Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 494 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4Ö4 v^liff.' DIE NEUE WELT Seite 5 AUS PALASTINA Wiener Fest in TelvAviv Von Oskar Herlinger (Jerusalem) Die Organisation der Oesterreicher in Tel-Aviv, die Oleh-Austria, veranstaltete am 18. August, zusammen mit dem „Roten Magen David", ein großes Sommernachts fest im Ausstellungsgelände. Eine großzügige Propaganda, wie auch der schöne Verlauf des Festes Im Vorjahr^, hatten zur Folge, daß dieses Fest schon Tage vorher die Diskussion beherrschte und die anderen Dinge des 'Tages in den Hintergrund treten mußten. Kaum war der Schabbath vorbei, strömte schon;dle Menschenmenge zum Fest. Hell erleuchtet waren die Plätze und Gebäude und erinnerten an die schönen Tage der letzten Levante-Messe. An den acht Kassen drängten sich die Menschen und die vielen ankommenden und abfahrenden Autobusse, Autotaxi und Pferdewagen erweckten Im ersten Augenblick den Eindruck, als ob da alles drunter und drüber ginge; doch beim Näherkommen sah man, daß die Organisation klappte und alle Menschen una r^hrzeuge in kürzester Zeit abgefertigt wurden. Herr Reininger, ein Mitglied des Festausschusses, übernahm liebenswürdigerweise die Führung. „Beim letzten Fest", sagte er, „ging nicht alles in Ordnung, da wir auf so starken Besuch nicht vorbereitet waren. Doch diesmal sind wir dem größten Ansturm gewachsen. Der halbe Autobuspark der Stadt ist mobilisiert worden, um die Menschen zum Fest und nach Hause zu expedieren. Ein weiteres Fünftel der Autobusse steht fahrtbereit in der Garage und kann jederzeit angefordert werden. Mit den Autotaxigesellschaften haben wir ein Spezialabkommen getroffen, um billige Fahrpreise zu ermöglichen, denn es soll nicht „gewürzt" werden. Beim Feste selbst stehen uns über 200 freiwillige Hilfskräfte zur Verfügung. Drei Büffets, die zu billigsten Preisen Speisen und Getränke abgeben und für die reichlich Spenden eingelaufen sind, sorgen für die 7000 Menschen, die wir erwarten und die wohl während der Nacht richtigen Durst und Hunger bekommen dürften." Wir traten zu einem Büffet. Mein Herz schlug höher, als ich mir die Herrlichkeiten betrachtete, die ich schon so lange Zeit entbehrte: Linzer Bäckereien, Sachertorten, Gugelhupfe, Beugel, Kolatschen usw., luden zum Zugreifen ein. Ich widerstand nicht lange und wir ließen uns häuslich nieder, um mit Befriedigung festzustellen, daß alles so gut war wie es aussah. Mein Begleiter zog mich weiter. Auf dem Festplatz, mit einer riesigen Tanzfläche, standen und saßen tausende Menschen. Die Laune war ausgezeichnet und das Lachen und Schreien übertönte zeitweise die Musik, die durch eine Reihe von Lautsprechern am ganzen Platz verbreitet wurde. Ein reichhaltiges Programm, Gesang, Rezitationen, Karrikaturen berühmter palästinensischer Frauen und Männer usw., fand eine einmütig gute Aufnahme beim Publikum Kostenlose Beratung in allen Relseanjfelegenlieltcn, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch im Reisebüro „IN DIE WEIT", (Dr. S. Tocker) IX, LlechtenstelnstraOe 2, Telephon A-14-504 Wir drängten uns durch die Tanzenden, da es uns zum „Heurigen" zog. Schon von weither hörten wir die Schrammelmusik, die die altvertrauten Wiener Lieder spielte, die mit Begeisterung von den Gästen mitgesungen wurden. Hier war schon ganz große Stimmung. Wohl gab es keinen „Heurigen" zum Trinken, doch der ausgezeichnete Karmelwein schafft auch gemütliche und richtige Weinlaune. Für 500 Menschen war Platz vorgesehen, doch das reichte nicht und viele Hunderte