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Die neue Welt · 1935-09-17 · Heft 498 (17.9.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 498 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite f DIE NEUE WELT Nr. 4fc8 Ton S 33.- "^jjP FAHRRAD* | I IfcJ Jl KINDERWAGEN* FABRIK fcUPlfHl FABRIK Kinderwagen verkauf: wnsas.— VII, Hiub.iugasie 21 / I, Tnehl*ub«nhef 7 X, LannburgerttrtBa 82 / XX, JlgerttraB* 41 Fahrradfabrik: vii, Burggam 110 Bequeme Teilzahlung:! Kataloge gratis! Ich bedaure es, die ganze "Welt bedauert es. Aber wie können wir handeln, wie können wir Nichtjuden euch zu Hilfe kommen, wenn es so viele unter euch gibt, die anscheinend die Knechtschaft lieben und zufrieden sind, wenn man auf sie spuckt? Warum kauft ihr aber deutsche Waren und stützet dadurch Hitlers Macht? Warum gebt ihr den Nationalsozialisten Geld, für Gewehre, mit denen sie auf eure Brüder losgehen? Wendet nur nicht ein, daß ihr leben müsset! Es gibt kein deutsches Produkt, welches nicht in einem anderen Lande erzeugt werden könnte! Erzählet mir nicht, daß ihr dadurch jüdische Unternehmungen in Deutschland unterstützt. Solange die ^Nationalsozialisten an der Macht sein werden, werden die Juden gepeinigt und erniedrigt werden. Die Juden sollen zeigen, daß sie allen Wert auf Selbstachtung legen, daß Ehre ein unvergleichlich höherer Be« sitz ist als Geld — und die nichtjüdische Welt wird glücklich sein, ihnen zu helfen. Ich brauche harte Worte. Ich wiederhole nochmals, daß ich dies nicht tue, weil ich etwa ein Antisemit bin. Ich habe dies nur wegen meiner Achtung für die älteste, zivilisierteste Rasse der Welt und aus meiner Freundschaft für ein Volk getan, welches Männer, wie Spinoza, Einstein und Ehrlich hervorgebracht hat." So schreibt ein Nichtjude, weil kleine jüdische Krämerseelen in Withechapel mit deutschen Strümpfen handeln. Von dem Beschluß des Kongresses in Luzern hat er noch nichts gewußt. Was wird er dazu sagen, daß das jüdische Palästina von deutschen Waren überquillt, daß nicht kleine Krämer im Ghetto, sondern die Führer einer großen jüdischen Arbeiterpartei und Repräsentanten der mächtigsten jüdischen Organisation sich und ihre Gefolgsleute dem Deutschland Hitlers als Käufer, Verkäufer und Agenten verschreiben? Was wird er dazu sagen, wenn er liest, daß der „Völkische Beobachter" triumphiert, weil es der „kleinen "Judenstaatspartei nicht gelungen ist, die „große" Arbeiterpartei und ihre bürgerliche Gefolgschaft daran zu hindern? tanaM^HaBaaaMnaaMMMMVflHnHBnMi Kanzlei-Eröffnung. Herr Dr. Salomon Wolf hat seine Rechtsanwaltskanzlei im Anschlüsse an die seines bisherigen Chefs Dr. Hermann Morgenstern in Wien, III., Lagergasse 2 (Telephon U-14-5-T4) eröffnet. Vom Völkerbund Schwierigkeiten des Flu Allings problems — Keine Miraderheilendebafte Aus Genf wird gemeldet: In gewissen Kreisen des Völkerbundsekretariats sowie auch in den Kreisen des dem Völkerbund unterstellten Nansenamtes wird der Vorschlag der norwegischen Regierung, die Flüchtlingsfürsorge zu zentralisieren, unangenehm empfunden und bekämpft. In diesen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß das Flüchtlingsproblem zwar sehr ernst sei, aber daß es noch ernstere Probleme — wie zum Beispiel das Minderheiten- und das Arbeitslosenproblem — gebe, denen gegenüber der Völkerbund heute hilflos sei. Die Uebernahme neuer Verantwortungen im Flüchtlingsproblem durch den Völkerbund würde eine Gefahr darstellen, v/eil gewisse Regierungen noch schärfere Maßnahmen zur Vertreibung ihrer politischen oder anderen Gegner(!) ergreifen könnten, wenn sie sich dessen bewußt-sind, daß internationale Organe sich um den Schutz dieser Flüchtlinge sorgen werden. Der norwegische Außenminister Koht hat einen bewegten Appell zugunsten der Berücksichtigung des Vorschlages der norwegischen Regierung an die Völkerbundversammlung gerichtet. Dieser Vorschlag wird in einigen Tagen in der sechsten (politischen) Kommission der Völkcrbundversammlung diskutiert werden. Als Ergebnis dieser Debatte bestehen folgende Möglichkeiten: 1. Ablehnung des Vorschlages. 