Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 495 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 405 DIE NEUE WELT Seitab! * er verpflichtet die Exekutive, diese Tätigkeit bei den Regierungsdepartments fortzusetzen. Der Kongreß erkennt die Notwendigkeit an, das ganze jüdische Volk mit dem Oedanken der jüdischen Arbeit zu durchdringen, und fordert die Exekutive auf, eine methodische Aufklärung über das Problem der jüdischen Arbeit in Erez und in der Galuth durchzuführen. Der Kongreß entbietet den Pionieren der jüdischen Schiffahrt seinen Gruß und fordert die Judenhcit auf, die jüdischen See-Unternehmungen zu unterstützen, die auf jüdischer Arbeit und auf Tozeret haarez aufgebaut sind. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, eine Abteilung für Arbeiten zur See in Jerusalem zu errichten, deren Aufgabe es sein soll, für Erweiterung der jüdischen Schiffahrt zu sorgen. Der Kongreß nimmt mit Befriedigung Kenntnis von der Entwicklung der jüdischen Industrie und des jüdischen Handwerks in Ere.3. Die Initiative der Industriellen und die Aufopferung der, 25.000 Industriearbeiter bewirkte die Errichtung einea weit verzweigten Netzes von großen und kleinen Industrien, deren Produkte sich immer größeren Raum bei der Befriedigung der Bedürfnisse des Jischuw erobern. Der Kongreß mahnt die Regierung an ihre Pflicht, die palästinensische Industrie durch ein entsprechendes Zollsystem und durch Handelsverträge zu schützen. Der Kongreß erklärt den Konsum von Landesprodukten (Tozeret haarez) als zionistische Pflicht und fordert alle Institutionen auf, die öffentliche Tätigkeit für Tozeret haarez zu unterstützen. Judensfaatsparfei' für Arbei'fslosenfonds Aus Luzcrn wird berichtet: Die Wirtschaftskommission des Kongresses behandelte den Vorschlag der Judenstaatspartei betreffs Schaffung eines nationalen Arbeitslosenfonds bei der Zionistischen Organisation. Dieser für die jüdische Arbeiterschaft und das Prinzip von Avoda iwrith (Jüdische Arbeit) äußerst wichtige Vorschlag fand die Zustimmung der Mehrheit in der Kommission. Auch die Vertreter der Arbcitcrfraktlon setzten sich für den Vorschlag der Judenstaatspartei im Prinzip ein. 14 TAGE VORAUS____ bedeuten — in der Mode — ungeheuer viel. Dank meiner neuen Pariser Mode-Direktrice und meiner steten Korrespondenz mit den Zentren der Mode, bin ich heute schon — 14 Tage voraus — in der Lage, die schönsten Modelle der kommenden Hutmode 2U bringen. Ich zeige Ihnen handgearbeitete Modelle, vor dem Spiegel gepaßte Hüte aus den edelsten Materialien — bis zum allerf elnstetl Genre. Schönere Hüte bekommen Sie selbst in den Salons der Rüg de la Paix nicht... Kommen Sie zu Korff, Gnädigste, und Sie sind 14 Tage in der Mode voraus! Die politischen Resolutionen des Kongresses Gegen einen Legislative Council Von den Resolutionen, die der XIX. Zionisten. kongreß auf Vorschlag seiner Politischen Kommission angenommen hat, sind insbesondere folgende zu erwähnen: In der Resolution betreffend den Legislative Council wird zum Ausdruck gebracht, daß der XIX. Zionistenkongreß angesichts des Wunsches der Mandatarmacht, in Palästina einen Legislative Council einzusetzen, von tiefer Sorge erfüllt sei. Ein solcher Schritt werde vom Kongreß als gegen den Geist des Mandates gerichtet erachtet. Jeder gesetzgebende Rat, der auf der Grundlage der augenblicklichen Zusammensetzung der Bevölkerung Palästinas aufgebaut wäre und damit die Juden zu einer Minderheit in Palästina stempeln würde, widerspräche den fundamentalen Rechten des jüdischen Volkes. Darüber hinaus stünde er aber auch im Widerspruch zu den ausdrücklichen Versicherungen, die Ministerpräsident