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Die neue Welt · 1935-09-17 · Heft 498 (17.9.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 498 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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X DIE NEUE VVEL1 Seite 3 Statist dtei* //Mceen Sßonistfedhen Organisation" Ivt$. Der in Wien abgehaltene i. Kongreß der ,,Neuen Zionistischen Organisation" < N. Z. O.) hat folgendes Grundgesetz beschlossen: 1. Die Aufgehe den Zioni«nt;iK ist, das Volk I s r a r l und sein L a n ü zu erlöse::, Keinen Staat und .srine 8 (> räch e wieder zu h'ie^eu und die Heiligtümer der Thor» im Lehen der Nation zu verwurzeln. DjV Wege sind; Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina auf beiden »Seiten des Jordans, Errichtung den jüdischen .Staates, vereinbarend die Prinzipien der bürgerlichen Freiheit mit den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit im Geiste der Tiiora, Israels, Repatriierung aller Juden, die, es wollen, und Liquidation der Diaspora. Diese Aufgabe hat Vorrang vor den Interessen einzelner Gruppen oder Klassen. 'Z. Die N. 7j. O. ist der Kähmen zur Organisierung des im Palästina-Mandat a n e r k a nute n jüdische n Volk e s. 3. Die N. Z. ö. behält sich den Anspruch vor, als Vertretung des Gcsamljudentums in bezug auf Palästina völkerrechtlich anerkannt zu werden. 1. Das oberste Organ der N. Z. O. ist die Welt- NationaIversamm£uiig (W. N. V.), bei deren Wahlen jeder Judo und jede Jüdin vom 20. Lebensjahre an das aktive Wahlrecht haben und alle Answoi s inhalier (vom Ä\. Lebensjahre an) wahlfähig sind. Die. erste M. N. V. wird im Jahre 1937 einberufen werden, nachher einmal in drei Jahren. Wahl des Nassi (Führers) und Revision dieses Grundgesetzes sind Prärogativen der W. N. V. Den ersten Nassi wählt der Gründungskongreß. 5. Zwischen zwei W. N. V. neiden jährlieh K o nvente einberufen, bei d?ren Wahlen das aktive Wahlrecht denn Ausweisinhabcr vom 80. Lebensjahre, das passive vom 24. Lebensjahre an gehört. 6. Der Nassi wird bis zur nächsten W. N. V. gewählt. Bei seinem Rücktritt oder Tod muß binnen drei Monaten eine Plcbiszitwahl stattfinden. Auf Mißtrauensvotum eines Konvents (mit einfacher Mehrheit) tritt der Nassi zurück. 7. Die Nessijut (Exekutive) wird auf Antrag des Nassi durch die N. V. oder den Konvent en bloc gewählt. Di« Nessijut ist zusammen mit dem Nassi vor der N. V, und dem Konvent kollektiv verantwortlich, wobei aber der Konvent das Recht hat, von jedem Ressortleiter Ressortberieht zu verlangen. Bei der Demission de» Nassi demissioniert auch die Nessijut. Die laufenden Geschäfte bis zur Neuwahl erledigt dann der Ex-Nassl mit; einem von ihm ernannten Kollegium und nach der Neuwahl e r n e n n t der neugewählte Nassi eine Nessijut bis zum nächsten Konvent. 8. Es soll ein Her z 1 - Orden geschaffen werden, bestehend ans lebenslänglichen Mitgliedern, als höchste beratende Körperschaft der N. Z. O. * (Bern. d. R e d. Der Oharakter der von Jabotinöky gegründeten Organisation kommt in den Punkten 2, 3 und 7 zum Ausdruck. Die neue Organisation erhebt den Anspruch auf Totalität, d. h. sie erhebt den Anspruch darauf, alleinige Vertretung des jüdischen Volkes zu sein, und fordert völkerrechtliche Anerkennung als solche. Daraus allein ergibt sich notwendig ein scharfer Kampf zwischen der N. Z. O. und der Zionistischen Weltorganisation (Z. O.). Daraus ergibt sich, daß die vielfach und auf beiden Seiten geäußerte Ansicht von der Möglichkeit einer Zusammenarbeit