2. Erweiterung der Arbeitstätigkeit desInternationalenArbeitsamtes. 3. Annahme des Vorschlages und Schaffung einer neuen zentralen Organisation des Völkerbundes. * Die bisher alljährlich geführte Debatte über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes wird dieses Jahr ausfallen. Um sie hervorzurufen, muß ein Mitglied des Völkerbundes formell beantragen, daß der den Minderheitenschutz betreffende Teil des Berichtes des Generalsekretärs des Völkerbundes der Kommission als Punkt ihrer Tagesordnung beigefügt werde. Solange Deutschland Mitglied des Völkerbundes war, hat die deutsche Delegation alljährlich einen solchen Antrag gestellt. Nach Austritt Deutschlands hat es die ungarische Regierung übernommen, den fraglichen Antrag zu stellen. Dieses Jahr hat aber die ungarische Regierung davon abgesehen, eine Debatte über den Minderheitenschutz zu verlangen.;<j, t, A.n Eineinhalb Millionen Ni'ditan'er Im Septemberheft der Berliner Nationalsozialistichen Monatshefte schreibt Dr. Bernhard Sommerlad über „Die Bastardierung des deutschen Volkes durch Juden taufe und Mischeh e". Er gibt an, daß die Zeitschrift für Judenmission des Pastors Frank „Zions Freund" im Jahre 1930 eine Auflage von 35.000 hatte. Er zitiert den Pastor de la Roi, der die Zahl der J u d e n t a u f e n im 19. Jahrhundert für das Deutsche Reich auf etwa 25.000 berechnet, von denen rund 18.000 auf die evangelische und rund 7000 auf die katholische Kirche entfallen. Zwischen den Jahren 1880 und 1900 sind nach seiner Angabc 7087 Juden zur evangelischen Kirche in Deutschland übergetreten. Setzt man den Jahresdurchschnitt der Jahre 1880 bis 1888 (250 Judentaufen jährlich) auch für die Zeit von 1870 bis 1879 an, so ergibt sich, daß seit Gründung des Deutschen Reiches bis zur Jahrhundertwende etwa 9500 Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche In Deutschland erfolgt sind. Für die Zeit von 1872 bis 1899 wird die Zahl der Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche in den altpreußischen Provinzen auf 5275 angegeben. Aus den für jedes Jahr mitgeteilten Zahlen und den Schwankungen, die sich dabei ergeben, zieht Dr. Sommerlad den Schluß, daß politische Utilitaritätsgründc In den Zeiten jüdischer Unsicherheit die Juden zum Uebertritt veranlassen. _ ^. TIA _ » _ 'T J / 7& A m KasaKtmdus Himtithtl wfotus geb. Haas, rede Dermer \ZewnäUUz Auf Grund des statistischen Materials der Reichskirchenregierung gibt Dr Sommerlad weiterhin eine Aufstellung über die Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche für die Zeit seit der Jahrhundertwende bis zum Jahre 1933. Danach sind in diesem Zeitraum insgesamt 13.306 Juden übergetreten. Im Jahre 1900 beläuft sioh die Zahl der Uebertritte auf 486, 1902 auf 545; in den Jahren von 1903 bis 1914 schwankt sie zwischen 400 und 500. Während im Jahre 1914 439 Juden zur evangelischen Kirche übergetreten sind, waren es 1915 nur 335, 1916 362, 1917 365 und 1918 389. Im Jahre 1919 steigt die Zahl auf 473, fällt im Jahre 1921 wieder auf 361, im Jahre 1922 auf 317, um 1923 auf 423 anzusteigen. Zwischen 1924 und 1930 sinkt die Zahl