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Die neue Welt · 1935-09-10 · Heft 496 (10.9.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 496 (10.9.1935)
Date
1935-09-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 496 Nach Polen """ - bequem I D-Züge, Pullman-WaRen und reservierte Plätze. / Reisebüro „IM DIE WEIT" (Dr. S. Tocker), IX, Liechtensteinstraße 2, Telephon A-H-504 bedienen kann, daß sie im Besitze der vom jüdischen Volke geschaffenen nationalen Finanzinstitute ist. Und noch vieles andere verschweigt er. Aber das sind Dingo, die man durch Verschweigen nicht klein machen und nicht aus der Welt schaffen kann. Jabotinsky, dem Manne überragender Fähigkeiten, wird es gelingen, große Massen gegen die Herzl-Organisation zu mobilisieren und ihr schworen Schaden zuzufügen. Aber es wird ihm nicht gelingen, sie auszulöschen und Neues an die Stelle der Herzl-Organisation zu setzen. Die jetzt in Wien erfolgte Proklamation der zweiten zionistischen Organisation wird dem jüdischen Volke schwere Wunden schlagen. Diejenigen, die von einer wenig bedeutenden und bald zu überwindenden Sache sprechen, täuschen sich oder wollen andere täuschen. Die jahrelange, schrankenlose Parteiwirtschaft und das Ueberwuchern der Gesinnungslosigkeit in der Zionistischen Organisation haben zuviel Gegnerschaft, Haß und Verachtung um sie entstehen lassen, als daß nicht viele dem Rufe einer neuen Organisation folgen sollten. Dazu kommt der Reiz, den Jabotinsky vor allem auf die Jugend ausübt. Und auch diejenigen gehen fehl, die an die Möglichkeit eines halbwegs ruhigen Nebeneinanderbestehens der beiden zionistischen Organisationen glauben. Sie werden sich, ob die Führer es wollen oder nicht, aufs heftigste bekämpfen. Sie werden übereinander herfallen, wenn es um ihre Anerkennung seitens des jüdischen Volkes geht, und es wird ein häßlicher Kampf sein. Aber noch viel giftiger wird ihr Kampf um die Anerkennung seitens der nicht jüdischen Welt sein. Im Vorzimmer des Völkerbundes, der Mandatarmacht und der fremden Regierungen werden sie aufeinander stoßen, sich vor Dritten herabsetzen, verleumden, denunzieren. Sie werden, auf die schiefe Ebene geraten, immer tiefer hinuntergleiten. Sie werden schließlich dahin gelangen, sich in den zionistischen Forderungen gegenseitig herunterzulizitieren, um sich bei fremden Mächten beliebter zu machen, auf Kesten des jüdischen Volkes. Die nicht jüdischen und jüdischen Feinde des Zionismus werden ihre Freude und ihren Nutzen daran haben. Man hat aus dem großen Zionismus zwei Parteien gemacht: Hie eine Weizmann-Partei, dort eine Jabotinsky-Partei. Der ganze Jammer der Spaltung drückt sich darin aus, daß man sich nicht mehr um eine große Idee, sondern um zwei Menschen schart, von denen man Wunder erhofft. Beide Menschen sind Träger höchster Begabung, aber keiner ist Träger einer neuen großen Idee. Der hervorstechende Zug ihres Handelns ist negativ. Weizmann will den Geist Theodor Herzls aus der zionistischen Organisation bannen, Jabotinsky will die von Herzl geschaffene Form zerschlagen. Zwischen beiden steht eine kleine Schar: die Judenstaatspartei. In der zahlenmäßigen Kleinheit dieser einzigen Herzl- Partei kommt die Größe der Krise zum Ausdruck. Die kleinste Partei ist heute Stütze der größten Idee. Unter feindseligem Hohn ist die Partei der , .Dreizehn" auf dem großen Luzerner Zionistenkongreß aufgezogen. Aber bald ist das hämische Gelächter der „Vierhundertfünfzig" verstummt. Die , .Dreizehn" wurden zum moralischen Zentrum des sonst vom Geist des großen Zionismus verlassenen Kongresses. Das ist symbolisch. Die „großen" Parteien werden verschwinden, wie die großen