Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 499 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 495 DIE NEUE WELT 8»J mm^m^ß fltathm^el Die Courage des Drillen Reiches Aus dem, ganzen Gebaren und Treiben des »Stürmer" wird man nicht recht klug, denn man gewinnt den Eindruck, daß die LeutG das, was sie schreiben, wohl selber nicht glauben. Zu welchem Ende und um was zu verdecken, vernebeln sie dann die Gehirne von alt und jung mit ihren pornographischen Rasseberichten f Es muß in den fetten Jagdgründen des totalitären Nationalsozialismus schon recht viel wirtschaftliches Freiwild beiseite zu schaffen sein, daß man immer noch, zweieinhalb Jahre vach der Machtergreifung durch das Hakenkreuz, derartige Trompetenstöße nach allen Richtungen der Windrescr von sich gibt, wie es „Der Stürmer" des Julius Streicher tut. Mit der Courage des Dritten Reiches, vielmehr führender Kräfte des Nationalsozialismus, muß es nicht besonders weit her sein, da man sich vor nicht ein m al ganz eine m Prozent der J uden de rm aßen f ü rehtet, d a ß es gerade z u g rot es k w i r k t." * „In derselben Nummer wird namentlich auch gegen das Bauernlegen seitens jüdischer Wucherer und Geschäftsleute im Dritten Reich Stellung genommen. Bei dieser Sache wird vergessen, daß das Bauernlegen in den Gegenden seit jeher den ärgsten Umfang angenommen hat, in denen es überhaupt keine Juden gibt, nämlich in jenen Gegenden, wo die preußischen Junker und Großgrundbesitzer ihre großen Güter mit allen Mitteln der Finanz, der Obrigkeit, des Wahlterrors usw. zu arrondieren versuchten." „Sturm über Oesterreich", September 1935. Ein editfer Rassenhygieiuker Dr. Tirala, Professor für Rassenhygiene der Universität München, klagte die Erben eines früheren Kollegen auf Zahlung von 23.000 tsch. K für ärztliche Behandlung ein. Vor Gericht wurde durch Zeugen einwandfrei festgestellt, daß der Rassenhygieniker mit seinem verstorbenen Kollegen befreundet gewesen sei und mehrfach beteuert hatte, er nehme „selbstverständlich" für seine Behandlung keine Bezahlung. Der Rechtsvertreter des Münchener Professors in MMrisch-Ostrau, wo der Prozeß stattfindet, ist der Advokat Dr. S pira, ein Sohn des Rabbiners in Mährisch- Ostrau. Prager Bericht vom September 1935. Im "Zweiten Reich ,,In unerwarteter und tief beschämender Weise wird jetzt an verschiedenen Orten, zumal den grüßten Städten des Reiches, der Rajss enha ß und der Fanatismus des Mittelalters wieder ins Leben gerufen und gegen unsere jüdischen Mitbürger gerichtet. Vergessen wird, wie viele derselben durch Fleiß und Begabung in Gewerbe und Handel, in Kunst und Wissenschaft dem Vaterlande Nutzen und Ehre gebracht haben. Gebrochen wird die Vorschrift des Gesetzes wie die Vorschrift der Ehre, daß alle Deutschen in. Rechten und Pflichten gleich sind. Die Durchführung dieser Gleichheit steht nicht allein bei den Tribunalen, sondern bei dem Gewissen jedes einzelnen Bürgers .... Schon hört man den Ruf nach Ausnahmegesetzen und Ausschließungen der Juden von diesem oder jenem Beruf oder Erwerb. Wie lange wird cs währen, bis der Haufe auch in diesen einstimmt. Eingabe an Bismarck 1880, gezeichnet von Mommsen, Virchow, Siemens u. a. „Arier" — Nair „Welchen Wert hatte die Verfolgung der Juden in Deutschland? Sie zeigte, daß ein sehr großer und sehr wichtiger Teil all dessen, was wir als deutsches geistigen Gut in den Disziplinen der Kritik, der Geschichte> der Philosophie, Philologie, Naturwissenschaften, Mathematik, Technik, Medizin, Literatur, Musik, Malerei ansahen, jüdisches Produkt sei. Wir wußten das nicht, wir haben das nicht bemerkt, aber die Verfolgungen zwangen uns, es zu sehen. Die Ziffern ivachsen von Tag zu Tag. Täglich