der Taufen; ihr niedrigster Stand ist 1928 mit 166 Taufen. Im Jahre 1930 steigt die Zahl der Uebertritte wieder auf 212, fällt 1931 bis auf 173, erhöht sich wieder im Jahre 1932 auf 241, um schließlich im Jahre 1933 die Höchstzahl von 933 zu erreichen. Dr. Sommerlad schreibt hiezu, daß die Judentaufen im Jahre 1933 eine Höhe erreichen, die alle früheren Zahlen bei weitem in den Schatten stellt Die Zahl der Mischehen von 1875 bis 1900 gibt Dv. Sommerlad in Preußen mit 7800 an. Im gesamten Deutschen Reich dürften 13.000 bis 15.000 Mischehen geschlossen worden sein. In Deutschland wurden von 1901 bis 1933 auf Grund des Materials des Statistischen Reichsamtes 42.372 Mischehen geschlossen. Die Zahl der Mischehen zwischen Ariern und Nichtariern seit 1875 schätzt Dr. Sommerlad auf etwa 1 5 0.000 (einschließlich der inzwischen verheirateten Abkömmlinge aus Mischehen). Die Zahl der Kinder, die aus Mischehen seit 1870 entsprossen sind, schätzt er auf rund 300.000. Unter Einbeziehung der Zahl der Juden von rund 450.000 und der Mischlinge aus der Zeit von 1870 und der sonstigen Nichtarier wird die Zahl der in Deutschland vorhandenen Nichtarier entsprechend der Schätzung von Staatsrat Dr. Conti auf l'/-j Millionen angegeben. in Die J. T. A. meldet aus Brünn: Dem Weltkongreß des Makkabi in Brünn wohnen etwa hundert Delegierte aus England, Frankreich, Irland, Palästina, Deutschland, Teschechoslowakel, Oesterreich, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Polen, Litauen, Lettland, Danzig und anderen Ländern bei. Begrüßungsansprachen in der Eröffnungssitzung hielten der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Brünn, Kommerzialrat Zwicker, Dr. Alexander R o s e n f e 1 d als der Vertreter des Jüdischen Nationalfonds, ein Vertreter des tschechoslowakischen Keren Hajessod, der Vorsitzende der Jüdischen Partei in der C. S. R., Ing. Frischei". Botschaften sind eingelangt von Lord C o n w e y of Allington, James de Rothschild, General Sir Wynd- SCHULBÜCHER Volks-, Haupt- und Mittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen — in der Buchhandlung . Rath, Wien II, Taborstr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu höehsUa Preisen! Reisepropagandadienst der „Czemowitzer Allgemeine Zeitung" Billige und bequeme Sonderfahrt nach' POLEN U. CZERNOWITZ Im Sonder-D-Zug. Platzkarten mit Sammelpaß. Abfahrt Wien: 25. September 1935, Rückfahrt: 9. Oktober. Fahrpreis Wien-Ciernowltz-Wen 8104.— Technische DurchfiilminR, Anmeldung und Auskünfte: Oesterr. Verkehrsbüro, Wien I, Friedrichstraße 7, Telephon B-27-500 und I, Graben 20 Tel. U-29-0-3Ü. Polnisches Reisebüro „Orbis". Wien I, Kärntnerstraße 41 Tel. R-21-5-78 und Reisebüro „Marlenbrücke". Wien I, Rotenturmstraße 2ö Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87 ham D e e d c s, Barnett J a n n e r und Captain Strickland, Mitglieder des Unterhauses, vom Ehrenpräsidenten der Zionistischen Weltorganisation Nahum IS o k o 1 o w u. a. m. # In der Aktionskomiteesitzung wurde berichtet, daß in der letzten Zeit, in Chile, Peru, Kuba, Indien, Australien und Tripolis Makkabi-Verbände entstanden sind. Die Hochschule für Leibesübungen, die in Palästina gegründet wird, soll nach dem Präsidenten des Makkabi- Weltverbande3 „Lc lewer College" genannt werden. In Palästina wird bald die erste Makkabi-Kolonic ,,K f a r Hamakkabi" gegründet werden. Mit dem Aufbau des Kfar Hamakkabi beginnt die Siedlungstätigkeit des Makkabi und dessen Umwandlung in eine Chaluz- Organisation und die Eingliederung der Sicdlungstätigkeit in das Erziehungswerk des Makkabi. Am Freitag, den 