mußten betrübt abziehen, weil es ihnen nicht gelang, Sitzplätze zu ergattern. Plötzlich gab es einen Tusch und durch den Ansager erfuhr man, daß der österreichische Konsul den „Heurigen" betreten habe. Der Beifall, der sich erhob, bewies, daß die Anhänglichkeit an das alte Vaterland auch hier, im Lande der jüdischen Zukunftsträume, weiterlebt. Der Rundgang durch das Fest zeigte, welch guten Fuif Wiener Gemütlichkeit und Gastfreundschaft genießt, denn die Zahl der „Ausländer" überwog. Große Gruppen aus den Ländern der sogenannten Nachfolgestaaten, jedoch auch amerikanische Juden, südafrikanische Juden und Juden aus vielen anderen Ländern hatten sich eingefunden. Doch nicht nur Juden sah man auf diesem Feste. Einige Araber hatte die Neugier hergezogen und nun standen sie da, in ihren malerischen Gewändern und sahen aus, als ob eine rührige und aufmerksame Festleitung sie bestellt hätte, um den dekorativen Effekt des Festes zu erhöhen. Durch ihr eigenartiges Deutsch fielen die schwäbischen Kolonisten aus dem nahegelgenen Sarona*) axif, die mit ihren Mädchen gekommen waren, um wieder einmal richtig Walzer tanzen zu können. Auch Engländer hatten sich eingefunden, die sich nicht recht in die Stimmung einpassen konnten und etwas steif in einer Gruppe zusammenstanden und dem fröhlichen Treiben ernst zusahen. Plötzlich ging ein Ruck durch die Masse. Vom Festplatz hörte man Stampfen und die Melodie des „Ehzo pehlc", der im Augenblick volkstümlichsten Hora. Alles begann nun zum großen Fostplatz zu drängen. Hinter mir hörte ich die Stimme eines „Sabre" (so heißt ein bereits im Lande geborener Jude), der sein Mädchen mit folgenden Worten einlud: „Komm, Jaffa! Lasse uns zusehen, wie die Jäcken Horah tanzen!" Und die „Jäcken" (so heißen die neu eingewanderten Juden deutscher Sprache) tanzten Horah! In langen Reihen, die sich immerfort ergänzten, wenn einer vor Erschöpfung aus- *) Anm. d. Red.: Vor nicht langer Zeit hatten dio Bewohner der deutschen Kolonie Sarona (bei Tel-Aviv) hohen ßesuoh aus Deutschland. Deutsche Naziführer trafen mit Hakenkrciizfahnen ein und hielten Reden, wie sie in Deutschland seitens der Herren Streicher, Goebbels, Kube iikw. gehalten werden. Man hörte also auch in Sarona das beliebte „Judu, verrecke!" Jetzt lüngegen er- Mchienen die hitloristischen Auslanddeutschen im jüdischen Tel-Aviv und tanzten mit den jüdischen „Untermenschen". Ist das nicht Itassenscjiunde? Und unsere Tel-Aviver Oesterreicher? War ihnen der nazistische Vorfall von Sarona bekannt? Oder gebot die: im Orient übliche Gastfreundschaft, die Saroner Nazis nicht vor die Tür zu setzen? Vielleicht bekommen ».vir dio richtige Antwort auf unsere Fragen. schied, tanzten sie, die Assimilanten von gestern, den jüdischen Nationaltanz, mit gleicher Begeisterung, mit gleicher Hingebung, wie die Menschen, die aus den Gebieten jüdischer Massensiedlung kommen. Bis früh dauerte das Fest. Viele wären gerne noch länger geblieben, wenn der kommende Arbeitstag nicht gebieterisch zum Aufbruch genötigt hätte. In den palästinensischen Morgen gingen die Menschen, müde von Tanz und Fröhlichkeit, doch jeder dachte bei sich oder sagte es: Heute war es schön! ... Einstellung der Arbeiten bei der Huleh* Konzession Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach Meldung der palästinensischen Tageszeitung „D a w a r" teilt die arabische Zeitung ,,A - D i f a a" mit, daß die Araber einen Anspruch auf mehrere tausend Dunam Boden aus der Huleh-Konzession geltend gemacht hätten. Die Regierung habo daraufhin angeordnet, daß die gesamten