MacDonald in seinem an Dr. Weizmann gerichteten Brief gegeben hat. Denjenigen gesetz. geberische Macht zu verleihen, die offene Gegner des Palästinamandates sind und in Opposition zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims stehen, sei nichts anderes, als eine Verletzung des Mandates. Solange nicht die Politik der Errichtung des Jüdischen Nationalheims die vollständige Anerkennung seitens der nichtjüdischen Bevölkerungsteile gefunden hat und solange nicht eine Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina herbeigeführt ist, werde die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes, deren Vorteile Juden und Araber in gleicher Weise genießen, durch den Vorschlag, einen Legislative Council einzusetzen, gefährdet. Ein solcher Legislative Council könne eine Quelle von Reibungen und Unzufriedenheit zwischen den Bevölkerungsteilen werden und die Chancen der Kooperation zwischen Bevölkerung und Regierung beeinträchtigen. Daher erklärt der Kongreß seine Gegnerschaft gegen einen Legislative Council unter den jetzigen Umständen und sieht sich gezwungen, den Plan, einen solchen Council einzusetzen, kategorisch abzulehnen. Zur Lage der deutschen Jutlenheit Die Resolution, die sich mit der Lage der deutschen Juden und der Juden in der Diaspora überhaupt beschäftigt, lautet u. a.: „Die Lage der deutschen Judenhcit, 4 die Vernichtung und Erniedrigung einer kulturell hochstehenden und schöpferischen Gemeinschaft, deren Emanzipation beendet schien, hat auf grausame Weise die Unsicherheit des Lebens der Juden in der Diaspora demonstriert und die Hoffnung vernichtet, volle und dauernde Sicherheit für die großen Massen des jüdischen Volkes zu erringen, die in der Lage einer Minderheit le/ben. Dadurch ist die zionistische Diagnose der jüdischen Position auf tragische Weise bestätigt worden." Palästina ist das einzige Land, wo jüdische Auswanderer in Massen aufgenommen werden können. Das jüdische Volk hat aus eigener Kraft in Palästina Möglichkeiten geschaffen, die eine ökonomische Eingliederung der Juden ermöglichen, und das ohne Nachteil für die nichtjüidische Bevölkerung Palästinas, vielmehr zu ihrem Vorteil, Der Zionistenkongrcß appelliert an die Welt, sie möge dorn jüdischen Volk bei seinen Bemühungen zur Seite stehen, in das historisjche Land seines Ursprungs in Frieden und Freiheit zurückzukehren. Die Beziehung zu den Arabern Mit dem Araber probleim befaßt sich eine Resolution, in der der XIX, Zlonistenlkongreß den Wunsch ttes 3tt$sctoen Volke« (bekr&ftfct» in H*moni-e m*'t | der arabischen Bevölkerung Palästinas j und den arabischen Völkern des Nahen Ostens zusammen- I zuleben. Die jüdischen Errungenschaften in Palästina,! heißt es in der Resolution, haben bereits zu einem Stadium geführt, in dem sie auch den Arabern Palästinas und der arabischen Bevölkerung der Nachbarländer zum Kleine Tube S — .90 Große Tube S 1.40 Kostenlose Beratung in allen Reiseangelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch im Reisebüro „IN DIE WEIT". (Dr. S. Tocker) IX, Liechtensteinstraße 2, Telephon A-14-504 Die Lage der Judei Stephen Wise am Wir bringen hiemit die großangelegte Rede des amerikanischen Delegierten, Rabbi Stephen Wise, die er auf dem Luzerner Kongreß gehalten hat. Die amerikanische Presse hat Gerüchte verbreitet, es sei mir wegen meiner Angriffe auf das Nazi-Regime verboten worden, auf dem Zionistenkongreß zu sprechen. Wie sie sehen und hören werden, sind es falsche Gerüchte. Es war meine Sache, daß ich bisher nicht gesprochen habe. Niemand wagte es auch nur einmal anzudeuten, daß ich in der Aeußerung meiner Ansicht über das Nazi-Reich nicht frei wäre. Wäre auch