bemerken wir, daß Menschen, die man als Deutsche betrachtet hat, da sie in deutscher Sprache schrieben, Juden seien. Niemand hat angenommen, daß die sogenannten „Arier" den Nichtariern so viel zu verdanken haben. Welch eine Schande, sich der Arbeit eines Fremden zu bedienen und sich an ihr zu bereichern, icie sie es bisnun getan haben! Was für ein edler, unbestechlicher Geist eines Julius Streiche r, der da fordert, daß für einen christlichen Kranken die Forschungsergebnisse eines Wassermann, eines Frankel, Neisser und anderen jüdischen Gelehrten nicht verwendet werden dürfen- und daß sie lieber sterben mögen, bevor solch ein Almosen anzunehmen. Herrlich! Das ist ein heroisches Entsagen, würdig eines echten Ariers. Man könnte ihm nur entgegenhalten (obwohl so ein Vorwurf ohne Bedeutung ist), daß auf diese Weise das Wort „Arier" ein Synonym wird für das Wort „Narr". Man muß noch hinzufügen, daß diese Männer, die da der Schönheit und der Wahrheit dienten und die wir bewundert haben, dies nicht als Deutsche und nicht als Juden taten, und daß ihr Werk ihrer „Humanität" entsprungen ist, „die allen edlen Menschen gemeinsam ist und die in ihnen und dadurch in allen von uns beledigt wurde". J3enedetto Croce in. nLa Critica" jßmh *935» leichtverdaulich Kunerol^sJ^vollständig reines\fett} aus Kokosnüssen, es j$r nahrhaft, leicht^yefdaulichAunbegrenzr^half' , #»., mi.«!' «f« *****"M"*--«»»-^ . " i barundjkannwon jedem Strenge gläubigen ohne* Bedenken zur Zu-' bjereifunef von Milch- und Fleisch» spejseri^für den" Festtagstisch^verwendet werden. Das Verschlußsiegel "der Packung gibt Ihnen^die Gewißheit daß Kunerol unte^ Aufsicht Sr. Ehrwürden desv Herrn .Fi Bezirksrabbine rs" S. EhrenfeId zu Mattersburg hergestellt wird: mssm K1* Das100% reine Ko köshußfett ur echt in Originalpackung! In Salzl HÖH nach der Saison Salzburg, das mit Recht die Perle Oesterreichs genannt wird, hatte dieses Jahr einen Fremdenandrang sondergleichen zu verzeichnen. Menschen aus aller Herren Landen1 traten förmliche Wallfahrten an, um dieses Stückchen Oesterreich, um diese einzigartige Vereinigung des Höchsten, das die Natur an Schönheit und der Mensch an Kunst hervorzubringen . vermag, zu genießen., Fremde Gäste in überquellender Fülle. Die guten Salzburger Bürger hatten alle Hände voll zu tun, um den Geldsegen einzuheimsen. Deutsche aus dem Dritten Reich fehlten wohl, aber Slawen, Romauen. Eliten, Amerikaner und Juden ersetzten diesen Ausfall fünffach und sechsfach. Es muß auch anerkannt werden, daß die Salzburger als Hausherren es trefflich verstanden haben, den Gästen aus fremden Welten den Aufenthalt behaglich zu gestalten. Sie entwickelten eine Gastlichkeit grandiosen, internationalen Formats, sie hüllten die Fremdlinge aller Rassen in eine Atmosphäre keiner Steigerung fähiger Liebenswürdigkeit. Ja, so taten die guten Salzburger ... in der Hauptsaison ... Aber jetzt ist die Hauptsaison vorüber und jetzt können sie auch anders, die guten Salzburger. Der Som> mer ist weg, die Fremden sind weg — ihr Geld ist Gott sei Dank dageblieben — und die Salzburger können sich voll und ganz ihren „völkischen Belangen" widmen. Nach der Arbeit das Vergnügen. Am 15. September hielt der Oesterreichische Skiverband in Salzburg seine ordentliche Hauptversammlung ab, von allen österreichischen Gauen reichlich beschickt. Es wurde viel über Sport und Fremdenverkehr gesprochen. Sehr nützliche, doch nicht allzu aufregende Dinge. Da traten die Salz burger auf den Plan und taten ihr Möglichstes, um Leben in die Sache zu bringen. Es ist ihnen auch gelungen. Die Salzburger Gruppe des Skiverba.ndes beantragte folgende Aenderung der Verhandsstatuten: „Die Satzungen des Einzel- und V e rbaiidsvercines müssen die Bestimmung erhalten, daß als Mitglieder nur Personen arischer Abstammung aufgenommen und als Amtswalter nur Personen germanischer Volkszugehörigkeit mit dem Sitz in Oesterreich bestellt werden können." Im Protokoll heißt es: Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Alle anderen Anträge auf Aenderung der Statuten wurden zurückgezoge n.