Parteien, die einst gegen Herzl aufstanden. Die „kleine" Partei, welche treu und unerschütterlich zu seinem Programme und zu seiner Organisation hält, wird bleiben und ihre Idee wird durchdringen, weil sie unvergänglich ist. Robert Stricker. Monopol de? ,,H_fadrulh" bleibt Anläßlich der Abstimmung über die Resolutionen der Arbeitskonimission beantragte Dr. W e i n s t c i n (JiuKustuatf-parU'i), (faß ein von einem früheren Kongreß gefaßter Beschluß, wonach die Histadruth Haowdim H a k I a I i t h die e iiuijf e von der ZionistlHChen Organisation anerkannte Arbeiterorganisation in Palästina sein soll, aufgehoben werde und daß der Kongreß sämtliche zur Zeit existierenden Arbeiterverbände anerkenne. I>-r Antrag wurde abgelehnt. Vo!ks°, Haupt- und Mittelschulen neu und antiquarisch in den vorgeschriebenen Auflagen - in der Buchhandlung M. Rath, Wien IS, Taborstr. 20A Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher *u höchsten Preisen! Grundung§kongreß der NL TL* ©♦ Eröffnungsrede Vladimir Jabotinsky» Die Gründe, die zum Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation führten, sind allerorts bekannt. Aeußerlich spielte sich der Vorgang in der Weise ab, daß der Führer der revisionistischen Weltunion, Vladimir Jabotinsky, erklärte, der reine, hundertprozentige Zionismus könne dm Rahmen der Zionistischen Organisation nicht verwirklicht, diese nicht durch Majorisierung erobert werden, weshalb als einzige Konsequenz die Schaffung einer neuen Zionistischen Organisation übrig bleibe. Diese N. Z. O. müsse auf breitester Basis, ohne den Schekelzwang der alten Organisation, aufgerichtet werden und auch in ihrer Organisationsform und Methodik durchaus revolutionär gestaltet sein. Es gab in "fast allen Ländern der Zerstreuung (mit Ausnahme von Deutschland, Türkei und kleineren Staaten) Wahlen deren Ergebnis rund 750.000 Anhänger brachte. Der erste Kongreß — der Gründungskongreß —■ dieser „staatszionisti3chen Wähler" begann Samstag, den 7. September, im Wiener Großen Konzerthaussaal. Die Eröffnungsrede hielt natürlicherweise Vladimir Jabotinsky. Seine Rede unterschied sich von den ErÖf_ungsreden der Präsidenten der alten Z. O. zunächst dadurch, daß sie sich nicht auf das Resultat praktischer Leistungen stützte, sondern neue Ziele und neue Methoden vorlegte, ferner durch den Appell an die bisher noch in keinem zionistischen Lager stehenden jüdischen Massen, durch den Appell an das gesamte jüdische Volk, die gegenwärtige Gefahr zu erkennen und sie durch Zusammenschluß aller Zionsbekenner zu bannen. Die Judenheit steht, so begann Jabotinsky seine zweieinhalbstündige Rede, am Vorabend entscheidender Katastrophen ungerüstet da. Der Zionismus der Z. O. sieht weder das Ziel, noch die Wege, der Katastrophe entgegenzutreten. Diese Aufgabe ist die N. Z. O. gewillt zu übernehmen — durch etwas, dem Höhepunkt des bevorstehenden Sturmes Ebenbürtiges, durch Hochzionismus. Hochzionismus — das ist der Judenstaat und schließlich die Heimkehr des Volkes, der Exodus, die Lösung der Judenfrage; die Schaffung einer nationalhebräischen, aber ..allwelt-ausstrahlenden Kultur". Tempelsitze. Im türkisch-israelitischen Tempel, Wien, IL, Zirkusgasse 22, werden für die hohen Feiertage Sitzkarten in allen Preislagen abgegeben. Kanzlei von 2 bis 4 Uhr. Telephon R-43-3-35. Zur Durchführung dieses hohen Zieles müssen neue Aufbaumethoden angewendet werden. Es müsse seitens der Mandatarmacht eine Praxis eingeführt werden, die den kolonisatorischen Anstrengungen der Juden adäquat ist. Die N. Z. O. wird der Mandatarmacht einen in allen Details ausgearbeiteten Zehnjahrplan vorlegen, der die Ansiedlungen von etwa 1,5 Millionen