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Die neue Welt · 1935-09-17 · Heft 498 (17.9.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 498 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 10 Groschen Jahrgang 0 Dienstag/ den *** fernher 1035 Nr* 408 V, b* b* So Zeitung vom Verleger versendet Journal expediö \nu l'^dlteur" Btt v»^mmbn Mothelf E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 3 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Enmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Marli 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstasi u. Freitag Weltpolitik der Woche Die Diplomatie in Genf kommt nicht weiter. Die Völkerbundsatzungen sind so gehalten, daß ihre Anwendung sowohl Krieg wie Frieden bedeuten kann. Hunderte Millionen Menschen stürzen sich mehrmal des Tages auf die Presse, um zu erfahren, ob es betreffs Abessiniens „etwas Neues" gibt. Aber es gibt nichts. Die Schwierigkeit des Problems liegt nicht darin, Italien von Abessinien loszulösen. Im Gegenteil. Sie liegt darin, es in Abessinien zu installieren. England will Italien in Abessinien installieren; 1. ohne seinen Interessen weh zu tun; 2. ohne Italien dort allzu stark werden zu lassen; 3. ohne Abessiniens Souveränität aufzuheben; 4. ohne das Prestige des Völkerbundes zu lädieren; 5. ohne den Eindruck in der Welt zu erwecken, daß es selbst auf Abessinien Appetit habe. All das unter einen Hut bringen ist eine so schwere Aufgabe, daß die Lösung bisher nicht zustande gekommen ist. Anter solchem Aspekt gesehen, besteht kein italienisch-abessinischer, sondern ein italienisch-englischer Konflikt. Er wird, wie wir in der Vorwoche anmerkten, noch eine Zeitlang dauern. Es gibt eine Möglichkeit, die Gegensätze für eine bestimmte Dauer zu überbrücken, auch wenn Mussolini erklärt, daß ein Kompromiß unmöglich sei. Die langerwartete deutsche Judengesetzgebung ist soeben, auf dem Nürnberger Reichstag, der mit dem nationalsozialistischen Parteitag identisch ist, verkündet worden. Das Faktum ist: Die Juden sind vom Reichsbürgerrecht ausgeschlossen. Hinter diesem Gesetz, wie hinter den andern in Nürnberg verkündeten, steht — so erklärt der Verkünder Hitler — die Partei und hinter ihr die deutsche Nation. Die Rede Hitlers, der wie in jeder seiner Reden die Friedensliebe Deutschlands betont, knüpft u. a. an die „Judengesetze" an, die schon bisher gehandhabt wurden und im wesentlichen jede Verbindung zwischen Juden und Nichtjuden (ehelich und außerehelich) verbieten, und wiederholt z. B. die Absurdität, daß das Judentum in Deutschland — siehe Krawalle gegen den Film „Peterson & Bendel" — Unruhe erwecke. nach Jüdischen Feiertagen lenu.Czernowitz Abfahrten: 22., und 25. September. Rückfahrten: 9. und 21. Oktober und nach allen jüdischen Feiertagen „FRANCOPOL", III, Rennweg 1. Telephon IM6-4-9G Das ist eine aktuelle Episode, Interessanter ist folgender Passus in Hitlers Nürnberger Rede: „Die deutsche Reichsregierung ist von dem Gedanken beherrscht, daß es durch eine einmalige säkulare Lösung vielleicht doch dem deutschen Volk möglich sei, in ein erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volk zu kommen." Gewiß wäre das möglich, natürlich nur unter Ausschluß der bisherigen, vom Hakenkreuz geübten Methoden. Daß es dem Dritten Reich aber nicht ernst ist um die Herbeiführung eines erträglichen Verhältnisses, sondern daß es die Vernichtung des jüdischen Volkes entsprechend dem Schlachtruf „Juda, verrecke!" will, geht aus der sich anschließenden Drohung Hitlers hervor: „Sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen und die innerdeutsche und internationale jüdische Hetze ihren Fortgang nehmen, wird eine neue Prüfung der Lage stattfinden." Hitler will sich mit dieser Drohung ein Alibi für weitere Verfolgung, Entrechtung, Beraubung und Pogromierung der Juden in Deutschland schaffen. Das wird ihm nicht gelingen. Die Weltmeinung wird dafür sorgen. Darüber muß noch gesprochen werden. , Ti Der «Völkische Beobachter'iit zufrieden... Das Organ Adolf Hitlers, der „Völkische Beobachter" ist mit dem Gang der Dinge in der Judenfrage sehr zufrieden. Es hat mit Genugtuung festgestellt, daß sich endlich die deutschen Gerichte zur Auffassung bekannt haben, daß jeder Verkehr mit Juden Rassenschande ist und nicht nur beschmutzt, sondern den, der solchen Verkehr pflegt, reif für das Zuchthaus macht. Noch zufriedener ist das Blatt damit, daß nnmehr der Führer Adolf Hitler ein Judengesetz angekündigt hat, welches die Sache nicht mehr — wie bisher — dem freien Ermessen der Richter überläßt, sondern den Standpunkt, daß jede Berührung mit Juden verseucht, einen verbrecherischen Durchbruch des Pestkordons darstellt und schwere Strafe nach sich zieht, zu einem unverrückbaren macht. Aber der „Völkische Beobachter" ist nicht, nur mit der Haltung seiner Antisemiten einverstanden, sondern auch mit der Haltung gewisser jüdischer Kreise. Der Verlauf des Lu zerner Zioninistenkongresses erfüllt ihn, soweit es die Behandlung der deutschen Judenfrage