der beiden Organisationen hinfällig ist. Das jüdische Volk steht, wie wir vorausgesagt haben, vor einem schweren inneren Kampf, und das gerade in einer Zeit größter äußerer Gefahr. — Im Punkt 7 des Statuts kommt eine fast hundertprozentige Anerkennung des „Führerprinzips" zur Geltung. T\WTl mi nach POLEN billigst und bequem mit D-Zug. Nummerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz. REISEBÜRO,, IN DIE WELT1* (Dr. S. Tocker) Wien IX, LIECHTENSTEINSTRASSE 2, Tel. A-14-504 Sie ledisen nadh einem Progront ♦ ♦ ♦ Es hieß, der Monat August werde der Monat der Judenverfolgung sein, ein Monat — ausschließlich der Judenjagd geweiht, wie sich die heutigen Machthaber im Dritten Reich sie vorstellen. Der Monat September kam. Er unterschied sich in seinen antijüdischen Brutali täten in nichts von seinen Vorgängern. Da und dort war gar noch — wenn möglich — eine Verschärfung zu verzeichnen. Denn man näherte sich ja dem Nürnberger Parteitag, an dem die Ausstoßung der deutschen Juden aus der Bürgerschaft durch ein Gesetz proklamiert werden sollte. Diese offizielle Verkündung der völligen Judenentrechtung geschah nicht vielleicht mit Rücksicht auf das Ausland. Aber da die Juden in Deutschland ohnehin in einem Zustand totaler Rechtlosigkeit, auch vor den Gerichten, leben, hätte es sich bloß um eine in Pa ragraphen niedergelegte Rechtlosigkeit gehandelt, die vielleicht der Rechts Willkür der Gerichte ein Ende gemacht hätte. Aber auch das ist nicht geschehen. Die Lage ist so, daß es derzeit für Juden in Deutschland überhaupt kein Recht gibt. Trotzdem haben die Herren Deutschlands, außer Hitler auch noch Goebbels und Streicher, in der zweiten SeKemberwoche in ihren Enunziationen Töne angeschlagen, die bezüglich der persönlichen Sicherheit der Juuen das Scldimmste befürchten lassen. Herr Dr. Goebbels, ein Akademiker, früher Sozialdemokrat, Schüler des jüdischen Gelehrten Professor Friedrich Gundolf, verleugnete die hohe Geistigkeit seines jüdischen Lehrers. In seiner Nürnberger Parteitagsrede sprach er über Nationalsozialismus und Bolschewismus. Er wiederholte das, was man seit Etablierung des Dritten Reiches von deutschen Nationalsozialisten bis zum Ucberdruß gehört hat, verlegte sich aber diesmal darauf, den Bolschewismus als eine j üdischc Wcltver schwörung' darzustellen, als den „groß angelegten Versuch des Judentums zur Expropriierung und Depossedicrung der arischen Oberschichten in allen Nationen und zu ihrem Ersatz durch die jüdische Unterwelt". Mit dieser Darstellung braucht man sich nicht auseinanderzusetzen. Sic steht jenseits jeder Polemik. Sie ist für die Massen berechnet, die nach Nürnberg verfrachtet worden sind. Aber einiges andere verdient doch ein paar Zeilen. Zunächst Goebbels* Feststellung: „Der Nationalsozialismus beschränkt sich auf Deutschland und ist weder als Idee noch als Praxis Exportware." Herr Goebbels weiß sehr gut, daß jedes Wort in diesem Satze bewußte Lüge ist. Denn e r ist es, der jährlich Millionen Mark für die nazistische Auslandspropaganda ausgibt, der seine Agenten in alle Länder, von Algier bis Argentinien, schickt. Herr Goebbels erzählt, die bolschewistische, von den Juden geleitete Propaganda gehe vom Grundsatz aus, daß der Zweck die Mittel heilige, ,,daß Lüge, Verleumdung, Terror, Brand, Spionage... in ihren Dienst gestellt werden müssen." Nun, Herr Goebbels, sind Ihnen vielleicht diese Mittel unbekannt? Es ist nicht gerade klug, im Hause des Gehenkten vom Strick zu reden. Und schließlich bricht Herr