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Die neue Welt · 1935-09-17 · Heft 498 (17.9.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 498 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 498 Das jüdische Kind m der Schule Von Dr. Rache? Offner .....Die nationaljüdische Organisation wird nur Notstandsarbeit mit kurzfristiger Wirkung leisten, wenn sie. nicht die. Schulfrage an erste Stelle setzt. Saumseligkeit bei Behandlung der Schulfrage frißt ins Mark des jüdischen Volkes." (Robert Stricker: „Wie können wir unsere Jugend jüdisch erhalten" vom Jahre 1919.) Schulbeginn. Wieder stehen wir vor der Gewissensfrage: Erziehung unserer Kinder. Die Schulfrage Ist Schicksalsfrage unserer Jugend, unseres Volkes. Die christlich-deutsche Schule, in welche das Jüdische Kind hineingezwängt wird, tötet in ihm jede seelische Beziehung zu seinem Volke ab. In der fremden, feindseligen Schulgemeinschaft fühlt sich das jüdische Kind unbehaglich. Die vom Antisemitismus früh vergifteten nichtjüdischen Kinder verhöhnen das jüdische Kind, mißhandeln es nicht selten. Das jüdische Schulkind wächst in einer trostlosen geistigen Atmosphäre heran. Schon im zartesten Alter empfindet das jüdische Kind die Diffamierung seines Volkes. Es macht seine jüdische Abstammung für alle seine Leiden verantwortlich. Diese Erschütterung des Selbstbewußtseins hinterläßt beim jüdischen Kinde Eindrücke, die das ganze Leben hindurch auf dem jüdischen Menschen als drückender Alp lasten. * In Oesterreich brachte das Schuljahr 1934/35 bekanntlich eine neuartige Demütigung des jüdischen Schulkindes: die Einführung der „Sonderklassen". Ein Schulghetto wurde geschaffen. Die Konzentration jüdischer Kinder in abgesonderten Schulräumen bedeutet eine Erniedrigung, Ausstoßen der jüdischen Kinder aus der Schulgemeinschaft. Psychologisch besteht zwischen der deutschen „Judenbank" und der „Judenklasse" kein wesentlicher Unterschied. Eine Aussprache mit einer Anzahl, im vorigen Schuljahr in „Parallelklassen" verwiesener jüdischer Kinder, ergab ein durchwegs negatives Resultat: die rein räumliche Absonderung wurde entmutigend und erniedrigend empfunden. Ohne Rücksicht auf den Umstand, daß die Klasse von lauter jüdischen Kindern besucht wird, wird in der Klasse rein christlich-deutscher Geist gepflegt. Gegen die Parallelklassenverordnung hat im Vorjahr der „Jüdische Volksbund" Protest erhoben. Es wurde auch die jüdischnationale Forderung auf Errichtung eines öffentlichen jüdischen Schulwerkes gestellt — jedoch ohne Erfolg. Der Bestand der „Sonderklassen" wurde auch für dieses Schuljahr prolongiert. Der Frage der Errichtung eines jüdischen Schulwerkes stehen auch die berufenen jüdischen Kreise mit Scheu gegenüber. Verschiedene, unstichhältige Bedenken werden vorgebracht. Als das höchste Ziel schwebt ihnen der Status quo vor: eine deutsch-christliche Schule, in welcher jüdische Kinder mehr oder weniger geduldet werden. Während in Wien sieben öffentliche, aus den Mitteln' der Gemeinde Wien erhaltene tschechische Schulen bestehen, habe viele tausend Kinder jüdischer Bürger, die mit Steuern für das Schulwesen belastet sind, keine einzige staatlich geförderte jüdische Schule. Die diesjährige Gründung einer l. Klasse der jüdischen Volksschule aus Mitteln der Israelitischen Kultusgemeinde kann das