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Die neue Welt · 1935-09-13 · Heft 497 (13.9.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 497 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 497 DIE NEUE WELT Seite 5 1 Menorifälenkongreß ohne Juden Dr. Wilfan in Verlegenheit Der Minoritätenkongreß, d. h. die alljährliche Versammlung der Vertreter der unterdrückten Minderheiten in den europäischen Ländern, ist nach dem Weltkrieg dank der Initiative der Nationaljuden, besonders des verstorbenen Zionistenfiihrers Leo Motzkin, eingerichtet worden. Er hat manches zur Besserung der Lage der Minderheiten in gewissen Staaten und zur Verständigung der Minderheiten untereinander beigetragen. Die gedeihliche Zusammenarbeit der Minoritäten wurde aber dadurch gestört, daß die deutschen Minoritätenvertreter immer mehr unter den Einfluß der deutschen Regierung gerieten. Im Jahre 1933 entstand eine Krise. Die jüdischen Vertreter forderten eine Resolution des Kongresses gegen die Entrechtung der Juden in Hitler-Deutschland. Die deutschen Vertreter aber brachten es dazu, daß der Antrag abgelehnt wurde, und zwar unter dem fadenscheinigen Vorwand, daß eine Stellungnahme gegen einzelne Regierungen nach den Satzungen des Kongresses unzulässig sei. Daraufhin verließen die jüdischen Vertreter den Kongreß, andere Vertreter hielten sich fortab fern. Der Kongreß verlor seine internationale Bedeutung. Ueber seinen letzten Zusammentritt war in der Weltpresse kaum mehr etwas zu lesen. Aus Genf wird gemeldet: Am 2. und 3. September tagte in Genf unter dem Vorsitz des ehemaligen slovenischen Abgeordneten im italienischen Parlament, Dr. Josip Wilfan, der „Kongreß der europäischen Nationalitäten" (Minderheiten- Itongreß). Es nahmen im ganzen zwei Dutzend Delegierte teil, wovon zwei Drittel auf Vertreter der deutschen Minderheitengruppen in den verschiedenen Ländern entfielen. In seiner Einleitungsrede berührte Dr. Wilfan wieder das —■ schon seif zwei Jahren bestehende — Fernbleiben der Jüden von diesem Kongreß. Er erklärte, daß die Verhandlungen mit den Vertretern der jüdischen Gruppen wegen ihrer eventuellen Rückkehr fortgeführt werden und noch nicht abgeschlossen seien. Seitens des Kongresses bestehe kein Hindernis für eine befriedigende Lösung der Frage der Teilnahme der jüdischen Gruppen. Der Kongreß würde auch eine jüdische Gruppe aus Deutschland in seinen Schoß aufnehmen, sofern sie ein derartiges Gesuch stellt. Immerhin müßten sich die jüdischen Gruppen — wozu sie sich 1933 nicht bereit erklären konnten — an die Kongreßgrundsätze halten, wonach die Behandlung'der besonderen Lage der Gruppen in den einzelnen Ländern bei den Debatten des Kongresses unzulässig sei! Der italienische Slovene Dr. E. B es e d n j a k referierte über „Die Nationalitäten im autoritären Staat". Er wies auf die Veränderungen in den inneren Rechtsordnungen der meisten europäischen Staaten hin und sagte, daß die Minderheiten ihre Arbeits- und Kampfmethoden den Bedingungen der neuen autoritären Ordnungen werden anpassen müssen. Die Einstellung des Nationalsozialismus zum Nationalitätenproblem, sagte Besednjak, sei grundsätzlich eine positive. Diese Einstellung habe sich aber bei der Behandlung der Litauer, der Lausitzer Serben und insbesondere der Juden praktisch nicht ausgewirkt. Was die Juden anbelangt — sagte der Redner—, so erscheint mir dieses Problem insofern einzigartig verwickelt, als die von der nationalsozialistischen Politik betroffenen Juden als Gesamtheit es ablehnen, als eine nationale Minderheit angesehen zu werden. Trotz allem, was in Deutschland geschehen ist, wollen sie als Angehörige des deutschen Volkes mosaischer Konfession