Kultivlerungsarbeiten imHuleh-Gebiet für den Zeitraum von drei Monaten eingestellt werden sollten. (J. T. A.) Die Schaffung des Knessefh Israel Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Wie verlautet, sollen die Verhandlungen zwischen WaartLcumi und der Agudas Jisroei betreffend die Schaffung einer einheitlichen jüdischen Gemeinschaft (Kncsseth Israel) in Palästina, die kürzlich vertagt worden sind, erst im Herbst wieder aufgenommen werden. Die Agudas Jisroei soll vorgeschlagen haben, daß zwei besondere religiöse Gemeinden und ein gemeinsames Komitee geschaffen werden, das dio beiden Gemeinden zu repräsentieren hätte. Der VVaad I^eumi soll demgegenüber vorgeschlagen haben, zwei Gemeinschaften zu schaffen, eine religiöse und eine nationale, wobei sich die Vertreter der Agudas Jisroei an beiden Gemeinden beteiligen sollen. Es heißt, daß die Regierung dem Vorschlag des Waad Leumi günstig gegenüberstehe. (J. T. A.) Elektrische Tmnsformatorcnstation in Jaffa Aus Jaffa: Die Ruthenberg Elektrizitäts-Gesellschaft wird in Jaffa eine Transformatorenstation errichten. Von der Palästina- Regierung sind bereits die entsprechenden Verordnungen über Enteignung von Land für den Bau der Station erlassen worden. (J. T. A.). Eine Million Pfund für öffentliche Arbeiten Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Aus zuverlässiger Quelle erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur, daß in dem Voranschlag der Palästina-Regierung für das Finanzjahr 1935/36 die Einnahmen mit 5,560.000, die Ausgaben mit 4,620.000 Pfund beziffert werden. Eine M i 1lion Pfund ist für öffentliche Arbeiten bestimm! Für das jüdische Erziehungs- und Sozialwesen Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Die Palästina-Regierung wird insgesamt 51.944 Pfund als Beihilfen für das jüdische Erzieh ungs-, Gesundheits- und Sozialwesen zur Verfügung stellen. Für die jüdischen Gemeindeschulen sollen davon 36.000 Pfund gewährt werden, 8000 Pfund mehr als im letzten Jahre. 5841 Pfund soll das Krankenhaus in Tel- Aviv erhalten, 1700 Pfund das Krankenhaus in S a f e d. 4300 Pfund werden zur Errichtung des Krankenhauses der Kupath-Cholim in Petach Tikwah gewährt, 1300 Pfund für den Bau eines Krankenhauses im Emek Jesreel, 1765 Pfund für Schulhygiene und 1038 Pfund für Jugendwohlfahrt. Steigerung der Nationalfonds-Eingänge Jerusalem, 28. August. (J. T A.) Aus Erez Israel sind dem Kerera Kajemeth im Monat Juli 3503 Pfund zugeflossen. Insgesamt betrugen seine Einnahmen in Erez Israel vom Oktober 1934 bis Juli 1935 27.243 Pfund. In demselben Zeitraum des vorangegangenen Jahres betrugen die Einnahmen 17.740, die Steigerung macht somit 9503 Pfund aus. (J. T. A.) Bautätigkeit in Haifa und Tel-Aviv Aus Tel-Aviv: Einer Baugesellschaft ist von der Allgemeinen Hypothekenbank eine Anleihe zum Bau von Arbeiterhäusern in verschiedenen Stadtteilen von Tel- Aviv gewährt worden. Die gleiche Ballgesellschaft hat nunmehr auch für denselben Zweck bei der Versicherungsgesellschaft „Prudential" eine Anleihe aufgenommen. Es sollen durch diese Kredite Bauarbeiten im Werte von 350.000 Pfund ausgeführt werden. Geplant ist, insgesamt 200 Häuser und 100 Mietswohnungen im Süden von Tel.Aivlv, 100 Häuser in Schechunath Borochow, sowie 240 Miete-Wohnungen in den Arbeitervierteln und 200 Häuser im Norden von Tel-Aiviv zu errichten. Die Gesellschaft führt jetzt Unterhandlungen wegen der Aufnahme einer weiteren Anleihe, die es ihr ermöglichen soll, einige hundert neue Häuser in Kirjeth Chajim bei Haifa zu errichten. (J. T. A.) Lage der Juden in