Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 495 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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T--Seite i DIE NEUE WELT Nr. 495 Praktische Neuheit! Sporthemd mit Reserve-Kragen aus feinstem Seiden * Poplin in allen Modefarben sowie alle Artikel in Wäsche u. Wirkwaren billigst bei RGNANNf Ii« Rabensteig 3, Tel. U-2Q-709 Himme!pfortg.5,Tel.R-25-8-84 / KSHnerhofg. 1,To!.R-26-8-99 laaaaadHv^L-aBBCwg an Intellektuellen und geistigen Errungenschaften zu verzeichnen haben, wie es bei uns der Fall ist! Wir müßten nicht nur als Juden, sondern auch als Menschen gegen die Theorie und die Praxis des Nationalsozialismus protestieren, der eine neue schreckliche Gefahr für die Welt heraufbeschwört, die Gefahr der Konflikte zwischen den Nationen. Während die Welt nach Mitteln sucht, um das Gebiet der internationalen Kriege zu beschränken, so öffnet das Naziland weite Aussicht auf Konflikte, die aus der Rassentheorie erwachsen. Wir sollten uns nicht herablassen, uns mit den Klagen oder Verbrechen eines Regimes zu befassen, das durch seine Wortführer über die Juden wie über Flöhe spricht und sie daher ins Tierreich einsetzt. Ein Regime, das sich über seine Nachbarn und seine Mitglieder, die beim Aufbau des Landes im Laufe von Jahrtausenden mitgeholfen haben, so ausdrückt, verliert das Recht, als Vertreter der modernen Zivilisation angesehen zu werden. (Lebhafter Beifall.) Ich komme nicht mit Beschuldigungen und Klagen zu den deutschen Juden. Es wäre gemein, derartiges zu tun. Wir können und müssen aber aus einem eingewurzelten Fehler der Vergangenheit der deutschen Juden lernen. Wir Zionisten haben der alten Fiktion ein Ende gesetzt und die Masken entblößt, die immer wieder vorgebrachten Behauptungen bekämpft, daß wir nur eine Glaubensgruppe sind, eine religiöse Vereinigung und Brüderschaft. Jetzt wissen wir, und wir proklamieren es offen, daß wir nie aufgehört haben, ein Volk zu sein, und daß wir uns als ein Volk mit der Aufgabe des Aufbaues einer Nation und des Wiederaufbaues der jüdisch nationalen Heimstätte im jüdischen Lande befassen. Der jüdische Wille hat seine Entscheidung getroffen. Die Nationen können helfen oder stören, doch sie können die Ausführung nicht verhindern. Der jüdische Wille ist fest und unabänderlich: „Obgleich die ganze Welt es vergessen hat, sind wir noch ein Volk." (Lebhafter Beifall.) Der Kampf des Weltjudentums um die Gleichberechtigung, den die deutschen Juden führten, war eine der schönsten Früchte des Liberalismus. In diesem Kampf für die Gleichberechtigung haben viele den großen Fehler begangen, zu meinen, Gleichberechtigung könne nur durch Verwischung der Identität erreicht werden, als ob überhaupt ein Aufgeben der Identität möglich v/äre. Die Aufhebung der Identität im Interesse der Gleichberechtigung bedeutete ein doppeltes Aufgeben: das der Gleichheit und das der Individualität. Das war der schwere Fehler, zu dem der Kampf für die Gleichberechtigung geführt hat. Eine Erklärung für die Gründe, die zu diesem Fehler geführt haben, könnte man finden. Aber es liegt etwas Furchtbares in der Vorstellung, daß wir, weil wir die Gleichberechtigung mit anderen Völkern erreicht haben, unsere Identität und Rassenreinheit verwischen und aufgeben sollen, daß wir, um die Gleichheit der Juden mit den Nichtjuden zu beweisen, uns in Liebhaber der Teutonen oder in Pseudo-Arier verwandeln müssen, während Arier nie daran dachten, sich den Semiten oder Juden anzuähneln. Ich sage diese Worte nicht als Vorwurf gegen die Leute, die nicht nur bereit sind, ihre Charaktereigenschaften aufzugeben, sondern auch ihren Charakter als solchen — denn wer kann unglücklichen und tragisch irregeführten Massen Vorwürfe machen? Wenn aber alle Juden in Deutschland sich als Juden, als deutsche- Juden betrachtet hätten, so hätten sie heute nicht diese menschliche Erniedrigung erlitten und man hätte, ihnen nicht das Recht genommen, sich