beurteilt und behandelt werden. Wenn man sich auf den Standpunkt der direkt interessierten deutschen Juden stellen wollte, so müßte man die tragischen Ereignisse in Deutschland als einen innerdeutschen Kampf ansehen, der sich logischerweise der Kompetenz der europäischen Nationalitätenkongresse völlig entziehen müßte. Wenn aber die Juden Deutschlands —- wie wir tatsächlich meinen — eine eigene völkische Minderheit darstellen, so hat unser Kongreß — als kompetentes Forum — bezüglich ihrer gerechten Behandlung eine Stellung eingenommen, die sehr eindeutig war. Es gebührt ihnen, wie jeder anderen nationalen Minderheit — selbst nach der nationalsozialistischen Ideologie — das Recht, als Volkstumspersönlichkeit mit allen daraus sich ergebenden kollektiven Rechten grundsätzlich und praktich anerkannt zu werden. * Zu dem Bericht ist zu bemerken, daß die Darstellung des Vorsitzenden eine unrichtige ist. Die Verhandlungen mit Dr. Wilfan sind seitens der Juden vor mehr als einem Jahre abgebrochen und in keiner Form weitergeführt worden. Was Dr. Besednjak sagt, ist eine bewußte Entstellung der tatsächlichen Lage. Der Kongreß hat es nie mit deutschen Assimilationsjuden zu tun gehabt, sondern immer nur mit Nationaljuden. Seine Behauptung, daß die „nationalsozialistische Ideologie" den Juden als Volkstumspersönlichkeit alle kollektiven Rechte zuerkennt, ist eine glatte, liebedienerische Lüge im Dienste Hitler-Deutschlands, Welches die Juden — gleichviel, wo und in welcher Form sie leben — ausrotten will. 14 TAGE VORAUS---- bedeuten — in der Mode — ungeheuer viel. Dank meiner neuen Pariser Mode-Direktrice und meiner steten Korrespondenz mit den Zentren der Mode, bin ich heute schon —14 Tage voraus — in der Lage, die schönsten Modelle der kommenden Hutmode zu bringen, loh zeige Ihnen handgearbeitete Modelle, vor dem Spiegel gepaBte Hüte aus den edelsten Materialien —bis zum alltf ff elnstan Qenre. Schönere HUte bekommen Sie selbst in den Salons der Rue de la Paix nicht... Kommen Sie zu KorM, Gnädigste, und Sie sind 14 Tage in der Mode voraus! Nachtrag zum N*Z«0» Kongreß Dr« Weinschall über „Die Lage in Palästina" Ein umfangreiches Referat Uber die Lage in Palästina hielt Dr. A. W e I n s c: h a 1 1. Seine Ausführungen gingen im wesentlichen darauf hinaus, zu beweisen, daß einerseits die gegenwärtige „Proaperity" nicht das Resultat der Arbeit der Zionistischen Organisation sei, andererseits diese Prosperity sehr leicht in eine wirtschaftliche Katastrophe umschlagen könne. Dr. Weinschall belegte mit Ziffern die schlechte Lage der Handelsbilanz (4 Mill. Pfund Ausfuhr, 14 Mill. Pfund Einfuhr), die passive und zum Teil negative Haltung der Palästina-Regierung, die der Entwicklung der Jüdischen Wirtschaft entgegenarbeite, und kam zum Schluß, daß der jüdische Jischuv in Palästina politisch und wirtschaftlich mit der Masseneinwanderung der Juden nach Palästina falle. Er besprach die Frage des Legislative Council, die Bodenfrage, die Finanzverwaltung, die Tragödie der „Illegalen", die Investitionen, die Lage der jüdischen Arbeiterschaft, den Kampf der jüdischen Industrie und erklärte, daß die Regierung trotz der Leistungen der Juden ihre Politik ihnen gegenüber nicht geändert habe. Die N. Z. O. will die Judenheit politisch und finanziell organisieren, eine Jüdische National bank mit einem Anfangskapital von 1 Million Pfund gründen, wodurch die Möglichkeit großzügiger Wirtschaftsaufgaben gegeben ist. Die N. Z. O. wird den politischen Kampf aufnehmen, um Palästina den jüdischen Massen zu öffnen. Rabb* Blumenfelds Referat R a b b. B!u m e n f e 1 d (relig. Revls.) sprach über den heiligen Begriff Erez IsruiH in seinem ganzen Umfang, betonte den Wert des Handelselements, das zur Zeit ausgeschaltet wird, setzto die Religion dem Klassenkampf entgegen und forderte die Normierung des sozialen Lebens Im Sinne der Thora, die vom höchsten Geist sozialer Gerechtigkeit durchdrungen ist. Belm Aufbau des Judenstaates müsse insbesondere der Jugend das Augenmerk zugewendet werden. Die Thora gebe die Lösung auf alle Fragen, also auch auf das palästinensische Problem. 