13. September, trat der Makkabi- Weltkongreß zu seiner ersten Arbeits Sitzung zusammen. Der Generalsekretär des Makkabi-Weltverbandes Dr. K. F. Jakobowitz (London) erstattete einen ausführlichen Bericht über den Stand der Makkabi- Organisation. Besonders in den englisch sprechenden Ländern kann der Makkabi-Weltverband auf sichtbare Erfolge hinweisen. In England selbst zeigt sich bei Juden und Nichtjuden ein aktives Interesse für die Makkabi-Bewegung. An der Arbeit nehmen einige Untcrhausmitglieder Anteil. Auch Holland hat in der letzten Zeit bemerkenswerte Erfolge erzielt. Die Amsterdamer Makkabiboxer wurden Meister von Holland. In 37 Staaten hat der Makkabi-Weltverband 200.000 Mitglieder organisiert. Uri Nadav (Palästina) entwickelte eine Ideologie des Makkabi und stellte programmatische Richtlinien auf, von denen einige aber nicht die Billigung des Kongresses fanden. Die Richtlinien besagen unter anderem: Der Makkabi bekennt sich als geschlossene Bewegung zu der von Theodor Herzl geformten zionistischen Idee, das heißt zur Schaffung eines freien, wirtschaftlich, politisch und kulturell unabhängigen jüdischen Volkswesens in Erez Israel. Der Makkabi sieht die entscheidenden Faktoren nicht in dieser oder jener Wirtschaftsform einer Chaluzgemeinschaft, sondern in der Bildung und Erziehung von Charakteren und verantwortungsvoll handelnden Menschen. Dementsprechend setzt der Makkabi-Weltverband die Mitglieder seiner eigenen Chaluzorganisation (Plugoth Makkabi) als Vortrupps ein. Die Mitglieder der Plugoth Makkabi dürfen keiner politischen Partei angehören. Der Makkabi-Weltverband verlangt die Umbildung der Histadruth Owdim halcelalith in eine unparteische, allen arbeitenden Gruppen des Volkes dienende nationale Gewerkschaft in völliger Unabhängigkeit von internationalen Institutionen und Symbolen. Die Makkabi-Weltbewegung bekennt sich zu den Grundsätzen der jüdischen Religion und zur hebräischen Sprache als der Sprache des jüdischen Volkes. Ihr Heim sich mit wenig Geld elegant und gemütlich herzurichten, bietet Ihnen Wcitzner, VI., Mariahilferstraßc 105, IV., Wiedner Hauptstraße 10. J. Boucle-Teppich, 2x3 groß S 39.—, Velours- und Axminster-Teppiche S 78.—, Netzstoffe S 1.68, Indanthrenstoffe ab S 1.95, Seidensteppdecke S 12.50, Stores, Handarbeit S 4.50 bis S 12.—, Doppelbettdecke S 12.— bis 24.—, Laufteppichc, ind. Bouclö, per Meter S 3.90, Bettvorleger S 3.70 usw. Fehlerhafte Teppiche, Velours, 3>:4 groß S 60.—, echter Smyrna, 350x450 S 160.—-, echte Perser ab S 25.— und S 58.—, Banyai- Teppiche billigst. Beschränkte Einwanderungsmöglichkcifcen in Rußland Aus C e n f: Oberkommissar MacDonakI, der von einer Reise in die skandinavischen Länder und Rußland wieder in Genf eingetroffen ist, erklärte dem J. T. A.¬ Vertreter: Die Möglichkeiten für eine Einwanderung und Ansiedlung von deutschen Juden in Rußland sind äußerst beschränkt. Nur bestimmte Kategorien von Speziallsten in gewissen Zweigen der Industrie, die von Sowjetrußland gesucht werden, könnten dort Lebensmöglichkeiten finden. An die Aufnahme einer beträchtlichen Zahl von jüdischen Emigranten aus Deutschlund durch Sowjetrußland sei jedoch nicht zu denken. Dem norwegischen Vorschlag auf Schaffung eines zentralen Flüchtlingshilf.swerkes im Rahmen des Völkerbundes scheint die Sowjetregierung sympathisch gegenüberzustehen. Einziges Hotel Jt'ür Juden Aus Königsberg: Als einziges Hotel in Königsberg nimmt nur noch der „Berliner H o £'« jüdiacha Reisende auf, doch müssen aic in abgesonderte! Zimmern esaen und sich aufbAtttfb

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