlich auch heuer anläßlich der hohen Feiertage ein M inj an im Jüdischen Volksheim, II., Untere Augartenstraße 38, unter Mitwirkung hervorragender Vorbetcr. Karten erhältlich allabendlich dortselbst zwischen 6 bis 9 Uhr. h$ dm koken fetedagen wie alljährlich ~ auch heuer ins ItPD RESTAURANT U.Sf$atm jetzt 11/ HammefffPurgstallgsse 7 (Nähe Dianabad) Früher Hotel National und Stefanie Bekannt vorzügliche Wiener KU «he Menüs von Schilling 1*60 aulw« Orientalische Speisen am Rost und Spieß