— Die Zurückziehung erfolgte wohl, um die hervorragend« Leistung der Salzburger Antragsteller besonders zu unter3 streichen und sie zum geistigen Mittelpunkt der Tagung zu machen. Im Bericht heißt es weiter: „Das oberste Ziel, den Skilauf in Oesterreich auch zum Träger eines bedeutenden Wirtschaftsfaktors zu machen, leuchtete über dieser denkwürdigen Tagung." Bei dieser „denkwürdigen" Tagung waren auch Vertreter der Institute zur Förderung des österreichischen Fremdenverkehrs anwesend. Es wäre interessant, zu erfahren, ob diese Herren auch der Meinung sind, daß das Licht, welches jetzt von dieser Tagung in Salzburg ausgegangen ist, besonders einladend wirkt. Im Sommer Reinhardt, Strnad, Bruno Walter, List. Im Herbst Arierparagraph. Die Abwechslung ist wohl pikant, aber nicht nach jedermanns Geschmack. OHBBBi Der Mal eltkongreß in Brünn Von Prof. Ernst Vogel (Brünn). Ich habe in der „Neuen Welt" vom 10. d. M. einige wichtige Fragen erörtert, welche den Weltkongreß beschäftigen würden, und gehe nun daran, festzustellen, in welcher Weise diese Fragen behandelt wurden. In der Frage der Beteiligung jüdischer Sportler an der Olympiade in Berlin 1936 wurde folgende Resolution gefaßt: „Iii Anbetracht der jüdischen Situation in Deutschland ersucht der Kongreß des Makkabi-Weltverbandes sowohl die Olympischen Komitees als auch die sonstigen Sportbehörden, jüdische Sportler von der Teilnahme an der Olympiade 1936 in Deutsehland zu befreien." Es muß konstatiert werden, daß diese Olympiade-Resolution leider kein striktes Verbot der Beschickung der Olympiade für seine Mitglieder enthält, sondern die Olympischen Komitees nur ersucht, die jüdischen Sportler zu dispensieren. Es ist mir zwar versichert worden, daß für den Fall, als Olympische Komitees oder andere Sportbehörden dem Ersuchen um Dispens für Makkabim nicht stattgeben, eine Reise nach Berlin trotzdem nicht in Frage kommt. Aber die Resolution läßt immerhin die Möglichkeit offen, diese brennende Frage von nichtjüdi- «chen Behörden entscheiden zu lassen. Dies» ist für die Tschechoslowakei von ganz besonderer Bedeutung, da ja in diesem Lande, wie bereits früher erwähnt, jüdische Schwimmer vermutlich vom tschechoslowakischen Schwimmverband für die Olympiade angefordert werden könnten. Jedenfalls muß jeder jüdische Sportler, der, aus was immer für Gründen, nach Berlin reist, damit rechnen, sich aus der jüdischen Gemeinschaft selbst zu eliminieren. Im Zusammenhang damit bringe ich folgenden Artikel des „Prager Mittag" zur Kenntnisr „Der MalikabirKongreß hat am gleichen Tag, da in Deutschland die neuen Judengesetze herauskamen, beschlossen, die Teilnahme jüdischer Sportler an der Olympiade zu verbieten. Wir sind der Ansicht, daß ein derartiges Vorgehen falsch ist. Wir wären im Gegenteil dafür, daß alle erstklassigen Juden in Berlin starten. Klassesportler, wie Helene Mayer oder W i 11 i e den O u d e n, um nur einige der prominentesten zu nennen, würden bestimmt Olympia-Titel gewinnen. Wären diese jüdischen Siege keine eindrucksvollere Demonstration, als das Fernbleiben, das höchstens die Deutschen erfreut, da ihnen, deren Aussichten trotz aller Anstrengungen nur minimal sind, wieder einige schwere Gegner crsp*ri bleiben? Die eingeschlagene Taktik erscheint uns jedWN fall* falsch, nur dadurch, dj§ 4i« Ju4«a vor 4er i*