Buchara und Afghaanistan Aus Luzern: Der Delegierte der Juden von Buchara auf dem Zionistenkongreß in Luzern, Abraham Emanueli, schildert in einem Aufruf an die Kongreßdelegierten die traurige Dage der jüdischen Bevölkerung in Buchara, Mittelasien, wo etwa 40.000 jüdische Seelen in größter Armut und ohne Existenzmöglichkeit leben. Etwa 4000 Seelen sind bereits in Palästina eingewandert, andere Tausende führen ein elendes Wanderleben in Afghanistan, Persien, Turkestan usw. Bis zum Weltkriege war die Wirtschaftslage der Juden in Buchara gut, im Kriege aber sind 20 Prozent von ihnen umgekommen, die übrigen sind vollkommen verelendet. Die einzige Möglichkeit, sie zu retten, sei ihre Seßhaftmachung in Palästina. Aus Jerusalem: In Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, kam es wiederum zu schweren antisemitischen Exzessen. Die Auslandsvertretungen von Afghanistan bemühen sich, die Exzesse abzuleugnen, doch leben die Juden in Afghanistan unter unaufhörlichem Terror. (J. T. A.) Die Juden und das deutsche Klntgesdiäft In einer Reihe von Aufsätzen haben wir did Methode der reichsdeutschen Filmkammer beleuchtet, die dahin zielt, die Juden aus dem deutschen Filmschaffen, auch im Ausland auszuschalten. Man weiß, daß beispielsweise die österreichische Filmindustrie, auch dort, wo sie von Juden finanziert wird, sich dem. hitlerdeutschen Diktat gefügt und den Arierparagraphen eingeführt hat. Den Machthabern im Dritten Reich war es bisher! gleichgültig, wer die Nazifilme im Ausland vertreibt, und tatsächlich gab und gibt es heute noch jüdische Filmverleiher und Kinobesitzer, welche mit Hitler-Deutschland Geschäfte machen. Nach einer Meldung aus Berlin dürfte hier eine Aenderung eintreten. Die deutsche Reichsfilmkammer hat nämlich folgendes vertrauliche Schreiben an die deutschen Filmindustriellen gerichtet: „Nachdem aus der deutschen Filmproduktion und dem deutschen Filmverleih die Nichturier ausgeschaltet sind, beziehungsweise bis zu einem nahm Zeitpunkt ausgeschaltet werden, ist es mit den beruf sständischen Pflichten eines Kammermitgliedes; unvereinbar, wenn deutsche Filme noch weiterhin zur Auswertung an etwa noch bestehende jüdische Firmen in Deutschland gegeben werden. Ich ersuche infolgedessen, einer weiteren Mitwirkung von Nichtariern in der deutschen Filmwirtschaft, in keiner Weise Vorschub zu leisten. Hinsichtlich des Exports deutscher Filme erwarte ich von jedem deutschen Produzenten und Verleiher, daß er nichts tinversucht Hißt, auch im Auslande sich arischer Firmen zu bedienen und, soweit er dort eigene Verkaufsstellen unterhält, nichtarische Angestellte auszuschalten. Wir bitten, sich hei der Tätigung von Verkaufsverträgen nach diesem Ersuchen zu richten, und bitten, dafür Sorgte zu tragen, daß dieses Ersuchen nicht Gegenstand öffentlicher Erörterungen wird." Die Juden sind aus dem deutschsprachigen Nazinlnt ausgeschaltet. Jüdische Filmverleiher außerhalb Deutschlands werden nicht mehr beliefert. Und das jüdische Filmpublikum — wird es noch weiter in ..arischen" Filmen geduldet werden? Und das jüdische Filmpublikum — wird es noch weiter sein Geld dem pogromistischen Deutschland in den Rachen werfen? Um nicht Hungers zu Sterben Aus Danzig: In Danzig trafen m den letzten Tagen mehrere jüdische Flüchtlinge aus Ostpreußen ein, die bloß das nackte Leben retten konnten. Man erfährt, daß in den kleineren Orten Ostpreußens die Judenverfolgungen über alles Maß hinausgehen. In Elbing können sich die Juden keine Lebensmittel mehr verschaffen, kein Friseur bedient mehr jüdische Kunden. Int den