nur eine solche Andeutung ausgesprochen worden, so hätte ich mich vom Kongreß zurückgezogen und ich glaube, daß viele Delegierte sich mir angeschlossen hätten, wenn nur in irgendeiner Weise angedeutet worden wäre, daß wir, Delegierte des 19. Zionistenkongresses, der Freiheit beraubt werden, über den Nationalsozialismus und das Dritte Reich so zu sprechen, wie unsere Ueberzeugung und Erkenntnis es uns gebietet. Man braucht keine besonderen Gründe dafür zu suchen, warum hier Herr Sokolow, Ben Gurion und andere solche Uebersichten über die Lage der Juden in der ganzen Welt gegeben haben. Dies geschah weder um eine Rechtfertigung für den Zionismus zu finden, noch um uns in Selbstbemitleidung einzulassen, die eine Art Selbstverachtung ist. Wir sind zusammengekommen, um den Juden Trost zu gewähren, die von schwerem Unheil betroffen wurden, um von der einzigen demokratischen und repräsentativen Welttribüne des Judentums unser Gefühl der Einheit mit allen jüdischen BrüderninderjranzenWeltzu proklamieren, damit diese, wie sehr sie auch betroffen werden, gewisse Beruhigung in dem Bewußtsein der jüdischen Einheit finden. Wir sind hier nicht zusammengekommen, um hier eine Klagemauer zu errichten, vor der wir die Leiden der jüdischen Diaspora erzählen. Die Epoche der Klagemauer ist für uns Zionisten mit dem Werk Theodor Herzls zu Ende gegangen. Theodor Herzl hat der Periode ein Ende gemacht, in der wir uns auf andere äußere Kräfte verlassen. Und er hat eine neue Periode eingeleitet, in der wir Zionisten eine Lösung für unsere Probleme suchen und sicher finden werden — aber in erster Reihe durch unser eigenes UrteU, unseren eigenen Willen und durch unsere eigenen Beschlüsse. Der Zionistische Kongreß ist die jüdische Welttribüne, von der aus wir die jüdische Sache der Menschheit vortragen, nicht damit sie einen Beschluß für uns faßt, sondern damit die Welt von den Bschlüssen Kenntnis nimmt, zu denen wir gelangt sind und auch die Gründe hört, die uns zu deren Fassung bewogen haben. Um es in populäx*er Sprache zu sagen: Wir fragen nicht die Welt, wir erzählen ihr. Wir stellen keine Fragen an die Welt, wir geben Antwort. Wir laden die Nationen nicht ein, für uns Beschlüsse zu fassen, wir benachrichtigen die Nationen von unseren Beschlüssen. Die Lage der Juden im Dritten Reich ist keine deutseihe oder deutschjüdische Frage allein. Sie ist eine jüdische Frage, eine weltjüdlsohc Frage, ein Weltfrage. Sie ist eine weltjüdische Frage, weil der Nationalsozialismus nicht nur die deutschen Juden als Angehörige einer niedrigen Rasse von minderwertigem und vergiftetem Blut erklärt hat, sondern alle Juden, die gesamte jüdische Rasse. Auch wenn die Behandlung der deutschen Juden durch die Nazi keine Herausforderung an die gesamte Zivilisation wäre, auch wenn der Einfluß der Nazi und Ihr Betspiel nicht ungeheures Uebel außerhalb des Dritte» Nutzen gereichen. Die Fortsetzung der jüdischen Arbeit sichert den Beitrag der Juden zur Entwicklung des ganzen Nahen Ostens. An die Mandatar macht wird der Appell gerichtet, die Verpflichtungen vollständig zu erfüllen, die ihr aus der Balfour-Deklaration erwachsen, und zur Förderung des Jüdischen Nationalheims eine aktive Politik durchzuführen, und zwar in jenem Ausmaß, wie es die Lage der Juden in der Galuth erfordert und die Situation in Palästina es ermöglicht, sobald die Entwicklung unbehindert und frei vor sich gehen kann, und die Regierung hierbei durch Schaffung von mehr Arbeitsmöglichkeiten hilft. Für den Sabbatsdititz In einer besonderen Resolution wird von der Palästina-Regierung verlangt, daß sie die von ihr be, schäftigten jüdischen Arbeiter an Sabbat- und jüdischen