Einwanderern ermöglicht. Hiezu gehört natürlich auch eine gründliche Reinigung der sozialen Atmosphäre Palästinas, das Begraben der Klassenrhetorik. Zu den neuen Bahnen und Methoden gehört ferner das Angebot des jüdischen Volkes an England, ihm zum Judenstaat zu verhelfen, der Plan, die w i r k 1 i c h e Entscheidung zwischen Israel und England durch dieses Angebot herbeizuführen. Jabotinsky besprach dann die Forderung nach freier Ausübung der religiösen (misrachistischen) Ueberzeugung und bezeichnete die Stellung der N. Z. O. gegenüber den sozialen Problemen als eine jüdische, eine zionistische, eine chaluzianische, wobei er betonte, daß der Pionier g eist wiedererweckt werden, die jüdische Chaluzjugend zum Stolz des Opfers zurückgerufen werden müsse. Die Stimme des jüdischen Palästina müsse in der Welt gehört werden. Nach Ablehnung eines Gesetzgebenden Rates und Besprechung der Araberfrage im bekannt revisionistischen Sinne, nach einer Darstellung der Planlosigkeit seitens der Mandatarregierung und der Z. O. im Aufbau Erez Israels wendete sich Jabotinsky der Tragödie der deutschen Juden zu. In wenigen, aber eindeutigen Worten des Abacheus vor dem Dritten Reich, das sich einst stolz Deutschland nennen durfte, zeichnete er die Situation und erklärte, daß er sich an die Spitze des Abwehrkampfes stellen und ihn „bis zum Ende", zum siegreichen Ende, führen wolle, und zwar mit Methoden und Mitteln, die bisher noch nicht angewendet wurden —- ein Versprechen, das vom ganzen Saal zustimmend begrüßt wurde. Nachdem Jabotinsky noch erklärt hatte, daß er die alte Z. O. nicht kritisieren, nicht herabsetzen, ja, nicht einmal bekämpfen wolle, daß er jeden, der für Zion arbeite, als seinen Bruder ansehe, dem er das Beste wünsche, formte er nochmals die Idee von der Organisierung des jüdischen Volkes, das in der Z. O. bloß einen symbolhaften Rahmen besitze, denn seine Konstruktion bedeute die Mobilisierung des ganzen Volkes zum Zweck der Erlösung Israels, und schloß unter anhaltender Zustimmung der Eröffnungsteilnehmer: „Vor zwölf Jahren hat mir zum erstenmal die Idee und die Hoffnung einer Neuen Zionistischen Organisation vorgeschwebt. Namens dieses verwirklichten Traumes begrüße ich euch zum Anfang eurer Arbeit. Und in ihrem Namen will ich dem jüdischen Volk sngon: Mache uns groß, mache uns reich, mache uns m ii c h t i g ■— wir werden deine Söhne frei mache n!" * Der Eröffnungsabend wurde durch eine Rede desl amerikanischen Zionislen Jakob de Haas, der auch das Präsidium der Tagung übernahm, eingeleitet. Nach Verlesung zahlreicher Zuschriften von Regierungen, Organisationen und Persönlichkeiten, welche den Kongreß beglückwünschten, fanden seitens der österreichischen Bundesregierung, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, des Misrachi, des Verbandes der sphardischen Gemeinden, amerikanischer Revisionisten usw. Begrüßungen statt. Stürmisch bejubelt wurde der Kommandant der Jüdischen Legion im Weltkrieg, Coloncl Patte rson, der in einer kurzen Ansprache das Heldentum der jüdischen Legionssoldaten feierte. * Sonntag, den S. September, fand am Vormittag der Gang zum Grab Herzls, am Nachmittag die Feier der Jüdischen Legion statt. Am Abend der ersten Arbcitssitzung hielten nach den Gedenkreden für die Toten des Jahres Doktor I. Sc he cht mann ein Referat über „Die Bewegung der 750.000" und Dr. Wci lisch all über „Politik und Wirtschaft in Erez Israel". (Wir werden über die Tagung der N. Z. O. fortlaufend berichten.) Montag, den 9. September, hielt der Delegierte Dr. Oskar Rabino witsch (Prag) ein Referat über „Die Konstitution der Neuen Zionistischen Organisation", worauf die Generaldebatte