Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 494 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WEL1 Nr. 494 Das (kaune Heia Wie der Hitlerismus hefxf Soeben erschien in den Editions du Carrefour (83, Boulevard du Montparnasse, Paris, IV.) ein Buch „Das braune Net z", welches auf Grund von Originaldokumenten die erste zusammenfassende Darstellung über die Tätigkeit des Nationalsozialismus und der Gestapo im Auslande gibt. Es ist ein dokumentarischer Bericht, der aufgebaut ist auf Akten, Tatsachenberichten, Rundschreiben und Erklärungen der nationalsozialistischen Regierung und der Partei, die in zweijähriger Arbeit gesammelt wurden. Das Buch gibt eine Darstellung aller Organisationen, die im Dritten Reiche sich mit Auslandsarbeit beschäftigen. Es kommt zu dem bündigen Schluß, daß das Dritte Reich jährlich 262 Millionen Reichsmark für Auslandsarbeit der Gestapo und des Nationalsozialismus verwendet. Eine Liste von rund 600 Propagandisten, Agenten, Spitzeln und Spionen im Auslande ist beigefügt. Das Buch ist 375 Seiten stark und enthält über 100 Bilder und Dokumente. Es nennt 307 deutsche Zeitungen Im Auslande, die unter der Kontrolle von Goebbels stehen. * In einem „Judenhetze als Mittel Hitlerscher Außenpolitik" überschriebenen Kapitel heißt es: Die antisemitische Weltpropaganda hat Rosenberg dem Gauleiter von Franken, Julius Streicher, übertragen. Unter dem Protektorat Rosenbergs hat Streicher die „A n t i j ü d i s c h e W e 111 i g a" gegründet, die am 9. Mai 1935 ihre erste deutsche Veranstaltung in Nürnberg abhielt, und in der der Franzose Jean Boissel Adolf Hitler als „Titanen" im Kampfe gegen das Weltjudentum bezeichnete. Von Erfurt aus wird eine dreisprachige antisemitische Korrespondenz versandt, der ,,W elt-Dienst" — „Service Mondial" — „World Service". Sie erscheint vierzehntägig im Bodung-Verlag und wird von Streichers „wissenschaftlichem" Beirat, dem Oberstleutnant a. D. Ullrich Fleischhauer, geleitet. Im Titelkopf der Korrespondenz wird gesagt: „Diese Blätter sind bestimmt, unter Nichtjuden von Hand zu Hand zu gehen. Der „Welt-Dienst" ist nicht auf Gelderwerb eingestellt. Er beabsichtigt vielmehr, die schlecht orientierten Nichtjuden aufzuklären — welchen Staat auch immer sie ihr Vaterland nennen mögen. Diese Informationen über das Treiben der jüdischen Unterwelt gehören zum geistigen Rüstzeug eines jeden Nichtjuden. Sehr erwünscht ist die Weitergabe an die gutgesinnte Presse." Der „Welt-Dienst" wird besonders stark verbreitet in den französischen Kolonien in Nordafrika, in Algier, in Tunis und in Marokko. Diese antisemitische Propaganda geht Hand in Hand mit der Agenten- Arbeit, die den Marokkanern, den Tunesiern, den Algeriern die materielle Unterstützung Hitler-Deutschlands bei einem Aufstande gegen Frankreich versprechen. Neben dem „Welt-Dienst" besteht ein Institut zum Studium der Judenfrage, dessen Direktor ein Freiherr von Engelhard ist. Alle die internationalen Organisationen, die Rosenberg ins Leben gerufen hat, mögen sie völkischer, antisemitischer oder antibolschewistischer Natur sein, haben die eine Aufgabe, im Auslande Maschinengewehrnester des Hitlerschen Imperialismus einzubauen. Eine große Rolle spielt hierbei der Volksbund für das