Feiertagen von der Arbeit befreie. Ferner soll allen jüdischen Stadtgemeinden (Munizipalitäten); das Recht gegeben werden, für ihren Bereich durch Verordnungen die Zwangssabbatruhe einzuführen. Luzerner Kongreß Reiches verursacht hätte, auch dann wäre das Schicksal der deutschen Juden unser Schicksal, ihre Tragödie unser Kummer, da wir eine Einheit bilden. Dieses allweltlich jüdische Tribunal hat sich ehrenvoll und in voller Wahrheit mit dem deutsch-jüdischen Problem befaßt. Den deutschen Juden, die darauf bestehen, daß dieser zionistische Kongreß sich nur mit der „Ref uah", mit Erez Israel, befasse und nicht mit der „M a k a h", mit der Wunde, ist folgendes zu sagen: Obzwar Palästina Großes und Gutes für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland getan hat, hat es nur für 5 oder 6 Prozent der deutsch-jüdischen Bevölkerung ein Heim geschaffen, aber die Wunden nehmen von Tag zu Tag zu und das schwerste Leid droht in der nahen Zukunft, nämlich die Aufhebung oder Zurückziehung der deutschen Staatsbürgerschaft aller deutschen Juden. Wenn dieser Kongreß sich nur mit der Diskussion und Ausarbeitung des palästinensischen Heilungsprogramms befaßt hätte und über alle anderen Probleme geschwiegen hätte, so hätte die Welt daraus die Schlußfolgerung gezogen, daß die Lage nicht so ernst ist, wie wir es immer sagten. In Wahrheit aber kann nichts katastrophaler sein, als wenn man den Eindruck bekommt, daß uns das Schicksal der deutschen Juden gleichgültig sei und wir uns nur mit unserer eigenen Lösung unseres Problems befassen, und daß wir schließlich zu dem Gewissen der Menschheit kein Vertrauen haben und keinen Glauben an das moralische Gefühl des Christentums, das jetzt auch selbst in allen seinen Teilen, Protestanten und Katholiken zugleich, angegriffen ist. Es gab Leute, die gegen meine Schilderungder deutschen Juden als Einwohner einer belagerten Stadt waren. Also sagen wir es anders: Die sich in den vordersten Schützengräben des Dritten Reiches befinden, können nicht erwarten, daß man ihnen die Leitung der Bewegung der gesamten Verteidigungsarmee übergebe. Wir dürfen und werden sie nicht preisgeben, die Beschlüsse müssen aber durch uns alle und nicht durch einen Teil von uns gefaßt werden. Wir können stolz darauf sein, daß die deutschen Juden sich in der vordersten Frontlinie befinden, denn wir Juden sind Kinder der Freiheit, Kämpfer für die Gerechtigkeit und Beschützer der Zivilisation. Wenn wir Freiheit so gehabt hätten, wie wir sie heute lieben, wenn wir so für Ungerechtigkeit wären, wie wir heute leidenschaftlich für menschliche Gerechtigkeit eintreten, dann hätte der Nationalsozialismus keinen Streit mit den deutschen Juden, auch nicht mit dem Weltjudentum gehabt. In Amerika wissen es alle, daß der Nationalsozialismus die traditionellen, ethischen und religiösen Werte der Zivilisation angreift. Dies ist u. a. auch au3 der Tatsache zu ersehen, daß die führenden katholischen und protestantischen Zeitungen in Amerika verlangen, die Olympiade im Jahre 1936 möge nicht in Berlin stattfinden, da sie nicht glauben, daß irgendwelche Hoffnung für ein fair play und richtigen Sportgeist unter dorn gegenwärtigen Regime besteht. Wir protestieren nicht gegen die Existenz der Rassen, wir sind aber gegen din Lüge, von höhern oder niederen Rassen. Wenn ein« solche Lüge gegen eine der bedeutsamsten Rassen der Geschichte verbreitet wird, was kann man erst über die Rassen verbreiten, die in ihrer Geschichte nicht so viel Nach Polen b$SBi$ und bequem! D-Züge, Puliman-Wagen und reservierte Plätze. / Reise» büro „1 n DIE Wi l T" (Dr. S. Tocker), IX, Llechttn« stehtttra&e 2, Tele^faga A-14-5M