jüdische Schulproblem nicht lösen, ist auch kein Beginn der Lösung. Die einzige wirkliche Lösung der jüdischen Schulfrage ist die Errichtung eines jüdischen Schulwerkes aus staatlichen und sonstigen öffentlichen Mitteln. Im Jahre 1919 schrieb Robert Stricker in seiner eingangs zitierten Schrift folgendes: „... Das einzige Mittel, um das Judentum vor dem Verfall zu bewahren, ist die Einrichtung öffentlicher jüdischer Schulen aus öffentlichen Mitteln. Die Leitung und die Beaufsichtigung der Schule muß, unbeschadet der staatlichen Schulhoheit, von Organen des jüdischen Volkes besorgt werden." * Die stärkste Stütze im Kampf um die Erhaltung des Judentums ist die jüdische Schule. Sie soll die Jugend mit der Geschichte und den hohen Werten des Judentums bekannt machen; ihr Lehrplan soll dem Zweck dienen, die Jugend ins nationale jüdische Leben einzuführen. Der jüdischen Jugend soll ermöglicht werden, bei aller Treue gegen das Land, in dem sie lebt, sich für die Zukunftsaufgaben des jüdischen Volkes vorzubereiten. Aus dieser Jugend müssen dem jüdischen Volke starke Träger seiner Zukunft erwachsen. Deutsches Volkstheater. Mit einem echten Volks- £tück „Lebensfreude" von Fred Heller und Adolf Schütz wurde die heurige Spielsaison dea Deutschen Volkstheatera eingeleitet. Das Stück beginnt mit einem dramatischen Auftakt, ein Kommerzialrat, Besitzer eines Wiener Nobelgesch&ftes, hat alle Lebensfreude verloren und will sich in die Donau stürzen. Er wird von seinem Vorhaben durch KINO»PROGRAMME 9 KREUZ"KINO AbFr<^ita& l3- September — täglich re.e^rr^-,. Der Mnsißruon Paris Vorstellungen: 4, %*, %8, <aio mit John Gilbert, Louis Stone, Jan Keith _ _ „ Das sensationelle Doppelprogramm SÄs!a?efMLA CUCARACHÄund HHM,w HOWAK LIEBT AMERIKA S C H X F F E R Ab 17 SePtember - täg1'"^ .r. . .„ Der Grofifilm VI, Mariahilferstraße 37 « . , . _ . Telephon B-20-203 USS ISt Q3S LSHIO deginn: Vi«. %s, <aio 50 Jahrs Palästina ST A F A Vit Ab 13 September - täglich Mariahilferst'raQe 120 DlQ lUSÜge Telephon B-SS-0-68 mit Maurice Chevalier und Jeanetie MatOonaid Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Sonn- und Feiertage: Viii, 1A6, V«0, 9 UHr VOTIV PA R K Täg,'ctl ~ Dcr sc^önste Film dos Jahres IX WWrlngMW.Bc 12 fas^M ^jfygg Telephon A-18-3-96 * Beginn: u, M.6, Vi8, voo mit Maurice Chtvalier ml ieaneile Macl'onald einen jungen, unter der Donaubrückc kampierenden Studenten abgehalten und dem Leben und der Freude wiedergegeben. Die Darstellung war ausgezeichnet. Da ist vor allem in der Hauptrolle Hubert Marischka zu nennen, der den Uebergang von der Operette zum Prosastück vollzieht. Neben ihm der junge Student P a r y 1 a s Paula P f 1 u g e r und Frl. Tilden besonders hervorzuheben, e. kr. darf nicht zur Bundeslade aufgerufen werden und sein. Wein ist ungenießbar. Seit zehn Jahren spucke ich aus, wenn ich an dem gottlosen hebräischen Gymnasium vorübergehe." Wegen dieser Predigt erstatteten mehrere Eltern die Strafanzeige. Das Kesirksgericht sprach den Rabbiner mit der Begründung frei, daß Spira als Rabbiner im Tempel alles sag c n d ii r f e, weil ca nur für seine Gläubigen bestimmt sei; jene, die ihn nicht hören wollen, müssen den Tempel nicht besuchen. Das Kreisgericht kam aber zu der Ueberzcugung, daß Spira in der Predigt die Grenzen seines religiösen Amt3 überschritten