kleineren Städten müssen die Juden, um nicht Hu ngers zu sterben, sich nachts in die Dörfer begeben, um sich bei den Bauern Lebensmittel zu verschaffen. (J. T. A.) Was Mforadii sich qeiaUen laßt Haschomer über Sabbatruhe Die Delegierten des Haschomer Hazair gaben eine Erklärung darüber ab, warum die 27 Mann starke Delegation ihres Verbandes sich bei der Abstimmung über die Sabbatruhedeklaratlon der Stimme enthalten habe. Die Erklärung stellt fest, daß die Delegierten des Haschomer Hazair ebenso wie die anderen Teile der Arbeiterfraktion mit der Durchführung der Beschlüsse des Aktionskomitees betreffend die Sabbatruhe einverstanden sind, da sie in ihr große soziale und nationale Werte sehen; sie lehnen aber jeden Versuch ab, der Sabbatruhe religiösen Charakter zu geben. Die Delegierten des Haschomer Hazair sind der Ansicht, daß die Durchführung der Sababtrnhc durch Wahrung: der Gewissensfreiheit und nicht durch konstituierende Bestimmungen verwirklicht werden solle. (J. T. A.) Antijüdische Ausschreitungen in Polen Aus Warschau; In Warschau haben die Huligans eine Gruppe jüdischer Greise überfallen und dem 65jährigen Chaim Korman, dem 60jährigen Abraham Rubin und dem 62jährigen Chaim Ohrenstein so erhebliche Verletzungen zugefügt, daß diese von der Rettimgsgesellschaft ins Krankenhaus gebracht werden mußten« In Grodno haben der Holzarbeiter Jan Zwonkow und der Fuhrmann Waclaw Dimper den 31jährigen jüdischen Schuster Mosche Lipski ermordet. Vor der Polizei gaben sie an, sie hätten die Tat aus antisemitischen Motiven begangen. In Lodzhaben die Nationaldemokraten eine Woche verschärften Boykotts gegen die Juden proklamiert. Vor jüdischsn Geschäften stehen Boykottposten, die Kaufwilllge beschimpfen und attackieren. Juden wurden überfallen und mißhandelt. Einige Huligans wurden verhaftet. Die Warschauer nationaldemokratischc Zeitung „Dziennik Naradowy" berichtet mit Genugtuung, daß in Polnisch-Oberschlesien sich die antijüdische Aktion erfolgreich entwickelt. Die Außenwände jüdischer Geschäfte werden mit Boykottaufschriften beklebt. In Boszow wurden Besucher einer jüdischen Veranstaltung mit Salzsäure Übergossen, so daß eine Panik entstand und die Vorstellung nicht stattfinden konnte. (J. T. A.) Wie Sommernummer 8/9, August-September, der Zeitschrift „Palästina", Fiba-Vcrlag, Wien, VI., Gumpendorferstraßc 10, bringt eine reiche Fülle von interessanten Abhandlungen und Materialien. Wir geben die Titel der Aufsatze wieder: A d o 1 C Pollak: Nationale Bodenpolitik in Palästina; Agronom Josef Wciz: Die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft in Palästina und ihr gegenwärtiger Stand: D r. G. O y d e r owitach: Die Grundtypen der jüdischen Kolonisation in Palästina: R. R. Koro witz: Die AnsiedUmg auf Emek Chefer (Wadi el Chawerltsch); Dr. L u d w, Grün bäum: Produktivicrung der Juden in Palästina ein Irrweg? Dr. Werner Fraustädter: Ausweisung und AsvlschuU der Ausländer in Palästina; Joseph L. Cohen: Dio öffentlichen Finanzen Palästinas; Dr. Hugo Bojke: Heumehl als Futtermittel, a. b.; Die Bodenwertschätzung und ihre Auswirkung; ü v, V/. Lesse r: Landstraße oder Schienenstrang: Dr. Wilhelm Lecker: Das palästinensische Kali in der internationalen Kaliwirtschaft: Jahresbericht des Departements für Zölle, Akzisen und Handel 1935 und Gründungen im Juni und Juli 1935. Es folgen reichhaltige (Haifa): Rechtsleben; Dr. J. Adler: Wirtsc.'mftsbaronioter Juli 1936 und Gründungen im Juni und Juli 1935. Es folgen reichhaltig« Nachrichten und Daten sowie Bücherbesprechungen. — Das Heft wt m ämtm fttarfc.