Deutschtum im Auslande (V. D. A.), dem 141 Vereine angeschlossen sind. * Besonders intensiv wird die Judenhetze im Elsaß betrieben, der „Welt-Dienst" geht in Tausenden von Exemplaren ins Land. Bei einer Umfrage ergab sich, daß nicht ein einziger Empfänger das Abonnement bezahlt. An den Kiosken in Straßburg und in anderen elsässischen und lothringischen Städten sind antisemitische in Deutschland hergestellte Broschüren in großen Mengen zu sehen. Eine dieser Broschüren trägt den Titel „Das Recht der überlegenen Rass e", als Autor ist Isaak Blümchen, als Verleger Isidor Nathan Goldlust in Krakau angegeben. Auf der Umschlagbinde steht die Schlagzeile: „Wir Juden regieren Frankreich!" Die Broschüre beginnt mit den Worten: „Endlich ist das jüdische Volk Gebieter über Frankreich." Als Druckerei ist die „Imprimerie Speciale de Le Combat" angegeben. Es ist eine Spezialdruckerei in Hitler-Deutschland, nahe der elsässischen Grenze. * Die Pogrome In Nordafrika sind von Hitler- Agenten arrangiert worden. Der Propaganda-Attache Hans Günther von Dinklage hat sich als Sonderbeauftragter der Hitler-Regierung in den französischen Gebieten Nordafrikas aufgehalten, als dort systematisch Judenpogrome vorbereitet wurden. Von den Auslandsstellen der NSDAP, sind bis Ende 1934 mehr als 60 antisemitische Hetzschriften in orientalischer Sprache, vor allem in arabisch, hergestellt und größtenteils in Französisch-Nordafrlka verbreitet woraen. Durch eine Indiskretion aus dem Propa« ^andaminiöterium ist bekannt geworden, daß Dr. Goebbels im Jahro 1934 allein in Französisch-Nordafrika, in Aegypten und Palästina nicht weniger als 3,360.000 Mark durch seine Agenten ausgegeben und verteilt hat. Im Herbst 1934 hat dieses Geld seine Früchte getragen. Es kam in der algerischen Stadt Konstantine zu einem Judenpogrom. Die Hitler-Zeitungen jubelten. Die Zeitung „La v o i x f r a n c, a i s e" berichtete, daß das Blatt der arabischen Nationalisten von Fez „La volonte du peuple" vom deutschen Propagandaministerium unterstützt werde. Als Verbindungsmann wurde ein Hauptmann Liegend genannt, der zur Zeit des Pogroms im Hause des deutscher. Konsuls von Tanger, Herrn von Wangenheim, wohnte. Als nationalsozialistischer Agent mit besonderen Aufträgen wurde ein deutscher Professor Bertelomen bezeichneet. * In England existiert eine Cecll-Rhodes- Stiftung, die Studenten aus England, U. S. A. und Deutschland unterstützt. Die deutschen Stipendiaten bilden einen Klub, der eine Hitlersche Propagandastelle ist. Sie haben in ihrem Klub eine Liste von Hitler- Gegnern angeschlagen und darunter den Satz geschrieben: „Trefft ihr einen von diesen, so schlagt ihn tot. Ist es aber ein Jude, so zerbrecht ihm jeden Knochen einzeln!" Ein Hauptzentrum der Nazi-Propaganda im englischen Weltreich liegt im Nahen Orient. Die arabischen Agitatoren, die im Nahen Orient arbeiten, sind zum Teil in besonderer Schule vom Braunen Haus in München ausgebildet worder 193-1 haben die Nazis in Palästina eine arabische nationalsozialistische Partei gebildet, die von Deutschland aus materiell unterstützt wird. Arabische Broschüren und Flugblätter, die in Palästina zur Verteilung kommen, sind in Berlin und in Hamburg gedruckt. Die deutschen Schiffe bringen Riesenladungen