Goebbels in bezug auf die bolschewistische, will sagen, jüdische „Revolutionierung aller Völker" aus: „Das ist Verbrechen, das gehört nicht vor das Forum der Weltgeschichte, das geht die Staatsanwälte in allen Ländern an." Herr Goebbels hat leicht reden. Denn im Dritten Reich wird es kein Staatsanwalt wagen, die nationalsozialistischen Verbrechen, eben jene oben erwähnten, wie Lüge, Verleumdung, Terror, (Brand (!) vor das Forum des Gerichtes zu ziehen, Herr Goebbels schäumt vergebens. Schon im ersten Jahre des Hakenkreuzregimes haben Engländer im Unterhaus, also vor der Weltöffentlichkeit, gesagt, was sie von den Methoden und von der Kultur der Machthaber des Dritten Reiches halten. Die foiBlöge Sonderfahrt nach Polen u.Ciernowitz».sept. Rückfahrt 9. Oktober (Czernowitz tour-retour S 100.-\ Samtnelpaß. Schnellzug. Anmeldung. Reisebüro ,IRUTff Karlspax 1 (Ref S. Rosenkranz). Tel. LM4-5-79 Auch Herr Hitler könnte für keines seiner Worte, das er auf dem Nürnberger Parteitag proklamiert hat, den Beweis erbringen. Der Mann, dessen Agenten in der ganzen Welt schüren, die in Algier die Araber, in Argentinien die Spanier, in Mexiko die Azteken gegen die Juden hetzen, der Mann, dessen Rasseprogramm in der Judenhetze besteht, versucht heute noch, die Welt mit Phrasen ä la „jüdisch-internationaler Kommunismus" oder „Der bolschewistische Jude in Moskau", oder „Die jüdischen Drahtzieher" zu bluffen — als würden die Juden in Deutschland verfolgt werden, weil sie Kommunisten sind. Herr Hitler stellt sich der Kulturwelt wieder einmal als der Retter vor dem Bolschewismus dar und will gleichzeitig die Schandtaten gegen das Judentum als not. wendige Maßnahmen auf dem Weg dieser Rettung begreiflich machen Sein Busenfreund Julius Streicher, der Hausherr des Nürnberger Parteitages, zeigt eine weniger getarnte Haltung. Seine Methoden sind der Masse angepaßt, die er gewinnen will. Die anläßlich des Parteitages herausgegebene Sondernummer seines „Stürmer" ist zur Gänze auf Mordhetza gegen die Juden angelegt. Sie trägt den Gesamttitel „Menschenmörder von Anfang an" und gibt dio Geschichte des jüdischen Volkes, wie sie Julius Streicher sieht. Die Ueberschrift auf der ersten Seite lautet: „Der jüdische Weltbolschewismus von Moses zu den Komintern." Herr Streicher weiß, was er den Lesern seines „Stürmer", zu dessen eifrigsten bekanntlich Hitler gehört, schuldig ist. Er schreibt sich selbst die Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke TaborslraDe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos! / Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Geschichte. Eine Jahrtausend geschriebener und studierter Geschichte wird von ihm in den Papierkorb geworfen. Die Hauptsache ist, daß er den blutrünstigen und sadistischen, Neigungen seiner Leser Genüge tun kann. So heißt es z. B. in einem Artikel: „Die Juden sind ein Volk von Mördern und ihr« ungesühnten Verbrechen schreien zum Himmel. Das wird so lange dauern, bis die erwachte nichtjüdischc Welt sich zusammenschließt und die Todesstrafe an den Juden vollzieht. Dieser Tag des Gerichtes wird der Tag der Rettung der Menschheit sein." Man könnte über diese Ausgeburten eines verbrecherischen Hirns zur Tagesordnung übergehen, wüßte man nicht, daß im heutigen Deutschland hunderttausende Verführte nicht davor zurückschrecken, die Konsequenzen aus dieser Verhetzung zu ziehen. Man übertreibt nicht, wenn man blutige Pogrome als Folge solcher „Aufklärung" befürchtet. Seit einigen Tagen kann man in Frankfurt und