und Bevölkfrungsteilegegeneinander aufgewiegelt habe. Der (luchende Rabbi Aus Prag: Vor dem Kreisgericht in Üzhorod fand die Berufungsverhandlung gegen den Oberrabbincr von Mukacevo, Lazar Spira, statt, der in erster Instanz vom Bezirksgericht in Mukacevo von der Anklage, das hebräische Gymnasium dieser Stadt verflucht zu haben, freigesprochen wurde. Das Berufungsgericht verurteilte ihn zu 1000 Kc. Rabbi Spira hat in einer Predigt am 21. Juni 1934 erklärt: „Wer seine Kinder in die verfluchte hebräische Schule schickt, soll vertilgt werden und seine Kinder nicht erziehen dürfen. Die Kinder sollen das nächste Jahr nicht erleben. Ein Zionist Weitkonferenz der polnischen Süden im Ausland geschlossen Aus London meldet d1^ J. . .«ich Annahme mererer Resolutionen wurde die Konferenz; im Ausland lebender polnischer Juden geschlossen. Die Konferenz» hat die Exekutive des neugeschaffenen Weltvcrbandes beauftragt, den Völkerbund zu ersuchen, eine Legalisierung der Stellung staatenlos gewordener J ii d e n herbeizuführen. Von der polnischen Regierung werden Interventionen in dem gleichen Sinne verlangt. Für die Förderung der Auswanderung aus Polen nach verschiedenen Ländern soll ein besonderer Eraigrationsfonds geschaffen werden. In Palästina wird die Errichtung einer Kasse für langfristige Darlehen zur Unterstützung von Einwanderern aus Polen geplant. Ein besonderer Fonds soll zu dem Zwecke geschaffen werden, jüdische Waisen und vernachlässigte Kinder aus Polen in landwirtschaftlichen Siedlungen Palästinas unterzubringen. Ferner soll Vorsorge für die Auswanderung polnischer und staatenlos gewordener Juden aus Deutschland nach Palästina getroffen werden. In weiteren Beschlüssen wird verlangt, daß den Juden aus Polen, die als Touristen nach Palästina kamen und sich wirtschaftlich eingegliedert haben, erlaubt werde, ihre Familien nachkommen zu lassen, und daß sämtliche Angehörigen von Palästina-Siedlern, die in anderen Ländern Diskriminierungen ausgesetzt sind, Einwanderungserlaubnis erhalten. Zum Ehrenpräsidenten des neuen Verbandes wurde Nalium Sokolow gewählt. Neben einem Hauptbüro in London werden auch in Jerusalem und in New York Verbandsbüros geschaffen. Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung Jerusalem, 11. September. (J. T. A.) Die Ein-* nahmen der Palästina-Regierung im ersten Viertel dea laufenden Finanzjahres betrugen 1,572.307 Pfund, sind also gegenüber den 1,132.216 Pfund betragenden Einnahmen in demselben Abschnitt des vorangegangenen Jahres um 440.091 Pfund gestiegen. Die Ausgaben stiegen von 701.883 auf 733.695 Pfund. Mäntel, Kostüme: Sport-Mäntel aus engl, gemusterten Stoffen S Herbst-Mäntel einfarbig, reine Wolle, halb gef. S 24.—, Velourine-Mäntel sieg. Modefasson. K.-Seide S 34.-, gef. Boucle-Mäntel schwarz, mit Alaska-Lamm-Schalkragen, K.-Selde gefüttert und wattiert Mode-Boucl6-Mäntel mit Fuchslamm-Schal-Kragen, uanz K.-Seide gef. u. watt.. S Trotteur-Mänte! mit neuarL Sealod. Lincoln-Verbrämung, ganz Mongol gef.. S Eleg. Winter-Mäntel mit echt Skunks od. Silberfuchs- Opossum verbrämt, ganz CrCpe- Mong. gef., gute Schneiderarb. S Steirer-KostUme grau, mit grüner Tuch-Applikation S Smoking-KostUme «Ute Paßform, K.-Seide gef.. S Schneider-Kostüme Jacke K.-S.-Mongol gefüttert. 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