Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 495 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 498 OER NEUE WELT Seit« 5 Oskat Sienad yedtobett Lango Jahre ein großer Architekt, modern nicht im. Sinno einer Mode, sondern eines Gestaltungswillens und Gestaltungstalents, das den inneren Bedürfnissen der Zeit gerecht wird, ist Professor Oskar Strnad, ein Führer der Wiener Kunstgewcrbcschule, erst in den letzten Jahren populär geworden; erst dann, als er sich der Bühne zuwandte. Als Bühnenbildner schuf er sich den internationalen Namen. Seine Inszenierungen von Mozart-Opern, von Shakespeare, von neuen ScJiauspielen und Opern wirkten revolutionierend, obwohl er an die Tradition anknüpfte, die im Heroischen des Barock ihren Sitz hat. In den letzten Jahren arbeitete er intensiv mit Max Reinhardt. Wenn man das Wesentliche seiner Kunst in eine Formel pressen will, so kann man sagen: Strnad ließ sich weder vom Malerischen noch vom Musikalischen eines Werkes verleiten. Er schuf architektonisch, also das Selbstverständliche für einen Architekten. Ihm war das Geheimnis der Bühne vertraut: die Dimensionen des Saumes und ihre Forderungen. Seitdem das jüdische Palästina Wirklichkeit ist, nälierte er sich dem zionistischen Auf baugedanken. Große Pläne beschäftigten ihn. Die Anlage einer neuen Stadt — siehe Tel Aviv! — war für ihn eine Aufgabe, der er sein reiches Talent widmen wollte. Die Idee hebräischer Festspiele in Palästina begeisterte ihn. Er fühlte mit dem fiidischen Volk. Der Jude Strnad wird im Gedenken seiner Freunde und Verehrer weiterleben. Wie Rabbi Kook starb Aus Jerusalem wird "berichtet: In 'dem Befinden des seit Juli im Montefiore-Hospital schwer krank daniederliegenden Oberrabbiners war am Sonntag, den I. September, morgens eine so bedenkliche Verschlimmerung eingetreten, daß sich seine Familie und seine engeren Freunde an seinem Bett versammelten. Am frühen Nacb-mittag verfiel der Kranke in Bewußtlosigkeit. Aber als die um das Bett Versammelten, unter ihnen der Öberrabbiner der Agudas-Jisroel-Gemeinde, Rabbi Joseph Duschinsky, und mehrere andere Rabbiner, das „Schema J i s r o e 1" zu sprechen begannen, erwachte Rabbi Kook einen Augenblick zum Bewußtsein und sprach die Worte „Adon ai Echod" mit. Mit diesen Worten auf den Lippen verschied er. Die Nachricht vom Ableben des Rabbi Kook verbreitete sich schnell durch Jerusalem und das ganze Land. Die Straßen in der Umgebung des Hospitals füllten sich schnell mit großen Massen Trauernder. Die Büros aller jüdischen Organisationen wurden geschlossen, alle jüdichen öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser hißten Trauerfahnen. Die jüdischen Kinos waren am Sonntag abend geschlossen. Die sterblichen Reste des Rabbi Kook wurden noch am Sonntag* in die von ihm geschaffene Zentral- Jcschlwa überführt. Am Sonntag abend trat eine Rabbinerversammlung zusammen und traf Anordnungen für die Bestattung, die auf dem Oelberg, neben dem Grabe des Vaters des Verblichenen, vor sich gehen sollte. Das Begräbnis fand am Montag nachmittags unter ungeheurer Beteiligung der Jerusalemer Judenhelt und zahlreicher Delegationen aus dem ganzen Lande statt. Der Zug bewegte sich durch die Jaffastraße zum Berge Zion. Vertreter der Regierung und ausländische Konsuln wohnten den Trauerzeremonien bei. 80.000 Menschen folgten dem Sarg. Eine Kolonie