über dieses Referat begann. Als erster Redner sprach Herr Dr. Wolfgang W e i s 1. Die J. T. A. berichtet aus Luzcrn: Der Eröffnung des IV. Council der Jewi.sh Afjcncy, die am Mittwoch, den 4. September, in Luzern erfolgte, wohnten mehr als 200 Delegierte ans fast allen Ländern der Welt, und zahlreiche Gante, unter ihnen .solche aus der Diplomatie, bei. Den Vorsitz führte Morris Roth e n borg aus New York, der später den Vorsitz an Dr. Ch'üm Weizrnann abgab. Nach einer Ansprache Dr. W c i z m a n n s betrat der englische Gesandte W a r n e r das Podium, um die Position der englischen Regierung als Mandatarmacht dur/.ulcgen. Der Gesandte erklärt; im Namen seiner Regierung, daß diese alles in ihrer Macht stehende tun werde, um eine befriedigende Lösung all der schwierigen palästinensischen Probleme zu erleichtern. Dr. Arthur Ruppi n, der bisherige Leiter des Kolonisations-Departements der .Tewish Agency, referierte über die Probleme und Aussichten der P a 1 iL s t i n a - A r b e i t. Er erklärte u. a., daß die Befürchtungen betreffend einen wirtschaftlichen Rückschlag in Palästina und den Ausbruch einer Krise als übertrieben bezeichnet werden müßten. Selbst wenn e seinmal in Püüistina zu einer Krise kommen sollte, werde sich diese lange nicht so verhängnisvoll auswirken wie in anderen Ländern. Denn die gioIJen, aus den V e r w a 1 t u n g s ü b e r- •Schüssen, die die Regierung in den letzten Jphivii erzielen konnte, gebildeten Reserven würden in diesem Fall zum Teil zu Notstandsmaßnahmen und für produktive Arbcitslosenflirsorge verwendet werden. Im Namen des Legitimationsausschusses gab der europäische Direktor des American Joint Distribution CommHlcc, Dr. Bernhard K a Ii n, bekannt, daß dem Council der .Tewish Agency zur-* zeit 224 Mitglieder, und zwar 112 von dem Zionistenkongreß gewählte Mitglieder und 112 von den uichtzlonistischen Gremien entsandte Delegierte angehören. In einer Vorbesprechung nichtzionist'scher Miügieder der .Tewish Agency for Palestine, an der über 40 Ratsniitglieder aus verschiedenen Ländern teilnahmen, wurden die Forderungen der n i c h t z i o n i s Ii s c h c n Palästina-Freunde für die Council- Tagung formuliert. Aus Warschau: Elf polu isch -jüdische Bürger, die im Zuge der Judenverfolgungen in Deutschland um ihr ganzes Vermögen gekommn» sind und außerdem schweren moralischen und physischen beiden unterworfen waren, haben durch einen Warschauer Advokaten beiiri Berlin c r K n minor g cric Ii t Kluge gegen die deutsche Regierung auf Entschädigung von über 1 Million Mark eingereicht. Aehnlicho Klugen liefen auch von jetzt in Frankreich und in Palästina lebenden polnischen Juden ein. KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2- 16 Vorstellungen: U, V<t6, Vi8, 'A10 Bis 12. September — prolongiert Das graase H„iss mit dem berühmten Wallace Baery SCHWEDEN II, Taborstraße 1 Va*», Va6, V»8, ValO SCHKFFER VI, Mariahilferslraße 37 Telephon B-20-203 Beginn: *kh, y2ft. 'A8, "AIO STAFA, VII Mariahil f erstra De 120 Telephon B-.83-0-«8 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Das sensationelle Doppelpronrnrnm LA CUCARflCHfl , HOWAK LIEBT AMERIKA 10. bis 12. September Moskauer Nächte mit Harry Baur und Annabella Bis 12. September DAS GRAUE HAUS mit Wal9a<ce Beery Sonn- und Feiertage: 'M, Vh6, %8, 9 Ulir VOY1VPARK Tf3akh - der aroße ErloBg IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-ÜG Beginn: tt, V-,6, Vs8, 'A10 ______ IX, {-»orzellanRasse 19 Telephon A-18-0-76 Wochentags: 5, 7, *, Sonn« h&4 i elerlag ab 3 Uhr Jlhre Palästina} mit Kay Francis und Nils Asther Ur- und AIBeinauHiihrung

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