0mmmmmmmmmmmimmmmmB^mmmm*mmmmmtxMmmmHmKBmt*mmmmmmmmmmKm Nervenkrankheiten. Nach Erfahrungen berühmter Nervenärzte ist der Gebrauch des natürlichen „Franz- Josef'-Bitterwassers auch bei Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks aufs angelegentlichste zu empfehlen. Der Verla der But'zuczer veranstaltet wie alljährlich auch heuer anläßlich der hohen Feiertage ein M inj an im Jüdischen Volksheim, II., Untere Augartenstraße 38, unter Mitwirkung hervorragender Vorbeter. Karten erhältlich allabendlich dortselbst zwischen 6 bis 9 Uhr, Die Tagung der erweiterten Jewish Agency Aus Lüzern meldet die J. T. A.: Auf Vorschlag des Präsidenton. Dr. Chaim Weizmann wühlte der jetzt in Luzern tagende IV. Council der Jewish Agency ein Präsidium, bestehend aus Morris Rothenberg, NevlUe Laski, M. M. Ussischkin und Prof. Herbert Speyer aus Brüssel. Präsident Dr. Chaim Weizmann eröffnete die Sitzung. Der englische Gesandte Sir George Warner betonte in seiner Ansprache, die englische Regierung interessiere sich für alles, was Irgendwie mit der Lage des jüdischen Volkes zu tun habe. Dr. Arthur Rupplns umriß den Plan der Schaffung einer Treuhandgesellschaft (holdlng corporatlon) der wirtschaftlichen Institutionen in Palästina. MIß Henrietta S z o l d, die Leiterin des Departements für Ansiedlung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina, berichtete, daß bis jetzt durch die Jugend-Alijah 713 Kinder, deren Eltern in Deutschland lebcu, dauernd in Palästina untergebracht wurden. Mosche S h e r t o k, Leiter des Jerusalemer polltischen Departements der Exekutive, umriß die politische Situation und erklärte, solange eine arabisch-jüdische Verständigung nicht erzielt sei. müßte sich die Errichtung des Legislative Council als Hindernis für das Wachstum des Jüdischen Nationalheims auswirken. Deshalb halte die Exekutive an ihrer Opposition gegen den Legislative Council fest. Diese Opposition dürfe aber nicht die sonstige Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht beeinträchtigen, diese Zusammenarbeit werde in allen anderen Angelegenheiten fortgeführt werden. * Der zweite Tag der Konferenz war geschlossenen Beratungen der verschiedenen Kommissionen gewidmet. Unter anderem wurde die Frage einer eventuellen Aenderung der bisherigen Bezeichnung ,,n o n - z i o n i s t s" für diejenigen Mitglieder der Jewish Agency erörtert, die nicht als Vertreter der Zionistischen Organisation In den einzelnen Gremien tätig sind. Ea erscheint jedoch zweifelhaft, ob es noch im Verlauf dieser Tagung zu der angeregten Namensänderung kommen wird. Im Verlauf der Tagung sprachen mehrere Redner von den Leistungen des nichtzionistischen Teils der Agency, einzelne übten Kritik an der Mandatsregierung. Ussischkin erklärte, die heutigen non-zionists seien nichtinskribierte Zionisten. In die Exekutive wurden Dr. Senator und Professor Hext er wiedergewählt. Es gab welters eine Protestresolution gegen den Legislative Council. Verschiedene Resolutionen (K.K.L. und Keren Hajessod), ferner Vorschläge zur Wahl der Exekutive wurden angenommen. Zum Ehrenpräsidenten wurde Sokolow, zum Präsidenten Dr. Weizmann gewählt. Dr. Weizmann erklärte in seiner Schlußrede, er sei sicher, mau werde in den nächsten 20 Jahren je 50.000 bis 60.000 Juden