auf den Namen von Rabbi Kook Aus Luzern. Während der Abstimmung über die Resolutionen am Sonntag abends auf dem Zionistenkongreß traf die Nachricht über das Ableben von Rabbi Kook ein. Der Vorsitzende, Dr. Benzion Mossinson, unterbrach die Sitzung sofort zum Zeichen der Trauer. M. M. Ussischkin teilte mit, daß der Jüdische Nationalfonds eine Kolonie auf den Namen Rabbi Kooks gründen wird. Im Namen des Kongresses sandte das Präsidium ein Beileidstelegramm an die Familie des Verstorbenen. Im Februar d. J. hatte die Stadt Tel-Aviv Rabbi Kook um Ehrenbürger ernannt. Die englische Regierung verlieh ihm den Rang eines Commander des Order of the British Empire. Ussischkins Nachruf auf Rabbi Kook Die Sonntagnachtsitzung (1. September) stand im Zeichen der Trauer um Oberrabbiner Kook. M. M. Ussischkin führte u. a. aus: Das jüdische Volk betrauert einen Gaon. BiaIik war es, der mir zuerst über die wunderbare Persönlichkeit und die tiefe Klugheit dieses Mannes erzählte, und als ich ihn später kennen lernte, wußte ich, wie recht Bialik hatte. Jeder, der mit ihm zusammenkam, ging bereichert von ihm fort. Seine Beziehungen zur Jugend waren die eines Vaters, der versteht und verzeiht. Er war dem Titel nach Oberrabbiner von Erez Israel, de facto war er der Oberrabbiner der ganzen Welt. Tempels!tze. Im türkisch-israelitischen Tempel, Wien, II., äirkusgasse 22, werden für die hohen Feiertage Sitzkarten in allen Preislagen abgegeben. Kanzlei Von 2 bis 4 Uhr. Telephon R-43-3-35. Zum Tode Professor Dr* Templers In einem Badener Sanatorium ist am 22. v. M. der bekannte Wiener Gelehrte Rabbiner Prof. Dr. Bernhard Templer einem Herzleiden erlegen. Am 24. wurde er auf dem Friedhof in Baden bestattet. Aus Wien war eine Abordnung der Frontkämpfervcrcinigung, der Dr. Templer angehört hatte, in Uniform erschienen sowie der Vorsteher des Bethauses, an dem der Verblichene 30 Jahre hindurch in uneigennütziger Weise gewirkt hat. Nach dem vom Oberkantor Richter vorgetragenen Trauergesang und einer das Leben des Verblichenen würdigenden Rede des Oberrabbiners Dr. Carlebach nahm für die Freunde des Toten Rabb. Dr. Max G r u n w a 1 d Abschied. Im Namen des Wiener Kultusvorstandcs sprach Kultusvorsteher Waltuch, für die Badencr Gemeinde ihr Präsident Dr. Lakenbacher, am offenen Grab Vorsteher Rausnitz für die Talmud Thora im III. Wiener Bezirk. Von der Familie des Dahingeschiedenen waren seine tiefgebeugte Gattin und sein einziger Bruder erschienen. Aus den Trauerreden war die dreifache Bedeutung Dr. Templers zu ersehen: seine Leistungen als Forscher, als Seelsorger und als Lehrer. Ueberaus groß war die Anerkennung, die Doktor Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, icke TaborstraRe 32 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos! / Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Templer schon als Student der Berliner Hochschule bei den Gelehrten fand. In Wien förderte ihn der Prediger Adolf J e 11 i n e k, in Berlin Dr. Maybaum und Professor Steinthal. Was er als Lehrer geleistet hat, dafür spricht die Dankbarkeit seiner Schüler, die noch an seinem Totenbett rührend zum Ausdruck kam. Alle, die den Verblichenen kannten, werden ihm, dem Menschen, Gelehrten und Pädagogen, ein ehrendes Andenken bewahren. Die englische PalästinaffPoIitifc Bemerkungen des Kolonialamt-Organs Aus London wird gemeldet: Die