deutsche Juden zu nennen. Wenn sie aus eigenem Willen sich als sich selbst achtende deutsche Juden ungesehen hätten, statt als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, so wären sie vjellelch noch hputo frei, sich deutsche Juden zu nennen, und stünden nicht vor der Gefahr, den Status als Staatsbürger zu verlieren — eine schreckliche Vergeltung, ein niederschmetterndes Unheil. Das Unheil, das über die deutsche Judenheit und somit über das Weltjud/entum gekommen ist, ist das größte seit 1492. Leider gibt es heute nicht einen Kontinent, wie Amerika, das im Laufe von Jahrhunderten mehr als ein Viertel der Juden der Welt aufnahm. Infolge zeitweiliger ökonomischer Schwierigkeiten, die England und Amerika bedrücken, sind diese Länder für neue Einwanderung geschlossen. Im Jahre 1492 kamen manche Juden aus Spanien nach Italien, andere flüchteten nach Holland und den deutschen Ländern, manche gingen nach der Türkei und Griechenland, einige der »panischen Flüchtlinge fanden ein Heim in Klein-Aslen. Es gibt noch eine Parallele zwischen Spanien aus dem Jahre 1492 und Deutschland aus dem Jahre 1933. Ich wage zu behaupten, daß im Laufe der gesamten Existenz des Christentums die Juden in keinem Lande, nicht einmal in Spanien, so viel für Wohlfahrt des Landes beigetragen, In keinem Lande mit solcher Treue, so ausgezeichnet, so genial für das Land gewirkt haben, wie im früheren Deutschland.; EHEGLUCK Ich suche sympathischen Mann, 37 bis 47 Jahre, zu dem Glück, das in Liebe, Herzensgute liegt. Bin hübsches Fräulein, Beamtin in Stellung, die zuverlässige Lebenskameradin. Nichtanonyme Zuschriften erbeten unter „Ein wir kl. Mensch l" Ich möchte der Welt zur Erinnerung nur einige Namen aufzählen: die Namen von Mendelssohn, Heine, Börne. Wir erwähnen noch mit Stolz Karl Marx und Ferdinand LassaHe, Mendclssohn-Bartholdy, Meyerbeer und Liebermann, Lasker, Bamberger und Rathenau, Wassermann, Ehrlich, Haber und den Fürsten des menschlichen Geiste» Albert Einstein. (Lebhafter Beifall.) Emigration war die Antwort im Jahre 1492. Auch im Jahre 1933 und den folgenden Jahren wurde diese Antwort gegeben. Sie mußte gegeben werden. Emigration vor allem in das nichtarischestc Land der Geschichte. Wenn die Juden nach anderen Ländern auswandern, so tragen sie die jüdische Frage mit, und die Probleme bleiben bestehen. An den Toren Palästinas hören die Juden auf, ein Problem zu sein, und werden wieder Jnden und Menschen. Und eine letzte Parallele: Wie ist es Spanien nach 1492 und in den 400 Jahren danach ergangen? Wie wird es Deutechland ergehen? Die Antwort auf den Nationalsozialismus und die Arierverklärung des Dritten Reiches kann nicht sein: ,,Wlr sind so gut wie sie, sogar besser als sie, und wir stellen den Errungenschaften der Arier die der Semiten entgegen", — sondern die Antwort müßte sein: „Sie haben zerstört, und wir werden aufbauen. Sie haben menschliche Werte uufgehoben, und wir werden sie schaffen. Sie verspotten die Freiheit, und wir erkämpfen sie. Sie verringern die Gerechtigkeit, und wir vergrößern sie." (Lebhafter Beifall.) Sie sagen „Deutschland muß judenfrei s c i n". So sprach auch Spanien vor 450 Jahren. Sie bestehen darauf, daß Deutschland judenfrei sein muß. Sehr gut, Juden frei! Freie Juden, Juden, die frei sind, werden wir in Erez Israel und in allen anderen Ländern bekommen. Sie verbannen uns — die Zivilisation verbannt s i e, die ihre Werte beschimpft und ihre Heiligtümer geschändet haben. (Lebhafter Beifall.) 