betrifft, unverkennbar mit Befriedigung. Nach anerkennenden Worten über die „Mäßigung" des Kongresses im allgemeinen, schreibt er über die Behandlung der Boykott- und Transferfrage im besonderen: „Nicht minder ernstgenommen, aber mehr hinter den Kulissen behandelt, waren die Fragen des deutsch-jüdischen Transfers und des Boykotts — zwei Dinge, die sich nicht gut vereinen lassen. Hier traten außer dem Judenstaatsparteiler anfangs auch die amerikanischen Delegierten unter ihrem Führer, dem bekannten Boykotthetzer Stephen Wise, für ein Verbot des Transfers, also des Warenbezuges, aus Deutschland ein. Die bisherige Verfechterin des Transfers war besonders die Arbeiterpartei, die die Hälfte aller Delegierten stellte. Die verschiedenen Attacken des Führers der Judenstaatspartei gegen die Arbeitergruppe erreichten aber gerade das Gegenteil. Das mit Deutschland im Jahre 1933 getroffene Transferabkommen, das die d e u tsche Einfuhr nach Palästina gerade in den letzten zwei Jahren stark hob, so daß Deutschland heute nach der Mandatsmacht England an erster Stelle unter den Einfuhrländern Palästinas mit einer nicht unbeachtlichen Exportsumme steht, wurde vom Kongreß nicht nur gebilligt, sondern, da es die einzige Möglichkeit darstelle, Juden aus Deutschland nach Palästina zu bringen, sogar unter die Kontrolle der Exekutive gestellt. Mit dieser Entschließung — einer der letzten des Kongresses — mußte automatisch auch jeder Boykottbeschluß sinnlos werden." Der „Völkische Beobachter" räumt erbarmungslos mit einem Märchen auf, das die Verfechter des deutsch-palästinensischen Transfers, des Bezuges deutscher Waren durch das jüdische Palästina, vor allem die Führer der Zionistischen Arbeiterpartei, zur Beschönigung ihres Verhaltens dem Kongreß und der jüdischen Welt erzählt haben: Die Verteidiger des Transfers behaupteten nämlich, daß der Weltboykott gegen Hitler- Deutschland weiter geführt werden könne und müsse, trotzdem Palästina deutsche Waren bezieht und auch weiterverkauft. Aber nicht sie haben recht, sondern der „Völkische Beobachter" hat recht, wenn er triumphierend fesstellt, daß neben diesem Kongreßbeschluß „jeder Boykottbeschluß sinnlos" wird. Wenn sich die jüdische und gar die zionistische Welt den über Antrag der Arbeiterpartei gefaßten Kongreßbeschluß, daß der Bezug deutscher Waren durch Palästina nicht nur fortzusetzen, sondern zu organisieren und unter Kontrolle -ier zionistischen, Leitung m stellen. sei2 zu eigen macht, dann ist jeder Widerstand gegen Entrechtung und Diffamierung unmöglich. Der „Völkische Beobachter" tut so, als wäre die Meinung der ihm jetzt gefälligen Kongreßmehrheit der Meinung der jüdischen und zionistischen Welt gleichzusetzen. Darin irrt er. Schon auf dem Kongreß mußte die Führung der Arbeiterpartei viele ihrer Delegierten mundtot machen, weil sie das Spiel mit der Ehre und Sicherheit des Volkes nicht mitmachen wollten. Der Beschluß des irregeleiteten Kongresses ist nicht Ausdruck des Willens des jüdischen Volkes, sondern Verschleierung, Unterdrückung seines wahren Willens. Der Beschluß widerspricht zu arg den primitivsten Geboten der Ehre und Sicherheit, als daß er mehr sein sollte als eine schädliche und häßliche Episode. * Es ist gut, wenn man über die Wirkung Klarheit schafft, welche der Bezug deutscher Waren diy;ch Juden in jenen nichtjüdischen Kreisen hervorruft, die sich nicht um Hitlers „Völkischen Beobachter" scharen. Ueber Aufforderung des englisch-jüdischen Boykottauschusses, seine Meinung in der Boykottfrage zu äußern, schreibt der Redakteur eines Londoner Blattes, Haytor Presto n, ein englischer Nichtjude, wie folgt: „Eines steht fest: Hitler ist noch an der Macht, weil es J urd/e n gibt, die das Geld höher schätzen als die Würde. Die Juden können keine Achtung seitens eines Nichtjuden erwarten, wenn dieser weiß, daß in Whitechapel mehr Bemberg-Strümpfe, German-Made, verkauft werden, als in einem anderen Stadtteil Londons. Die Juden können keine aktive Sympathie für ihre deutschen Brüder erwarten, wenn sie wegen einiger Heller in Einkaufspreis oder wegen eines kleinen Verdienstes weiterhin deutsche Waren kaufen und verkaufen. Ich bin kein Antisemit. Ich habe nie einen Unterschied zwischen Glaubensbekenntnissen und Rassen gemacht. Nur Freiheitsliebe und gleiche Menschenrechte erfreuen sich meiner Wertschätzung. Ich achte nur die Menschen, welche bereit sind, für diese Rechte, zu kämpfen. Eines ist sicher: Hitlerhat den Namen des Juden besudelt, seine Banden haben eure Brüder gepeinigt und gemartert. Er versucht mittels bestialischer Methoden eure Brüder zu verunglimpfen und eure Positionen in allen zivilisierten L^ä ndern zu untergraben. alästina u< Aegypten mit dem Luxusexpreßdampfer if (26.000 Tonnen) ab Triest . . . 30. September an Haifa ... 3. Oktober an Alexandrien 4. Oktober Auskitte: Generalagentur Wien I Hing 6 U-47-5-60 ü-47-5-60 * 1 .. ° 1 AH r*i ' •trfPJ*. r.lR*'*>H_ '—'w.Ä B'U.PIIi..mmm».. .__! - •- .«c C'^'f^^ ifbtMrXtil.jMr>i^#rW

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