dem britischen Kolonialamt nahestehende Zeitschrift „Near East and India" befaßt sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer mit der auf dem Zionistenkongreß in Luzern erhobenen Forderung nach verstärkter jüdischer Palästina-Einwanderung. „Die sowohl aus sittlichen wie aus wirtschaftlichen Gründen erhobene Forderung nach stärkerer jüdischer Einwanderung nach Palästina", schreibt das Blatt, „stand auf dem Luzerner Zionistenkongreß im Vordergrund.. Ein Redner äußerte die Meinung, daß .freie Einwanderung nach Palästina und Transjordanien' nur deshalb nicht gewährt werde, weil die Zionisten keine Einheitsfront gebildet hätten. Es ist jedoch sehr zweifelhaft, ob die Mandatarmacht sich um die verschiedenen Gruppen, aus denen die zionistische Bewegung sich zusammensetzt, besonders bekümmert. Ihre Politik in bezug auf die Einwanderung nach Palästina und Transjordanien war konstant und ändert sich nicht. Die Einwanderung in das erste Land wird geregelt durch seine wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit, die in das zweite durch die formelle Außerkraft- Maturaschule „UNIVERSUM" IX, GARNISONGASSE 3. TELEPHON A-20-4-48 0 Beginn neuer Tages- und Abendkurse am 15. IX. 1935 AUS PALÄSTINA Die Ziirusernteaussiditfen Nach dem Bericht des Director of Agriculture and Forests für August haben sich die Ernteverhältnisse in den Citruspflanzungen infolge der günstigeren klimatischen Bedingungen wesentlich verbessert. Die Orangenernte wird neuerdings auf 8,5 Millionen Kisten geschätzt. Die älteren Pflanzen ergeben eine normale Ernte, während die jüngeren nur 50 Prozent einer Normalernte ergeben. Die Grape-fruite-Ernte hat unter den Chamsinwinden sehr wenig gelitten und steigert sich in normaler Weise, sie wird auf 1,25 bis 1,5 Millionen Kisten geschätzt. * Infolge der geringen Ernte und der wachsenden Nachfrage erzielen Aepfel, Birnen, Quitten und Pflaumen Rckordpreise. Die Aussichten der Olivenerntc haben sich gegenüber den bisherigen Berichten nicht verbessert, sie wird, mit Ausnahme des Akko-Bezirkes, schlecht ausfallen. Weintrauben ergeben im östlichen Emek, wo die Ernte beendet ist, überdurchschnittliche Erträge, in der Ebene und dem Gebirge fällt die Ernte dagegen eher unterdurchschnittlich aus. Im Jaffa-Bezirk und in Zichron hat die Weinlese begonnen, die Ernte ist günstig. Die Mandelernte fällt normal aus. (Palnews.) Die Stellung Palästinas im Citrus* Weif cxpoit Aus Tel-Aviv meldet Palnews: Der soeben aus London eingetroffene Bericht dos Imperial Economic Committee beziffert den Welt-Citrusexport im Jahre 1934 wie folgt: Spanien 870.000 Tonnen, Italien 334.000 Tonnen, Palästina 178.000 Tonnen, Vereinigte Staaten 134.000 Tonnen. Palästina nimmt also den dritten Platz unter den Citrus-Expo rtländern der Welt ein. Aus dem Bericht ergibt sich auch, daß Palästina das einzige Land ist, dessen Citrusexport mehr als 50 Prozent seines Gesamtexports ausmacht, während der spanische Citrusexport beispielsweise sich nur auf 15 Prozent des spanischen Exports beläuft. Hinsichtlich der Anbaufläche nimmt Palästina die siebente Stelle ein und rangiert hinter den Vereinigten Staaten, Italien, Spanien, Brasilien, Australien setzung der Mandatsbestimmungen, betreffend das Jüdische Nationalheim." „Die jüdische Einwanderung nach Palästina", heißt es weiter, „ist in den letzten ein bis zwei Jahren