7f*£. tft. MiM&ouee und fcou zeigen hocherfreut die Geburt eines SohHCS an. Wien im Elul 5695. Ich stütze unsere Sache der jüdisch-nationalen Heimstätte auf folgende Grundlagen: 1. Die innere und äußere Notwendigkeit für die Juden; 2. die Pflicht des Christentums oder der zivilisierten Welt. Das erste ist unser ungeschriebener Charter, das zweite die unleugbare Verpflichtung der Förderung, die auf den Nationen lastet, die sich Christen nennen, von denen zwei englischsprechende Nationen, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika, in jeder Form ihre Pflicht anerkannt haben. Es gibt eine dritte Grundlage, auf die unsere Sache zu stützen ist, und zwar das Wunder, das durch unsere jüdischen Brüder in Palästina geschaffen wurde, die edelste Errungenschaft der Juden im Laufe von Jahrhunderten, auf die wir stolz sein konnten. Die Juden haben bewiesen, daß sie dieser Riesenaufgabe mehr als gewachsen sind. Der Glanz Palästinas liegt in der Art und nicht in der Tatsache seines Aufbaues, in der Verheißung, die es für die Zukunft der gesamten Menschheit in sich birgt. Das heutige Palästina verspricht endlich einmal ein Ende der erschreckenden und albernen Diskrepanz zwischen den prophetischen Lehren und der jüdischen Praxis zwischen dem unaufhörlichen mündlichen Bestehen auf Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit einerseits und dem widerspruchslosen Hindehnen, der Ungleichheit und Ungerechtigkeit der Welt andererseits. In Erez Israel sohen wir den ersten organisierten Versuch des jüdischen Volkes, sein Leben, das individuelle sowohl wie das kollektive, auf der Grundlage der sozialen Kollektive, auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit einzurichten. Das ist der höchste Beitrag des Chaluzim, der Pioniere — nicht der Duname, die sie kultiviert haben, sondern Ihr Pioniertum, das darin besteht, die. alten Prophezeiungen in die Gesetze und in die Praxis des heutigen jüdischen Lebens in Erez Israel umzusetzen. Nach einer Darstellung der Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina schloß Stephen Wise: Es war vor einiger Zeit, mitten in frohen und gesegneten Wochen, da kamen plötzlich Trauerbotschaften. Es kamen Nachrichten Uber die Erneuerung der Grausamkeiten und der Barbarei im Naziland. An diesem Tag empfing der High Commlssioner in seiner Residenz jüdische Kolonisten und Bauern aus ganz Palästina, die er bereits mehrmals in ihren Siedlungen besucht hatte. Ueberdies gab es auch einige eigens eingeladene Gäste. Nach Schluß der militärischen Vorführungen wurde die englische Nationalhymne gesungen. Dann erschallten auf den Bergen von Judäa die Töne der Hatikwah. Ich sah dann in der Vision jüdische Scharen nach Judäa marschieren. Ich sah, wie sie aus der fremdländischen Gefangenschaft kamen. Ich sah wieder jüdische junge Leute und Mädchen in Judäa marschieren, nicht um des Gewinnes und des Profits willen, nicht um Behaglichkeit, nicht um persönliches Obdach für sich zu finden, sondern um wieder einmal das jüdische Leben für das jüdische Volk im jüdischen Lande zu errichten. Ueber das Gebirge von Judäa nach Osten und Westen zu den blauen Wassern des Mittelmeeres und Uber die goldenen Hügel von Moab erschallte das Lied der jüdischen Seele: Unsere Hoffnung, die alte Hoffnung, die Hoffnung der Rückkehr nach dem Lande Israel und dessen Verwandlung In ein Land mit einem neuen, gerechten, unzerstörbaren Lebensweg für Israel und für die gesamte Menschheit. (Stürmischer Beifall.) Kongreß der Neuen Zionistischen Organisafion Samstag, den 7. September, um 9 Uhr abends, findet im Wiener Großen Konzerthaussaal die Eröffnungssitzung des Gründungskongressea der Neuen Zionistischen Organisation statt, bei welcher der Führer der Zionisten-Revlsionisten, Wladimir Jabot i n s k y, das Gründungsreferat halten wird. Der Kongreß wird laut Mitteilung des Pressebüros der N. Z. O. vom 7. bis 12. September dauern. Der Festgottesdienst des N.-Z.-O.-Kongresaes findet Samstag, den 7. September, um 9 Uhr vorm., im Leopoldstädter Tempel statt. Modesdiau bei Sadier in Baden Samstag, den 31. August, brachte eine vorbildliche Modevorführung bei Sacher In Baden die schönsten und für diesen Herbst mustergültigen Pariser und eigenen Modelle der Firma Ida Reich & Bruder. Die Nachmittagscomplets und Kostüme bildeten neben den großen Abendkleidern die Hauptattraktion dieser Instruktiven Schau. Schwnr«, lila und rot wären die am häufigsten verwendeten Farben an diesen einzigartigen Modellen. Die schicken Hüte von Rosa Krleser waren den Kleidern ebenbürtig. Di« große Herbstmodeschau in BADEN beatritt die Firma IDA REICH «BRUDER WUH, MARIAHtirilMTR. 