Mannheim Sprechchöre junger Leute hören: „Gebt uns eine freie Stunde, damit wir mit Dunkelmännern und Juden abrechnen können!" In einigen Ortschaften erhalten Juden in den Molkereien keine Milch und Butter mehr. Und ähnlichen Weisungen gehorchen verschiedcnenorts die Apotheken, so daß jüdische Aerzte herum, reisen, um ihre Glaubensgenossen mit Medikamenten zu versehen. Arische Dienstmädchen, die in jüdischen Familien angestellt sind, werden durch Suggestivfragen zu Aussagen veranlaßt, auf Grund derer Anklagen wegen Rassenschande erhoben werden können. Der Schrei nach einer freien Stunde, die zur „ Abrechnung" verwendet werden soll, das ist das Resultat der systematischen Hetze, wie sie im Dritten1 Reich von allen, Hitler voran, betrieben wird. Juden laufen noch immer zu nazideutschen Filmen, sind glücklich, sich an dem „nordischen" Gehaben und Reden der Helden ergötzen zu können. Jetzt laufen sie zu „Amphitryon", einem „arischen" Film, von dem die sogenannte Judenpresse als einem Meisterwerk schwärmt. vw Daneben aber gibt es auch folgende Kritik: „Amphitryon, urewiger Komödienstoff, nach Plautus, Moliere, Kleist, ist nun den Weg aller Literatur gegangen und Herrn Reinhold Schänzel nebst seinen Drehbuchkonfektionären in die Hände geraten. Aus dem frechen Satirspiel ist ein Mikosch-Witz mit Schlagermusik geworden. Aus einer olympischen Travestie eia plattes Geblödel über die Götterwelt der Antike. Man könnte sich hinwegtrösten über den geramschten Kulissenzauber, über die altehrwürdigen „Gags", die alle aus der amerikanischen Lutstspielindustrie fertig bezogen sind, aber man kann nicht hinweghören über den Dialog, Ob die Götter sprechen oder die Thebaner, alle reden sie ein schnoddriges, seltsam verqueres Deutsch. Man wird in den ersten Szenen schon von einer bösen Ahnung geplagt. Sollten es etwa...? Jawohl, es sind Reime, Reime, mit denen man sonst ein neues Putzmittel anzupreisen pflegt. Sie klingeln unaufhörlich und unerträglich durch den ganzen Film. Der Zuhörer vergißt die Handlung. Er achtet auf eins nur noch: ob es sich reimt. Im Herstellungslande dieses Films sollte bekanntlich eine Neuordnung auch den Kinobetrieb von „fremden Elementen" reinigen. Einigen schien vielleicht diese Kur, auf Probleme der Kunst angewandt, allzu radikal. Immerhin konnte man hoffen, daß manchem Unberufenen die Möglichkeit genommen werden würde, die deutsche Sprache zu verhunzen. Nun, Darsteller, Autoren und da« gesamte technische Personal dürften gewiß den neuen Forderungen strengster Auslese entsprechen, der Tonfall ist der gleiche geblieben. Der Sehlager: „Nur eine Nacht" ist immer noch von jener Sorte merkantiler Poesie, die man als Auswüchse des „Kulturbolschowismus" verdammt hat. Und auf demselben geistigen Niveau Ist das geschmacklose Gewitzel Uber den Krieg unerträglich für eine Generation, die, wie die unsere, mit diesem Begriff so furchtbare und so ernste Erinnerungen verknüpft." Diese Kritik stammt aus der Zeitschrift „S türm über Oester reic h", aus einem Organ also, das in deutschen Belangen und in kulturellen Fragen gewiß Bescheid weiß. Aber ein Teil der Wiener Juden lauft immer noch der gewesenen Linkspresse nach, also schnurstracks in deutsche Filme. Billige Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung: In allen Relseangelegcnheiten, welche Palästina betretten, mündlich und telephonisch Im Reisebüro „in DIE WEIT", (Dr, S. Tocker) IX, LI echte nstelnstraße 2, Telephon A-14.504

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