nach Palästina bringen und es werde einmal eine „große jüdisch« Gemeinschaft'^!) entstehen, die das ganze jüdische Volk — repräsentieren werde. ßo schloß die IV. Tagung cler erweiterten Jewish Agency.. #3» '-§b^6*****,°** PRESSGASSE 28 B 20-2-38 PARKRING 12 R 20-3-57 Da. Kuratorium der hebräischen Universität Aus Luzern: (J. T. A.) Nachdem die Beratung der Mitarbeiter und Förderer des Judaistischen Instituts an der Hebräischen Universität zu Jerusalem in Luzern beendet wurde, trat das Kuratorium der Gesamtuniversität am 8. September in Luzern zu einer Tagung zusammen. Die Beratungen finden hinter geschlossenen Türen statt. In der Hauptsache wurdei über die Errichtung eines landwirtschaftlichen Institut« und einer medizinischen Fakultät an der Universität beraten. Eine tiefer gehende Erörterung knüpfte sich auch an die Ankündigung des Kanzlers der Universität Doktor .Tudah L. Magnes, seinen Posten zu verlassen, falls er nicht von den Pflichten im Zusammenhang mit der finanziellen Sicherung der Universität entbunden wird. Die Beschlüsse des Kuratoriums wurden noch nicht bekanntgegeben. Anmerkung der Red. Um die Person des Kanzlers Magnes, welcher als Vertreter der amerikanischen Geldgeber zu seinem Posten gelangte, wird seit Jahren gestritten. Seine Bestellung als Kanzler erfolgte seinerzeit gegen den Protest Professor Weizmann s, welcher seither einen allerdings bis jetzt erfolglosen Kampf gegen Magnes führt. Von der anderen Seite sind es die national eingestellten Kreise, welche Magnes immer und immer wieder beschuldigen, daß er, ala S a 1 o n - -K o m m u n i s t, die Universiät zu einem Zentrum aller antinationalen und antizionistischen Kräfte in Palästinia gemacht habe. Wiederholt fanden Demonstrationen der national gesinnten Studentenschaft gegen Kanzler Magnes und einige Professoren statt, die auch Nachspiele vor Gericht und der Polizei zur Folge hatten. Vier Juden im polnischen Parlament Am 8. September wurden in Polen auf Grund cler neuen, die Rechte der Minderheiten sehr einschränkenden Wahlordnung die Wahlen zum Sejm durchgeführt. Insgesamt haben weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten vom Abstimmungsrecht Gebrauch gemacht. Die oppositionellen Parteien, namentlich die Linken, öbten Wahlabstinenz. In Kongreßpolen haben auch die off iziellen Zionisten, in anderen Gebieten hat auch die jüdische Orthodoxie Wahlenthaltung empfohlen. Im War scher zweiten Wahlkreis, der die größte Zahl jüdischer Wähler umfaßt, wurden der Nichtjude Francziszek Urbansky mit 12.351 und der frühere jüdische Sejmabgeordnete und Gründer des jüdischen Kooperativwesens in Polen Waclaw Wyszlicki mit 12.127 Stimmen gewählt. Der zionistische Publizist Doktor Joschua Gottlieb blieb mit etwa 12.000 Stimmen in der Minderheit. Im ganzen haben sich laut Schätzung etwa 16 Prozent der Wahlberechtigten Juden in Warschau an der Stimmabgabe beteiligt. Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke TaborstraBe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr müßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos / Für Auskünfte Tel. R-41-4-20 In Wilna wurde der frühere jüdische Senator Oberrabbiner Jizchak Rubinstein, ein Führer des Misrachi, in Lodz der bisherige agudistische Sejmabgeordnete und Vorsitzende der Lodzer Jüdischen Gemeinde Leib Minzberg, in Lemberg der zionistische Kandidat und bisherige Abgeordnete Dr. S o m m e r s t e i n in den Sejm gewählt. Dagegen ist in Krakau der Kandidat der jüdischen Frontkämpfer Leopold Spira, der von den Wahlmännern an Stelle des bisherigen Vorsitzenden def jüdischen Parlamentsklubs, Oberrabbiner Dr. Osias Thonf

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