39 ■ Tgl. B t3C*1 HgA UKAjfcbei der Badener Modeschau Die SCnOnen HUIC waren vom Modensalon ROSa KRIESER Mar8qratenitr.31*B:gO-8.l» WodteMtydeqd Die Nazi sorgen lür die Süden Die einzige jüdische Zeitung in Danzig, daM „Dansiger Echo", ist in kurzer Zeit zum neunten mal, diesmal wegen ,,B c unruhig ung der jüdische n B c v öl k e ru n g" beschlagnahmt worden. Jüdische Telegraphenagentur, 3. September. Der Drang nach Palästina In dieser Woche gehen aus Warschau zwei große Transporte mit insgesamt t a u s c n d j ü d i s c h c n Palästinafahrern ab. Die eine Gruppe mit GöO Olim fährt über Konstantia, Rumänien, mit dem, Dampfer „Polonia", die zweite mit 350 Personen wirft Uber Triest geleitet. Dieser Gruppe wird sich auch der Gerer Rcbbe mit seiner Familie und zahlreichen Cha^sidim anschließen. Meldung aus Warschau. Der Geist der Thora Wir brauchen jüdische Knabenschulen, in welchen alle für den Juden wertvollen Fächer gelehrt werden, doch alles beherrscht werde von Thoragcist. Wir brauchen Mädcheyuschulen, wo nicht nur auf Ausbildung in Handarbeit und Hauswirtschaft sehr geachtet und all da$ gelehrt wird, was zum Grundstock wahrer Bildung gehört, sondern auch auf gediegene jüdische Ausbildung Hauptwert gelegt und dafür gesorgt wird, die Mädchen, mit echt jüdischem Geist zu erfüllen. Wir brauchen Landwirtschaftsschulen, Handelsschulen, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten, xoo neben der Erlernung alles Nötigen auf Erhaltung und Vertiefimg echt jüdischer Kultur größter Wert gelegt wird. Auch jüdische Zeitungen brauchen wir, die genährt sind von wahrhaft jüdischem Geiste! M. Ascher, „Landwirtschaft und Thora" (Fiba-Verlag, Wien.) Kalliolisdie Wünsche Israel hat keine Heiligen mehr. Und nun suchen die Juden die quälende Frage ihrer Existenz durch den. jüdischen Nationalismus .zu beantworten. Wie jeder Nationalismus führt auch dieser zu einer Abwendung von der Religion. Und ein Israel ohne Religion wäre nicht mehr Israel. Darum haben wir Katholiken zu beten, daß Israel seiner Religion nicht untreu werden, daß es ihr treu bleiben möge. Aber nicht nur ihrem Buclistaben, soliden auch ihrem Geist, der der Geist Jesu Christi ist. Welche Eroberung für das Christentum, wenn es eine Armee von Propagandisten aus diesem Volke gewänne, aus diesem Volk, das zur Eroberung der Welt wie geboren ist, aber nicht, zur Eroberung für das Geld oder die Politik, sondern für die Wahrheit. Wenn jeder Jude ein Paulus wäre, der das Wort des Evangeliums unter diG Völker hinausträgt! P. J. Bonsirven in ..Question dflsrael". Gegen einen gesetzgebenden Rat „Unter diesem Gesichtspunkt waren wir verpflichtet, darauf .zu bestehen, daß die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina auf einem Recht beruhe, und daß dieses Recht nicht der Entscheidung eines widerstreitenden arabischen Nationalismus anhehn gegeben werde." Mr. Ameryg, Engl. Unterhaus, 17. Nov. 1930. Nur nicht übertreiben ♦ ♦ . „Weizmann, der Schöpfer der gemischten Jewish Agency von 1929, ist der einzige Mann, den das ganze jüdische Volk in allen seinen Teilen bereitwillig als Führer der Palästina-Bewegung anerkennt." „Jüdische Rundschau" vom 3. Sept. 1935. Jüdische Kulturstelle. Neue Adresse: I., Franz- Josefs-Kal 8} neue Telephonnummer R-28-2-36. Unseren Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für die Bundes- und Privattheater zur Verfügung. Melden Sie Ihren Beitritt zur Jüdischen Kulturstelle an. Werdet Mitglieder' Theaterfreudige, junge Menschen melden sich in der Jüdischen Kulturstelle an. 'Wi\\ lumag mrm Klnd«rw«««nv«ricaiif i von S 33.— VII, Ntubau|MM 11 / i, TtHhltukmhor T X, laianburgaratraB« 82 / XX, JlgeratraO« 41 Pahrr«<*f«bHkl Vit, luragaa»« 110 B^uerno Teilzahlung! Katalog «ratiei von S 33.—;