ungeheuer gestiegen und voraussichtlich v/ird in dem laufenden Jahre eine noch nie dagewesene Ziffer erreicht werden* Was die Aufnahmefähigkeit des Landes betrifft, so würden die Ansichten der Fachleute hierüber vermutlich noch lange auseinandergehen. Eine grundlegende, wenn auch nicht immer erkannte Tatsache in der gegenwärtigen Situation ist es, daß etwa die Hälfte der Arbeit der jüdischen Bevölkerung auf das Baugewerbe und seine Nebenzweige entfällt; darum ist es eine vernünftige Ansicht, daß die Einwanderung in steigendem Maße fortgesetzt werden muß, um eine Krise zu verhüten. Gedanken darüber, was geschehen könnte, wenn der Umfang der Bauarbeiten größer ist, als er der Bevölkerung entspricht, machen sich möglicherweise nur diejenigen, die an der Solidität eines Jüdischen Nationalheims zweifeln. Die Mandatarmacht muß alle möglichen Seiten des wirtschaftlichen Problems berücksichtigen; sie kann bei aller True gegnüber ihren Verpflihtungen von den von ihr festgelegten Grundsätzen nicht weit abgehen; man würde fehlgehen, wenn man glaubte, daß eine Reduzierung des von den zionistischen Körperschaften verlangten Ausmaßes der Einwanderung auf Mangel an Sympathie mit den Einwanderungsanwärtern zurückzuführen sei." und Japan. Ferner ergibt sich aus dem Bericht, daß der Citrus konsum der Welt in den Jahren der Weltkrise nicht abgenommen, sondern sich im Gegenteil e rh ö h t hat: nämlich von 1,3 Millionen Tonnen im Jahre 1927 auf 2 Millionen Tonnen im Jahre 1933. Projekt der Errichtung eines Eisenröhrenwerkes Vor einigen Monaten hat eine Gruppe deutscher Juden ein Projekt zur Errichtung eines Röhrenwerkes in Palästina ausgearbeitet. Es wurde beabsichtigt, in Haifa ein Werk für geschweißte Eisenrohre zu errichten, in das pal. Pf. 25.000.— investiert werden sollten. Die Fabrik sollte ungefähr 30 Arbeiter beschäftigen. Es war vorgesehen, Eisenrohre für Bau- und landwirtschaftliche Bewässerungszwecke zu produzieren. Der palästinensische Bedarf an Eisenrohren ist sehr bedeutend und das Unternehmen hätte nur einen Teil des palästinensischen Bedarfes gedeckt. Die Hälfte des erforderlichen Kapitals war bereits aufgebracht, jedoch haben sich von außenher Schwierigkeiten ergeben, die die Durchführung des ganzen Projektes zweifelhaft machen. Das Internationale Röhrensyndikat, das zentral den. Verkauf und die Preise regelt, löste sich auf, worauf die Preise stark zurückgingen. So wird beispielsweise dio MmmmmmmammmmmmmmmmMtm^mmm*mmsMammcaaKMmm*mMmmmmmKmmma Billige Bücher hei der Schwedenbrücke Buchhandlung Sehneider & Co., I., Franz-Josefs-Kai 7 Telephon R-22-0-15. SCHOLKM ALKCHKM: „Die Geschichte Tewjes des Milchhiindlcrs." Leinenband (S 7.—)...............S 1.70 „Stempenju", Roman. Leinenband (ö 7.— ) .„„«•, S 1.70 NATHAN ASCII: „Der 22. August", Roman. Kartoniert (S 7.—) . a . S 1.00 GUSTAV MKYHINK: „Der Golem." Leinenband (S 11.—)......nur S 3.10 „Das grüne Gesicht", „Walpurgisnacht", „Fledermäuse", jeder Band Halbleinen......nur S 2.70 „Des deutschen Spießers Wundern«™." 2 Halbieincnbände, zusammen.....,..... nur S 6 30 KUHT STROHHUT: „Palästina-Bericht eines NichtJuden." Ganzleinenband (i? G~")...............nur S 1.90 ARNOLD ZWKIG: „Herkunft und Zukunft", zwei Essays zum Schicksal eines Volkes. Leinen...........nur S 3.___ „Leshing, Kleist, Büchner." 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