antisemitischer Broschüren ins Land. * Ein besonderes Kapitel in dem Buch ist auch der antisemitischen Wühlarbeit der Nazi-Agenten in Holland und Belgien gewidmet. Die „Antijüdische Liga" in Antwerpen hat 600.000 belg. Fr. zur Besoldung von etwa 100 Agenten ausgegeben. In der Schweiz arbeitet der Antisemitismus mit den gleichen Argumenten wie in Hitler-Deutschland. Die Nazis haben ihr antisemitisches Literaturzentrum in Basel bei der Buchhandlung Buser am Spalenberg. Die Propaganda des Nationalsozialismus in der Tschechoslowakei wird von Dresden au3 geleitet, wo auch die Zentrale der österreichischen Nationalsozialisten sitzt. Der Antisemitismus ist ein Hauptpropagandamittel dieser Zentrale. In Amerika wird der Antisemitismus von den Nazis mit besonderer Schärfe propagiert. Eine ganze Reihe von nationalsozialistischen Agenten beeinflussen und unterstützen die antisemitischen Organisationen in Amerika. Da sind die „Siiver Shirts" und die Geheimbünde „Order o f 7 6" und „Erwachende Amerikaner" mit dem Losungswort „Kill the nearest Jew" (Tötet den nächstbesten Juden). Als Mittelsmann zum Dritten Reich und als Ueberbringer von Propagandamaterial dient Günther O r g e 11 mit seinen Mitarbeitern Frank Mutschinsky, Karl Brunkhorst und Paul Band». Da ist die „American Vigilant Intelligence Federation" (A. V. I. F.), die ihre Mitglieder nicht mit Namen, sondern als echter terroristischer Verschwörerklub mit Nummern führt. Ihr Leiter ist Harry A. Jung. Der Untersuchungsausschuß des amerikanischen Parlaments hat festgestellt, daß „Jung ein bewußter Agent des Dritten Reiches" ist. Das Buch gibt auch Aufschlüsse über die Arbeit der Nazis in allen übrigen Ländern der Welt und schließt mit einer Darstellung der Entführung von Berthold Jacob aus der Schweiz nach Deutschland mit Hilfe des Agenten Dr. Hans Wesemann. Die Fußballmeisterschaft hat begonnen Rapid — Hakoah 110 In der ersten Runde der neuen Spielzeit traf H ak o a h auf die Meistermannschaft Ra p i d, der sie nur ganz knapp unterlag. Der Spielverlauf war ungemein interessant und Hakoah konnte, mit Ausnahme der letzten 20 Minuten, das Spiel stets offenhalten, ja, sogar eine leichte Ueberlegenheit bezeugen. Hakoah präsentierte sich in wenig veränderter Aufstellung. Die Hintermannschaft hat durch das Reengagement L ö w y s an Schlagkraft gewonnen. Der weitaus beste Spieler auf dem Feld war Donnenfeld. In der Halvesreihe vertrat bis auf die letzten Minuten Schindler als Ersatzmann Stroß mit viel Erfolg. Der Angriff litt sehr an der Unzulänglichkeit des Ersatzmittelstürmers Schiffmann, der den verletzten Ehrlich vertreten mußte. Trotz der Niederlage ist der Start der Hakoah als Erfolg anzusehen. Hukoah, die mit zwei Ersatzleuten antreten mußte, spielte vor 8000 Zuschauern im Stadion mit folgender Mannschaft: Löwy; Weiß, Donnenfeld; Schindler, Platschek, Breitfcld; Ehrlich I, Zwiebel, Schiffmann, Mausner, Reich. 4:3. Hasmonea-Makkabi unterlag gegen Shell Haus trau greift iu! Nur bis 7. September Vorhang-Abteilung: Vorhang-Batist, weiß mit farbigen Tupfen..... 3 0*49, 0*3#] Möbelu. Vorhang Kretonne, 70 cm breit........g o*Mj Madras-Vorhangstoff, indanthren gestreift, 155 cm . . . . 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